Italien – in einem Chart

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Zunächst die Abbildung, die alles sagt:

Quelle: Zero Hegde

Ohne die EZB wäre Italien pleite und der Euro Geschichte – allerdings, wie wir am Montag gesehen haben, nur deshalb, weil die Politiker in ihrer Genialität aus einer Schulden- und Bankenkrise eine Währungskrise gemacht haben, die zunehmend die EU zerstört.

Dazu garniert Zero Hedge dann noch die altbekannten Fakten:

  • „The economy today is 10% smaller than it was before its peak prior to the 2008 financial crisis. More than 25% of Italy’s industry has been lost since then.“
  • „The International Monetary Fund (IMF) predicts it will take at least until 2025 for the Italian economy to return to its 2008 peak. Since nobody can accurately predict what’s going to happen next year, let alone nine years from now, the IMF is basically saying it has no idea how or when the Italian economy could ever recover.“
  • „Italy’s populist Five Star Movement is now the country’s most popular political party. M5S blames Italy’s economic malaise squarely on the euro. I’d say a large plurality of Italians agree, and they have a point. They claim that, under the euro, Italian industry and exports have become uncompetitive. M5S believes a return to the lira could be the remedy.“
  • „Because of Italy’s structural economic problems, it should have a significantly weaker currency. But since Italy is wrapped in the euro straightjacket, it gets monetary conditions that are far too tight than appropriate for the country.“
  • Italian banks combined have a staggering $400 billion-plus worth of loans that are 90 days past due and unlikely to be repaid in full. These nonperforming loans (NPLs) account for over 18% of all outstanding bank loans and add up to over 20% of the Italian GDP.“
  • „Making the problem worse with Italian banks is their financially incestuous relationship with the Italian government and its debt. Italy’s government has borrowed over $2.4 trillion. Its debt-to-GDP ratio is north of 130%, one of the highest in the world. In Europe, only Greece has a higher ratio.“
  • „Despite this, Italian government bonds are trading at record-low yields. It’s a bizarre and perverse situation. This is because the European Central Bank (ECB) is intervening in the market through a money-printing program, though the financial media prefers to euphemistically call it “quantitative easing.
  • „Around $1.6 trillion of Italian bonds actually have negative yields. It’s completely insane. It shows the enormous degree to which the ECB has distorted the sovereign bond market. It’s a financial Alice in Wonderland.“

„The only way bankrupt European governments like Italy’s are able to service their mountains of debt is with artificially low interest rates. The situation is so dangerous that even raising rates by a token amount could make paying the interest for the debt impossible. It would collapse the entire system.“

 

→ Zerohedge.com: „A Mile-High House Of Cards“, 9. Oktober 2016

18 Antworten
  1. Katalin says:

    Hallo,

    eine Frage:

    In einem Beitrag hier im Blog, wurde unten bei den Kommentaren ein pdf Artikel verlinkt der sich mit dem Thema Geldschöpfung oder Geldsystemen beschäftigt. Ich kann diesen Beitrag nicht mehr finden.
    Kann mir jemand bitte helfen. Es handelte sich um einen Beitrag aus Österreich bzw. eines österreih. Autors. Oben in der URL stand jedenfalls .at

    Danke

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Hier nun wie versprochen meine Einschätzung zum Papier von Christian Felber. Aus den geschätzten 95 – 98 Prozent Zustimmung sind nun doch nur ca. 85 % geworden.

      Ad 1.) Hier müsste ergänzend stehen, dass unter Geld nur das gesetzliche Zahlungsmittel zu verstehen ist. Da bei uns aber der Grundsatz der Vertragsfreiheit gilt, können selbstverständlich auch vom dispositiven Recht abweichende Vereinbarungen getroffen werden (Zahlungsziele, Schecks, Wechsel, Fremdwährungen, Bitcoin, Gold, Factoring… siehe von Hayek bzw. Perry Mehrling).

      Ad 2.) „Sie erschaffen im Zuge der Kreditvergabe neues Geld – sie sind moderne Alchimisten“
      Banken erzeugen kein Geld im Sinne des gesetzlichen Zahlungsmittels sondern Giralgeld. Siehe hierzu auch: http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/FAQ_Listen/faq_zum_thema_geldschoepfung.html?docId=175748#175748

      Ad 3.) Kann man so machen. Ist die effektivere und sicherere Variante der Bargeldauszahlung am Automaten. Wird ja so auch bei Wertpapierdepots gemacht. Aber: Lässt sich natürlich ähnlich schön beschlagnahmen wie Goldbestände in Banktresoren, wenn es hart auf hart kommt. Ansonsten könnte die ZB es aber auch einfach inflationär in Abstimmung mit dem Finanzministerium durch ein starkes Anwerfen der „Druckerpresse“ (Inflationssteuer) entwerten.

