QE kommt, nutzt nichts und zeigt den Kaiser nackt

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2015 wird es kommen, QE. Alle sind davon überzeugt und alleine schon deshalb muss es kommen. Die Enttäuschung der Märkte wäre zu groß. Die FINANZ und WIRTSCHAFT kommentiert es sehr schön: „Der EZB sind jetzt schon die Hände gebunden. Erfüllt sie die Erwartungen nicht, auf die Investoren aus aller Welt spekulieren, dürften die Renditen am Kapitalmarkt genauso schnell nach oben schiessen wie sie gefallen sind. Allein um die aktuellen Niveaus zu halten, werden Interventionen unabdingbar sein. Erneut ist die EZB eher Gejagte als Jägerin.“

Für Wolfgang Münchau ist es in seiner wöchentlichen Kolumne für die FT auch keine Frage des Obs. Natürlich wird die EZB zu QE greifen. Allerdings geht er von einem Umfang aus, der zu klein ist. Er erwartet rund 500 Milliarden und stellt dies den Maßnahmen der BoE seit 2009 gegenüber. Um ähnlich aggressiv vorzugehen, müsste die EZB wohl eher für zwei Billionen Wertpapiere kaufen. (Da sind wir dann schon nahe an den 10.000 Euro je Bürger, die ich gefordert habe.) Das wären dann Eurobonds durch die Hintertür, wie Münchau treffend festhält. Ich würde es eher wie eine demokratisch nicht legitimierte Bad Bank ansehen.

Münchau sieht hingegen vorerst nur die Nicht-Wirkung der 500 Milliarden. Zu wenig, zu spät. QE kann nur die Zinsen senken (wenig weiterer Effekt), durch „Portfoliorebalancierung“ zu mehr Krediten führen (unwahrscheinlich) und den Wechselkurs schwächen, wobei Münchau hier nur wenig Wachstumseffekt vermutet. Deshalb folgt er dem neuen Trend: Staatsanleihen kaufen und im nächsten Schritt einfach die Schulden annullieren. Aber selbst dafür würden 500 Milliarden wohl zu wenig. Sein Fazit: Es kommt und wird nichts bringen.

FT (Anmeldung erforderlich): The ECB, demigods and eurozone quantitative easing, 7. Dezember 2014

Auch die FINANZ und WIRTSCHAFT ist skeptisch: „QE fördert nicht per se die Kreditvergabe. Darauf verwies der Ökonom Richard Koo schon vor sechs Jahren. Er verglich damals Zentralbanken, die quantitative Lockerung betreiben, mit einem Obstgeschäft, dem es nicht gelingt, seine 100 Äpfel in der Auslage zu verkaufen und daraufhin die Auslage auf 1000 Äpfel verzehnfacht. QE wirkt viel direkter: Es senkt den Preis der angekauften Wertschriften resp. deren Risikoaufschlag. Die EZB sollte sich also die Frage stellen: Sind noch niedrigere Staatsanleihenzinsen wirklich Europas drängendste Priorität? Liegen sie doch bereits weit unter den historischen Niveaus. Und wie die Risikoprämie der Eurostaatspapiere, die immer gegenüber deutschen Bundesanleihen berechnet wird, dank QE sinken soll, bleibt ein Rätsel.“ Bleibt die Hoffnung auf eine Abwertung der Währung und damit mehr Exporte. Hier bin ich aber bei Münchau: Der Effekt wird ‒ wenn überhaupt ‒ nur gering und temporär sein. Eben bis der nächste abwertet.

FINANZ und WIRTSCHAFT: Von Krediten und Äpfeln, 5. Dezember 2014

Doch was heißt das eigentlich, wenn die EZB QE macht und es nicht wirkt? Ein anderer Kommentator der FT kommt zu einem interessanten Schluss: Angesichts der Tatsache, dass die Maßnahme bestenfalls eine begrenzte Wirkung hat, ist es mehr ein Zeichen der Verzweiflung als der Ermutigung, wenn die EZB diesen Weg geht. Das letzte Mal würden dann die „Euro-Würfel“ geworfen. Verlieren die Märkte das Vertrauen in die Allmacht der Notenbanken, wäre auch die Party an den Finanzmärkten rasch zu Ende.

FT (Anmeldung erforderlich): Quantitative easing is the last throw of the eurozone dice, 7. Dezember 2014

1 Antwort
  1. Hartmut G. says:

    Guten Morgen,

    „Die EZB sollte sich also die Frage stellen: Sind noch niedrigere Staatsanleihenzinsen wirklich Europas drängendste Priorität?“

    Tja, die Frage stellt sich mir auch ähnlich in abgewandelter Form: Was soll eigentlich das Ziel sein? Man hört dann solche Buzzworte (Wachstum, Wirtschaft, Investitionspakt, blablabalbalaba), aber mal ganz konkret? Wenn die PIGFS nicht zahlen oder arbeiten können oder wollen, dann wird ein erweiterter (günstigerer) Dispo daran auch nichts ändern. Okay, mit einem weiteren Dispo können sie andere für sich arbeiten lassen, das war’s dann aber schon.
    mfG

    Antworten

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