Lasst sie kommen? – Ich würde Fakten bevorzugen. David Folkerts-Landau vs. Daniel Stelter

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Migration. Schwieriges Thema. Ich beschränke mich hier bewusst auf die rein ökonomische Seite, Fragen der Folgen für Gesellschaft und Kultur sind sehr berechtigt, aber nicht mein Kerngebiet. Für mich steht im Vordergrund, wie wir unseren Wohlstand erhalten vor allem mit Blick auf die ungedeckten Kosten einer immer älter werdenden Gesellschaft. Ich bin überzeugt, dass wir qualifizierte Zuwanderung brauchen. Wir müssen auch einen humanitären Beitrag leisten, dabei jedoch a) die beiden Themen nicht vermischen, was gerne gemacht wird und b) ehrlich zu uns sein, was unsere Leistungsfähigkeit betrifft. Deshalb auch meine nüchterne Rechnung zu den Flüchtlingen, verbunden mit einem 10-Punkte-Programm.

Letzte Woche hat der Chefvolkswirt der Deutschen Bank für erhebliche Aufregung gesorgt mit seinem Kommentar in DIE ZEIT. Heftige Kommentare waren die Folge, in denen auch meine nüchterne Analyse gelobt wurde. Deshalb dachte ich mir, ich schaue mir den Kommentar genauer an, wohl wissend, dass es ein Minenfeld ist. Hier David Folkerts-Landau vs. Daniel Stelter:

