Ist dies Japans letzte Chance? – Besser wäre der rasche Bankrott

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Japan als mahnendes Vorbild für den Westen? Für mich sicherlich. Japan ist uns 25 Jahre voraus, und obwohl wir das Beispiel sehen, denken wir immer noch, die Japaner hätten die richtige Medizin nur zu schwach dosiert. Deshalb sollen wir es gleich richtig machen, wie gestern auch in dem Kommentar der FT vermerkt: aggressivere Notenbankpolitik und am besten gleich die Staaten direkt finanzieren.
Hier nun ein weiterer Blick auf Japan von Stephen S. Roach, Professor an der Universität Yale und ehemaliger Chairman von Morgan Stanley Asia. Die Kernpunkte:

  • „Japan ist für den Kampf gegen die säkulare Stagnation, die inzwischen die meisten entwickelten Länder ergriffen hat, die Petrischale. Und ungeachtet all des Tamtams um Abenomics bleibt Japans Wirtschaft moribund. In den sechs Quartalen, seit Shinzo Abe diesmal Ministerpräsident geworden ist, betrug das annualisierte BIP-Wachstum durchschnittlich bloss 1,4 % – nur wenig mehr als der blutleere Durchschnitt von 1% nach 1992.“ – bto: Man kann Wohlstand eben nicht herbeidrucken.
  • „Abenomics ist damit, so liesse sich folgern, im Wesentlichen eine japanische Version der Kombination gescheiterter politischer Strategien, die auch in den USA und Europa verfolgt wurde: enorme unkonventionelle Liquiditätsspritzen der Zentralbanken, aber kaum grundlegende Haushalts- und Strukturreformen. Die politische Opportunität kurzfristiger geldpolitischer Notreparaturen hat einmal mehr triumphiert.“ – bto: Richtig. Gerade in Europa sind wir mit Vollgas in derselben Sackgasse unterwegs.
  • „Ein derartiges Glücksspiel ist besonders für Japan problematisch. Mit seiner alternden und inzwischen schrumpfenden Erwerbsbevölkerung hat es nicht viele Möglichkeiten, das Wachstum neu zu beleben. Japan muss entweder mehr aus seiner vorhandenen Erwerbsbevölkerung herausquetschen, indem es die Produktivität steigert, oder neue Nachfragequellen im In- oder Ausland auftun.“ – bto: Für Europa und gerade Deutschland gilt das zu 100 Prozent! Und auch wir unterschätzen die Wirkung massiv. Eine Steigerung der Erwerbsquote der Frauen, wie auch für Japan gefordert (hatten wir hier auch schon diskutiert), wird nichts bringen.
  • „In den Siebziger- und Achtzigerjahren wurde das Land überall auf der Welt um seine leistungsstarke Exportmaschinerie beneidet, die die von der rasch wachsenden Weltwirtschaft ausgehende Nachfrage anzapfte. Und das institutionelle Wissen darum, was man braucht, um von der Aussennachfrage zu profitieren, ist bei ‚Japan, Inc.‘ noch immer fest verankert.“ – bto: Es wird nicht funktionieren, sich aus dem Problem herauszuexportieren. Alle wesentlichen Weltregionen wollen dasselbe. Dies führt nur zu Währungs- und Handelskriegen. Zeigt aber sehr schön, weshalb alle das Gleiche wollen.
  • „Nach zwei verlorenen Jahrzehnten und ohne dass eine Besserung in Sicht wäre, könnte dies Japans letzte Chance sein.“ – bto: Japan hat nur eine Chance: Schulden annulieren und befreit neu anfangen.

FuW: Ist dies Japans letzte Chance?, 3. November 2014

Wie richtig es wäre, lieber gleich alle Schulden zu streichen und die Zahlungen einzustellen, zeigt ein anderer Beitrag auf:

  • „Die neusten Zahlen von Eurostat zeigen es, und der ‚Economist‘ wiederholt es in seiner neusten Ausgabe: Die Schulden einiger Länder in der Eurozone sind zu hoch. Selbst Irland, das wegen seiner rigorosen Krisenpolitik immer wieder gelobt wird, steckt tief im Schuldensumpf, sobald man die Unternehmensverschuldung dazurechnet. Italien sieht besser aus bei den privaten Schulden, dafür wächst die Staatsverschuldung ungebremst.“ – bto: Klar, die Eurozone erhöht nur den Berg schlechter Schulden mit jedem Tag, der vergeht. Japan hat es 25 Jahre vorgemacht.
  • „Dabei wäre ein Teilbankrott bei den Staatsschulden eine Massnahme, die einen entscheidenden Beitrag zu einer wirtschaftlichen Erholung leisten könnte. Die Ökonomin Carmen Reinhart, eine ausgewiesene Kennerin der Finanzgeschichte, hat dies in einem neuen Beitrag anhand von historischen Daten einmal mehr bestätigt.“ – bto: Auch das predige ich seit Jahren. Lieber ein Schluss mit Schrecken. Sonst wird es wie in Japan nur noch lauter krachen.
  • Die Studie zeigt, dass Länder nach einem (partiellen) Staatsbankrott einen deutlichen Aufschwung erlebt haben: „Kaum sind die Schulden teilweise abgeschrieben, geht es wieder deutlich aufwärts.“ – bto: Auch das kann niemanden verwundern!
  • „Das bringt uns wieder zurück zur Eurozone. Stresstests für Banken sind gut, eine gemeinsame Bankenaufsicht auch, aber sie lösen das Grundproblem nicht. Man muss bereit sein, einen partiellen Bankrott zuzulassen – je früher, desto besser!“ – bto: Ja, aber dann müsst ihr auch sagen:  a) Es geht nicht nur um Staats-, sondern auch Privatschulden.  b) Wir reden von mindestens drei Billionen Euro. c) Wer soll den Schaden tragen?

Tages Anzeiger: Wann kommt endlich der Bankrott?, 3. November 2014

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