Schon wieder Griechenland

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Vor einigen Tagen habe ich im Cicero einen Kommentar zur Rückkehr der Griechenlandkrise verfasst.

 → „Schauspiel der Illusionisten“

Daraufhin schickte mir Jens Bastian, der als Berater in Griechenland arbeitet, seinen Kommentar, der am 25. Februar in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist. Hier Auszüge und Anmerkungen:

Natürlich ist Griechenland insolvent

  • „Griechenland wird seit Mitte 2010 durch ein Quartett internationaler Kreditgeber vor der Insolvenz bewahrt. Inzwischen befindet sich Athen im dritten makroökonomischen Anpassungsprogramm (…). Ob Athen dieses ordnungsgemäß zu Ende bringen kann, ist zweifelhaft.“ – bto: Ich würde eher sagen, dass Griechenland von den Geldgebern in der Insolvenz gehalten wird, da eine Illiquidität und damit eine offene Insolvenz verhindert wird.
  • „Seit Herbst vorigen Jahres läuft die zweite Evaluierung des dritten Programms. (…) Nun drängt die Zeit, weil das hoch verschuldete Land im Juli Außenstände von mehr als sieben Milliarden Euro zu bedienen hat.“ – bto: Es könnte also illiquide werden und damit offen insolvent.
  • „Das Ziel der Euro-Gruppe der Finanzminister, das Griechenlandthema aus den Wahlkämpfen herauszuhalten, ist illusorisch.“ – bto: Sie werden es dennoch tun, ist ja nicht ihr eigenes Geld!

Gläubiger zerstritten

  • „Neu ist die besondere Qualität öffentlich ausgetragener Meinungsunterschiede aufseiten der Gläubiger. Kaum ein Tag vergeht, an dem der Internationale Währungsfonds (IWF) die Euro-Gruppe nicht darüber informiert, dass Griechenlands mittelfristige Verschuldungsdynamik nicht tragfähig sei (…). Implizit anerkennt der Fonds, dass die seit Jahren Griechenland vorgegebenen Ziele an ihre ökonomischen und sozialen Grenzen stoßen.“ – bto: Dabei hat der Internationale Währungsfonds entscheidende Mitschuld, weil er die eigenen Regeln nicht eingehalten hat.
  • Der Euro-Rettungsfonds ESM, die Europäische Kommission und die EZB als Gläubiger haben die alarmistische Analyse des IWF in Zweifel gezogen. Ebenso lehnen sie den IWF-Lösungsansatz zur griechischen Schuldensituation geschlossen ab.“ – bto: Sie haben ja bereits eine faktische Entschuldung vorgenommen über Laufzeiten und Zinsen. Es geht nur um die Illusion!

Die Gläubiger müssen Athen ein viertes Rettungsprogramm ersparen

  • „Aus finanzieller Sicht ist die Beteiligung des IWF am dritten Rettungsprogramm nicht mehr erforderlich. Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) in Luxemburg trägt heute den größten Anteil.“ – bto: wie nett.
  • „In der EZB wird neuerdings gewarnt (…) dass ein Mitglied der Euro-Zone, das über einen Austritt nachdenke, sämtliche Verbindlichkeiten im Verrechnungssystem „TARGET2“ begleichen müsste. Im Falle Griechenlands wären das mehr als 70 Milliarden Euro.“ – bto: Ich habe selten so gelacht! Das zeigt doch nur erneut, wie falsch die Politik der letzten Jahre gewesen ist.