  • „Deutschland dürfte in diesem Jahr die USA als Einwanderungsland Nummer eins ablösen. Damit befindet sich das Land inmitten einer historischen Weichenstellung, deren Tragweite wohl mit der Wiedervereinigung verglichen werden muss.“ – bto: Das muss auch mit Blick auf die Kosten gesagt werden, die über eine Generation locker die Größenordnung der Wiedervereinigung erreichen dürften. Dabei darf auch daran erinnert werden, dass es sich bei den Menschen aus der DDR um Deutsche handelt, die das Pech hatten, auf der falschen Seite des Eisernen Vorhangs zu leben, nach einem Krieg, den wir begonnen haben.
  • „Zuwanderung schafft, wie Freihandel, Gewinner und Verlierer. In beiden Fällen fließt der Nutzen zunächst eher dem Faktor Kapital als der Arbeit zu, da zusätzliche Hände den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt verschärfen.“ – bto: Das ist sicherlich richtig.
  • „Gesellschaftliche Errungenschaften wie soziale Sicherung und Bildungssystem geraten zunächst unter Druck, da Zuwanderer Leistungen benötigen, ohne gleich entsprechende Steuern und Versicherungsbeiträge zu erbringen. Daher müssen wohl einige der Regeln am Arbeitsmarkt und der sozialen Sicherung überprüft werden.“ – bto: Auch dies stimmt. Leider sagt Folkerts-Landau nicht, was konkret es bedeutet: Wie hoch sind die Kosten denn nun wirklich? Und wer trägt sie?
  • „Weit stärker ins Gewicht fallen allerdings die enormen politischen und ökonomischen Vorteile der Zuwanderung. Diese hat das Potenzial, unsere Wirtschaft nicht nur zu erneuern, sondern über Generationen hinweg Wohlstand zu sichern.“bto: O. k., also kurzfristig gibt es etwas Anpassungsbedarf und hier und da „Verlierer“ – vor allem die Arbeitnehmer –, aber langfristig gibt es enorme Vorteile. Da bin ich sicher, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank quantifiziert diese. Schau’n wir mal, was jetzt kommt.
  • „Nur durch massive Zuwanderung wird es Deutschland gelingen, langfristig seinen Lebensstandard und einen Platz unter den drei bis vier wichtigsten Ländern in der Welt zu sichern. Die Kosten der Integration sind also eine kluge Investition in die Zukunft.“ – bto: Ich stimme zu, dass wir dringend Zuwanderung brauchen. Doch bis hierher sind es unquantifizierte Allgemeinplätze von Folkerts-Landau. Er quantifiziert nicht die Kosten und er unterscheidet nicht nach der Art der Migration. Handelt es sich um produktive Zuwanderer, die durch ihre Qualifikation den deutschen Arbeitsmarkt befruchten oder um unproduktive, die lediglich die Kosten des Sozialstaats erhöhen und damit nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft die Wirtschaft belasten? Vor allem unterscheidet Folkerts-Landau wie die meisten Kommentatoren nicht zwischen Flüchtlingen und Migranten. Das muss man aber tun, wenn man, wie vom Chefvolkswirt der Deutschen Bank eigentlich zu erwarten wäre, die ökonomischen Folgen diskutiert. Flüchtlinge verdienen unsere Unterstützung. Zuwanderer müssen einen Beitrag zu unserem Wohlstand leisten.
  • „So stehen Länder mit hohen Immigrationsanteilen besser da als Staaten mit weniger Zuwanderern. Kulturell diversifizierte Gesellschaften sind lebendiger, sozial flexibler, innovativer, anpassungsfähiger und wandlungsbereiter. Solche Volkswirtschaften weisen dadurch eine größere soziale und wirtschaftliche Mobilität auf, was Produktivität und Produktionswachstum fördert. Immigranten stellen eine Bereicherung dar: Sie suchen etwas Besseres, sehnen sich nach Freiheit und wissen, dass sie sich all das erst erarbeiten müssen.“ – bto: Das stimmt. Doch werfen wir einen Blick auf diese Länder: USA, Australien, Kanada, UK, Schweiz und ein paar andere. Was macht diese Länder aus? Zunächst handelt es sich dort um Zuwanderer und nicht um Flüchtlinge. Sie wählen die Zuwanderer aus und zugleich ist von Anfang an klar, dass diese selber für sich sorgen müssen! Damit hat man automatisch eine andere Grundgesamtheit, als wenn man jeden aufnimmt. Ich erinnere mich an mein Studium, wo jene, die eine Aufnahmeprüfung machen mussten, um an der Universität studieren zu dürfen, regelmäßig deutlich bessere Leistungen erbrachten als die Inländer, die mit Abitur einen unbegrenzten Zugang zu der Uni hatten. Zu behaupten, jedes Land profitiert unabhängig von der Art der Zuwanderung, ist eine bewusste Irreführung.
  • „Gerade Deutschland braucht Zuwanderer. Wir stehen vor einem ernsthaften Problem der Überalterung. Wenn sich nichts ändert, erwartet uns eine Zukunft mit weniger Arbeitskräften und mickrigen Wachstumsraten. Die Älteren werden an politischer Macht und Einfluss gewinnen. Deutschland wird zu einem statischen, risikoscheuen und in sich gekehrten Land. Besitzstände zu wahren, wird wichtiger sein als Neues zu schaffen.“ – bto: Ja! Das stimmt. Präzise gesagt, brauchen wir produktive Zuwanderer, die einen Beitrag zu unserem BIP und den Sozialsystemen leisten. Angesichts der demografischen Entwicklung und der Tatsache, dass wir ein hoch industrialisiertes Land sind, benötigen wir qualifizierte Zuwanderer! Doch genau die kommen nicht zu uns, sondern gehen in die von Folkerts-Landau gelobten Einwanderungsländer. Stattdessen:  70 Prozent der Afghanen und 15 Prozent der Syrer sind Analphabeten, 22 Prozent der Flüchtlinge haben keinen Schulabschluss, so die ersten Daten. Wer jetzt denkt, dass holt man dann hier einfach nach, wird ebenfalls eines Besseren belehrt: 70 Prozent der Azubis, die aus Syrien, Afghanistan und dem Irak geflohen waren und im September 2013 ihre Lehre begonnen hatten, haben sie inzwischen ohne Abschluss wieder beendet. 
  • Ich hatte ja schon vor Wochen – obwohl ich keinen Stab habe wie die Deutsche Bank, der mir die Analysen macht – eine überschlägige Rechnung aufgemacht, was man glauben muss, damit sich die Zuwanderung lohnt. Heute nun eine kleine grafische Aufbereitung dazu. Wie man sieht, müssten 60 Prozent der Flüchtlinge produktiv sein und dabei 40.000 Euro pro Kopf verdienen, damit die Zuwanderung für uns finanziell neutral ist. Die Deutsche Bank geht also entweder von einem Anteil der Produktiven von über 60 Prozent aus (was angesichts der tatsächlichen Qualifikation illusorisch ist) und/oder von Gehältern von 40.000 Euro und mehr. Wo sollen die gezahlt werden?

