Japan Update: Abenomics fliegt nicht

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Japan zeigt uns den Weg. Wie mehrfach ausgeführt, haben wir es mit erschreckenden Parallelen und noch erschreckenderen Unterschieden zu tun.

  • schrumpfende Erwerbsbevölkerung;
  • hohe Verschuldung von Privatsektor als Krisenauslöser, gefolgt von hohen Staatsschulden;
  • fallende Preise für Assets;
  • eine Politik, die sich scheut, die faulen Schulden und die faulen Banken/Unternehmen (Zombies) zu bereinigen;
  • bei uns erschwert durch a) höhere Staatsschulden, b) inhomogene Bevölkerungsstruktur, c) verschiedenen Nationalstaaten mit unterschiedlichen Rollen, Gläubiger – Schuldner.

Japan läuft auf das Endspiel mit der Notenpresse hinaus.

Hier nun ein paar interessante Abbildungen, die nochmals verdeutlichen, weshalb die Hoffnung mit Abenomics die Mauer zu durchbrechen, enttäuscht wird:

Nach mehr als zweieinhalb Jahren aggressiver Geldpolitik liegen die Investitionen und die Industrieproduktion nicht höher als zuvor. Japanische Unternehmen investieren nicht (Aufträge für Maschinen fielen im August 5,7 im Juli 3,6 und im Juni um 7,9 Prozent). Der Nachfrageschub aus dem Ausland bleibt trotz deutlicher Yen-Abwertung aus.

 

ABOOK Oct 2015 Global Econ Japan Machine OrdersABOOK Oct 2015 Global Econ Japan IP

 

Das Arbeitsvolumen schrumpft derweil. Dies dürfte sicherlich auch an der demografischen Entwicklung liegen. Zugleich stagnieren die Reallöhne, wenn sie nicht sinken. Deshalb bleibt die private Nachfrage schwach.

ABOOK Oct 2015 Global Econ Japan Hours ABOOK Oct 2015 Global Econ Japan Real Wages

ABOOK Oct 2015 Global Econ Japan Real Wages Index

Interessanterweise heißt dies natürlich auch, dass Japan nicht Marktanteile in der Welt gewinnt. Der Rückgang der deutschen Exporte dürfte damit andere Ursachen haben – wie eine schwache Weltkonjunktur? Zumindest sieht es so aus, dass das „Powerhouse“ USA keines mehr ist. Die Importe aus Europa wachsen zumindest nicht mehr.

 

ABOOK Oct 2015 USTrade Imports Europe

Das japanische Ergebnis muss jene enttäuschen, die in der Geldpolitik die Lösung unserer Probleme sehen. Die Abbildung (die den falschen Titel trägt, müsste Bilanzsumme der BoJ lauten) zeigt es überdeutlich. Ein wahrer Blow-off!

ABOOK Sept 2015 Stimulus Japan QE the rest

 

Fazit: Gelddrucken schafft keinen Wohlstand. Für jene, die das noch gedacht haben.

→ Zero Hedge: We Are All (Almost) Japanese Now, 10. Oktober 2015

4 Antworten
  1. Michael Stöcker says:

    Es kommt nicht darauf an, ob Geld „gedruckt“ wird, sondern ob die relevante Geldmenge steigt. Sofern es nur eine Expansion von M0 gibt, ohne dass M1 steigt, dann liegt lediglich eine Verschiebung in der Geldhierarchie vor. Reale Effekte: Null.

    Im bestehenden System muss also als notwendige Bedingung M1 wachsen. Aber hinreichend für reale Wirkungen ist langfristig lediglich eine investive Verwendung des Kredits. Hierzu sagt Mathias Binswanger (Sohn von Hans Christoph Binswanger):

    „Reales Wachstum
    Geld wird produktiv verwendet zur Finanzierung eines Mehreinsatzes bzw. Verbesserung der Produktionsfaktoren Arbeit und Realkapital, was eine Ausdehnung bzw. Veränderung der Produktion bewirkt.
    Inflation bei Gütern und Dienstleistungen
    Geld wird unproduktiv verwendet zur Finanzierung des Kaufs von bereits existierenden Gütern und Dienstleistungen. In diesem Fall führt die Geldschöpfung zu Inflation, da sich gesamtwirtschaftliche Nachfrage erhöht, aber das Angebot konstant bleibt.
    Inflation auf Finanz- und Immobilienmärkten
    Geld wird unproduktiv zum Kauf von Wertpapieren (vor allem Aktien) oder Immobilien verwendet. In diesem Fall findet die Inflation auf den entsprechenden Finanzmärkten oder Immobilienmärkten statt, ohne dass sie in den Statistiken als Inflation gemessen wird. Sie äußert sich dann in Form von steigenden Aktienkursen oder steigenden Grundstückpreisen, da die Nachfrage nach diesen Aktiven ansteigt, ohne dass sich das Angebot verändert.“ http://www.larsschall.com/2015/09/01/die-geldschoepfung-aus-dem-nichts-ist-nicht-neutral/

    Der zweite Aspekt ist gerade die Zielstellung eines zentralbankfinanzierten Bürgergeldes, damit wir aus der Deflationsfalle herauskommen. „Gelddrucken“ kann also sehr wohl Wohlstand schaffen; man muss es nur richtig machen. Mit den klassischen Instrumenten der Geldpolitik kann man nur scheitern. Hierzu schreibe ich mir nun schon seit 2 Jahren die Finger wund.

    LG Michael Stöcker

    Antworten

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