Ohne Produktivitätszuwächse: Inflation, stagnierende Löhne oder fallende Unternehmensgewinne

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Das schwache Produktivitätswachstum hat zwar zu Diskussionen bei Ökonomen geführt, jedoch nicht zur Enttäuschung an den Börsen. Aus Sicht der Aktionäre könne man die Periode von 2009 bis 2016 gar einen „Goldilocks Slump“ nennen, so der Kommentator in der FT. Steigende Märkte trotz fallender Produktivität. Dahinter liegen die fallenden Zinsen und damit abnehmende Risikoprämien und die schwache Verhandlungsposition der Arbeitnehmer. 

Auf Dauer geht es aber nicht gut. Nur mit Produktivitätswachstum sichern und mehren wir Wohlstand und rechtfertigen damit Aktienkurse. Kurzfristig ist es gut, weil so die Arbeitslosigkeit sinkt. Will man nun aber die Löhne steigern, auch mit Blick auf Inflation, so hat dies entsprechende Verteilungswirkungen, die auch die Aktionäre interessieren.

Der Anstieg der Nominallöhne ist die Summe von Produktivitätszuwachs, Inflation und dem Anteil der Löhne am gesamten Output (also der relativen Verhandlungsposition der Arbeitnehmer). Diese Darstellung von der Deutschen Bank zeigt die Entwicklung der Komponenten in den USA in den letzten sieben Jahrzehnten:

Quelle: FT

Die Frage ist, wie geht es weiter? Die verringerte Arbeitslosigkeit müsste sich in steigenden Löhnen niederschlagen. Doch man kann nicht alles haben: tiefe Inflation, steigende Löhne und stabile/hohe Unternehmensgewinne. Auch dies zeigt die Deutsche Bank, die von einer „new impossibility trinity“ spricht. Ohne steigende Produktivität kann man nur zwei der drei Ziele erreichen:

 

Quelle: FT

  • Option 1: Nominal steigende Löhne und Gewinne bei Inflation.
  • Option 2: Steigende Löhne, stabile Preise führen zu sinkenden Gewinnen.
  • Option 3: weiter wie bisher, also wenig Inflation, keine Lohnsteigerungen und hohe Gewinne.

Es könnte aber sein, dass die Macht der Arbeitnehmer wieder steigt. Zum einen kommt die Flut an Neuzugängen in den weltweiten Arbeitsmarkt, der in den 1980er-Jahren mit der Öffnung Chinas und Osteuropas begann, langsam zum Ende. Zum anderen führt die Überalterung zu einem Rückgang der Erwerbsbevölkerung in vielen Industrieländern.

Dieser Zuwachs an Verhandlungsmacht für die Arbeitnehmer könnte dann der Auslöser für echte Investitionen der Unternehmen in neue Technologien und Automatisierung sein, die dann endlich wieder Produktivitätszuwächse bringt und damit die Grundlage für mehr Effizienz und höhere Löhne.

Nur: Damit tritt ein, was andere befürchten. Die Arbeit wird durch Maschinen ersetzt.

FT (Anmeldung erforderlich): „Guest post: Toby Nangle on the end of the Goldilocks slump„, 27. April 2016

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