Warnings from Japan for the eurozone

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In Ergänzung zu meiner kleinen Japan-Serie der heutige Kommentar von Martin Wolf in der FT. Nicht, dass er nun etwas völlig anderes erzählen würde, es passt aber in das allgemeine Bild. Man könnte meinen, dass mit diesen Mahnungen letztlich der Druck auf die EZB erhöht wird, nun endlich voll einzusteigen in QE. Offen bleibt dabei jedoch, ob es wirklich nutzt. Wolfs Argumentation geht so:

  • Die japanische Notenbank plant im Gegenwert von 16 Prozent des japanischen BIP pro Jahr Staatsanleihen zu kaufen (705 Milliarden USD).
  • Der staatliche Pensionsfonds wird jedoch deutlich den Anteil Anleihen reduzieren und im Gegenzug japanische und internationale Aktien kaufen. Indirekt finanziert damit die BoJ diesen Kauf von Aktien. – bto: Das finde ich spannend: Man vernichtet perspektivisch den Geldwert, legt aber zugleich öffentlich verwaltetes Sparvermögen in Sachwerten an.
  • Begründung: Es ist schwer, den „deflationary mindset“ zu durchbrechen. Die Leute glauben nicht an Inflation.
  • Wolf denkt nicht, dass diese Käufe einen direkten Effekt haben, dazu sind die Zinsen schon zu tief. Er macht aber eine interessante Beobachtung: „Geld ist demnach nichts anderes als ewig laufende, nie zu tilgende und zinsfreie Staatsschulden.“ Stimmt.
  • Nur über den „Signaleffekt“ können so Inflationserwartungen aufkommen, nicht über die Zinsen.
  • Dann kommt wieder der Hinweis, dass Japan nur deshalb so in der Krise steckt, weil vor Jahren die Konsumsteuer erhöht wurde. Besser wäre es, die Vermögen zu besteuern, statt den Konsum, da Japan zu viel Ersparnis und zu wenig Nachfrage hat. Seit 1990 hat der Privatsektor Überschüsse erwirtschaftet und der Staat im Gegenzug Schulden gemacht. Der Staat kann nur dann Überschüsse machen, wenn a) die Exportüberschüsse wachsen, b) die Unternehmen investieren und/oder c) die Haushalte mehr Geld von den Unternehmen bekommen und dieses ausgeben. Auf diese Systematik der Bilanzrezession habe ich mehrfach hingewiesen.
  • Eine Steuerreform sollte einbehaltene Gewinne stärker belasten und so einen Anreiz zum Ausgeben schaffen. Geldpolitik ist weitgehend wirkungslos in diesem Umfeld.
  • Wenn überhaupt kann Geldpolitik nur mit „Helikopter-Geld“ funktionieren. Dies würde zwar die wirtschaftlichen Ungleichgewichte nicht bereinigen, diese aber auf die effizienteste Weise finanzieren. Risiko: stark steigende Inflationserwartungen. – bto: Ich würde es dann immer noch lieber den Bürgern als dem Staat geben.
  • Schlussfolgerung Wolf: am besten gar nicht in diese Lage kommen. Die Eurozone sollte deshalb die internen Ungleichgewichte (er meint hier die deutschen Überschüsse, ohne es explizit zu sagen) direkt angehen und als EZB aggressiver handeln. Und er sagt, was auch ich immer sage: Der soziale Zusammenhalt in der Eurozone ist längst nicht so gut wie in Japan. Wir halten das nicht durch.

FT (Anmeldung erforderlich): Warnings from Japan for the eurozone, 4. November 2014

Doch ist es wirklich so schlecht um Japan bestellt? Dazu muss man immer daran denken, dass Japan im Zeitraum von 2001 bis 2013 betrachtet, ein höheres Pro-Kopf-Wirtschaftswachstum als die USA und GB erzielt hat. Was an die enormen Folgen der Demografie erinnert. Wie in Spanien, wo die Wirtschaft real wächst, nominal wegen der fallenden Preise jedoch schrumpft, gilt auch hier: Schulden sind eine nominale Größe. Sie müssen aus nominalem BIP bezahlt werden, nicht aus realem. Sobald die Erwerbsbevölkerung schrumpft – und das tut sie faktisch auch in Europa und China bereits – werden wir große Mühe haben, das nominale BIP wachsen zu lassen. Schlechte Nachrichten für die Gläubiger.

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