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  • „Als alternde Gesellschaft läuft Deutschland Gefahr, den Anschluss zu verpassen. Wer wird dafür sorgen, dass neue Branchen entstehen? Die globale Technologiebranche ist eine junge Industrie, die von jungen Menschen geschaffen wurde und deren Produkte von jungen Menschen nachgefragt werden.“ – bto: Ja! Das stimmt. Wir haben Industrien aus dem Kaiserreich und die Zukunft wird von jungen Stanford-Absolventen aus allen Teilen der Welt im Silicon Valley erfunden. Und mit denen sollen Schulabbrecher konkurrieren können, nur weil sie jetzt nicht mehr unter furchtbaren Umständen in Kriegsgebieten leben müssen, sondern bei uns?? Mit einer solchen schwachen Argumentation schadet David Folkerts-Landau den Flüchtlingen mehr, als er denkt. Wir müssen helfen, wir dürfen dabei nur die Menschen in Deutschland nicht für dumm verkaufen. Wir helfen gerne und sollen das auch tun. Wir sollten uns aber nicht selbst etwas vorlügen. Denn das ist nur Wasser auf die Mühlen radikaler Kräfte.
  • „Ohne nennenswerte Nettozuwanderung würde die Zahl der Erwerbstätigen über die nächsten zehn Jahre um rund 4,5 Millionen schrumpfen. Das Wirtschaftswachstum würde von derzeit im Schnitt 1,5 auf rund 0,5 Prozent sinken. 2030 wäre voraussichtlich ein Zustand der Stagnation erreicht. Unser heutiges Wohlfahrtssystem kann jedoch bei einer alternden Bevölkerung nur aufrechterhalten werden, wenn die Wirtschaft längerfristig um mehr als zwei Prozent im Jahr wächst. Sonst sind in den sozialen Sicherungssystemen, insbesondere im umlagefinanzierten Rentensystem, Leistungskürzungen unvermeidlich.“ – bto: Auch das stimmt. Nur welche Leistungskürzungen werden erst erforderlich sein, wenn wir uns Kosten von mehr als einer Billion Euro aufbürden für Migranten, die keinen Beitrag dazu leisten. Was noch viel schlimmer wirkt: Weil wir jetzt ungestört aufnehmen, werden wir nicht die Kapazität und die Bereitschaft haben, qualifizierte Migranten aufzunehmen. Für diese werden wir im globalen Wettbewerb um Talente immer unattraktiver. Nimmt die Ausländerfeindlichkeit zu was unvermeidlich passieren wird schrecken wir genau die ab, die wir eigentlich bräuchten. Die gehen dann noch lieber in die Länder, wo sie wirklich willkommen sind und nicht für eine überalterte Gesellschaft, die sich zudem ein dauerhaftes finanzielles und soziales Problem ins Land geholt hat, zahlen müssen. Die derzeitige Politik wird das Problem verschärfen, nicht lösen. 
  • „Doch auch die Massenauswanderung irischer Bauern nach Amerika Mitte des 18. Jahrhunderts traf dort auf heftigen Widerstand. Gleichwohl war ihr langfristiger wirtschaftlicher Nutzen immens. In den Jahren von 1830 bis 1910, in denen Immigranten ein Drittel des Bevölkerungswachstums in den USA ausmachten, wuchs die Wirtschaft geschätzt um 280 Prozent schneller als ohne Einwanderer.“ – bto: Soweit ich weiß, gab es damals in den USA nur einen Weg nicht zu verhungern: Arbeit.
  • „Auch Deutschland hat eine erfolgreiche Einwanderungsvergangenheit. Trotz der enormen Zerstörungen der Kriegsjahre bestand die Bevölkerung der Bundesrepublik 1950 zu nahezu einem Fünftel aus Flüchtlingen und Vertriebenen.“ – bto: klar. Die sprachen Deutsch, waren gut ausgebildet und wussten, ohne Arbeit wird das nicht funktionieren. Man kann doch nicht ernsthaft die damalige Flucht mit der heutigen vergleichen.
  • „Die Zuwanderung wird Deutschlands wirtschaftliche Vorreiterrolle in Europa – nachdem die Anlaufschwierigkeiten überwunden sind – über Jahrzehnte festigen. (…) Deutschland hält die Chance in den Händen, seinen Ruf als globales wirtschaftliches „Powerhaus“ zu festigen und kann längerfristig wieder zu dem wissenschaftlichen und kulturellen Zentrum werden, das es einmal war.“ – bto: Sorry, jede noch so simple Überschlagsrechnung zeigt, dass das nicht stimmt.