Die EZB soll es richten

  • „Jetzt ist Schadensbegrenzung gefragt. Trotz ihres Streits müssen die Gläubiger Mittel und Wege finden, damit Athen kein viertes Rettungsprogramm braucht. Wenn Griechenland in diesem Jahr wieder in das Anleihekaufprogramm der EZB aufgenommen wird und Kapitalverkehrskontrollen abgeschafft werden, könnte das dazu beitragen, dieses Szenario zu verhindern.“ – bto: natürlich! Dann könnte die EZB als Insolvenzverschlepper mit unendlichem Budget die Kapitalflucht und damit den weiteren Aufbau der TARGET2-Forderungen der Bundesbank ermöglichen, siehe Italien. Das ändert nichts an der Insolvenz, erlaubt aber, das Spiel der Illusion fortzusetzen.

bto: Nur eines muss uns klar sein. Auch bei der „Rettung“ durch die EZB muss am Ende jemand bezahlen. Übrigens ist es nur konsequent wenn EZB „alles“ kauft. Portugal eher noch schlechter als Griechenland. Italien auf dem Weg. Das Endspiel kann nur der unbegrenzte Kauf von allem sein. 

 

24 Antworten
      • Philip Kohlbacher says:

        Es ist schon interessant, dass auf die die Frage, wer die „Kosten“ trägt, wenn die Zentralbank faul gewordene Assets (egal ob nun Staatsanleihen oder was auch immer) auf ihre Bilanz nimmt, doch meistens keine konkrete Antwort erfolgt.
        Asmussen beispielsweise antwortet hier: https://www.youtube.com/watch?v=hoq2kKZkkHo auf eine vergleichbare, sehr nüchterne Frage von Richard Werner zur Bankenrettung auch eher allgemein „philosophisch“ mit „there is no free lunch“ (1:49:15).

        Ich sehe beim besten Willen nicht, dass irgendjemand Verluste tragen müsste, wenn die Zentralbank griechische Staatsanleihen aufkauft (natürlich erleidet die Zentralbank selbst theoretisch einen Buchverlust, wenn sie diese zum Marktwert bewertet, aber wo soll hierbei das Problem liegen?). Inflationär wirkt dieser Vorgang auch ganz sicher nicht, da sich hierbei lediglich der Reservenbestand erhöht, nicht die volkswirtschaftlich wirksame Geldmenge (wie bei QE).

      • Daniel Stelter
        Daniel Stelter says:

        Es erlaubt aber weiterhin den Aufbau von Ungleichgewichten innerhalb der Eurozone, so die Kapitalflucht aus den Krisenländern, der sich dann in Target II niederschlägt. Das kann auch egal sein, solange wir es als Buchungsgröße betrachten. Doch was passiert mit dem Geld was zu uns flüchtet? Es treibt die Zinsen hier tiefer (erste Verlierer aber auch Gewinner, klar) und es treibt die Assetpreise wie z.B. Immobilien. Damit werden diese für die Normalbürger zu teuer. Ausserdem steigen danach die Mieten. Also ich kann schon Verlierer entdecken. Es ist halt eine Form der Umverteilung.

      • Philip Kohlbacher says:

        Kapitalflucht befördern sie ja gerade durch die Unsicherheit, die aus dem Irrglauben resultiert, die EZB könnte Griechenland nicht in jedem Fall retten.
        Was die Zinsen angeht; so wird die Verzinsung durch die EZB kontrolliert. Zu niedrige Zinsen gegen den Willen der EZB kann es nicht geben, die Einlagenfazilität setzt eine Untergrenze für den Zinskorridor.

        Die Ungleichgewichte sind in der Tat ein Problem, diese geht man aber am sicherlich besser fiskalisch und lohnpolitisch an……und versucht diese langfristig abzubauen.

        (PS scheinbar lässt die Kommentarfunktion eine direkte Antwort auf ihren letzten Beitrag nicht zu)

      • Karl F. says:

        @Philip Kohlbacher
        „Es ist schon interessant, dass auf die die Frage, wer die „Kosten“ trägt, wenn die Zentralbank faul gewordene Assets (egal ob nun Staatsanleihen oder was auch immer) auf ihre Bilanz nimmt, doch meistens keine konkrete Antwort erfolgt.“

        Die Befürchtung ist, dass durch solche Aktionen der EZB die Inflation nicht auf die Assets beschränkt bleibt. Nun, was passiert bei Inflation, die auch auf die Güterpreise durchschlägt? Es werden vor allem all die Menschen Verluste erleiden, die ihr Vermögen nicht in Sachwerten halten, sondern in Papiergeld. Das werden wohl in Deutschland hauptsächlich die unteren Einkommensschichten sein (so die überhaupt noch Sparvermögen haben) und nicht die Vermögenden. Es ist dann schon ziemlich offensichtlich, wer die Zeche bezahlt.

        Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, Opfer müssen gebracht werden (vor allem für den Zusammenhalt der Euro-Zone), aber ob das im Falle einer tatsächlich eintretenden Inflation wirklich so goutiert wird?

        Vor allem wird die EZB gezwungen sein, immer weiter zu machen. Die Staaten werden also immer weiter darauf bauen, dass zur Stützung ihrer Sozialausgaben und für Wahlversprechen (Konsumzwecke) gemachte Schulden zum „guten Ende“ von der EZB annulliert werden. Hier ist dann doch die Frage zu stellen, wie Wohlstand eigentlich entstehen soll, durch Arbeit oder durch Gelddrucken?

      • Michael Stöcker says:

        @ Philip Kohlbacher

        „Asmussen beispielsweise antwortet […] eher allgemein „philosophisch“ mit „there is no free lunch““

        Asmussen war einer der sozialdemokratischen (sic!) Hauptakteure in diesem neoliberalen Finanzialisierungsdesaster. Zur Belohnung hatte man dann den Bock (http://www.nachdenkseiten.de/?p=3127) zum Gärtner gemacht: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/03/21/joerg-asmussen-der-mann-nach-dessen-pfeife-europa-tanzen-soll/. Hier die Einschätzung von Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B6rg_Asmussen#Kritik. Die TSI, für die Asmussen in beratender Funktion tätig war, war Gegenstand eines eigenen Beitrags mit anschließender Diskussion der Geschäftsführerin der TSI: https://zinsfehler.com/2013/09/14/das-geschaft-mit-der-verbriefung/.

        „Inflationär wirkt dieser Vorgang auch ganz sicher nicht…“

        Ganz sicher ist das Ganze nicht. Die Staatsanleihen wurden monetarisiert und werden vermutlich ad Infinitum prolongiert werden oder aber sie müssen abgeschrieben werden, so dass sehr lange keine Überweisungen der Bundesbank an das Finanzministerium erfolgen. Tatsächlich ist aber die Geldmenge erhöht, solange der Kredit nicht getilgt wurde. Wir sind uns sicherlich einig, dass Griechenland kaum in der Lage sein wird, die versprochenen zukünftigen realen Leistungen am Markt zu erbringen. Somit stehen in der Zukunft diesen Geldmengen keine realen Leistungen gegenüber. Die Folge: Tendenziell höhere Nachfrageinflation, wenn die Babyboomer ihre Rentenansprüche realisieren wollen (siehe hierzu auch die aktuelle Diskussion auf Ökonomenstimme im Link weiter unten).

        LG Michael Stöcker

      • Philip Kohlbacher says:

        @Karl F.: die Inflationsängste erscheinen aus zwei Gründen nicht wirklich rational.
        Der erste Grund ist, dass ein Aufkauf von Staatsanleihen bei Banken nicht den nachfragewirksamen Geldbestand in der Wirtschaft erhöht. Hierbei erhöht sich nur die Menge der von Banken gehaltenen Reserven.
        Der zweite Grund ist, das in einer Wirtschaft mit freien Produktionskapazitäten bei einer erhöhte nominalen Nachfrage auch einfach die Produktion wachsen kann. Wie kommt man darauf, die Anpassung müsse immer über die Preise erfolgen, nie über eine Anpassung der Mengen?

