„Sorry to burst your bubble“

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Manchmal fragt man sich, wozu Studien gemacht werden. Vor allem bei Meldungen wie diesen. Es macht einen Unterschied, ob bei Blasen an den Finanzmärkten auf Kredit spekuliert wird oder nicht. Wenn auf Kredit spekuliert wird, ist der Einbruch nach dem Platzen der Blase größer, als wenn die Überbewertung mit wenig Schulden erfolgte. Als „Schulden-Guru“ kann mich das nur wundern. Es ist doch glasklar, warum das so ist:

  • Wenn Kredit im Spiel ist, geht es leichter nach oben
  • und schneller nach unten! Der Verkaufsdruck ist viel höher.
  • Verfallene Assetpreise bringen Schuldner unter Druck und diese müssen verkaufen und woanders Liquidität besorgen. Der Einbruch ist stärker, denn wer mit Eigenkapital finanziert, kann Preisdellen aussitzen.
  • Meine Regel: Solange die Preissteigerung des auf Kredit gekauften Wertes über den Finanzierungskosten liegt, ist alles o. k., sobald die Relation kippt, droht ein Crash.

Ich glaube übrigens, dass in allen Bubbles Kredit eine erhebliche Rolle spielt. Wenn – wie die Studien zeigen –, eine Blase wie die Techblase 1999/2000 mit nicht so vielen Schulden funktioniert hat, dann lag das an der Breite der Euphorie. Schulden waren aber sicherlich auch hier ein Treibmittel.

Der Economist berichtet von den zwei Studien:

  • In einem Paper für das  National Bureau of Economic Research analysieren Oscar Jorda, Moritz Schularick and Alan Taylor Immobilien und Aktienblasen über 140 Jahre. Am gefährlichsten sind demnach kreditfinanzierte Immobilienbooms und am harmlosesten eigenkapitalfinanzierte Aktienblasen. – bto: wie gesagt, eigentlich keine große Überraschung …
  • Dabei kommt noch hinzu, dass Aktienbesitz viel weniger verbreitet ist als Immobilienbesitz. – bto: Das zeigt aber vor allem die Wirkung von Kredit, die vor allem im Immobilienbereich eine Voraussetzung ist.
  • In einem Paper für das  Centre for Economic Policy Research betrachten Markus Brunnermeier und Isabel Schnabel 400 Jahre Finanzblasen. Tulpen, Land, Immobilien, Derivate oder Aktien. Immer hat hohe Verschuldung eine Rolle gespielt.
  • Der Economist sieht damit die Verantwortung bei den Zentralbanken. Gehen Spekulationsblasen mit neuen Schulden einher, müssen sie gegensteuern. In der idealen Welt würden sie Aktien auf einem vernünftigen Bewertungsniveau kaufen und bei Anzeichen der Überbewertung verkaufen.

Naja. Die Notenbanken sind sicherlich nicht kompetenter als andere Märkte zu bewerten. Der entscheidende Punkt ist der Kredit. Und damit sind wir bei der viel wichtigeren Frage der Organisation unseres Geldsystems. Dazu heute nachmittag mehr.

→ The Economist: „Sorry to burst your bubble“, 18. Juli 2015

1 Antwort
  1. Ulrich Köhler says:

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter,

    zu diesem Thema empfehle ich ergänzend das kleine, kurzweilige Buch „A Short History of Financial Euphoria“ von John Kenneth Galbraith.

    Er sieht drei Faktoren für eine Bubble:

    a) günstiges Kapital (hier schließt sich übrigens die vermeintliche Lücke in Ihrer Anmerkung „eine Blase wie die Techblase 1999/2000 mit nicht so vielen Schulden funktioniert hat“; geht man von 15-20% Eigenkapital-Verzinsung im Venture Capital aus, so waren diese auf dem Papier der Business Pläne 1999/2000 vorhanden, real stellte sich die Verzinsung bei den meisten Unternehmen nicht ein, sprich, das Eigenkapital wurde extrem günstig vergeben, im Endeffekt sogar günstiger als Kredit (grundsätzliche Verpflichtung zu Zins), weil es ja keinen Zwang zur Dividende gibt)
    b) eine Geschichte z.B. „new economy“ in 1999/2000 oder Südsee-Bubble im 18. Jahrhundert
    c) und dann ein selbstverstärkender, psychologischer Effekt im Sinne von „der Preis geht hoch, auch ich springe noch auf“ oder „wenn die anderen das machen, möchte man außen vor sein, also springt man auch noch auf den Trend“

    Dank für die zahlreichen Blog-Einträge und herzliche Grüße

    Ulrich Köhler

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