Schickt endlich die Helikopter!

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Ich habe ja vor einiger Zeit angeregt, die EZB solle lieber das Geld direkt an die Bürger geben, statt immer mehr wertlose Wertpapiere aufzukaufen, was ohnehin nicht der Nachfrage und damit der Realwirtschaft hilft. Nun fordert Wolfgang Münchau dasselbe – nur will er weiterhin die Staaten mästen. Deutlich wird an dem Kommentar auch, dass wir noch viele wilde Aktionen sehen werden, die mit ordentlichem Wirtschaften und auch dem rechtlichen Rahmen, den wir uns gesetzt haben, (zu Recht!) nichts mehr zu tun haben:

  • „Da die Geldpolitik ihre Mittel weitgehend ausgeschöpft hat, ist das einzige, was in der Situation noch funktioniert, eine großanlegte Koordination von Geld- und Haushaltspolitik. Anstatt mit Kreditprogrammen rumzufummeln, sollte Juncker versuchen, die Kohle direkt unter die Leute zu bringen.“ – Genau mein Argument.
  • „Er könnte zum Beispiel einen Gutschein über 300 Milliarden Euro ausschreiben und ihn an die EZB verhökern. Würde die EZB eine solche Aktion mit einem Mitgliedstaat machen, dann wäre das monetäre Staatsfinanzierung. Der Staat begibt Anleihen. Die Notenbank finanziert sie. So etwas ist natürlich verboten. Jetzt ist die EU aber kein Staat, wie uns das Bundesverfassungsgericht in mehreren Urteilen immer wieder bestätigt hat. Und wenn die EU kein Staat ist, dann kann man schließlich nicht von einer verdeckten Staatsfinanzierung sprechen. Wir befinden uns hier in einem quasi rechtsfreien Raum.“ – Das ist starker Tobak. Um schlecht wirtschaftende Regierungen und Politiker weiterhin vor den Konsequenzen ihres Handels zu schützen, umgehen wir bewusst das Recht. Es wird aber in diese Richtung gehen.
  • „Es reicht ein Blatt Papier und ein Füllfederhalter, mit dem Juncker den Bond unterzeichnet. Und da die EZB auf deutschen Wunsch hin unabhängig ist, kann sie niemand daran hindern, Junckers Zettel zu kaufen und das Geld direkt zu überweisen. Woher kommt das Geld? Die EZB macht es genauso wie Juncker. Sie schafft es aus dem Nichts.“ – Da mich ein Leser daran erinnert hat, präzise zu sein: Natürlich ist das nicht „aus dem Nichts“, denn theoretisch haftet die EU der EZB für das Geld, verspricht also, es irgendwann einmal zurückzuzahlen. Dies kann dann im Jahre 3425 sein …
  • „Die Mitgliedstaaten haben keine finanziellen Spielräume. Die Haushaltspolitik lässt sich nicht grenzüberschreitend koordinieren. Die EZB kann die Zinsen nicht noch weiter senken. Nur die EU hat noch Spielräume. Und die EZB hat das Geld.“ – Stimmt. Die EU basiert zwar darauf, dass die  Mitgliedsstaaten besteuerungsfähig sind. Aber, who cares, dass diese eben nicht mehr Schulden machen können. Das ist so, als würde der von der Fürsorge der Familie abhängige Opa, nachdem seine Familie pleite ist, alleine Schulden machen.
  • „Wenn man ablehnt, dann gibt es nur noch die allerradikalste Methode, die sich der amerikanische Ökonom Milton Friedman in den Sechzigerjahren des letzten Jahrzehnts ausgedacht hat. Mario Draghi mietet sich einen Hubschrauber und verstreut die 300 Milliarden direkt über den Euroraum.“ – a) Es sollten 3.000 sein. b) Es wäre gerechter, weil es den Bürgern direkt zukommt und nicht jener privilegierten Gruppe, die als erste das frische Geld bekommt. c) Es würde damit auch den eigentlichen Schuldnern helfen.

Fazit: Die Optionen, das Schuldengebäude vor dem Einsturz zu retten, sind noch nicht ausgeschöpft. Es wird aber immer radikaler.

