„How to see in the future“

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Ich wünsche allen Lesern von bto einen guten Rutsch in das Neue Jahr. Vor allem Gesundheit und Zufriedenheit. So wie es aussieht, dürften uns die Themen nicht ausgehen.

Zum Jahreswechsel gibt es immer viele Prognosen, deren größter Vorteil aus Sicht der Experten, die diese erstellen, wohl darin liegen dürfte, dass wir sie ohnehin alle wieder vergessen. Deshalb heute ein faszinierender Artikel zum Thema „Vorhersagen“, der zum ersten Mal im September 2014 bei bto erschien.

Zunächst die Erkenntnis, dass selbst die besten Ökonomen danebenliegen können. Wie Irving Fisher – sicherlich einer der größten Ökonomen überhaupt –, der im Sommer 1929 von einem „permanenten hohen Niveau“ der amerikanischen Börse ausging und damit sein Vermögen verlor. Keynes gelang es einigermaßen durch die Turbulenzen zu kommen, wohingegen Roger Babson, der keine besonderen akademischen Erfolge vorweisen konnte, sehr erfolgreich einen Vorhersagedienst betrieb und im Börsenkrach gut Geld verdiente. Doch woran liegt es, dass Experten sich so schwer tun mit Prognosen? Ich selber würde es vor allem als Timing-Problem sehen. Aber es gibt bessere Erklärungen. Der kanadische Psychologe Philip Tetlock machte eine faszinierende Studie. Er fragte Experten aus verschiedenen Gebieten nach ihren Erwartungen für die kommenden Jahre und Jahrzehnte und untersuchte dann über einen Zeitraum von 18 (!) Jahren die Trefferquote. Diese war schlecht. Weder trafen die Vorhersagen ein, noch wussten die Experten, wie sie die Genauigkeit der Prognosen auf unterschiedliche Umstände anpassen konnten. So ist die territoriale Integrität Kanadas leichter vorherzusagen als jene Syriens. Doch die Experten unterschieden hier nicht.

Um die Qualität von Prognosen zu verbessern, hat Tetlock eine neue Studie gestartet. Rund 20.000 Teilnehmer beantworten quantifizierbare Fragen online. Im Zeitablauf können sie ihre Prognosen anpassen und auch mit jenen anderer Teilnehmer vergleichen. Einige bekommen zudem ein Training darin, wie man die Unsicherheit und Szenarien in die Prognose einfließen lässt und eigene Vorurteile besser ausblendet. Unmittelbare Folge des nur 20 Minuten dauernden Onlinetrainings: Die Qualität der Vorhersagen stieg signifikant. Wer nun glaubt, dass Vorhersagen nicht möglich sind, wird überrascht. Es gibt einige Experten, die sehr gute Vorhersagen treffen und dies zudem regelmäßig. Tetlock nennt diese „superforecasters“. Bei diesen geht es nicht um die öffentliche Aufmerksamkeit, die ihre Prognose hervorruft, sondern es geht ihnen darum, ob die Aussage richtig ist. Keine Notwendigkeit zur Anpassung oder zur betonten Abweichung vom Mainstream – einfach nur das Interesse, die richtige Antwort zu geben. Erfolgreiche Prognostiker haben eher eine breite als eine enge Perspektive, sind offen für andere Meinungen und haben kein Problem, ihre Einschätzung zu ändern, sobald es neue Datenpunkte gibt.

Schlussfolgerung: Für gute Prognosen braucht es

  • Training zum Umgang mit Wahrscheinlichkeiten,
  • Teamarbeit statt Einzelkampf,
  • Leute mit einem „open mind“.

Und es braucht die Bereitschaft, bei neuen Informationen die Meinung zu ändern, so zumindest die Erkenntnis von Keynes. Der hat übrigens auch erkannt, dass der Erfolg am Kapitalmarkt nichts mit makroökonomischem Verständnis zu tun hat, sondern mit der richtigen Aktienauswahl, unabhängig vom wirtschaftlichen Umfeld. Er bevorzugte solide Unternehmen mit guter Dividende. Warren Buffet hat sich sogar schon auf Keynes bezogen.

→ FT (Anmeldung erforderlich): How to see into the future, 5. September 2014

1 Antwort
  1. Johannes says:

    Beruflich befasse ich mich mit Prognosen auf der Basis von Data Mining Prozessen und kann Ihre Einschätzung zur Voraussetzung von guten Prognoseergebnisse nur bestätigen. Vorgefasste und somit meist engführende Einschätzungen und Sichten sind „Garanten“ für Fehlprognosen…

    Wünsche Ihnen alles Gute für´s neue Jahr und ich freue mich auf weitere Beiträge!

    Beste Grüße,
    Johannes

    Antworten

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