The German Problem

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Ein Leser hat mich auf diesen zuerst in der spanischen Zeitung EL PAÍS erschienenen Beitrag aufmerksam gemacht. Er passt inhaltlich gut zu meinem Kommentar, wonach wir Deutschen eigentlich die wahren Verlierer des Euros sind. Dieser hatte mir einige Kritik eingebracht, allerdings von Leuten mit schwachen (Daten-) Argumenten. Hier nun vom Peterson Institute for International Economics eine Analyse der deutschen Situation. Highlights:

  • Mit einem Handelsüberschuss von sieben Prozent vom BIP, einer restriktiven Haushaltspolitik, geringen Investitionen in die Infrastruktur macht Deutschland den Eindruck, in einem Paralleluniversum zu leben.
  • Die deutsche Regierung sieht Handelsüberschüsse als ein Zeichen der Stärke und will nichts ändern. Die deutschen Medien sind noch viel radikaler in dieser Meinung. Deshalb hat die Bevölkerung keinen Grund daran zu zweifeln. ‒ bto: Wie ich gezeigt habe, hätte die Bevölkerung allen Grund sauer zu sein!
  • Das könnte aber auch daran liegen, dass Deutschland vor einem massiven demografischen Problem steht. Die Bevölkerung wird bis 2060 um 20 Prozent schrumpfen. Dabei steigt der Anteil jener, die über 65 Jahre sind von 20 auf über 35 Prozent. Folge: Die Wirtschaft wird nicht mehr wachsen (eher schrumpfen). Deshalb macht es Sinn für diese Zeit zu sparen.
  • Die Politik dient aber nur den schon bald alten und nicht den Jungen. Man könnte natürlich die Zuwanderung erhöhen und die Produktivität pro Kopf steigern. ‒ bto: Sehe ich auch so und fordere ich auch immer wieder. Es ist aber unwahrscheinlich, dass wir es konsequent genug verfolgen. Siehe die kritische Diskussion zur Automatisierung, die gerade bei uns ein Segen wäre!
  • Die Produktivität ist gesunken: von 1,6 Prozent Zuwachs p. a. zwischen 1995 und 2005 auf nur noch 0,5 Prozent in 2012 und null in 2014. bto: Wie ich immer schreibe: billiger, nicht besser!
  • Das Wachstumswunder ist ein Beschäftigungswunder im Bereich der Niedriglöhne, die vor allem Jobs mit geringer Produktivität sind.
  • Statt Lohnzurückhaltung und Sparen sollte Deutschland in die Steigerung der Produktivität investieren. Dies erfordert Reformen und produktive Investitionen, was naturgemäß politisch schwer durchzusetzen ist. Viele Ansatzpunkte: Liberalisierung im Dienstleistungssektor, Reform des Sparkassensektors, Wende der Energiewende. Und vor allem Investitionen in die verfallende Infrastruktur. Immerhin 40 Prozent der Brücken sind in einem „kritischen Zustand“.
  • Angesichts von Zinsen von 0,35 Prozent für 10-jährige Staatsanleihen sollte Deutschland investieren, um das langfristige Wachstum zu stärken. Der IWF schätzt, dass ein Programm in Höhe von 0,5 Prozent vom BIP für vier Jahre das BIP nachhaltig um 0,75 Prozent erhöhen würde.

Ein solches Programm würde nicht nur Deutschland nutzen, sondern der Weltwirtschaft. Ein Win-win also.

Peterson Institute: The German Problem, 8. März 2015

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