Ist ein Schweizer Staatsfonds eine so schlechte Idee?

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Bereits als die Schweizer Goldabstimmung lief, habe ich angeregt, das Land solle darüber nachdenken aus der SNB eine Art Sovereign Wealth Fund zu machen. Letztlich können die Schweizer die Franken dazu nutzen, echte Vermögenswerte im Ausland zu erwerben. Dazu gehört übrigens zwingend auch Gold, aber nicht in einem so starren Rahmen wie von der letztlich gescheiterten Initiative vorgeschlagen. Ich glaube auch, nur weil sie so starr war, wurde sie abgelehnt. Ein schönes Beispiel dafür, wie man einer guten Idee mit zu extremen Positionen schaden kann. Hier nun ein Kommentar zugunsten der Idee eines solchen Staatsfonds. Zwar kann man getrost davon ausgehen, dass der Kommentator auch eigene geschäftliche Interessen verfolgt, dennoch sie die Argumente nicht von der Hand zu weisen, finde ich:

  • „Was sollte die SNB mit ihren Devisenreserven tun, die sich mittlerweile auf über 80% des Bruttoinlandprodukts der Schweiz belaufen?“ ‒ bto: sicherlich nicht in deutsche oder französische Staatsanleihen stecken!
  • Die Gegner argumentieren: „‚das Portfolio der SNB resultiert nicht aus echten Ersparnissen der Schweiz, sondern wurde durch das Drucken von Geld aufgebaut‘ – anders als zum Beispiel in Falle von Norwegen, das seinen Staatsfonds aus den Öleinnahmen finanziert.“ – bto: Das stimmt zwar, aber dies bedeutet doch nicht, dass man sein Geld deshalb bewusst schlechter managen muss!
  • „Diese Analyse ist jedoch meines Erachtens zu oberflächlich. Einen der Gründe, warum sich der Franken aufwertet, kann man in den seit Jahrzehnten systematischen und signifikanten Zahlungsbilanzüberschüssen finden (in den vergangenen 25 Jahren im Durchschnitt pro Jahr über 9,5% des Bruttoinlandprodukts). Das heisst, dass die Schweiz enorme Ersparnisse anhäuft und die Welt deshalb in der Schweiz immer stärker verschuldet ist.“ ‒ bto: Die Zahlen muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: 9,5 Prozent pro Jahr über 25 Jahre!!! Griechenland und Co. haben zehn Prozent Defizit über zehn Jahre gefahren und sind jetzt pleite. Dumm nur für die Schweizer, dass in einer Zeit globaler Überschuldung Gläubiger sein nicht witzig ist!
  • Die Kritiker der Idee führen „ins Feld, dass die Schweizerische Nationalbank (oder ein Staatsfonds) die Devisenreserven nicht investieren könne, da sie ‚leicht mobilisierbar sein müssen‘. Es muss weiterhin möglich sein, einer Abwertung des Frankens schnell und glaubwürdig zu begegnen. Es muss also jederzeit genügend Munition verfügbar sein.“ ‒ bto: Man muss ja nicht alles in Infrastruktur mit 100-jähriger Laufzeit investieren. Einen guten Teil aber schon!
  • „Darüber hinaus ist der Franken ein sicherer Hafen. Er steigt, wenn die Märkte fallen, und wertet sich in euphorischen Phasen ab. Allein aufgrund der Natur der Währung, die ihn speist, könnte ein Schweizer Staatsfonds zum ultimativen Hedge Fund werden, der mechanisch am Tiefpunkt des Marktes kauft (und hierzu Franken verkauft) und andererseits verkauft, wenn die Märkte euphorisch werden (und dabei Franken zurückkauft).“ ‒ bto: Das finde ich eine sehr smarte Beobachtung.
  • „Ein letztes Argument gegen einen Schweizer Staatsfonds lautet, dass er in ausländische Unternehmen investieren könnte, die mit schweizerischen Gesellschaften konkurrieren und sie deshalb bedrohen würden. Deshalb könnte ein solcher Fonds den Interessen des Landes zuwiderlaufen. Dem ist zu entgegnen, dass die Verwalter den Staatsfonds so gestalten könnten, dass er nur in Sektoren investiert, die es in der Schweiz nicht gibt (Automobil, Energie, Luftfahrt usw.).“ ‒ bto: was sogar die industrielle Balance der Schweiz mit Blick auf Zukunftstechnologien und neue Industrien fördern würde!

Fazit des Autors, welches auch meines ist: „Meiner Meinung nach ist dies jedoch keine so schlechte Idee, wie uns einige glauben machen möchten. In einem Umfeld, in dem wir wiederholt hören, dass es keine Alternativen zur bestehenden Wirtschaftspolitik gebe, sind wir quasi gefordert, nach solchen zu suchen.“ ‒ bto: Wenn wir keinen Euro hätten, wo die Transfers quasi enteignungsgleich in die falschen Kanäle geraten, könnten wir das in Deutschland auch machen und so unseren Wohlstand mit Blick auf die Kosten der Alterung auch erhalten. Könnten.

FINANZ und WIRTSCHAFT: Ist ein Schweizer Staatsfonds eine so schlechte Idee?, 30. April 2015

2 Antworten
  1. Dieter Krause says:

    Das ist eine sehr gute Idee! Aber für Deutschland jetzt zu spät. Wobei das politisch in Germany wohl auch niemals durchsetzbar gewesen wäre! Im übrigen dürften die Negativeffekte eines solchen Staatsfonds nicht so groß sein, dass diese die offensichtlichen Positiveffekte aufheben würden!

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  2. OK says:

    Ich kann ebenfalls keine schwerwiegenden Gründe, die gegen einen Schweizer Staatsfonds sprechen, erkennen. Die Abermilliarden an Euro, die die SNB hält, sind eine gewaltige Hypothek, die dringend diversifiziert werden sollte. Sicher schrittweise und nach ausgewählten Kriterien (vielleicht sollten die SNB mal die Geld-Reihe bei bto lesen…), aber dieses Klumpenrisiko ausschließlich zur Drückung des Frankenkurses/Exportprotegierung halte ich für sehr kurzsichtig. Aber man sieht, dass die Zentralbank eben selbst in der Schweiz nicht unabhängig, sondern ein politisches Vehikel ist.

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