Warum Spanien nicht aus der Krise findet

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Wir wissen, dass Spanien als Musterschüler für die gelungene Rettungsstrategie der Eurozonen-Politiker gilt. Wir wissen auch, dass diese Strategie scheitert und Spanien nur auf den ersten Blick so gut aussieht, wie es scheint – trotz guter Nachrichten auch von Lesern dieser Seiten, wie die Kommentare zeigen. Zur Erinnerung:

„Die Mär vom spanischen Wunder“

→ „Spain`s ‚beautiful deleveraging‘ shows Euro Area`s limitations“

→ „Spanish property advice from the plague“

Knapp zusammengefasst ist die Lage so: Fundamentale Probleme sind ungelöst, die Staatsschulden wachsen weiter deutlich, die Bevölkerung schrumpft. Weitere Fakten fasst der Telegraph zusammen:

  • Spanien ist die am schnellsten wachsende Wirtschaft der Eurozone – mit 3,2 in diesem und 2,5 Prozent im nächsten Jahr.
  • Die Brüsseler Erklärung ist: Sparen und Reformen haben diesen Erfolg ermöglicht.
  • Eine neue Studie zeigt jedoch, dass weder die Reformen noch das Sparen (so es überhaupt stattgefunden hat) die Ursache für das Wachstum sind. Stattdessen profitiert Spanien von temporären Einflüssen wie billigem Öl und schwachem Euro.
  • Die Exporte sind tatsächlich gestiegen (dank sinkender Kosten und schwächerem Euro). Allerdings entfallen rund 50 Prozent der Exporte auf einfache Güter wie Nahrungsmittel und Treibstoffe. Daran muss nichts falsch sein, es zeigt nur, dass es nicht an den Reformen liegt.
  • Würde die Produktivität steigen, so müsste sich das an einer Zunahme der Ausfuhren höherwertiger Waren zeigen. Ein solcher Export wäre auch robuster und nicht so abhängig von Wechselkursen und tiefen Löhnen.
  • Zugleich bleibt Spanien in der Deflation gefangen (bto: was in der Tat die Folge von Reformen und Lohnsenkungen sein dürfte), was dazu führt, dass das nominale BIP unter dem Niveau von vor sieben Jahren liegt! – bto: Problem – Schulden sind eine nominale Größe, die nur durch nominale Einkommen bedient werden können. Das hatten wir schon vor zwei Jahren an dieser Stelle erklärt.

Quelle: Center for European Reform

  • Deflation ist somit der Killer für jeden Schuldner, wie schon von Irving Fisher in den 1930er- Jahren beschrieben: „Despite firms, households and the government trying to save more and spend less, and banks shrinking their balance sheets, Spain’s overall debt level is higher than in 2008.“ Die spanischen Schulden (Staat und Private) sind die höchsten unter den großen europäischen Volkswirtschaften. – bto: Nur Irland und Portugal liegen höher.

Quelle: Center for European Reform

Die spanischen Erfolge sollen und dürfen nicht kleingeredet werden. Es bleibt aber die Erkenntnis, dass ein kleiner externer Schock genügt, um die Wirtschaft wieder in die Krise zu stürzen. Wie die Welt hat auch Spanien dann keine Munition mehr, um gegenzusteuern. Und im Dezember sind Wahlen.

→ The Telegraph: „Why there’s no easy way out of Spain’s insurmountable economic mess“, 20. Oktober 2015

4 Antworten
  1. Katalin says:

    Guten Tag,

    was hier noch fehlt;

    1. Spanien hatte vor allem private Schulden, die zu öffentlichen gemacht wurden um ausl. Gläubiger zu retten und das bei einem fast nicht existierendem Sozialstaat. ( gemssen an westeurop. Staandards )

