Was tun mit dem Geld? ‒ Investor returns are all about the timing

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Im Rahmen meiner kleinen Serie zum Thema Geldanlage habe ich darauf hingewiesen, dass Hin und Her Taschen leer macht. Genau darum geht es bei dem Versuch der Investoren, „den Markt zu timen“, also zum richtigen Zeitpunkt ein- bzw. auszusteigen. Problem ist jedoch, wenn man sich mit dem Timing vertut, führt dies nicht nur zu höheren Kosten, die nur die Bank freuen, sondern auch zu geringeren Erträgen. John Authers von der FT greift das Thema erneut auf:

  • Das Timing der Märkte ist schwer, besonders für Kleininvestoren. Deshalb realisieren diese geringere Erträge als die Fonds in denen sie investiert sind (diesen Punkt habe ich in meiner Serie bereits adressiert).
  • Dabei ist die Größenordnung der Underperformance der Kleininvestoren beeindruckend, wie die 21. Ausgabe der Quantitative Analysis of Investor Behavior des Analyseinstituts Dalbar zeigt.
  • Im letzten Jahr ist der S&P 500 um 13,69 Prozent gestiegen, der Durchschnittsinvestor in einem Aktienfonds machte dagegen nur 5,5 Prozent Gewinn. Bei Anleihen sah es nicht besser aus: Der Barclays Aggregate Index stieg 5,97, der Durchschnittsertrag eines Bondfondsinvestors lag bei 1,16 Prozent.
  • Über 30 Jahre sieht es nicht besser aus: Der S&P 500 stieg um 11,6 Prozent pro Jahr (deutlich über der Inflationsrate von 2,7 Prozent). Der Durchschnittsinvestor schaffte dagegen nur 3,79 Prozent.
  • Zum Teil liegt das an der Underperformance von aktiven Managern (ebenfalls in der kleinen Serie besprochen), was 0,3 Prozentpunkte ausmacht. Auch die Kosten und die unfreiwilligen Verkäufe aufgrund von Änderungen in der Lebenssituation spielen eine Rolle.

Der wesentliche Grund ist aber das schlechte Timing der Investoren. Am schlimmsten wirkt sich dies in Extremsituationen aus. Die schlimmsten Monate der letzten 30 Jahre begannen im Oktober 2008, als der S&P im Zuge der Lehman Pleite um 16,8 Prozent fiel. Die meisten Investoren verkauften jedoch und verpassten so die Rally am Monatsende, weshalb sie Verluste von 24,2 Prozent realisierten. Ähnlich war es beim Crash im Oktober 1987, während der Asienkrise im November 1997 und der Russlandkrise vom August 1998.

Immerhin ist die Underperformance in den letzten Jahren rückläufig gewesen. Zwischen 1998 und 2001 hinkten die Investoren dem Index immerhin zehn Prozentpunkte hinterher, in den letzten vier Jahren jeweils „nur noch“ fünf.

Ein Grund ist die gestiegene Haltedauer der Fonds auf nunmehr 3,4 Jahre, was natürlich immer noch viel zu kurz ist, nicht zuletzt wegen der hohen Ausgabekosten.

Durchhalten lohnt sich ‒ und das Ausblenden von Emotionen bei der Geldanlage.

FT (Anmeldung erforderlich): Investor returns are all about the timing, 22. April 2015

1 Antwort
  1. Stefan Ludwig says:

    Hm – da fällt mir Jacque Fresco ein. Während der großen Depression 1929-32 gingen viele Firmen Pleite.
    Die Arbeiter, die Maschinen alles war immer noch da aber sie durften nicht arbeiten und produzieren.
    Da fragt Jacque Fresco ganz frech „Wieso durften sie nicht mehr arbeiten?“

    Ich bin weiß Gott kein Linksextremer Fantast. Aber ich erlaube mir auch mal alle Scheren im Kopf wegzulassen und frei(er) zu denken.

    Ich finde das mittlerweile nicht mehr so abwegig. So etwas ähnliches machen wir doch schon.
    In Computern irgendwelche Zahlen vergrößern auf der einen Seite mehr Schulden und der anderen Seite mehr Guthaben. Und dann wird weitergebaggert, gebaut und produziert. Das könnte man doch auch ohne dieses Geldbrimborium haben.

    Da gibt es jetzt bestimmt eine Menge Einwände. Wenn man mal das Machtargument außen vor lässt,
    was gibt es sonst noch für Gründe, dass es ohne Geld nicht funktioniert?

    Wenn der große Druck zu noch mehr Effizienz weg wäre bedeutet das automatisch gleich das Gegenteil
    den zivilisatorischen Zerfall?

    Für eine wirkliche Lösung muss man auch die Machtfrage beantworten schon klar. Aber für ein Gedankenspiel kann man die Machtfrage auch einmal weglassen. Mal angenommen …..

    Antworten

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