The productivity puzzle

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Gestern habe ich von der Demografie gesprochen, die eine erhebliche Last für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung darstellt. Lösung? Eine erhebliche Steigerung der Produktivität pro Kopf, zum Beispiel durch vermehrten Einsatz von Robotern.

Doch wo steht die westliche Welt mit Blick auf die Entwicklung der Produktivität? Wie berichtet, ist die Produktivität im letzten Jahr weltweit gesunken. Gerade in Europa sehen wir seit Jahren eine rückläufige Produktivität. Experten wie Professor Robert Gordon erwarten auch für die Zukunft immer geringere Produktivitätszuwächse. Hier ein Beitrag aus der FT zum Thema. Kernaussagen:

  • In den letzten 120 Jahren ist das BIP pro Kopf („Output“) mit einer jährlichen Rate von zwei Prozent gewachsen.
  • Eine Fortsetzung ist fraglich. Experten – wie der bereits genannte Professor Gordon – erwarten nur noch ein Prozent pro Jahr in der Zukunft.
  • Auch die Fed geht von strukturell tieferen Wachstumsraten in Zukunft aus.
  • Optimisten wie Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee vom Massachusetts Institute of Technology erwarten hingegen eine von neuen Technologien getriebene Beschleunigung des Wachstums der Produktivität pro Kopf. Und in der Tat gibt es Beispiele wie Climate Corporation, die Farmern helfen, durch Optimierung jedes einzelnen Arbeitsschrittes den Ertrag um mindestens fünf Prozent zu steigern.
  • Damit wird die Frage der Entwicklung der Produktivität entscheidend für die US-Wirtschaft. Entscheidend für Wachstum, Zinsniveau und Schuldentragfähigkeit. Gleiches gilt für Europa.
  • Was die anderen Treiber des Wachstums betrifft, sind sich alle Beobachter einig: Aus Bevölkerungswachstum, Bildung und Investitionen ist nicht mehr viel zu erwarten.
  • Gerade bei den Themen Ausbildung und Fähigkeiten ist ein schlechter Trend unverkennbar (und nicht nur in den USA!!). Kostet die Demografie alleine rund 0,3 Prozent-Punkte Wachstum, kostet die schlechte Bildung weitere 0,2 Punkte.
  • Damit sind wir auf technologische Innovation angewiesen. Hier tobt der Streit zwischen Optimisten (Brynjolfsson) und Pessimisten (Gordon). Zwischen 1972 und 1996 verlangsamte sich das Produktivitätswachstum auf 1,4 Prozent, um im Zuge des Internetbooms wieder auf Werte von 2,5 Prozent bis 2004 zu steigen. Seither ging es wieder zurück auf nunmehr 1,3 Prozent. Kommt nun wieder eine Periode hoher Wachstumsraten oder eher eine anhaltende „säkulare“ Verlangsamung?
  • Die Optimisten verweisen auf Erfindungen wie Googles selbstfahrendes Auto. Sie sind damit aus meiner Sicht in der Tradition der Kondratieff-Zyklen, die ihre Ursache ebenfalls in Basisinnovationen haben. Letztere treiben dann einen fundamentalen Wandel der Wirtschaft voran, der die Wirtschaft gesamthaft voranbringt.
  • Die Pessimisten machen einen einfachen Punkt: Die Erfindungen der Vergangenheit waren viel fundamentaler als die heutigen. Fließendes Wasser zu Hause, der Verbrennungsmotor und die Glühbirne waren schlichtweg wichtiger als die heutigen Erfindungen. Deshalb kann die Wirkung heute auch nicht so groß sein.
  • Beide Lager machen dabei vielleicht einen Fehler: Sie versuchen zu schätzen, was noch alles erfunden werden könnte. Und beide können nicht die tatsächliche Entwicklung erklären. Gordon nicht den Zuwachs an Produktivität seit 1998, Brynjolfsson nicht den Rückgang seit 2004.
  • Besser wäre ein anderer Blick. Wichtiger könnte sein, wie viele Menschen in der Forschung arbeiten. Zwar wirkt auch hier der Rückgang der Bevölkerung, aber der Anteil der Forscher könnte gesteigert werden (wenn man denn die Bildung verbessern würde). Andererseits gibt es noch viel Forscher-Potential in den bevölkerungsstarken Ländern wie China und Indien. Davon würden auch die USA (und Europa) profitieren.