Damit komme ich zu meinem Fazit: Was wir hier sehen, ist dasselbe Muster wie beim Thema Euro.

  1. Es werden Behauptungen aufgestellt, ohne diese zu belegen („Flüchtlinge erhalten Wohlstand.“ – „Wir sind die Gewinner des Euro.“)
  2. Es werden „Investitionen“ gefordert, ohne diese zu quantifizieren („Kosten der Integration sind eine kluge Investition in die Zukunft.“ „Scheitert der Euro, …“)
  3. Es wird nicht gesagt, wer es bezahlen muss („Faktor Arbeit verliert relativ“ „Es sind ja nur Bürgschaften, für die tiefen Zinsen ist die EZB zuständig …“)
  4. Es wird in moralischen Kategorien argumentiert, statt in quantifiziert ökonomischen.

Politiker mögen das ja machen können, für Volkswirte und Experten ist es schlicht nicht akzeptabel. Das große Problem, das ich als Folge der beiden ungelösten Krisen sehe, ist die Radikalisierung der Politik: Offensichtliche Probleme, die von der Mainstream-Politik geleugnet werden (mit Unterstützung bereitwilliger Kommentatoren wie hier), geben den radikalen Kräften Auftrieb.

→ DIE ZEIT: „Lasst sie kommen!“, 15. Oktober 2015

16 Antworten
  1. Michael Stöcker says:

    Es war zwar nicht letzte Woche, sondern gestern, aber ansonsten teile ich Ihre Kritik. Folkerts-Landau argumentiert nicht im Interesse Deutschlands, sondern im Interesse der 1 %, zu denen er laut Wiki mit einem geschätzten Vermögen von 350 Mio sicherlich zählt. Die 1 % brauchen den Lohndruck, damit die 99 % nicht zu aufmüpfig werden.

    Die 1 % wurden vielleicht durch die Analyse von Charles Goodhart von der LSE aufgeschreckt: http://blog.zeit.de/herdentrieb/2015/10/01/einkommensverteilung-hat-nichts-mit-demographie-zu-tun_8901

    LG Michael Stöcker

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  2. MFK says:

    Die Frage bleibt offen, warum schreibt Herr Folkerts-Landau so etwas? Hat er nicht das intellektuelle Vermögen, diese Frage richtig einzuordnen? Das ist selbstverständlich nicht der Fall. Banken sind nicht erst seit dem Fall Commerzbank auf Politiknähe angewiesen. Frau Merkels Geburtstagsfeier für Herrn Ackermann ist legendär. An diesem hat auch Frau Dr. Springer teilgenommen. Auch ein Zufall? Nein, auch die Presse profitiert von Politiknähe und hier schließt sich der Kreis. Eigentlich solte man derartige Propaganda, wie sie Herr Folkerts-Landau äußerte, ignorieren.

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  3. Michael Stöcker says:

    Passt zwar thematisch nicht ganz, wird aber so eher gelesen.

