„Saudi Arabia may go broke before the US oil industry buckles“

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Das fand ich mal wieder interessant. Wir leben in einer Welt, in der wir durch immer mehr Schulden das System am Laufen halten. Vereinfacht gesagt, die Weltkreditmenge muss mindestens um den Zinssatz auf der bereits ausstehenden Schuld wachsen, damit alle Schuldner ihren Verpflichtungen nachkommen können. Dies setzt immer mehr Schulden voraus. Hier könnte man nun meinen, dass die Welt in Schwierigkeiten kommt. Sobald nämlich alle potenziellen Schuldner ihr Verschuldungspotenzial ausgeschöpft haben, kommt es unweigerlich zur Krise. Schon davor schwächt sich das Wachstum ab, weil immer weniger der neuen Kredite noch zu Nachfrage führen, sondern nur noch dazu dienen, vorhandene Kredite „zu bedienen“.

Nachdem China (fast) am Ende ist, Europa ebenfalls und in den USA nur noch wenig Schuldenpotenzial existiert, Australien und Kanada und selbst Singapur schon hohe Schulden haben, war der Endpunkt nah. Doch – Überraschung – es gibt Länder und Sektoren, die noch Schulden machen können! Zudem welche, von denen man es nicht erwartet hätte: die Ölländer des Mittleren Ostens, wie der Telegraph berichtet.

  • Saudi Arabien hängt noch immer vom Öl ab. 90 Prozent der Staatseinnahmen stammen vom Öl. Es gibt keine Einkommens- und Kapitalertragssteuern, Benzin und Strom sind hoch subventioniert.

  • Es ist sehr interessant zu sehen, wie hoch der Ölpreis sein muss, damit die Staatshaushalte ausgeglichen sind. – bto: Hier spielen zwei Faktoren eine Rolle, die Höhe der Marge des Produzenten (also die Differenz zwischen Marktpreis und Entstehungskosten) und die Finanzierung des Staates. Norwegen hat hohe Kosten und deshalb eine geringere Marge, wirtschaftet aber solider als die anderen Länder.
  • Die Hoffnung der Saudis, durch den tiefen Ölpreis den Wettbewerb vor allem in den USA plattzumachen, hat getäuscht. Zu groß sind deren Kostensenkungspotenziale (45 Prozent!) noch gewesen.
  • Zugleich wachsen die Kosten im Inneren (sozialer Frieden) und im Äußeren (Finanzierung loyaler Staaten, Militär). Folge: Die Reserven schrumpfen. Vom Spitzenstand von 737 Milliarden im August 2014 sind sie auf immerhin 672 gefallen. Zwölf Milliarden pro Monat weniger. Geht es so weiter, liegen die Reserven Ende 2018 bei 200 Milliarden.

Doch kein Problem: Wenn Saudi Arabien nicht sparen möchte oder kann, so bekommt es mit Blick auf die großen Ölreserven sicherlich spielend Kredit.

Zuerst also der Verkauf von Assets, dann Schulden?

→ The Telegraph: „Saudi Arabia may go broke before the US oil industry buckles“, 5. August 2015

1 Antwort
  1. MFK says:

    Im Rahmen der Erstellung einer Shortlist für Investitionen in den Ölsektor habe ich mir auch einmal die Ölpreisprognosen angesehen. 2008 noch ging die große Mehrheit der Analysten von Ölpreisen zwischen USD 200 und 300 innerhalb der nächsten 5 Jahre aus. Das nennt man wohl lineares Denken. Schlimmer als in Saudi Arabien dürfte sich der Ölpreisverfall jedoch in den instabilen Ölländern wie bsw. Nigeria, Sudan, Venezuela Algerien auswirken. Die geopolitischen Folgen hieraus dürften sehr schwer abschätzbar sein.

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