      Ad 4.) OK

      Ad 5.) Hier ist der alles entscheidende Knackpunkt. Wenn tatsächlich nur ein existentes Aktivum verliehen wird, dann findet in der Tat ein Aktivtausch statt. Aber dann darf dieses Vollgeld nicht an fremde Dritte weiter gegeben werden. Dafür bedarf es eines Kreditvertrags, durch den eine gegenseitige Forderungen und Verbindlichkeiten begründet wird (Wo und wie passiert das in der Bankbilanz? Das Vollgeld des „Einlegers“ Meier ist nach Felber nun das Vollgeld des Kreditnehmers Müller und somit Aktivum=Forderung und Passivum=Verbindlichkeit in Personalunion auf der Aktivseite???). Wie lauten zudem die Buchungssätze, bei dem bei einer Überweisung an eine andere Bank das Vollgeld wieder aus der Bankbilanz verschwindet? Da habe ich bislang noch nichts zu gelesen. Sind solche Überlegungen schon angestellt worden? Mir scheint dies technisch und logisch unmöglich, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

      Bis dahin bleibe ich dabei, dass Geld nicht verliehen werden kann und dass Geld und Kredit inkommensurabele Konzepte sind. In diesem Kontext verweise ich auch auf diese Diskussion: https://soffisticated.wordpress.com/2012/12/15/geld-oder-kredit-who-cares-banken/#comment-316

      Ad 6.) „Sollten die Sparanlagen nicht ausreichen, um den realen Kreditbedarf zu decken, kann die Zentralbank auch in einem Vollgeld-Regime jederzeit zusätzliche Kredite an die Geschäftsbanken vergeben: gleich wie heute.“
      Eben nicht gleich wie heute. Vollgeld ist schuldfreies Geld, während Kredite an die Geschäftsbanken Schuldgeld sind. Auch hier werden zwei inkommensurable Kategorien in eine Topf geworfen. Damit ist aber auch Punkt 7. unhaltbar. Von daher möchte ich mich an dieser Stelle auch gar nicht erst mit Punkt 8. auseinandersetzen.

      Keinen Dissens gibt es hingegen, dass über den Staatshaushalt oder ein zentralbankfinanziertes Bürgergeld unmittelbar Schulden als ewige Schulden in die Wirtschaft geschleust werden können. Zinsen auf diese ewigen Schulden machen grundsätzlich keinen Sinn, da sie wieder als Gewinn an den Staat ausgeschüttet würden. Dieses Instrument eines zentralbankfinanzierten Bürgergeldes kennt übrigens jeder aus seiner Kindheit, der Monopoly gespielt hat. Wann und warum gab es da noch gleich Geld für lau? Sollten alle mal wieder spielen, die unser Geldsystem verstehen möchten und insbesondere, warum dieses Spiel ein Ende hat, wir aber weiter leben.

      Ich habe mir mal wieder seit langem einen Vortrag von Huber angeschaut. Ich bin ja mit vielen seiner Analysen einverstanden, aber was er hier von sich gibt ist kompletter Nonsens:

      „…ob dieses Geld [die Banknoten] im Umlauf kommt, das bestimmt nicht die Regierung oder die Zentralbank, sondern das bestimmen die Banken mit ihrer Nachfrage…“ https://www.youtube.com/watch?v=0vOy3f6LdZo Minute 9:50.

      Als wenn die Banken irgendeinen Bedarf an Bargeld hätten. Die möchten es aus Kostengründen am liebsten abschaffen. Wir Kunden sind es, die die Nachfrage nach Banknoten bestimmen, aber doch nicht die Bank. Übrigens: Das Bargeld im Besitz von Geschäftsbanken zählt nicht zur Geldmenge M1, sondern erst dann, wenn es aus dem Geldautomaten in Kundenhand gelangt ist. Die Geldmenge M1 ändert sich allerdings nur in der Zusammensetzung, nicht aber in der Höhe. Das passiert nur dann, wenn ein Bankkredit vergeben oder aber getilgt wurde.

