Man kann sich aus der Pleite nicht heraus sparen

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis ist kein schlechter Ökonom. Wie ich schon vor einiger Zeit in meiner Rezension seines kleinen Buches zur Lösung der Eurokrise für Cicero bemerkt habe: Die Analyse ist gut, die Therapievorschläge sind es nicht. Er sucht einfach nur nach fresh money. Punkt. Und das macht er extrem smart, wie heute Morgen schon angemerkt!

Deshalb gehe ich jetzt auch nicht groß auf seinen Beitrag für Project Syndicate ein. Kernaussage: Sparen funktioniert nicht. Stimmt übrigens. Mir gefiel nur diese Darstellung, die den Punkt illustriert:

  • Varoufakis dazu: „Die Ansicht, wonach Griechenland keine ausreichende Haushaltskonsolidierung erreicht hätte, ist nicht nur falsch, sondern schlichtweg absurd. Das wird an der beigefügten Abbildung erkennbar, die auch die Frage thematisiert, warum es Griechenland in den Jahren seit der Finanzkrise 2008 nicht so gut ergangen ist wie beispielsweise Spanien, Portugal, Irland oder Zypern. Im Vergleich zu den anderen Ländern an der Peripherie der Eurozone musste sich Griechenland nämlich mindestens doppelt so umfangreichen Sparprogrammen unterziehen. Mehr steckt nicht dahinter.“ ‒ bto: richtig. Aber was er nicht sagt: Wenn die Griechen das Defizit nur durch das Ausland finanzieren können, erfordert dies dauerhafte Transfers von den anderen Ländern nach Griechenland.
  • Danach vergleicht er Griechenland mit England: „Im Jahr 2010 lagen die Haushaltsdefizite Griechenlands und Großbritanniens ungefähr gleich hoch (im Vergleich zum BIP). Griechenland wies im Jahr 2014 wieder einen Primärüberschuss auf, wohingegen die britische Regierung die Konsolidierung viel langsamer vollzog und sich der Überschuss dort erst noch einstellen muss. ‒ bto: 1) England hat eine eigene Währung und kann im Zweifel einfach drucken. 2) England hat noch eine halbwegs funktionierende Realwirtschaft. 3) England hat mit die höchste Schuldenlast in der Welt, wenn man die Schulden des Privatsektors mit einbezieht und nur so ist die Analyse richtig! 4) England hat dieses Schuldenproblem mit noch mehr Schulden bekämpft, was 5) per Definition nicht ewig gut gehen kann und wird.

Was auf jeden Fall richtig ist: Man kann sich aus der Pleite nicht heraus sparen.

→ Project Syndicate: Einziger Knackpunkt ist der Sparzwang, 25. Mai 2015

0 Kommentare

Dein Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Schreiben Sie etwas dazu!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.