        „Hier ist dann doch die Frage zu stellen, wie Wohlstand eigentlich entstehen soll, durch Arbeit oder durch Gelddrucken?“

        Klar ist doch, dass in einer modernen Ökonomie Arbeit Erwerbsarbeit bedeutet, wir arbeiten, wenn wir dafür bezahlt werden. Wenn keiner Geld ausgibt, wird keiner für Arbeit bezahlt und insofern herrscht Arbeitslosigkeit. „Gelddrucken“ ermöglicht zusätzliche Ausgaben…..

      • Karl F. says:

        @Philip Kohlbacher
        „Wenn keiner Geld ausgibt, wird keiner für Arbeit bezahlt und insofern herrscht Arbeitslosigkeit. „Gelddrucken“ ermöglicht zusätzliche Ausgaben…..“

        Klar ist aber auch, dass diese Ausgaben in einem inflationären Umfeld immer höher angesetzt werden müssen – das bringt uns dann wieder zur Geldentwertung und last not least zu denen, die für diese Art der Konjunkturpolitik bezahlen müssen, weil sie erst ganz am Schluss die in die Höhe gegangenen Preise zu zahlen haben.

        Wo in der menschlichen Geschichte hat Ihr Gelddruck-Konjunkturansatz denn wirklich funktioniert?

      • Philip Kohlbacher says:

        Wie kommen Sie denn auf Ihr „inflationäres Umfeld“? Inflation ist ja in erster Linie zu erwarten, wenn Produktionsausweitung nicht möglich, da die Wirtschaft ihre Kapazitäten voll auslastet……oder wenn angebotsseitige Beschränkungen existieren. Ansonsten werden Unternehmen auf mehr Nachfrage nicht mit extremer Preisanpassung reagieren, sondern entsprechend dieser erhöhten Nachfrage einfach mehr produzieren…

        Zweitens ist der Begriff „Gelddrucken“ gar nicht so einfach zu fassen. Letztlich wird immer, wenn eine Wirtschaftseinheit Nettoausgaben tätigt, Geld „gedruckt“……wenn ein Privatunternehmen bei einer Bank einen Kredit aufnimmt, wächst die Geldmenge um diesen Kredit…..gleichermaßen sinkt sie bei Tilgung.
        Nettoausgaben des Staates sind da kein Sonderfall, auch diese erhöhen die Geldmenge.

        Erst dann von „Gelddrucken“ zu sprechen, wenn die Zentralbank irgendwas aufkauft, macht nicht wirklich Sinn, denn bis auf das Bargeld ist Zentralbankgeld gar nicht nachfragewirksam, da es nur im Interbankenkreislauf zirkuliert und überhaupt nicht in die normale Wirtschaft gelangt…

      • Karl F. says:

        Die Zentralbank kauft nicht „irgendwas“ auf, sondern vor allem Staatsanleihen. Das sind Schuldscheine, die die Staaten ausgeben, um an „Knete“ zu gelangen. Die Banken kaufen den Staaten die Schuldscheine immer noch ab in der Gewissheit, dass sich die EZB als Letztinstanz-Müllschlucker betätigt. Wie auch immer die Käufe abgewickelt werden, Fakt ist, dass die EZB letztendlich mit produziertem und nicht erwirtschafteten Geld kauft. Der Staat, der seine Schuldscheine losgeworden ist, hat damit zusätzliche Einnahmen, die er auch wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückpumpt (Bezahlung von Schuldzinsen, Investitionen, Sozialausgaben). Insofern hat die Aktion der EZB Wirkung auf die normale Wirtschaft. Sonst könnte man sich die Aktion auch sparen.
        Im Tischlein-deck-dich-Märchen werden Nahrungsmittel aus dem Nichts gezaubert. Im modernen Geldmärchen werden umgekehrt Schulden ins Nichts gezaubert, aber das hat m. E. eben Folgen. Normalerweise werden Schuldscheine auch wieder eingelöst, aber das kann die EZB wohl nicht wagen, weil sonst die Krise der Schuldenstaaten wieder hochkochen würde. Also die Schulden lieber „verschwinden“ lassen. Im Märchen würde so etwas gut gehen, in der Realität … …?.

