Ungleichheit, Immigration und Scheinheiligkeit

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Bekanntlich habe ich mich intensiv mit den Thesen von Thomas Piketty auseinandergesetzt. Dienstag habe ich meine Sicht im Rahmen einer Ringvorlesung an der Uni Ulm vorgestellt. Ein wichtiger Aspekt wird in der ganzen Verteilungsdiskussion immer wieder vernachlässigt. Es ist auch eine positive Folge der Globalisierung, dass die Einkommensverteilung in der westlichen Welt ungleicher geworden ist. Positiv? Ja, denn es passiert etwas Einfaches: Global aktive und wettbewerbsfähige Akteure profitieren finanziell von der Entwicklung. Jene, die nicht so wettbewerbsfähig sind, kommen hingegen durch die neuen Arbeitskräfte unter Druck. Entweder sie verzichten auf Gehalt oder aber sie haben die Arbeit gar nicht mehr. Natürlich gibt es hier politischen Korrekturbedarf. Aber wir dürfen dabei nicht vergessen, dass es Millionen von Menschen besser geht, weil sie steigende Einkommen und einen besseren Lebensstandard haben. Keneth Rogoff ist wahrlich nicht der Erste, der auf diesen Zusammenhang hinweist. Dennoch hier die Highlights:

  • „Viele Vordenker in den hoch entwickelten Volkswirtschaften vertreten eine Anspruchsmentalität, doch der Anspruch endet an der Grenze: Obwohl sie eine grössere Umverteilung innerhalb der jeweiligen Länder als absolute Notwendigkeit betrachten, bleiben die Bewohner der Schwellen- und Entwicklungsländer aussen vor.“ ‒ bto: richtig
  • „Man darf nicht vergessen, dass die Mittelschicht der reichen Länder selbst nach einer Phase der Stagnation aus globaler Sicht eine Oberschicht bleibt. Nur etwa 15% der Weltbevölkerung leben in entwickelten Ländern, doch entfallen auf diese Länder mehr als 40% des weltweiten Konsums und der weltweiten Ressourcenabschöpfung. “ ‒ bto: beeindruckende Zahlen. Das ist auch bei der „Armutsdebatte“ bei uns in Deutschland so.
  • „Thomas Pikettys marxistische Interpretation, dass der Kapitalismus dabei sei, zu scheitern, weil die landesinterne Ungleichheit zunimmt, zäumt das Pferd vom Schwanz her auf. Gewichtet man alle Bürger der Welt gleich, sieht die Sache ganz anders aus. Insbesondere haben dieselben Kräfte der Globalisierung, die in den reichen Ländern zu stagnierenden Löhnen in der Mittelschicht beigetragen haben, anderswo Hunderte Millionen von Menschen aus der Armut befreit.“ ‒ bto: exakt. Weil Arbeitsplätze abgewandert sind. Piketty zäumt die Pferde ohnehin von hinten auf, wie ich zeige. Er schaut nur auf Vermögen, nicht auf die Schulden.
  • „Viele Messgrössen zeigen, dass die weltweite Ungleichheit während der vergangenen drei Jahrzehnte deutlich abgenommen hat, was impliziert, dass der Kapitalismus spektakulär erfolgreich ist.“ ‒ bto: ja, aber. Denn der „Kapitalismus“ beruht auch auf immerwährender Zusatzverschuldung, was bekanntlich Krisen auslöst.

→ FINANZ und WIRTSCHAFT: Ungleichheit, Immigration und Scheinheiligkeit, 3. Juni 2015

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