Warum die Eurokrise kein Ende findet

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Madame Lagarde warnt erneut vor den Folgen tiefer Inflation: „‚Eine hartnäckig niedrige Inflation kann dem Wachstum schwer schaden‘, sagte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Freitag in Paris. Auch trage sie dazu bei, dass die Schuldenlast noch schwerer wiege. Lagarde rief die Europäische Zentralbank (EZB) dazu auf, ihre großzügige Geldpolitik fortzusetzen“,  so berichtet SPIEGEL ONLINE. Klar, je geringer das nominale Wachstum, desto untragbarer die Schuldenlast. Schon so oft hier angesprochen, dass ich mir den Link spare.

SPIEGEL ONLINE: IWF-Chefin Lagarde warnt vor „hartnäckig niedriger“ Inflation, 18. Juli 2014

Stattdessen lieber ein herausragender Beitrag von Markus Diem Meier zur Schuldenfalle in den Krisenländern:

  • „Die relative Lageberuhigung verdankt sich nur einer einzigen Institution: Der Europäischen Zentralbank (EZB). Anfänglich hat sie mit ihrem Versprechen, im Notfall und gegen Bedingungen  unbeschränkt Staatsanleihen gefährdeter Länder aufzukaufen (OMT-Programm), die Risikoaufschläge auf deren Staatsanleihen deutlich sinken lassen.“
  • „Für eine echte Stabilisierung kann sie alleine nicht sorgen. Das wissen ihre Verantwortlichen und das betonen sie zu Recht bei jeder Gelegenheit. Das Bild macht aber auch klar, dass sich die EZB in der gegenwärtigen Lage nicht aus ihrer lockeren Geldpolitik verabschieden darf – sie kann den seidenen Faden nicht auch noch loslassen. Das geht erst, wenn realistische Lösungen vorliegen.“
  • „Die Verschuldungsquote der Staaten als auch jene der Privaten (hat) gemessen am Bruttoinlandprodukt seit der Finanzkrise weiter zugenommen.“
  • Dann folgt am Beispiel Spaniens eine Einführung in die Dynamik von Schuldenfallen – unbedingt lesen! –,  die zeigt, dass bei geringem Nominalwachstum (siehe Frau Lagarde) kein Entkommen aus der Überschuldung durch Wachstum denkbar ist. „Die gefallenen Zinssätze in Spanien haben zur Stabilisierung der Verschuldungslage bei weitem nicht ausgereicht, weil das Wachstum noch viel tiefer geblieben ist.“
  • „Das Land wird gemäß IWF angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Schwäche zwar ein tieferes Primärdefizit von 2,8 Prozent ausweisen. Zusammen mit dem Umstand, dass der Zinssatz das Nominalwachstum aber um rund 1,8 Proznet übertrifft, müsste Spanien sogar 4,6 Prozent zusätzlich einsparen, um die Schulden zu stabilisieren.“
  • „Solche weiteren Sparmaßnahmen würden allerdings das Wachstum erneut bremsen, was angesichts der hohen Arbeitslosenquote von 25 Prozent und Jugendarbeitslosenquote von 54 Prozent alleine eine Katastrophe ist. Doch damit sinkt alleine auch die Schuldentragfähigkeit erneut.“
  • „Die einzige Lösung wären Schuldenerlasse. Die Politiker der Eurozone fassen das heute aus dem gleichen Grund nicht ins Auge, wie sie es anfänglich auch bei Griechenland nicht getan haben (und dann in diesem Fall bereits ein erstes Mal nachgeben mussten): Sie haben Angst davor, dass  ohnehin schon geschwächte Banken  kollabieren könnten. Das Herauszögern von Bereinigungen sowohl bei den Staatsschulden wie bei den Banken ist  mit ein Grund, weshalb weder die Konjunktur noch der Finanzsektor seit der Krise in Europa wieder nachhaltig gesunden können.“

Ein Beitrag den die Politiker gerade in Deutschland lesen sollten. Mehrmals.

Tages Anzeiger: Warum die Eurokrise kein Ende findet, 15. Juli 2014

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