      • Philip Kohlbacher says:

        @Karl F.
        „Fakt ist, dass die EZB letztendlich mit produziertem und nicht erwirtschafteten Geld kauft“

        Was soll mit ‚erwirtschaftetem Geld‘ in diesem Kontext überhaupt gemeint sein? Klar ist, dass der Ankauf von Assets durch die Zentralbank immer den Reservenbestand im Bankensystem erhöht. Da gibt es keine Alternative zu…
        Solange die Zentralbank aber nur den Banken die Staatsanleihen abkauft, ist dies keine Geldmengenausweitung im eigentlichen Sinne, sondern nur eine Ausweitung der Reserven (Zweistufigkeit des Geldsystems beachten).
        Bei allem Respekt, der Begriff „Gelddrucken“ vermittelt nicht gerade den Eindruck, als habe man eine nähere Vorstellung davon, was Geld ist und wie es entsteht…

        Aber noch einmal zu der ganz anderen Frage: Wie kommen Sie darauf, dass auf eine wachsende nominale Nachfrage nur mit wachsenden Preisen, nicht aber mit wachsender Produktion reagiert werden könnte?

    • Dietmar Tischer says:

      Die Diskussionen darüber, wer am ENDE bezahlen muss, ist m. A. n. müßig.

      ALLE müssen bezahlen, die wohlhabenden Bevölkerungen im europäischen Kern ebenso wie die armen in den Ländern der Peripherie.

      Bleibt die Eurozone bestehen sind TRANSFERS das Mittel.

      Zerbricht sie, sind TRANSFERS und die VERSORGUNG der Migranten aus den Peripheriestaaten das Mittel.

      Wir kommen nicht darum herum.

      Es geht nur noch um die Zahlungsmodalitäten und wie wir das nationalstaatlich durch Umverteilung „glätten“.

      Und das vor dem Hintergrund einer kaum änderbaren demografischen Entwicklung zu Altengesellschaften, Verstädterung und nicht gekannten Arbeitsteilung und Kapitalmobilität (Globalisierung).

      Gemessen an der Vergangenheit, sind das keine erbaulichen Perspektiven.

      Ich bin aber sicher, dass sich die Menschen darauf einstellen werden.

      Die Frage ist nur, wie konfliktbelastet dies vonstattengehen wird.

      Antworten
  1. Michael Stöcker says:

    „In der EZB wird neuerdings gewarnt (…) dass ein Mitglied der Euro-Zone, das über einen Austritt nachdenke, sämtliche Verbindlichkeiten im Verrechnungssystem „TARGET2“ begleichen müsste.“

    Was denn nun: Verbindlichkeiten oder Verrechnungssystem? Beides gleichzeitig ist nicht möglich. Hans-Werner Sinn hat hier maßgeblich zur Verwirrung beigetragen (bis heute). Siehe hierzu auch die aktuelle Diskussion auf Ökonomenstimme: http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2017/03/target2-risiken-im-jahresabschluss-der-deutschen-bundesbank/#c2347.

    LG Michael Stöcker

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Die Warnung ist wirklich bemerkenswert.

      Klingt in meinen Ohren wie das Pfeifen im Walde.

      >Was denn nun: Verbindlichkeiten oder Verrechnungssystem? Beides gleichzeitig ist nicht möglich.<

      Gleichzeitig ist es nicht möglich.

      Aber hintereinander schon:

      Wenn es den Austritt eines Landes gibt oder den kompletten Zerfall der Währungsunion, dann kann man aus dem Verrechnungssystem eine System der Verbindlichkeiten machen.

      Die Gläubiger werden es tun.