    Benoît Cœuré fordert ein neues politisches Narrativ für Euroland und betont dabei auch den politischen Preis, der zu zahlen ist: http://www.ecb.europa.eu/press/key/date/2015/html/sp151016.de.html

    Der Ernst der Lage ist wohl verstanden worden. Ist aber Frankreich bereit, diesen Preis zu zahlen??? Ich habe hierzu schon an anderer Stelle große Zweifel geäußert.

    LG Michael Stöcker

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  4. Alexander Gliese says:

    Es ist tatsächlich äußerst ärgerlich, dass in öffentlichen Diskussionen kaum konkrete Zahlen und quantitative Szenarien genannt werden. Stattdessen bemüht man Allgemeinplätze, die zwar nicht detailliert untermauert werden, dafür aber keinen gravierenden Widerspruch erwarten lassen. Man bleibt im Mainstream.

    Eine tiefer gehende Analyse der Probleme und ihres Umfangs (quantitativ und qualitativ inkl. Zeithorizont) als Ausgangsbasis für zielführende Lösungsansätze, deren Umsetzungsvor- und -nachteile sich dann im Parlament und der breiten Öffentlichkeit (aus-)diskutieren ließen, unterbleibt i. W. Bei einer so grundsätzlichen und komplexen Problematik wie der massenhaften Flüchtlingszuwanderung ist das besonders ärgerlich, denn hier geht es um einen kulturell-gesellschaftlichen und demographischen Wandel Deutschlands und seiner Volkswirtschaft, der auch kommende Generationen betrifft. Wenn sich das „Projekt“ später als gescheitert herausstellen sollte oder von den hier aufgewachsenen bzw. schon voll integrierten Deutschen als falsch und/oder zu teuer empfunden würde, ließen sich die heutigen Entscheidungen bzw. Unterlassungen nicht mehr ohne Weiteres korrigieren.

    Es müsste doch allen Verantwortlichen klar sein, dass jetziges Missmanagement auch die gewohnten stabilen politischen und gesellschaftlichen Strukturen gefährden oder gar „zum Einsturz“ bringen kann. Die Flüchtlingskrise könnte zu einem Debakel für Deutschland werden, so wie es der „Abgaskandal“ für den VW-Konzern geworden ist (Zugegeben: Vom Sachverhalt her kein guter Vergleich, ab auch bei VW wurden vor vielen Jahren Fehler gemacht, deren Dimension erst jetzt deutlich wird.).

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  5. Dieter H. says:

    Konsequenzen eigenen Handelns – hauptsache ich hab mein Schäfchen im Trockenen.
    Man könnte Herrn Folkerts ja folgendes anbieten:
    Er zieht in ein 2.000 Seelendorf wo gerade 1.000 Flüchtlinge untergebracht werden. Er bekommt ab sofort noch ein Gehalt von 2.000€ im Monat, der Rest landet die nächsten 15 Jahre auf einem Sperrkomto.
    Trifft seine Prognose ein, ist alles gut, das Dorf prosperiert, alle sind glücklich und er bekommt das Geld des Sperrkontos mit Zins ausbezahlt.
    Hat er sich geirrt, dann bekommt er nichts.
    Kretchenfrage: wie würde er unter diesen Bedingungen seine Prognose stellen.

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  6. Thomas Westphal says:

    Ein einfaches „lasst sie kommen“ mit pseudoökonomischen Argumenten hilft niemanden. Weder der EU, noch Deutschland und auch nicht den Flüchtlingen. Auch wenn hier in erster Linie ökonomische Zusammenhänge der Flüchtlingskrise thematisiert werden, möchte ich an dieser Stelle auf eine hoch interessante Initiative für einen „Merkelplan“ hinweisen. Der Südosteuropäische think tank ESI hat diesen Plan vorgestellt.
    http://www.esiweb.org/index.php?lang=de&id=156&document_ID=170

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    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Lieber Herr Westphal,

