„Helikoptergeld: Zentralbanken als ‚Spender of Last Resort‘?“

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Ich lese gerade das Buch „Between Debt and the Devil – Money, Credit, and Fixing Global Finance“ von Adair Turner. Er ist bekanntlich einer der Verfechter der Idee, dass die Zentralbanken mittels „Helikopter-Geld“ gegen Deflation, Nachfrageschwäche und Überschuldung vorgehen sollen. Er fordert für Letzteres die Annullierung der Staatsschulden, die die Notenbanken halten.

Hier ein interessanter Vergleich der Sichtweisen von William White und Adair Turner: Monetarisierung: Rettung oder Desaster?

Das ist das zunehmend wahrscheinliche Szenario, wenngleich es offen ist, ob die EZB (zu) spät auf diesen Zug aufspringt, wie gestern Nachmittag hier diskutiert.

Bevor ich mit dem Buch durch bin, hier Auszüge aus einer Besprechung in der ÖKONOMENSTIMME, die sehr deutlich die Grenzen aufzeigt, die in der ökonomischen Diskussion bestehen. Es beginnt mit dem fehlenden Fokus auf das zentrale Problem: die Überschuldung, nicht nur von Staaten.

  • „In seinem jüngsten Buch ‚Between Debt and the Devil – Money, Credit, and Fixing Global Finance‘ stellt Adair Turner die Frage in den Raum, ob die Zentralbanken mit dem Mandat versehen werden sollten, durch direktes Gelddrucken (‚Helikopter-Geld‘) Konjunkturstimuli zu finanzieren, um eine befürchtete Deflation zu vermeiden. (…) so geht es bei dieser neuen Form geldpolitischer Maßnahmen darum, dass die Zentralbanken mittels der Druckerpresse direkt fiskalische Konjunkturmaßnahmen finanzieren.“ – bto: um die säkulare Stagnation zu überwinden. Ich denke aber, es geht um die Entwertung/Bereinigung von untragbaren Schuldenlasten.
  • „So hat Turner sicher Recht, dass die Krisen, beginnend mit der Blase, die sich Anfang der 90er in Japan entlud, von ihrem inneren Mechanismus her Krisen übermäßigen Kreditwachstums, begleitet von Fehlinvestitionen und einer lockeren Kreditvergabe der Banken, waren, die dann über neue Finanzierungsformen, wie z. B. die Bündelung unterschiedlicher Kreditqualitäten zu Subprime-Anleihen, verstärkt wurden.“ – bto: Das sehe ich genauso.
  • „Was in Turners Betrachtung kaum berücksichtigt wird, ist die Geldpolitik, die, beginnend mit der Bank of Japan, Liquidität im Überfluss über die Märkte ergoss und ergießt als Mittel der Krisenbekämpfung, und die ihre Fortsetzung – besser: Verstärkung – in der Fed und später in der EZB mit deren ‚quantitativen Lockerung‘ fand.“ – bto: Ohne das aktive Mittun der Zentralbanken, hätte es auch nicht funktioniert. So konnten die Akteure in der Sicherheit agieren, immer „gerettet“ zu werden.
  • „Turner (…) will die Einschränkung der Giralgeldschöpfung, die Verteuerung der Kreditvergabe durch Besteuerung und die Entwicklung von Anleihenhybriden vor allem bei Immobilienkrediten, die von ihrem Risikoprofil her Eigenkapitalcharakter haben. Insgesamt soll dadurch eine Verteuerung der Kreditschöpfung erreicht werden.“ – bto: Das ist doch sehr sinnvoll.
  • „Sein Hauptanliegen ist jedoch die Finanzierung staatlicher Konjunkturprogramme mit ‚Helikopter-Geld, also dem direkten Drucken von Zentralbankgeld, ohne dass daraus weitere öffentliche Schulden entstehen. (…)  Turner sieht zwar das Risiko, dass das Drucken von Geld zu einer unerwünscht starken Inflation führen kann, aber solange es nur um ‚small amounts‘ (‚geringe Mengen‘) an Helikoptergeld gehe, scheinen für ihn die positiven Folgen größer zu sein (S. 219). Was aber passiert mit dem Vertrauen in die Geldwertstabilität und den Inflationserwartungen, wenn dieser Geist tatsächlich aus der Flasche gelassen wird? Ist wirklich zu erwarten, dass die Inflationserwartungen davon unbeeinflusst bleiben oder sich im Idealfall nur im Rahmen der stabilitätspolitisch erwünschten Preisveränderungsraten bewegen?“ – bto: Das ist die einzige relevante Frage. Ich denke immer mehr, dass die Masse der Menschen es nicht merkt. Bleibt die Frage, was die Vermögenden machen.
  • „Hatte er in seinen dem Buch vorhergehenden Aufsätzen noch die Forderung aufgestellt, das Aufkaufen und Stilllegen von Staatsanleihen durch die Zentralbank ein einmaliger Vorgang zum Schuldenabbau bleiben müsse, dem glaubwürdige Grenzen (welche?) gesetzt werden sollten, um Fehlanreize für die Politik und damit Wiederholungen zu vermeiden, so tritt diese Forderung im hier betrachteten Fall der direkten Finanzierung von Konjunkturpaketen stillschweigend in den Hintergrund, da er von einer kontinuierlichen Budgetfinanzierung mittels Helikoptergeld spricht.“ – bto: Den ersten Punkt des Schuldenabbaus über die Notenbankbilanz finde ich in der Tat überlegenswert. Setzt allerdings voraus, dass das Problem als solches erkannt ist. Wenn es um die direkte Staatsfinanzierung geht, so ist das theoretisch kein Problem, erfolgt es doch jetzt über den Umweg der Banken. Es kann aber leichter zu Missbrauch führen, das stimmt. Eventuell doch Vollgeld?