      So, das war‘s für heute.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Michael Stöcker says:

        Vielen Dank für den Link. Ich werde das in der kommenden Woche mal von der buchungstechnischen Seite prüfen und durchdenken. Völlig einverstanden bin ich mit der Verbuchung der ewigen Schuld parallel zum Münzgeld. Dies entspricht exakt meinem Vorschlag, den Braunberger nicht verstehen konnte oder aber verstehen wollte: http://blogs.faz.net/fazit/2016/08/01/abschaffung-des-bargelds-eine-irrefuehrende-begriffswahl-7939/#comment-5982. Etwas Ähnliches schwebt ja dem anderen Thomas Mayer (ex DB) vor, dessen Idee eines privaten Konkurrenzgeldes ich aber letztlich für absurd halte, da tumbe Austrian-Denke und zudem an der Realität bereits vielfach gescheitert.

        LG Michael Stöcker

      • Michael Stöcker says:

        Lieber Hannes H.,

        ich habe mir die Buchungen von Mayer mal angeschaut. Das ist alles buchungstechnisch gut durchdacht und somit grundsätzlich möglich. Das ist allerdings nur die buchungstechnische Seite, die jedoch nicht die Natur des Geldes widerspiegelt. Wir können den Menschen nicht vorschreiben, womit sie ihre gegenseitigen Forderungen und Verbindlichkeiten erfüllen möchten.

        Damit kann aber das Versprechen bzw. das Ziel der Vollgeldbewegung nicht erfüllt werden. Es bleibt nämlich lediglich die Menge an gesetzlichem Zahlungsmittel stabil, nicht jedoch die Geldmenge an sich; es sei denn, wir führen massive Einschränkungen bei der Vertragsfreiheit sowie beim Devisenverkehr ein.

        Und dann habe ich mit einem weiteren Satz von Mayer ganz große Probleme:

        „Das heisst, die Nationalbank darf schuldfreies Geld nur in dem Ausmass in Umlauf bringen, wie es für die kommenden Jahrzehnte in jedem Falle benötigt wird. Darüber hinaus sollte die Nationalbank Darlehen an Banken vergeben oder Vermögensgüter kaufen.“

        Woher zum Teufel weiß die Nationalbank, wie hoch in den kommenden JahrZEHNTEN der Bedarf ist???

        Mein größtes Problem besteht jedoch darin, dass auf diesem Wege dem Geld ein tatsächlicher Wert zugesprochen werden soll. Geld hat aber keinen Wert an sich, sondern erhält seinen Wert erst durch die Verwendung (Ausgabe). Die Geldvermögensakkumulation wird also belohnt, wenn diese Beträge nun durch die ZB nominell garantiert werden. Wir sollten nicht hinter die Erkenntnisse von Platon und Aristoteles zurückfallen: http://www.digitalis.uni-koeln.de/JWG/jwg_138_177-187.pdf. Ein erzwungenes einstufiges Geldsystem fördert den von Platon zu recht gegeißelten Chrematismus und wurde von Aristoteles so übernommen.

        LG Michael Stöcker

      • Michael Stöcker says:

        Lieber Herr Dr. Stelter,

        vielen Dank für den Link zum Paper von Benes und Kumhof. Ich habe es ja bekanntlich nicht so mit Vollgeld und insofern auch nicht mit 100 % Geld, da ich grundsätzlich der Überzeugung bin, dass das Geld hybrider Natur ist. Und wenn ich schon ganz zu Beginn lese, dass die zwei dem infantilen Zeitgeist folgend die ganze Nummer in einem DSGE-Modell simulieren, dann kann eigentlich nicht viel Sinnvolles bei herauskommen. Zu dieser Einsicht bzgl. DSGE sind wohl mittlerweile auch manche unserer Gagagrovos gekommen: http://www.forbes.com/sites/stevekeen/2016/10/04/olivier-blanchard-equilibrium-complexity-and-the-future-of-macroeconomics/.

        Staatsschulden, die ständig zu 0 % revolviert werden, haben letztlich eine ähnliche Funktion wie schuldfreies Bestandsgeld. Da eine Gesellschaft ohne Geld zusammenbricht, bedarf es also bei privater Verweigerung immer einer kollektiven Weisheit, die den Rückgang des privaten Kreditgeldes durch staatliche Kreditexpansion kompensiert. Da ich der Auffassung bin, dass das Geld immer leicht inflationiert werden sollte, bedarf es grundsätzlich eines ständigen Zuflusses an Geld, das dann aber auch nachfragewirksam werden muss. Dabei ist es egal, ob dies staatlicher oder aber privater Natur ist. Damit wir einen Überblick behalten, wie viel schuldfreies Bestandsgeld in den Kreislauf injiziert wurde, bin ich grundsätzlich gegen eine Verrechnung von Aktiva und Passiva innerhalb der Zentralbankbilanz.

