The eurozone’s economic crisis is far from over

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Letzte Woche habe ich trotz des absehbaren Konjunkturfrühlings auf die großen Probleme in Europa verwiesen, die immer weiter anwachsen. Roger Bootle von CAPITAL ECONOMICS fasst die Lage nochmals eindrücklich zusammen. Er ist immerhin der Gewinner des Wolffson Preises, der für die beste Idee, wie man die Eurozone wieder auflösen könnte, ausgelobt wurde. Seine Sicht:

  • Die Kapitalmärkte boomen. Doch das sollte nicht über die Probleme hinwegtäuschen. Denn die Märkte sind bekanntlich gut, wenn es darum geht, konkrete und zeitnahe Ereignisse zu bewerten. Geht es um unsichere und weiter in der Zukunft liegende Dinge, versagen sie jedoch zumeist. So waren die Märkte auch 2012 guter Stimmung, kurz bevor die Existenzkrise des Euros einsetze.
  • Von Anfang 2008 bis ins dritte Quartal 2014 wuchs die Wirtschaft in den USA um 8,4 Prozent, in England um 3,4, in Kanada um 11,2 und die Weltwirtschaft um 17,3 Prozent.
  • In dieser Zeit schrumpfte die Eurozone um 2,2 Prozent, während Deutschland um 3 Prozent gewachsen ist und Frankreich um 1,5 Prozent. Spanien (minus 6,4), Portugal (minus 7,3), Italien (minus 9,5) und Griechenland (minus 26) schrumpften derweil dramatisch.
  • Andere Länder in Europa wie die Schweiz (um 6 Prozent) und Norwegen (um 8 Prozent) wuchsen hingegen, wie auch China mit immerhin 70 Prozent. ‒ bto: von einem einmaligen Kreditboom getragen, wie wir wissen.
  • Nur noch zur Ergänzung: Indien (plus 32), Hongkong (plus 20), Korea (plus 22), Malaysia (plus 36), Singapure (plus 29) und Taiwan (plus 20).
  • Frankreich hat sich früher ähnlich wie Deutschland entwickelt, fällt jedoch seit den Arbeitsmarktreformen in Deutschland immer mehr zurück. Heute ähnelt es in vielerlei Hinsicht den Krisenländern der Peripherie.
  • In Spanien, Portugal und auch Griechenland wirken die Reformen. Fallende Preise und Lohnkürzungen haben die Wettbewerbsfähigkeit erhöht. Doch sind diese Verbesserungen nicht so beeindruckend, wie man auf den ersten Blick denkt. Zwar gibt es etwas mehr Exporte, der größte Teil der Verbesserung ist jedoch auf sinkende Importe wegen der kollabierenden Wirtschaft zurückzuführen.
  • Obwohl die Wirtschaft sich stabilisiert hat, steigt in den genannten Ländern die Verschuldung relativ zum BIP weiter an. ‒ bto: mein immer wiederholter Hauptkritikpunkt!
  • Italien leidet auch an ständig weiter steigender Verschuldung, ohne aber die Wettbewerbsfähigkeit in irgendeiner Weise verbessert zu haben. Deshalb legen die Exporte auch nicht zu. Reformen sind nicht zu erwarten und die Opposition ist fast geschlossen für einen Austritt aus dem Euro.
  • Deutschland hingegen bleibt bei der Politik der hohen Ersparnisse und der damit verbundenen Handelsüberschüsse. Diese werden nicht mehr innerhalb der Eurozone aufgefangen, sondern auf der Welt. Die Eurozone hat nun einen der größten Handelsüberschüsse der Welt. ‒ bto: Fragt sich, wie lange der Rest der Welt dies akzeptiert.
  • So häufen sich die Vergleiche mit der japanischen Krise, der „lost decade“. Bootle dazu: Zunächst waren es zwei Jahrzehnte und nicht nur eins und zum anderen nicht lost. Japan liegt immerhin zehn Prozent über dem Stand von 2008. Die Eurozone könnte sich glücklich schätzen, so gut zu sein!
  • Beiden Regionen gemeinsam ist die Tendenz zur Deflation, die die Schulden endgültig unbedienbar machen würde. ‒ bto: Sind sie ohnehin schon …

Fazit: Europa ist schlechter dran als Japan, hat mehr Probleme und ‒ so meine Sicht ‒ uns stehen erhebliche politische Krisen bevor.

In Spain, Portugal and Greece, on some measures there has been a quite impressive recovery in competitiveness – thanks to domestic deflation, including wage cuts. In fact, this improvement seems more impressive than it really is.

The Telegraph: The eurozone’s economic crisis is far from over, 12. April 2015

3 Antworten
  1. Ondoron says:

    Die Analyse zeigt deutlich, daß der Euro für Deutschland nicht taugt – er ist zu weich. Wenn Deutschland ein harte Währung hätte, wäre der Exportüberschuß sicherlich deutlich geringer. Und der Wohlstand einer aufwertenden Währung käme den hier arbeitenden Menschen als Sozialdividende zugute.
    Politisch gewollt ist aber eine große Transferunion, die unweigerlich in eine totalitäre EUSSR mündete. Es gibt schon genügend Gesetzesvorhaben, die genau diese Entwicklung aufzeigen.
    Die EU ist das Problem, der Euro und das „politicial engineering“ darum Hybris. Kein Wunder, wenn dieses „politische Projekt“ kollabieren wird. Bei der Gelegenheit ist es überhaus erhellend darauf hinzuweisen, daß der Sozialismus im früheren Ostblock auch ein „politisches Projekt“ war.
    Jeder, der nicht völlig verschwurbelt ist, kann sich selbst seine Gedanken machen. Und niemand soll mir kommen, ohne Euro gäbe es Krieg. Würde Deutschland also ohne Euro Polen überfallen? Das ist die Logik hinter solchen Äußerungen. Schwachsinnig! Wenn es doch zu Krieg käme, dann nicht von Deutschland initiiert; und das wäre dann der Beweis dafür, daß die getrommelten Narrative in der Geschichtsschreibung völlig willkürlich sind.
    Ich glaube nichts mehr! Gar nichts!

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