Starker Franken – unser Glück / Schwacher Euro – ??

In meinem Beitrag zur Frage, ob der Euro uns mehr nutzt oder schadet, habe ich auf die heilsame Wirkung einer harten Währung verwiesen. Passend dazu dieser Kommentar aus der FINANZ und WIRTSCHAFT mit Blick auf die Schweiz. Lesen wir ihn doch mal aus deutscher Brille. Alles, was hierin über den starken Franken lobend gesagt wird, haben wir nicht mehr:

  • „Die Strategie der Nationalbank war aber nicht nur zwingend, klug und richtig. Vielmehr erhöht sie auch den Wohlstand in der Schweiz. Wichtig ist viererlei.“
  • „Erstens verbilligt die Aufwertung die Importe von Konsumgütern, Energieträgern und Vorprodukten massiv. Davon profitieren wir alle.“ ‒ bto: Dies fällt für uns weg: Benzin ist teurer als nötig, das Reisen nach Italien immer noch.
  • „Zweitens ist die Aufwertung für die Exportindustrie auf den ersten Blick natürlich nicht lustig. Tatsächlich aber hatte die Schweiz beim früher als viel zu hoch gescholtenen Kurs von 1.20 den weitaus höchsten Exportüberschuss pro Einwohner in Europa. Solche Überschüsse geben ganz automatisch Aufwertungsdruck auf die Währung. Die Exporteure sind also weniger Opfer als Mitverursacher der Aufwertung.“ ‒ bto: Gilt bei uns auch. Zudem legen wir das Geld anerkanntermaßen sehr schlecht an!
  • „Drittens ist die dauernde Aufwertung des Frankens ein wichtiger Motor unseres Wohlstands. Dank ihr wachsen die Unternehmen und Branchen mit wenig Produktivitätssteigerungs- und Zukunftspotenzial langsamer. Damit brauchen sie weniger der knappen Produktionsfaktoren Arbeit und Land, die so vermehrt den Unternehmen und Branchen mit grossem Potenzial zur Verfügung stehen. Der andauernde schnelle Umbau der Wirtschaftsstruktur hin zu besonders wettbewerbsfähigen Anbietern ist das, was die Schweiz reich gemacht hat.“ ‒ bto: bei uns hingegen eher billig als besser!
  • „Viertens sind dank der Frankenaufwertung unsere Vermögen insgesamt stark gewachsen. Natürlich trifft auf den ersten Blick das Gegenteil zu. Die meisten privaten und öffentlichen Anleger erlitten scheinbar grosse Verluste, weil ihre ausländischen Anlagen und der entsprechende Ertrag nun weniger wert sind. Tatsächlich aber sind nur die Werte gemessen in Franken gesunken. Weil aber gleichzeitig der Wert des Frankens gestiegen ist, ist der reale Gesamtwert massiv gestiegen.“ ‒ bto: Das ist auch der Effekt der größeren Kaufkraft im Ausland.

Fazit: „Natürlich ist das alles kompliziert, und ich verstehe alle, die durch die Komplexität der Zusammenhänge überfordert sind. Deshalb empfehle ich das Denken in einfachen Analogien: Wenn die Aufwertung des Frankens etwas Schlechtes wäre, müsste doch eine starke Abwertung etwas Gutes sein. Tatsächlich aber ist offensichtlich, dass es für Wirtschaft und Bevölkerung schrecklich ist, wenn der Wert der eigenen Währung verfällt. Abwertung macht die Menschen arm, Aufwertung macht uns reich.“

Der Euro notiert unter 1,05 US-Dollar und ist auf dem Weg zur Parität. Reich macht uns das nicht.

FINANZ und WIRTSCHAFT: Starker Franken – unser Glück, 6. März 2015

2 Kommentare
  1. Werner Haubrich sagte:

    Exzellente Analyse und notwendige Korrektur vulgärökonomischer Annahmen, wonach schwache Währungen die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Die EU-Südstaaten verfügten jahrzehntelange über schwache Währungen, eine wettbewerbsfähigere Wirtschaft ist dadurch nicht entstanden. UImgekehrt gibt es allerdings auch keinen Automatismus. Im Grunde bleibt es bei der Warnung vor staatsgesteuerten Wachstumsmodellen.

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  2. Christian Mueller sagte:

    Tut mir Leid, aber diese Argumente Eichenbergers kann man kaum Ernst nehmen: Durch die Aufgabe des Mindestkurses hat die SNB das wichtigste Instrument einer Zentralbank auf das Spiel gesetzt, das Vertrauen. Die Rechnung kam postwendend. Trotz Aufgabe des Mindestkurses nahm die Intensität der SNB-Interventionen am Devisenmark stark zu, nicht etwa ab, wie die SNB es explizit beabsichtigt hatte. Die SNB hat genau die Geister gerufen, die sie loswerden wollte, denn gegen eine unglaubwürdige Zentralbank ist gut spekulieren. Was Eichenberger tunlichst unterlässt (wie übrigens auch Baltensperger in der FuW) ist, zu überlegen, wie es ohne Aufhebung des Wechselkurses weitergegangen wäre. Dänemark und die Tschechische Republik haben es bewiesen: Eine Aufwertung lässt sich bei Glaubwürdigkeit mit geringen Interventionen verhindern. Im Falle der Tschechischen Nationalbank gelang sogar eine angekündigte (!) Aufhebung in geordneten Bahnen, was Eichenberger als unmöglich postuliert.
    Die Gründe für die Frankenstärke sind ohnehin nicht in der Schweiz zu suchen, sondern zuerst in der EU. Darum war es äusserst fragwürdig seitens der SNB, die eigene Glaubwürdigkeit herzugeben, denn diese alleine war fest in der eigenen Hand, während die Entwicklungen ennet der Grenze ausserhalb ihres Einflusses liegen: https://www.researchgate.net/publication/315812584_Target2_die_SNB_und_Mephistopheles

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