Schuldenkrise, die zweite

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Was ich schon seit Jahren predige: Wir haben es mit einer Überschuldung in Europa zu tun und zwar nicht nur von Staaten, sondern vor allem des Privatsektors. Dies zeigen meine Darstellungen in „Die Krise ist….“ mehr als deutlich. Diese Erkenntnis wird auch zunehmend breiter in den Medien aufgriffen. So in diesem Beitrag in der ZEIT: „Bisher waren vor allem Staatsschulden ein Problem. Weil Investoren Griechenland, Portugal und Irland keine neuen Kredite mehr geben wollten, mussten Hilfskredite verteilt, Sparprogramme aufgelegt und Leitzinsen gesenkt werden. Dass Länder pleitegehen und die Eurozone auseinanderbricht, konnte so verhindert werden. Ein Erfolg ist die Rettung der Währungsunion trotzdem nicht, dafür geht es vielen Euro-Staaten einfach zu schlecht. Und das könnte an den Schulden liegen – aber nicht an den staatlichen, sondern an den privaten.“
„Die Erkenntnis, dass private Schulden schlimme Wirtschaftskrisen auslösen können, ist nicht neu. Der Ökonom Moritz Schularick von der Universität Bonn veröffentlichte im vergangenen Herbst zusammen mit zwei Kollegen eine Studie, für die die Forscher 94 Krisen aus den vergangenen 140 Jahren analysiert haben. Die schlimmsten Einbrüche gab es immer dann, wenn Unternehmen und Haushalte hoch verschuldet waren, zeigt ihre Auswertung. ‚Große Finanzkrisen sind meistens die Folge eines sehr starken Kreditwachstums im privaten Sektor‘, sagt Schularick.“ Die Studie habe ich schon vor Monaten hier verlinkt.

Auch die Schlussfolgerung entspricht meinen Aussagen: „Die Nachfrage nach Krediten steigt erst wieder, wenn die Schuldenquote auf ein erträgliches Maß gefallen ist. Das wird in der Eurozone aber noch dauern, wie eine aktuelle Studie der Ratingagentur Standard & Poor’s zeigt. Wenn die Entschuldung in dem gleichen Tempo weitergeht wie bisher, sind die Schuldenquoten des Privatsektors in Portugal, Spanien, Griechenland und Irland auch 2020 noch sehr hoch. Auch die sonst übliche Standardantwort auf eine Privatschuldenkrise ist diesmal keine Option. In Japan steuerte in den 1990er Jahren der Staat mit Konjunkturpaketen gegen als die private Nachfrage einbrach, weil Unternehmen und Haushalte Schulden abbauen wollten. Das geht in der Eurozone nicht mehr, weil – und hier kommen wieder die Staatsschulden ins Spiel – vielen Regierungen dafür schlicht das Geld fehlt. Erst recht, wenn demnächst der schärfere Fiskalpakt gilt und viele Staaten noch mehr sparen müssen.“

DIE ZEIT erwähnt in diesem Zusammenhang auch den Begriff der „Balance Sheet Recession“, also einer Bilanzrezession. Dieser von Richard Koo geprägte Begriff erklärt, was in Überschuldungssituationen passiert. Die Schuldner müssen erst „ihre Bilanz“ reparieren, bevor sie wieder konsumieren und investieren können.

DIE ZEIT: Schuldenkrise, die zweite, 30. Juli 2014

Da passen folgende Meldungen gut ins Bild:

Spaniens Exportboom – so er denn einer war – ist schon wieder zu Ende. Das Handelsdefizit wuchs um 80 Prozent in den ersten fünf Monaten 2014, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Die Exporte gingen zurück, dafür stiegen die Exporte deutlich an. Ursache: Die Wirtschaft stabilisiert sich und die Spanier konsumieren wieder mehr. Das Problem dabei: Ein Handelsdefizit bedeutet immer auch ein Finanzierungsdefizit. Das Land leiht sich vom Ausland Geld. Damit sinken die Schulden aber nicht, sondern steigen weiter an. Ich freue mich mit den Spaniern für die Pause in der Krise. Ohne deutliches Exportwachstum wird es aber nicht gehen.

FT (Anmeldung erforderlich): Spain’s export-led recovery loses momentum as May data show fall, 21. Juli 2014

Frankreichs Industriesektor kollabiert ungebremst. Die Stimmung der Einkaufsmanager ist noch schlechter als in Griechenland! Spanien und Italien enttäuschen auch. Lediglich Deutschland, Holland und Österreich stehen etwas besser da. Es ist eben eine „Balance Sheet Recession“. Frankreich ist damit die Zeitbombe im Euroraum und Madame Le Pens Chancen steigen mit jedem Tag.

The Telegraph: Europe’s ’sick man‘ France dealt another blow as manufacturing contracts, 1. August 2014

Und dann noch die völlig ungelösten Probleme im Bankensektor. Wie der nachfolgende Beitrag via Zero Hedge treffend zusammenfasst. Die Staatsschulden wachsen weiter, der Privatsektor versucht Deleveraging, die Banken haben die Kapitalbasis nicht gestärkt und Warnungen der BIZ und anderer Fachleute werden ignoriert. Nun denn.

Zero Hedge: Alarm Bells Ringing: Behind The Smoke And Mirrors Of The European Banking System, 2. August 2014

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