„The Bearable Lightness of Debt – Or, How I Learned To Stop Worrying And Love Low Interest Rates“

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Bekanntlich liege ich schon seit Jahren falsch mit meinen negativen Aussichten. Die Schulden steigen zwar weiter und weiter, es passiert aber nichts. Nicht wenige meiner Ex-Kollegen machen daran fest, dass die Grundthese, wonach wir auf ein ökonomisches Desaster zulaufen, völlig falsch ist. Japan zeigt doch, dass es sich mit Schulden sehr gut leben lässt. Noch mehr Schulden sind doch kein Problem und wenn überhaupt, brauchen wir mehr und nicht weniger davon.

Damit bin ich nicht alleine, wie dieser Beitrag von FT Alphaville zeigt: „Wieso ich aufgehört habe mir Sorgen zu machen“ ist ein passender Titel. Na klar, wenn Schulden nichts mehr kosten, kann man auch unendlich viele machen!

Die Argumentation und die Fakten sind eindeutig:

  • „(…) the rise in global debt-to-GDP from 210 per cent before Lehman Brothers went bust to over 240 per cent is unfortunate and naturally unnerving (here’s the seminal McKinsey ‚Debt and (not much) deleveraging‘ report on that).“
  • „But an interesting new report by JPMorgan makes an important counter-point: Even putting aside some of the conceptual issues around debt, low interest rates and the insatiable demand for bonds from ageing populations means the ease of servicing these debts has improved sharply.“ – bto: klar.
  • Zitat JP Morgan: „Government and corporate issuers are taking advantage of strong investor demand to extend the maturity of their debt. By doing so, issuers manage to improve the sustainability of their debt, creating a virtuous circle: as coupons decline and debt maturities are extended, debt issuers are reducing debt servicing costs and creating even more demand for their debt as debt sustainability improves.““
  • Das leuchtet natürlich ein (ist ein einfaches mathematisches Ergebnis) und zeigt sich dann so:

Quelle: Financial Times

  • Nachdem jetzt immer mehr Schulden mit Negativzins versehen sind, kehrt sich die Logik sogar um, könnte man meinen: Je mehr Schulden man hat, desto weniger muss man bezahlen, bis wir am Ende mit Schulden Geld verdienen – logisch oder? So JPM: „The explanation is quite simple. Central banks have cut interest on average once every three days since September 2008, and have more recently pushed past zero into negative interest rate territory. Combined by roaring appetite for fixed income from savers and other risk-averse investors, bond yields have collapsed. There is now about $10tn of negative-yielding debt out there, which is pushing investors down into junkier or longer-dated bonds.“
  • Deshalb fallen die Kosten der Bedienung von Schulden, während die Schulden wachsen!

Quelle: Financial Times

  • So lässt es sich gut leben mit hohen Schulden: „(…) in Japan – a posterchild for the debt doomsayers – the debt servicing cost is among the lowest in the developed world, at just 2 per cent. So while savers might bemoan negative interest rates, at least it is a tremendous help to the government’s finances.“ – bto: Was wir dabei allerdings übersehen, ist die realwirtschaftliche Stagnation (nicht pro Kopf, wie wir wissen) in Japan verbunden mit der Frage, ob wir das hier politisch durchhalten, die Eiszeit eben.
  • Irgendwie glaubt man dann doch nicht so ganz an diese wundersame Lösung unserer Probleme: „Of course, all this doesn’t mean we should ignore the rise in global indebtedness. History has shown that debt is a central ingredient in almost every severe crisis, and if the global economy does begin to wilt again soon then there will be less scope for a lot of countries to combat that.“ – bto: Doch warum eigentlich nicht? Ich frage mich immer mehr, ob wir nicht wirklich immer weiter so machen können.

Indeed, some say the worldwide debt pile is the main reason why interest rates won’t rise globally for a very very long time.bto: und das zu Recht. Die Frage ist nur, können sich die Schuldner darauf verlassen?

FT Alphaville: „The Bearable Lightness of Debt – Or, How I Learned To Stop Worrying And Love Low Interest Rates“, 26. Mai 2016

3 Kommentare
  1. Lousytalker says:

    Irgendwie erinnert mich diese Tendenz in der subjektiven Wahrnehmung an die Kunst KRebse un dLangusten zu kochen.
    Setzt man diese in kochendes Wasser versuchen sie davon zu laufen, erhitzt man das Wasser aber langsam werden sie bei lebendigem Leibe gekocht und schmiecken dann sehr zart.
    Also: Crash=kochendes Wasser, Die „Eiszeit“ mit dem japanischen Stagflationsszenario = langsames Erhitzen….
    Ist es nicht schön warm um uns herum in dieser Wirtschaft?