      Es wird ihnen aber vermutlich nicht viel nützen, weil die Schuldner zu viele Probleme haben werden als dass sie sich bereitwillig auf eine Schuldenbegleichung einlassen.

      Antworten
  2. Dietmar Tischer says:

    Ob Griechenland insolvent ist oder nicht, spielt solange keine Rolle, wie es liquide gehalten wird. Das funktioniert, wie man sehen kann.

    Wenn allerdings die Gläubiger, die das Land liquide halten, darüber streiten, ob und unter welchen Umständen es sinnvoll ist, es weiter liquide zu halten, wird das Thema Insolvenz relevant.

    Wenn ein Gläubiger aussteigt, wie vermutlich der IWF, weil dessen Geldgebern die Liquiditätssicherung zu teuer wird, gilt in der Tat:

    >„Jetzt ist Schadensbegrenzung gefragt.>

    Der Ansatz zur weiteren Insolvenzvermeidung, richtiger: Liquiditätssicherung:

    >Trotz ihres Streits müssen die Gläubiger Mittel und Wege finden, damit Athen kein viertes Rettungsprogramm braucht.>

    Warum kein viertes, wenn drei „erfolgreich“ waren?

    Man wird ein viertes tunlichst vermeiden wollen, weil der Bevölkerung nicht mehr klar zu machen sein wird, WARUM die Griechen IMMER WIEDER ein Rettungsprogramm brauchen.

    Der EMS ist kein wirklicher Ersatz für den faktisch ausscheidenden IWF, weil dessen Rettungsprogramm lt. Urteil des BVerG. das o.k. des Deutschen Bundestags braucht.

    Das ist risikoreich, eine Verweigerung wäre nicht mehr zu heilen, Griechenland wäre FAKTISCH bewiesen insolvent.

    Logisch also:

    Die EZB muss es richten, weil NUR die EZB es richten kann.

    Allerdings:

    Das Land muss gesund gebetet werden und ordentliche Ratings erhalten, damit die EZB ihrer Satzung entsprechend die SOLIDEN griechischen Anleihen kaufen kann.

    Bleibt nur noch ein klitzekleines Problem:

    Was ist, wenn wegen anziehender Inflation der Druck auf die EZB wächst, ihr Anleihekaufprogramm zu REDUZIEREN?

    Schwer vorstellbar, dass der Kauf griechischer Staatsanleihen UNBEGRENZT fortgesetzt werden kann.

    Mir fällt im Augenblick nichts dazu ein, WIE man sich von der Zielbegründung (knapp 2% Inflation) lösen UND dem dann eindeutigen Vorwurf monetärer Staatsfinanzierung entkommen kann.

    Hier ist hohe Kunst gefragt, nämlich mit scheinbar seriös begründender Kommunikation die Öffentlichkeit zu täuschen.

    Antworten
  3. Christian Merkwirth says:

    Was wäre wenn die Bundesbank (sehr) große Menge Gold über private Händler in den Ländern mit hohen Target2-Verbindlichkeiten einkaufen und nach Deutschland liefern lassen würde ? Dies sollte doch die Verbindlichkeiten reduzieren, und salopp gesprochen „für lau“ für die Bundesbank. Der gewünschte Nebeneffekt wäre statt uneinbringlicher Forderungen physischen greifbares Gold zu bekommen. Ein Schelm wer sagt dass dies im Falle eines Resets äußerst nützlich sein könnte.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Lassen Sie sich bitte nicht vom Glanze des Goldes blenden und denken an König Midas. Zudem: Wie bitte schön kann ein Ankauf von Gold am freien Markt die griechischen Staatsschulden mindern? Da müsste schon die Bank of Greece ihre paar Tonnen verkaufen. Macht aber wohl auch nur schlappe 4 Mrd. Euro: https://www.welt.de/finanzen/article142897787/Warum-die-Griechen-ihren-Goldschatz-nicht-anfassen.html. Zudem hätten dann die Verkäufer als Gegenwert die korrespondierenden Eurobeträge, mit denen sie verstärkt auf Einkaufstour gehen könnten und somit die Immobilienpreise in Berlin weiter in unerschwingliche Höhen treiben würden.