        Zum Ansatz von Kumhof und Benes teile ich die Einschätzung von Brodbeck:

        „Eine modernere Abart davon ist die Idee des Vollgeldes. Hier bindet man den Geldwert nicht an Gold, verbietet aber den Banken, eigenes Geld durch Giralgeld zu schöpfen. Es soll eine 1:1 Einlagesicherung geben. Nur was Sparer und die Zentralbank im Banksystem zur Verfügung stellen. darf wieder als Kredit gesammelt und ausgegeben werden. Diese Idee wurde ursprünglich von dem Chicago-Ökonom Henry Simons entwickelt; später übernommen von Irving Fisher, und neuerdings wird diese Idee auch von Autoren des IMF (Benes und Kumhof, 2012) sowie Anhängern in Deutschland und Österreich vertreten (z.B. von Joseph Huber).“ http://www.khbrodbeck.homepage.t-online.de/phaenom.pdf (Seite 27).

        LG Michael Stöcker

    • Michael Stöcker says:

      Lieber Hannes H.,

      vielen Dank, dass Sie in die Vollgelddiskussion eingestiegen sind. Dadurch musste ich mich noch einmal etwas intensiver mit den Vorschlägen von Huber & Co. auseinander setzen. Dabei ist mir klar geworden, dass es sich in der Tat um eine technische aber auch ganz praktische Unmöglichkeit handelt.

      Ich bin soeben auf eine Veranstaltung mit Huber und Brodbeck aus dem letzten Jahr gestoßen. Sie werden dort von Brodbeck sehr ähnliche kritische Anmerkungen finden wie die von mir vorgetragenen. Auch Dr. Stelter hatte sich in einem Beitrag für das Vollgeld ausgesprochen; und zwar im Kontext der Bargeldabschaffung. Die Vollgeldidee basiert auf der falschen Annahme, dass man die Hierarchieebenen im Geldsystem abschaffen könnte. Damit sollten wir uns nicht weiter beschäftigen, sondern die vielen Gemeinsamkeiten der Geldsystemkritiker nutzen und uns mehr darauf konzentrieren, wie wir die Schöpfung und Akkumulation von fiktivem Kapital eindämmen können, mit dem wiederum reale Werte akkumuliert werden. Nicht umsonst hatte ich am Ende meines Essays zur monetären Krise des Kapitalismus geschrieben:

      „Wir stehen hier vor einem historischen Wendepunkt, der darüber entscheiden wird, ob sich die 99 % durch die 1 % weiterhin kujonieren lassen und wir in einer Plutokratie enden oder aber den friedlichen Wandel mit einer demokratisch verankerten Zentralbank hinbekommen, die zukünftig die Interessen aller Bürger Europas gleichberechtigt anerkennt und auch danach handelt. Die monetäre Frage ist die soziale Frage des 21. Jahrhunderts.“

      Hier nun der Link zu Huber und Brodbeck: https://www.youtube.com/watch?v=bA9gGLK0YAo.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
    • Michael Stöcker says:

      In diesem Kontext noch ein zentraler Absatz aus Brodbecks Phänomenologie des Geldes:

      „Eine modernere Abart davon [Metallismus] ist die Idee des Vollgeldes. Hier bindet man den Geldwert nicht an Gold, verbietet aber den Banken, eigenes Geld durch Giralgeld zu schöpfen. Es soll eine 1:1 Einlagesicherung geben. Nur was Sparer und die Zentralbank im Banksystem zur Verfügung stellen. darf wieder als Kredit gesammelt und ausgegeben werden. Diese Idee wurde ursprünglich von dem Chicago-Ökonom Henry Simons entwickelt; später übernommen von Irving Fisher, und neuerdings wird diese Idee auch von Autoren des IMF (Benes und Kumhof, 2012) sowie Anhängern in Deutschland und Österreich vertreten (z.B. von Joseph Huber). Hier soll die Institution „Gesetz“ dasselbe erreichen, was eine Golddeckung beim Metallismus angeblich bewirkt. Beide Auffassungen gehen davon aus, dass sich die soziale Funktion des Geldes mechanisch durch eine Menge (Geldmenge) erfassen und definieren lasse, die zudem kontrollierbar sei. Hayek, obgleich Schüler von Mises, vertrat eine nominalistische Theorie, wollte aber die Kontrolle der Geldmenge letztlich dem Markt übergeben: Banken sollen je ihre eigenen Noten drucken und in Umlauf bringen dürfen. Der Wettbewerb werde dann schon die Wechselkurse zwischen diesen Banknoten zu einem harmonischen Gleichgewicht führen – so Hayeks Gedanke, dessen Naivität ich hier nicht kommentiere, sieht man ab davon, dass es solch ein System im 19. Jahrhundert durchaus schon gab, mit regelmäßigen Bankruns und Zusammenbrüchen.“ http://www.khbrodbeck.homepage.t-online.de/phaenom.pdf

      Wie wahr!