Ich denke auch, dass der Anteil der Forscher eine erhebliche Wirkung hat. Ich denke auch, dass wir noch lange nicht am Ende der Innovationen stehen. Aber: Es ist nicht egal, wo es stattfindet! Dort wo sie stattfindet, entsteht Wohlstand.

FT (Anmeldung erforderlich): US economy: The productivity puzzle, 29, Juni 2014

1 Antwort
  1. Dieter Krause says:

    Ja, die Roboter, Herr Stelter! Vielleicht schreiben die auch bald die besseren Blogs? – Ich glaube aber nicht, dass der wissenschaftliche Fortschritt mit solchen Verbesserungen wie in der Vergangenheit weitergehen wird. Es wird wohl eher zur Aufspaltung der Menschheit kommen: Oben die hochgebildeten Systemanalytiker, die sich dann ihre hominiden Haussklaven halten, die mit ihnen aber nicht mehr viel gemeinsam haben. Nur das Wort MENSCH! – Das die libertären Evolutionsbiologen solche Träume wirklich haben, hat mir einer schon mal schriftlich bestätigt.

    Text-Algorithmus Software schreibt 10.000 Wikipedia-Artikel am Tag

    Ist das schon Roboter-Journalismus? Der Algorithmus eines Schweden erstellt automatisch zigtausende Wikipedia-Artikel. Das gefällt nicht jedem.

    Sverker Johansson ist ein vielbeschäftigter Mann. Der Schwede, der nicht nur Abschlüsse als Bauingenieur, in Sprachwissenschaften, Ökonomie und Teilchenphysik besitzt, ist zudem einer der fleißigsten Wikipedia-Autoren.

    Seitdem der 52-Jährige vor sieben Jahren damit begonnen hat, für die Online-Enzyklopädie zu schreiben, sind 2,7 Millionen Artikel zusammengekommen. Die bearbeiteten Themenfelder reichen von Fliegen und Käfern bis zu philippinischen Städten, wie das „Wall Street Journal“ (WSJ) berichtet. Johansson schreibt in drei Sprachen: Schwedisch und zwei Versionen des Philippinischen, von denen eine die Muttersprache seiner Ehefrau ist.

    Die Ehrfurcht vor einem so dermaßen fruchtbaren Autor lässt indes ein wenig nach, wenn klar wird, dass Johansson seine Riesenarbeit nicht ohne Hilfe bewerkstelligt hat. Den Hauptteil habe nicht er persönlich verfasst, sondern ein zu diesem Zweck programmierter Bot, berichtet das „WSJ“.

    Der elektronische Helfer durchforste Datenbanken und jede sonstige verfügbare digitale Informationsquelle und verarbeite das gewonnene Material dann zu kurzen Artikeln. An guten Tagen schaffe Johanssons Lsjbot auf diese Weise bis zu 10.000 Einträge.

    Diese computergestützte Aktivität wird von manchen durchaus kritisch beurteilt. Sie finden, derartige Bots würden die Kreativität verdrängen, die nur Menschen besäßen. Es gebe in der Tat eine laute Minderheit, die seine Arbeit ablehne, so der Schwede.

    Er selbst verweist darauf, wie rudimentär seine Artikel sind, und dass sie für weiter- und tiefergehende Einträge erstens eine erste Basis bilden und zweitens der thematischen Vielfalt nutzen könnten. Derzeit werde die Mehrzahl der Wikipedia-Einträge von weißen, männlichen Nerds verfasst.

    Ohnehin werkeln in der Wikipedia bereits diverse Bots, kümmern sich um Routineaufgaben und spüren Vandalismus auf. Eine eigene Arbeitsgruppe, die „Bot Approvals Group“, wacht über die Algorithmen und die Einhaltung der „Bot Policy“.

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