    2. ES hatte auch vor der Krise nur B und C Produkte und den (Billig)Turismus anzubieten, d.h. konnte und kann nur funktionieren mit schwacher Währung, insbesondere wenn mann den Aufstieg Asiens berücksichtigt, das auch mit ähnlichen Produkten auf den Weltmarkt als Konkurent auftritt.
    Das immer wieder geäußerte Argumment, ES ist selber Schuld, sie hättten nur konsumiert und nicht investiert kann man nicht gelten lassen, da es gemäß den EU Verträgen ( die im wesentlichem insb. seitens DE und FR den anderen EU Staaten diktiert wurden ) verboten ist, einzelne Unternehmen oder Branchen gezielt zu fördern/abschotten/subventieniern. Ohne diese Art der Wirtschaftspolitik ( und somit ohne Spekulatives kurzf. zur Verfügung gestelltes ausländisches Kapital ) ist es aber unmöglich, wettbewerbsfähige/konkurenzfähige Unternehmen aufzubauen die auf den Weltmärkten bestehen können wie die Geschichte zeigt, BRD in den frühern 1920-ern, und z.Teil nach dem 2. Weltkrieg, Japan nach dem 2. Weltkrieg, Südkorea ab den 1970-ern, China seit 1990. Falls es doch geht, bitte nennen Sie mir Beispiele.

    Diese Art von Protektionismus wird von den großen Staaten immer noch praktiziert, bsp. BRD und FRA, d.h. erstmal werden nationale Großunternehmen aufgebaut durch fördern/abschotten/subventieniern und dannach die Liberaliserung auf der Welt durchgesetzt, bevor es ineternational noch keine Konkurenz gibt. Mann braucht sich nur den DAX anzuschauen; DT. POST, Telekomm, VW, EON, EADS usw. Wollen die Kommentatoren hier wirklich behaupten es handelt es sich hier um am freien Märkten im fairem Wettbewerb entstandene Unternehmen.

    3. Bevor wieder Argumente mit den Banken und Geldschöpfung kommen, möchte ich die Kommentatoren folgendes Fragen;

    a. Warum es zu dem Boom erst nach der Einführung des Euros kann und warum nicht früher.
    könnte es nicht daran liegen, dass erst mit der die BRD und FR Investoren EZB sich sicher sein könnte, dass Ihr Kapital nicht entwertet warden würde, wenn es zur Krise kommt. ( Von wegen EZB ist keine Filiale der Bundesbank, warum hat sie den ihren Sitz nicht in Madrid oder Mailand, sondern in FFM )

    b. Glauben die Kommentatoren hier wirklich, dass es die freien Märkte. Die gibt es weder national noch international, ( das Wort freie Martkwirtschaft ist ein Witz ), sondern es gibt durch gekaufte Politiker geschaffene Oligopole die das Einkommen und Vermögen so einseitig verteilen, dass nicht für sofort Konsum gebraucht wird, und irgendwo angelegt werden muß, damit es nicht wertlos wird.

    Das ist die wahre Ursache der jetztigen Krise. Kein wunder, dass die Verschuldung erst seit der Deregulierung der 1980-er Jahre expoldiert ist. Das wissen auch alle, selbst in den USA ist die Einkommens und Vermögensverteilung ein großes Thema. Nur in der BRD wird versucht es auf Banken und Geldsystem zu schieben. Und das gelingt auch zeimlich gut mit Hilfe der oben gennanten Gründe, hier paar weitere Bsp.;
    a. Schröder = brauche Glotze und Bildzeitung zum regieren
    b. Presse = die ganze Presse ( Meinungsmacher ) befindet sich im Besitz von wenigen Großfamilien ca. 20- 30 Leuten die jederzeit in der Lage sind, die Deutungshochheit über jedes Thema durchzusetzen.

    Denn wen man die wahren Gründe als die Kriesenursache nennen würde, würde das für diese Leute bedeuten, dass sie sich an der Lösung der Krise finanziell beteiligen müssten.

    Gruß

    Katalin

    Antworten

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