Roboter: Deutschland ‒ Risiko, Japan ‒ Chance!

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

Vor einiger Zeit habe ich in einem Beitrag für das manager magazin eine deutlich verstärkte Automatisierung in Deutschland gefordert. Nur so werden wir in der Lage sein, die demografischen Herausforderungen zu bewältigen. Heute nun ein Beitrag, der die Risiken der Robotertechnik betont. Der von mir sehr geschätzte Henrik Müller schreibt: „Den bislang noch wohlhabenden Mittelschichten werde die digitale Revolution der Wirtschaft eine ‚ange Misere‘ bringen, prophezeien die namhaften US-Ökonomen Jeffrey Sachs und Laurence Kotlikoff in einer anderen Untersuchung. Die Welt sei gefangen in einem ‚verarmenden Produktivitätswachstum‘: Die Maschinen werden immer klüger und leistungsfähiger, aber für die Masse der Menschen springe dabei nicht viel heraus. Womöglich, unken die beiden Volkswirte düster, hätten ja die ‚Ludditen‘ – die Maschinenstürmer des frühen 19. Jahrhunderts – doch recht gehabt.“

Zusammengefasst: „Die Digitalisierung mag eine tolle Sache sein für die Verbraucher und für jene Unternehmen, die die neuen Technologien zu nutzen wissen. Aber was aus all den Beschäftigten wird, deren Tätigkeiten von immer schlaueren Maschinen ersetzt werden, ist höchst unklar.“ Eine sehr negative Sicht der Dinge finde ich.

SPIEGEL ONLINE: Wenn die Maschinenstürmer doch recht behalten, 27. Juli 2014

In seinem neuen Beitrag zu dem Thema schlägt Müller einen anderen Ton an, zwar erinnert er wiederum an die Folgen für den Arbeitsmarkt: „Eine Studie der Oxforder Forscher Carl Benedikt Frey und Michael Osborne kommt zu dem Ergebnis, dass durch die digitale Revolution 47 Prozent der heutigen US-Arbeitsplätze gefährdet sind; in anderen westlichen Ländern dürften die Dimensionen ähnlich sein. Beispiele? Taxifahrer, die Verlegenheitsbeschäftigten unter den Jobsuchenden, werden nicht mehr gebraucht, wenn selbstfahrende Autos erst zum Standard geworden sind. Vollautomatische Frachtschiffe machen Crew und Captain überflüssig. Einfache Smartphones werden per Spracherkennung zum Diktier- und Transkriptionsgerät; Sekretärinnen, die bislang Diktate abgetippt haben, müssen sich andere Aufgaben suchen. Kriege werden mit Drohnen und selbstlenkenden Cruise Missiles geführt. Roboter erobern Haushalte, die Haus- und Putzfrauentätigkeiten ersetzen. Handwerker werden durch 3D-Drucker überflüssig, Fahrradkuriere durch selbststeuernde Logistikdrohnen, Hochschullehrer durch internetbasierte E-Universitäten.“

Doch erinnert daran, dass wir uns in Deutschland dieser Entwicklung dringend stellen müssen: „Kreieren wird als Erfolgsfaktor in der durchdigitalisierten Wirtschaftswelt wichtiger als produzieren. Apple verdient sein Geld mit der smarten Verzahnung intelligenter Elektronik und passender Inhalte, nicht mit der Produktion von Computern, Handys oder MP3-Playern. Die Herstellung selbst wandert irgendwohin, an den billigst möglichen Ort eben. Ein Menetekel für viele andere Branchen.“

Und: „Ist die Bundesrepublik für die neue Zeit gerüstet? Deutschlands aktuelle Wirtschaftsstärke basiert großteils auf Wirtschaftsstrukturen, die aus dem späten 19. Jahrhundert stammen: Autos, Maschinen, Chemie, Elektro. Dass diese Branchen in den vergangenen Jahren so erfolgreich waren, lag auch an einem historischen Zufall: Sich rasch industrialisierende Schwellenländer, insbesondere China brauchten gerade das, was die deutsche Wirtschaft im Angebot hat. Doch der Boom scheint zu Ende zu gehen. Ob die Strukturen des Produzierens sich zu Strukturen des Kreierens wandeln können, muss sich noch erweisen. Für übermäßige Selbstzufriedenheit besteht jedenfalls kein Anlass.“

SPIEGEL ONLINE: Deutschland ist für die digitale Revolution nicht gerüstet, 16. März 2015

Das sehe ich genauso. In den neuen Technologien liegen erhebliche Chancen. Gerade für eine überalternde Gesellschaft wie die deutsche. Bei uns ist die Konkurrenz der Maschinen mit den Menschen nicht so intensiv. Vielleicht sind wenige Kinder, wenn es darum geht, im internationalen Vergleich sogar ein Wettbewerbsvorteil? (Wobei ich mir ausdrücklich mehr Kinder und eine bessere Bildung derselben in Deutschland wünschen würde!!)

Da finde ich die Haltung Japans zu dem Thema deutlich besser. Ungeachtet meiner Skepsis bezüglich Abenomics teile ich die Auffassung von Abe bezüglich der Chancen der Robotertechnik: „Wir wollen Roboter zu einer tragenden Säule unserer Wachstumsstrategie machen“, erklärte Abe nun gegenüber der Nachrichtenagentur Jiji. Er plane eine Sonderkommission für die „Roboterrevolution“, um den Umsatz der Branche auf 2,4 Billionen Yen (17,5 Milliarden Euro) zu verdreifachen und damit bedeutend größere Wachstumsimpulse auszulösen.

manager magazin online: Japan will Olympische Spiele für Roboter, 24. Juli 2014

1 Antwort
  1. Philipp H. says:

    Guten Tag Herr Stelter,

    das Thema Roboter war in der Science-Fiction der 60er Jahre schon ein grosses Thema. Unsere heutigen Roboter haben zwar kein Positronengehirn, aber einige der Fragestellungen wurden von Isaac Asimov auch schon diskutiert. Speziell die Frage, in wieweit sich die Gesellschaft an einer immer stärker werdende Autonmatisierung anpassen kann.

    Von meiner Seite hier nur mal ein „Gedankenexperiment“. Nehmen wir an, dass wir alle Grundbedürfnisse der Gesellschaft (Nahrung, Wohnen, Medien, Bildung, Medizinische Versorgung) dank Automatisierung sehr effizient und (fast) ohne menschlichen Einsatz decken könnten. Wäre dann nicht eine Art „Grundeinkommen“ bzw. „Grundbedürfnisbezug“ sinnvoll? Alle Menschen (in meinem hochentwickelten Staat mindestens) wären dann in der Lage, auch ohne Arbeit zu leben. Arbeit würde es sicher weiter geben, aber entweder als freiwilige soziale Arbeit oder auch für die Elite (Spezialisten, Ingenieure, Politische Führung, Wissenschaft, …). Vielleicht mit zwei Parallelwährungen; eine nur für die Verteilung der Grundbedürfnisse; eine andere dann zur Bezahlung der Elite.

    Ob so eine Gesellschaft funktionieren könnte? Einserseits wäre das Problem der Armut de facto beseitigt, andererseits hätte man extreme Unterschiede zwischen der Masse auf Grundbedürfnisbezug und der Elite.

    Das ist vielleicht jetzt noch wirklich Science-Fiction; aber im Zusammenhang mit der realen politischen Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen vielleicht gar nicht soooo weit in der Zukunft?

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte das Captcha ausfüllen * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.