    Antworten
  2. Katalin says:

    Hallo,

    „Bekanntlich liege ich schon seit Jahren falsch mit meinen negativen Aussichten. Die Schulden steigen zwar weiter und weiter, es passiert aber nichts“ – Ich weiß auch voran es liegt, nämlich an der „Zirkusthese.“

    Ich war mal als kleines Mädchen im Zirkus. Nun ist man als Kind frei, man ist eine wahre Demokratin und stellt Fragen ohne vorher zu überlegen. Ich bin nach der Show zum Dompteur und habe ihn gefragt; Haben Sie den keine Angst vom Löwen, Er ist viel größer und stärker als Sie. Seine Antwort lautet wie folgt: Ja das stimmt, aber da er in Gefangenschaft aufgewachsen ist, haben wir ihn so erzogen, dass er das nicht weiß und glaubt ich sei stärker und deshalb macht er was ich will. Ich habe ca. 20 Jahre gebraucht um zu verstehen was er damit meinte. Heute weiß ich es. Es hängt sehr eng mit der Frage, ob es einen freien Willen überhaupt gibt.
    Da wir alle in einem Zirkus aufgewachsen sind, in unserem Fall zugegeben einem ziemlich „tiergerechtem“ im Gegensatz zum z.B. zu Nordkorea z.B. sind wir freier aber in Wahrheit auch nicht komplett frei, sondern wurden wie der Löwe erzogen um an gewisse Sachen zu glauben.

    Wenn man dies weiß, kann man ihre Argumentation verstehen, aber Sie ist meiner Meinung nach nicht völlig richtig. Sie glauben anscheinend, dass wir in einer wirklichen Demokratie und freier Marktwirtschaft nach dem Motto ein Mensch eine Stimme leben und die akteuelle Vermögens und Einkommensergebnisse das Resultat freier Märkte sind. Ich sehe das komplett anders.
    Die heutigen Einkommens- und Vermögensverhältnisse sind das Ergebnis gesteuerter Demokratie und Märkte. Man braucht sich dafür nur den DAX und MDAX anschauen, viel der dort gelisteten Konzerne sind in der Hand von wenigen Famillien seit über 100 Jahren oder länger, wie VW, BMW, Continental usw. Sie wurden, nicht nur aber auch, durch die Abschottung, Subventinierung usw. groß. Man braucht sich nur die Bilanzen der DAX und MDAX usw. Unternehmen anzuschauen und die Geschichte der Familien in deren Besitz sie sich befinden.
    Das einzige Unternehmen das eine Ausnahme darstellt ist SAP.

    Was will ich hiermit sagen:
    Wenn man davon ausgeht, dass eine Wirtschaft im Grunde nur auf 2 Wegen wachsen kann,

    a. Bevölkerungswachstum
    b. Produktivitätswachstum

    und sich die Gehälter der DAX Vorstände und Vermögenssteigerungen der Oligopolfamillien ansieht und weiß das zusätzliche Kaufkraft nur durch Kreditgeldschöpfung entsteht, dann wird einem ganz schnell klar warum wir so eine hohe Verschuldung haben. Ohne diese Verschuldung könnten diese Leute nicht in so einem Luxus leben, da wir niemals hätten so hohe Profite generieren können. (Bei dem gegebenem Bevölkerungsschwund und Begrenzung der Produktivitätssteigerung durch die Gesetze der Natur)

    Schuldenreduzierung die Sie zu recht fordern ist illusorisch, da sie gleichbedeutend mit der Gewinnreduzierung der Konzerne mit der Folge niederigerer Gehälter der Konzernvorstände und Dividendenausschütungen an die Oligop. Famillien. Selbst das Musterland der Reformen ist in den letzten 15 Jahren nur durch die Verschuldung des Auslandes gewachsen, nur 1-2% Wie wäre das Wachstum ausgefallen hätte das Ausland auch reformiert und gespart.
    Der eigentliche Grund aber, warum die Schuldereduzierung illusorisch, sondern höchstens nur eine Schuldenumstrukturierung möglich ist, ist folgender: Reduzierung der Schulden und damit der Vermögen und letzendlich auch Wachstumsraten führt automatisch zu Sozialabbau bei denen die ohnehin nichts haben und damit in Demokratien zu linken Regierungen, mit der Folge der Steuererhöhungen für die Reichen. Dies gilt es aber auf alle Fälle zu verhindern, den wie wir alle wissen, der Steuervermeidungstrieb kommt an zweiter Stelle sofort nach dem Sexualtrieb, bei machen sogar an der esten, hängt eventuell von dem Alter ab.

    Gruß

    Antworten
    • mg says:

      Liebe Katalin, man könnte auch von einer Eigentümergesellschaft sprechen. Im Kontrast zur vorher bestehenden Feudalgesellschaft oder zur angeblich bestehenden und viel zitierten Leistungsgesellschaft. Währungen waren noch nie eine gute Anlage, man kommt um Diversifizierung nicht herum, soweit man denn was zum Anlegen hat. Der Zirkusvergleich hat einen gewissen Charme. Grüsse
      mg

      Antworten

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