Michael Pettis explains the euro crisis (and a lot of other things, too)

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Michael Pettis ist ein ausgewiesener China-Kenner und darüber hinaus ein scharfsinniger und guter Ökonom. Anlässlich der wieder aufgeflammten Eurokrise wirft er einen sehr erleuchtenden Blick auf Ursachen und Lösungen. FT Alphaville fasst das sehr gut zusammen. Hier die Highlights:

  • In der Eurozone sollte man nicht einzelne Länder, sondern einzelne Sektoren betrachten. Zwar gibt es zur Zeit schwere Krisen in Spanien, Irland und Griechenland. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass auch deutsche Arbeitnehmer durch stagnierende Löhne und eine verfallene Infrastruktur Verluste erleiden. Am schlimmsten steht es um die deutsche Arbeitsproduktivität. Diese ist seit 1998 nur um 0,6 Prozent pro Jahr gewachsen, der Output pro Arbeitsstunde liegt sogar unter dem Niveau von 2007. (bto: Ich habe das in einem Kommentar mal so beschrieben: Wir verkaufen mehr, weil wir billiger geworden sind, nicht besser. Das ist ein ganz schlechtes Zeichen für die Wettbewerbsfähigkeit.) Das ist schlechter als in allen anderen Industrieländern inklusive Spanien und Griechenland!
  • Damit hat nicht „Deutschland“ profitiert, sondern die Exportindustrie. Umgekehrt haben die billigen Kapitalexporte (das Spiegelbild der Exportüberschüsse) die Kredite in den heutigen Krisenländern wie Spanien unnatürlich billig gemacht und damit Verschuldung und Konsum angeheizt. Es ist deshalb kein Konflikt zwischen Ländern, sondern zwischen verschiedenen Interessengruppen.
  • Es ist besser, Geld zu exportieren als zu importieren. Große Kapitalzuflüsse finden selten ausreichend sinnvolle Investitionsmöglichkeiten. Meist wird es falsch angelegt, gerne im Immobilienmarkt. In der Folge steigen die Löhne ohne entsprechende Produktivitätszuwächse, was die Wettbewerbsfähigkeit erodiert und die Handelsdefizite vergrößert. (bto: Das sieht man sehr schön an den Darstellungen in meinem Buch, Die Krise …) Dies macht es schwer, die aufgehäuften (Auslands-)Schulden zu bedienen.
  • Spanien beweist dies: 20 Prozent aller neuen Jobs entstanden im Bausektor, obwohl dieser nur einen Anteil von zehn Prozent am BIP hatte im Jahre 1998 (also bevor die Party richtig losging).
  • Zum Höhepunkt war Spanien nach den USA der größte Kapitalimporteur der Welt (!!)
  • Nicht nur war das BIP verzerrt, sondern es entstand ein enormes Überangebot an Immobilien, was dann den Absturz verstärkte.
  • Deshalb ist es auch nicht richtig, wie es die deutsche Politik macht, nur die Empfänger der Mittel für die Krise verantwortlich zu machen. Wer zu bereitwillig Geld verleiht, darf sich nicht wundern, wenn es nicht gut investiert wird. ‒ bto: Klingt komisch, aber da ist etwas dran. Hätten die Banken mehr auf die langfristige Tragfähigkeit geachtet, hätten sie weniger Kredite gegeben und die Spanier früher weniger gekauft bei uns. Die Ursache war mindestens genauso die zu hohe Ersparnis in Deutschland.
  • Die Lösung der Krise kann nur gemeinsam erzielt werden: durch Schuldenerlass. ‒ bto: Bekanntlich bin ich da voll dabei!
  • Es kommt weniger auf die Höhe der Schulden als deren Strukturierung an. Hier geht es um Laufzeit, Zins und Tilgung. Pettis findet die Idee der Verbindung der Rückzahlung mit dem BIP-Wachstum in Griechenland gut und empfiehlt es auch für andere Länder. ‒ bto: Ich denke, es wäre noch besser, die Schulden zu poolen und gemeinsam mit EZB-Hilfe zu refinanzieren, wie in der SZ vorgeschlagen.
  • Nach einem solchen Schuldenschnitt sollte das Wachstum in den Krisenländern deutlich höher sein. Investoren würden danach drängen, in diesen Ländern zu investieren. ‒ bto: Ja, sehe ich auch so, allerdings ist die Demografie überall eine Hürde.
  • Aber es besteht die Gefahr, dass die Europolitiker nicht mehr genug Zeit  haben. Jetzt sind die globalen Finanzierungsmöglichkeiten noch günstig und alle Krisenländer könnten nach einem Schuldenschnitt sofort Investoren anlocken. Niemand weiß, wie lange die Zinsen noch so tief sind. (bto: Ich bin überzeugt, bis zur Umsetzung der hier geforderten Lösung oder bis zum politischen Chaos, weil ein oder mehrere Länder einseitig die Zahlungen einstellen.) Pettis befürchtet auch, dass die politische Kooperationsbereitschaft immer mehr abnimmt.

Nichts an der heutigen Krise ist neu. Es gab solche Krisen schon oft in der Geschichte (wie Piketty mit dem Beispiel Deutschlands nach dem Gründercrash so schön zeigt). Deshalb ist die Lösung auch offensichtlich. Ich denke, wenn man dazu auch die EZB nutzt, die einfach drei Billionen plus x an Anleihen kauft und ewiglich zinsfrei stellt, kann es auch politisch gehen. Es darf dann halt nur nicht zur Regel werden!

FT Alphaville: Michael Pettis explains the euro crisis (and a lot of other things, too), 6. Februar 2015

Und für die Freunde des Originals (welches die schönen Abbildungen nicht enthält) hier der Link zum Beitrag von Pettis:

Michael Pettis: Syriza and the French indemnity of 1871-73, 4. Februar 2015

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