Stresstest-Ergebnisse – ein Theaterstück für die Provinzbühne

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Nun liegen sie also offiziell vor, die Stresstest-Ergebnisse. Natürlich ist alles halb so schlimm. O. k., es sind mehr Banken durchgefallen als zunächst erwartet. (Signal: Wir waren sehr streng!) Die meisten davon haben aber schon gehandelt und Kapital erhöht. (Signal: Keine Panik, liebe Anleger, das Thema ist schon durch.) Natürlich hinken noch ein paar hinterher (Signal: Seht, so ist es doch noch glaubwürdiger.), aber die Banken sind ja so solide, dass wir ihnen ruhig neun Monate Zeit geben, die bestehende Lücke von nur 9,5 Milliarden Euro zu schließen. (Signal: a) kein Grund zur Panik, b) kleine Beträge) Alles super, wie man so schön sagt. Dabei wird gerne verschwiegen, dass wahre Problemszenarien wie eine europaweite Deflation, von der wir ja nicht mehr allzu weit entfernt sind, gleich gar nicht simuliert wurden. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Die EZB kann das ja verhindern. Wir wissen, dass das nicht stimmt.

Nur nebenbei wird erwähnt (F.A.Z.): „Beim Bilanzcheck (Asset Quality Reviews) zeigte sich, dass in den Bilanzen der Banken deutlich mehr faule Kredite schlummern als bislang angenommen – insgesamt 879 Milliarden Euro. Das sind 136 Milliarden Euro mehr als bislang angenommen.“ Zum Vergleich: „Durch den Stresstest zeigte sich nach Angaben der EZB, dass das Eigenkapital aller geprüften Banken zusammen im schlimmsten durchgespielten Fall – einem massiven Einbruch der Konjunktur – um 263 Milliarden Euro zurückgehen würde. Dies entspricht einem Rückgang der Eigenkapitalquote von 12,4 Prozent auf 8,3 Prozent.“ Das bedeutet, dass die faulen Kredite heute das Volumen des gesamten Eigenkapitals übersteigen. Aber sicherlich sind dafür schon Rückstellungen gebildet. Überhaupt finde ich es beeindruckend, dass angesichts von drei bis fünf Billionen fauler Schulden nur 879 Milliarden schon heute faul sind. Liegt natürlich auch daran, dass Staatsanleihen per Definition nicht faul werden können – so zumindest die Annahme der staatlichen Prüfer.

F.A.Z.: 13 Banken brauchen neues Kapital, 26. Oktober 2014

Natürlich berichtet auch die FT ausführlich über die Testergebnisse. Tenor wie bei der F.A.Z., aber mit dem Hinweis, dass die Banca d`Italia im Gegensatz zur EZB nur zwei und nicht vier Banken mit zusätzlichem Kapitalbedarf sieht. So bleiben wir in Europa fest auf dem japanischen Weg. Wer ernsthaft glaubt, die Probleme konzentrieren sich auf Griechenland, Portugal, Österreich und die Slowakei, dem ist nicht zu helfen. Ein Theaterstück für die Provinzbühne.

FT (Anmeldung erforderlich): Twenty-five banks fail European Central Bank health check, 26. Oktober 2014

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