      Diese Frage ist berechtigt. Ich habe sie einfach angenommen. Wir können gerne mit mehr oder weniger rechnen. Es gibt keine offiziellen Zahlen dazu. Ich denke, wenn wir Hartz IV nehmen, dann haben wir ja nur die Barkosten. Dazu kommen Unterbringung, medizinische Versorgung, Schulbildung/Sprache etc. Wenn man richtig rechnet, muss man auch die Grenzkosten für Infrastruktur inkl. Sicherheitseinrichtungen etc. mitrechnen. Angesichts der Kosten alleine für Sprachschule etc. bin ich auf 2000 pro Monat gekommen und dann auf 25 p.a. aufgerundet. Im Gegenzug habe ich auch mit recht hohen Einkommen gerechnet. Wenn Sie bessere Zahlen haben, können wir gerne mit denen arbeiten.

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      • Caro Schoen says:

        Sehr geehrter Herr Stelter, Danke für die Ergänzung zu den Kosten! Ich hatte mir die gleiche Frage wie Herr Westphal gestellt. Auch Ihre Reduzierung des Brutto-Gehaltes für Leistungsträger von 80.000 € auf 40.000 € erscheint mir sinnvoll, da realistischer. Um die Kosten etwas besser greifen zu können, sind – neben den Bezügen eines Hartz-IV-Beziehers (allein lebend, in einer mittelgroßen Stadt in einem Ballungsgebiet) in Höhe von ca. 900 – 1000 € p.M. incl. Miete und NK, ohne Kosten der Krankenversicherung – die Kosten für die weitere Unterstützung z.B. in Form von Sprachkursen zu rechnen. Hierzu vielleicht interessant, was NRW vor kurzem an finanzieller Unterstützung (einschl. Fahrtkosten und evtl. Kinderbetreuung) für Basissprachkurse ausgelobt hat: http://www.lum.nrw.de/Aktuelle_Meldungen/Basissprachkurse-zur-Arbeitsmarktintegration-von-Fluechtlingen/150910-ESF-Projektaufruf-_Basissprachkurse-zur-Arbeitsmarktintegration-von-Fluechtlingen_.pdf . Es wäre nicht nur interessant, sondern diente auch der Versachlichung der Diskussion, diese Kosten zusammenzutragen. Beste Grüße C. Schoen

      • Thomas Westphal says:

        Es ging mir jetzt weniger um eine bessere Zahl, als vielmehr um die Strukturelemente für die Rechnung. Die Kosten für die Unterkunft sind nach jetzigen Systemerfahrungen im SGB erhebliche Kosten für die Kommunen und kriegen höher als in ihrer Annahme. Aber volkswirtschaftlich betrachtet ist das streng genommen natürlich auch eine Art von Anreiz für Wohnungswirtschaftlich Unternehmen, die neue Investitionen auslösen und dann auf die produktive Seite ihrer Rechnung wandern.

  7. HG says:

    „Flüchtlinge verdienen unsere Unterstützung.“

    soso, man „verdient“ etwas, basierend auf einem Austausch von Leistungen. Was also bitte schön „verdienen“ diese „Flüchtlinge“ denn nun von irgendeinem deutschen Akteur?
    Scheint mir, das BTO mittlerweile auch schon auf den politisch korrekten Zug der neurolingustischen systemtreuen Programmierung aufgesprungen ist. Denn es ist schon auffallend am Anfang stolz zu behaupten: „Ich beschränke mich hier bewusst auf die rein ökonomische Seite“ und dann sowas „alternativloses“ wie „der Flüchtling verdient“ reinzuschieben.

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    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Machen Sie sich keine Sorgen, soweit ist es nicht. Ich denke, aus humanitären Gründen sollten wir Menschen immer helfen, wobei unser Geld viel effizienter und effektiver eingesetzt würde, wenn wir die Leute möglichst nahe an ihrem Heimatland unterstützen würden. Wenn Sie der Satz stört, so sehe ich ihn als Brücke, um auch jene zu erreichen, die vor Fokussierung auf die menschlichen Aspekte jeglichen Bezug zur ökonomischen Realität verloren haben bzw. die ohnehin kein Verständnis für ökonomische Zusammenhänge haben.

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