SPIEGEL ONLINE: Schickt endlich die Helikopter!, 22. September 2014

7 Kommentare
  1. Hartmut G. says:

    Weitere Schuldscheine (von wem auch immer) zu stapeln, um „Geld“ mittels (zweifelhaftem) Kredit in Umlauf zu bringen, ist ja nun nicht die Lösung, sondern Teil des Problems.
    Möchte man zusätzliches „Geld“ in Umlauf bringen, warum nicht Gold mit eigenen frisch gedruckten Euros kaufen?
    Der Vorteil dieser Lösung:
    1.) Gold ist bereits zentraler Bestandteil der EZB Bilanz, somit auch komplett EZB konform.
    2.) Gold ist neutral mit „Ewigkeitsgarantie“, verzerrt somit nicht die Märkte des realen Lebens (anders als z.B. der Kauf von wertvollen/notwendigen Rohstoffen, oder Aktien von fragwürdigen Firmen).
    3.) Menschen die Gold verkaufen, stapeln nicht das erhaltene Geld, sondern geben es für andere Dinge aus, entweder für Konsum, oder für (vermutlich) sinnvolle reale Investitionen.
    4.) Die EZB kann zu einem späteren Zeitpunkt ggf. auch wieder die Euros bilanzkonform einsammeln, indem sie später das Gold wieder gegen Euros verkauft.
    5.) Die EZB hat damit dann vermutlich auch kein Imageproblem gegenüber den „Hardmoney-Advocats“ (und die Softmoney-Advocats werden ebenfalls bedient).

    Oder was sehe ich bei obigem Ansatz falsch?
    mfG

    Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Lieber Herr Geisel,

      ja, ich kann dieser Argumentation viel abgewinnen. Allerdings würde die Tatsache, dass die EZB Gold aufkauft von einigen auch als Krisensignal verstanden werden und den Goldpreis damit zusätzlich befeuern. Je weiter dieser steigt, desto größer die Gefahr, dass breite Teile der Bevölkerung es auch als ein Krisensignal sehen – und dann haben wir die Panik, die die EZB (und alle anderen) sicherlich nicht haben will …

      Eine Alternative wäre übrigens, einfach einen offiziellen Ankaufspreis festzusetzen. Zum Beispiel 10.000 Euro pro Unze oder auch 100.000. Dann entstünde ein riesiger Notenbankgewinn, den man an die Staaten ausschütten könnte, um die Schulden zu tilgen. Klingt verrückt, aber ist möglich. Vorteil: Man muss gar nichts kaufen oder verkaufen. Es genügt ein Buchhalter.

      Herzliche Grüße,

      Daniel Stelter

      Antworten
  2. Hartmut G. says:

    Danke für die Antwort.

    Wenn weite(re) Teile der Bevölkerung Gold kaufen, kann das der EZB nur Recht sein, denn es erhöht ja eben gerade den Geldumlauf (s.o.), den manche am liebsten mittels Hubschrauber erzeugen wollen. Was ist systembedingt gefährlicher/krisenfördernder? Wenn „Sparer“ Gold horten oder Papier-Bargeld (was vermutlich zur Zeit ggf. leider wohl keine schlechte Option ist, mangels Alternativen und politischer Willkür, siehe auch Ihre persönlichen Empfehlungen zu Enteignungen)?

    Und zum Stichpunkt „Panik“: Es gibt wirklich nichts unwichtigeres für das reale Leben und die reale Wirtschaft, als den Goldpreis; außer vielleicht für eine Bullionbank, mit kaputter Bilanz ;)

    Zu Ihrem festgelegten Ankaufspreis bleibt zu sagen, kommt auf die Intention der EZB an. Die Bilanzen „reparieren“ (gemäß der Zielsetzung der Zentralplaner), ja dann Goldpreis „einstellen“. Wenn Liquidität von z.B. 1Billionen schaffen, dann Gold im Wert von einer Billionen frisch gedruckter Euros kaufen, unabhängig vom sich in der Zwischenzeit einstellenden Goldpreis.
    mfG

    Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Ich würde nur gerne dahingehend korrigieren, dass ich keine „Enteignung empfehle“. Ich weise lediglich als Realist daraufhin, dass die Politik in diese Richtung gehen könnte und halte es für gerechter als unkontrollierte Inflation. Was Geld versus Gold betrifft, stimmt ihre Einschätzung, sofern a) Inflation die Lösung ist und b) das Gold dem Zugriff des Staates entzogen ist.

      LG

      DSt

      Antworten
  3. Dieter Krause says:

    Warum denn immer nur Gold kaufen? Es ginge doch am Ende auch der Ankauf von Steinen, um das Geld in den Wirtschaftskreislauf einzuspeisen. – Das fraktionelle Reservesystem hinkt vorn und hinten in Bilanzrezessionen! Die EZB hat im übrigen – verglichen mit der Geldmengenausweitung der FED in den letzten Jahren – noch enorme Spielräume. Darf aber nicht (Schäuble z.B. gegen ABS-Käufe)! Oder nur mit größtmöglicher Mandatsdehnung.

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