      Wenn Sie allerdings auf einen Zerfall der Weltordnung spekulieren, in der dann Rechtspositionen nicht mehr friedlich durchsetzbar sind, wäre Gold als oberste Instanz in der Geldsystemhierarchie vermutlich wieder sehr gefragt. Aber anstatt König Midas zu spielen sollten wir besser in die Hände spucken und die Leistungsbilanzungleichgewichte durch höhere inländische Investitionen in Bildung und Infrastruktur abbauen, Wolfgang Schäuble in den Ruhestand verabschieden und Ludger Schuknecht eine neue Rolle als Inspekteur für Berliner Schulen zuweisen, damit er die Folgen seiner schwarzen Null mal ganz praktisch aus der Nähe erfahren kann, anstatt seine international isolierte Position in kognitiver Dissonanz in der FAZ zu rechtfertigen: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/exportueberschuss-von-deutschland-wird-stark-kritisiert-14890840.html.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
  4. Christian says:

    Dass am Ende irgendjemand die Rechnung begleichen muss, dürfte jedem klar sein. Ich persönlich gehe davon aus, dass es irgendwann einen gemeinsamen europäischen „Schulden-Pool“ geben wird, im Rahmen dessen Abtragung man den finanziellen Schaden dann anteilig auf die einzelnen Länder verteilt. Daher einfach mal einige Frage im Kontext dieses hypothetischen Szenarios an die Kommentatoren – und gerne auch den Autor – gerichtet. (1) Falls diese Verteilung des Schadens so käme, in welchem Maß würden Sie eine geplante Beteiligung der Privathaushalte, z.Bsp. in Form einer einmaligen Sonderabgabe auf Sparguthaben (ab beispielsweise 100.000 EUR) oder sonstige Vermögenswerte, zur Sanierung der Staatsschulden erwarten? (2) Für wie realistisch halten Sie es, dass sich sogenannte (U)HNWIs ((Ultra) High Net Worth Individuals) durch Vermgensverlagerung/-umschichtung dieser Maßnahme entziehen könnten und am Ende wieder einmal die breite Mittelschicht den Großteil der Last schultern müsste? (3) Wie könnte man sich Ihrer Meinung nach als Privathaushalt davor schützen (z.Bsp. durch den Kauf von nicht registrierten Edelmetallen, die auch privat gelagert würden)? (4) Und inwiefern würde die Regierung Ihrer Meinung nach im Vorfeld einer solchen Aktion versuchen, sämtliche „Auswege“ (also beispielsweise das zuvor erwähnte Kaufen von Edelmetallen) zu schließen versuchen (z.Bsp. eine MwSt. auf den Kauf von physischem Gold oder die Herabsetzung der Grenze, ab der Käufe physischer Edelmetalle gemeldet werden müssten)?

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    • Dietmar Tischer says:

      R. Menéndez legt seine Sicht der Target-Problematik sehr detailliert dar.

      Ich kann nicht beurteilen, ob richtig ist, was er sagt.

      Spezialisten können sich ja einmal versuchen; was R. M. schreibt, erscheint mir jedenfalls klar und nachvollziehbar zu sein.

      Als Verweis auf Bagehot ist mir folgende Aussage aufgefallen:

      >Man könnte den Eindruck bekommen, daß – wenn es um ökonomische Überzeugungen geht – es nicht statthaft ist jemanden dazu aufzufordern sachlich ein paar einfache Fragen zu beantworten. Das zeigte sich daran, daß statt auch nur eines entsprechenden Antwortversuchs ein Referat über die Buchungszusammenhänge einer T2-Transaktion präsentiert wurde.>

      Diese Feststellung spricht für sich, man muss sie nicht kommentieren.

      Antworten

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