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        >Hier soll die Institution „Gesetz“ dasselbe erreichen, was eine Golddeckung beim Metallismus angeblich bewirkt. Beide Auffassungen gehen davon aus, dass sich die soziale Funktion des Geldes mechanisch durch eine Menge (Geldmenge) erfassen und definieren lasse, die zudem kontrollierbar sei>

        Das ist jenseits von technischen Problemen m. A. n. DIE Kritik am Vollgeld, mit der sich die Befürworter ernsthaft auseinandersetzen müssen:

        Was Vollgeld verhindern kann, ist eine Sache. Was es nicht leisten kann, aber geleistet werden müsste der Erwartung und dem Verständnis von Wirtschaften nach, ist eine andere – die ENTSCHEIDENDE für eine umfassende Beurteilung.

        Handlungsoptionen und deren interessengebundene Wahrnehmung ist das A und O unseres Wirtschaftssystems. Mit dem bestehenden Geldsystem kann dies zu Katastrophen führen. Schön, wenn diese verhindert werden können. Wenn sie nur mit einem anderen Geldsystem zu verhindern sind, dann ist dieses ernsthaft zu erwägen. Dazu gehört die Beantwortung folgender Frage:

        Kann und wird es akzeptiert, wenn Handlungsoptionen und deren interessengebundene Wahrnehmung durch eine zwar begründbare, aber dennoch WILLKÜRLICHE BEGRENZUNG des verfügbaren Geldes ausgeschlossen werden?

        Ich habe da große Zweifel.

  2. Dietmar Tischer says:

    Steigende Staatsschulden und fallende, sogar negative Zinsen – das ist in der Tat krank. Da muss man noch nicht einmal die Banken-Malaise mit einbeziehen.

    Ich meine auch, dass die Situation gefährlich ist.

    Scheint aber niemanden groß zu interessieren oder gar aufzuregen.

    Warum auch – M5S mit eine gelernten Clown an der Spitze?

    Da kann nichts schief gehen, wenn Profis wie Draghi mit der Geldspritze löschen, bevor noch eine Feuer ausgebrochen ist.

    Dennoch nur mal so eine Überlegung:

    Was ist, wenn die Fed an der Zinsschraube dreht (wenn auch nur ganz, ganz bescheiden) und dadurch Kapital aus der Eurozone abgezogen und im Dollar-Raum angelegt wird?

    Auf diese Situation, die mir nicht ewig weit entfernt scheint, bin ich gespannt.

    Wie wird der große Meister darauf reagieren?

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      „Was ist, wenn die Fed an der Zinsschraube dreht (wenn auch nur ganz, ganz bescheiden) und dadurch Kapital aus der Eurozone abgezogen und im Dollar-Raum angelegt wird?“

      Im ersten Moment wird die Herde wie immer hysterisch losrennen und die Zentralbanken werden bei Bedarf die notwendige Liquidität zur Verfügung stellen. So wie auch schon 2008. Der Dollar wird ein wenig aufwerten, alle Länder, die auf Dollarbasis verschuldet sind einen Schock erleiden, was wiederum deren Wirtschaft abwürgen wird und Uncle Sam wird am Ende des Tages feststellen, dass er sich damit mal wieder ins eigene Knie geschossen hat. Immerhin hat dann die Fed die Möglichkeit, die Zinsschraube wieder zu lockern. Aber wie gesagt: An Homöopathie mag glauben wer will. In dieser schweren Krise müssen schon andere Geschütze in Stellung gebracht werden. Die Zinspolitik ist mit ihrem Latein schon lange am Ende. Ich erinnere nochmal an diesen Beitrag: http://blogs.faz.net/fazit/2016/09/02/hallo-finanzpolitik-tschuess-geldpolitik-8072/. Diese Erkenntnis kommt den Konservativen zwar reichlich spät, aber wir können daran erkennen, dass sogar das Zentralorgan der deutschen Austeritätsapostel einen gewissen Lernprozess durchläuft.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
    • Ralph Klages says:

      Der Meister wird weitermachen wie bisher: QE ohne Ende. Denn auch die anderen Währungsräume haben ihre Probleme, vorzugsweise der greenback: Mit schon minimaler Aufwertung verteuert er seine Exporte, was die ohnehin wackeligen US-Arbeitsplätze gefährdet und den inländischen Konsum empfindlich beeinträchtigt. Umgekehrt wird es für den leicht abgewerteten Euro sogar besser: Die Importpreise in Dollar valutiert (ÖL !) werden steigen, was dem Meister ja sogar nützt: Die Inflation steigt – minimal. Aber die deutschen Exporte gehen dann erst recht durch die Decke. Auf solche Qualitätswerte kann man sehr wohl setzen (Aktien, Anleihen). Macht der Meister vielleicht auch. LG

      Antworten
  3. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker, Ralph Klages

    Erst einmal:

    Die Fed wird nur extrem minimalistisch an der Zinsschraube drehen, weil das Risiko eines Zinsschocks nur allzu bekannt ist – VORERST wird sie so handeln.

    Wie es später aussieht, wenn die Inflation – angetrieben von weiter abnehmender Arbeitslosigkeit und damit einem knapperen Angebot von Arbeitskräften – deutlicher als jetzt steigt, ist eine Sache von vermutlich übermorgen oder später.

    Ich gehe jedenfalls davon aus, dass die Inflation in USA zunehmen wird.

    Zum anderen:

    Der Euro hat schon jetzt spürbar zum US Dollar abgewertet. Ob das einer bevorstehenden Fed– Entscheidung zur Zinspolitik geschuldet ist, sei dahingestellt.

    Auf jeden Fall:

    Hurra – gut für uns, die Exporte erhalten Rückenwind und die Importe tendieren dazu, die Inflation in der Eurozone anzukurbeln.

    Dies verhindert aber nicht, dass es zu Kapitalexporten in den Dollarraum kommt, die liquiditätsbelastend sind.

    Klar, Meister Draghi wird weitermachen wie bisher – was soll er auch sonst machen.

    Aber wenn er die Zügel noch weiter anzieht, z. B. durch erhöhte Strafzinsen für die Banken, dann kann die Lage für diese untragbar schwierig werden, wenn es gleichzeitig zu Kapitalabflüssen kommt.

    Wie auch immer, in der Vergangenheit bestand so gut wie immer eine positive Korrelation zwischen der Zinspolitik von Fed und der EZB.

    Ich sehe nicht, dass dies zukünftig anders sein wird.

    Antworten
  4. Dietmar Tischer says:

    @ Daniel Stelter

    >Letztlich funktioniert unsere Geldordnung wenn Kredite nur zu produktiven Zwecken vergeben werden und die Kreditgeber volles Konkursrisiko haben.>

    Klar, sie funktioniert nicht, wenn Kredite überwiegend oder nur für konsumtive Zwecke vergeben werden.

    Ist deshalb der Umkehrschluss richtig?

    Ich habe Zweifel:

    Die Kredite können NUR für produktive Zwecke vergeben werden und DENNOCH zu einem Kollaps des Geldsystems (nicht der Geldordnung) führen und zwar dann, wenn mit den produktiven Zwecken die Kreditkosten nicht verdient werden können. Das ist in einer deflationären Phase tendenziell der Fall.

    Wenn derart produktive Unternehmen pleitegehen, werden – falls sie das VOLLE Konkursrisiko haben – auch Banken pleitegehen. Und dann werden aufgrund der Kreditverkettung weitere Banken pleitegehen… Im ungünstigsten Fall kollabiert das Finanzsystem und damit auch das Geldsystem.

    Als weitere Bedingungen sind m. A. n. hinzuzufügen:

    Normale wirtschaftliche Entwicklung mit kontinuierlich hinreichend positivem Wachstum, eine Finanzsystem, das durch Regulierung krisenfest gemacht wird und eine makroprudentielle Wirtschaftspolitik, die krisenträchtigen Entwicklungen entgegenwirkt.

    Ich lese gerade, dass die Regierung überlegt, den zinsinduziert angeheizten Wohnungsbau bzw. Erwerb von Immobilien durch strengere Eigenkapitalanforderungen zu dämpfen. Ob das wirkt, ist eine Sache. Dass das angebracht ist, halte ich nicht für abwegig.

    Antworten

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