„Die Vorstöße in Richtung monetär finanzierter Ausgabenprogramme zur Konjunkturförderung sind dabei nur ein Aspekt einer tiefergehenden Debatte. Sie müssen im Kontext mit den Gedanken, die bestehenden Staatsschulden selbst zu monetisieren, gesehen werden (…). Der Geist ist aus der Flasche. Was jetzt fehlt ist eine Debatte um die Risiken und Nebenwirkungen dieser Politikansätze.“ – bto: und über die Alternativen!! Denn wenn wir nichts tun, bleibt die Eiszeit – oder Schuldenschnitte, Pleiten und Vermögensabgaben. Bitte wählen Sie!

ÖKONOMENSTIMME: „Helikoptergeld: Zentralbanken als ‚Spender of Last Resort‘?“, 23. November 2015

27 Antworten
  1. Michael Stöcker says:

    „Ich denke aber, es geht um die Entwertung/Bereinigung von untragbaren Schuldenlasten.“

    Denke ich auch und ist auch gut so.

    „Bleibt die Frage, was die Vermögenden machen“

    Wenn die Vermögenden nicht höher besteuert werden, wird die Realvermögensakkumulation weiter voranschreiten und Immobilien, Grund und Boden sowie andere Assets für die 99 % noch unerschwinglicher werden.

    „Was jetzt fehlt ist eine Debatte um die Risiken und Nebenwirkungen dieser Politikansätze.“

    Hier gibt es erste zaghafte Ansätze: http://blog.zeit.de/herdentrieb/2016/02/05/helicopter-money-wird-gesellschaftsfahig_9302?sort=asc&comments_page=4#comment-215993

    LG Michael Stöcker

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  2. Dietmar Tischer says:

    Soweit ich Turners Position verstehe, beinhaltet sie, dass die unbestreitbare Malaise in der wir sind, zu Lösungen führen darf, die ALLEIN durch ihren Funktionalismus gerechtfertigt sind: Da die Zentralbanken unabhängig sind und unbegrenzt Liquidität erzeugen können, erwächst die Lösung allein aus deren Handlungsvermögen, d. h. ist Helikoptergeld in unbeschränkter Höhe DIE Lösung.

    Was Turner dabei unter den Tisch fallen lässt, sind u. a. folgende Aspekte:

    1) Wie wird INSTITUTIONELL sichergestellt, dass die Zentralbank nicht ohne Legitimation wirtschaftspolitische Ziele verfolgt, über die es keinen gesellschaftlichen bzw. demokratisch erzielten Konsens gibt, oder eben auch Nebenwirkungen erzielt, die so evtl. nicht gewollt werden (nicht mehr akzeptable Inflationsraten)?

    2) In welchem MASS darf bzw. soll sich das Verhältnis von staatlicher zu privatwirtschaftlicher Nachfrage ändern, wenn durch Verschuldung begrenztes Handeln für den Staat aufgehoben wird, nicht aber für die Privatwirtschaft?

    Kurzum:

    Es muss Leute wie A. Turner geben und vielleicht auch Lösungen, wie er sie vorschlägt. Aber Schmalspurfunktionalisten, die die Implikationen ihres Denkens nicht begreifen oder unterschlagen, helfen nicht wirklich weiter. Im Gegenteil: Sie sind m. A. n. in gewisser Weise „gefährlich“, weil sie als Themensetzer Debatten generieren, die der Problematik nicht hinreichend gerecht werden (was ich ihnen allerdings nicht als Versagen zuschreibe).

    Dagegenzusetzen, dass wir angesichts der Lage, keine Zeit haben, Grundsatzdebatten zu führen, sondern uns mit funktional relativ schnell wirksamen Lösungen begnügen müssen, halte ich auf der Diskussionsebene bei derartigen Weichenstellungen nicht für angemessen.

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    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Ich denke auch, dass es erhebliche Legitimitätsfragen aufwirft und zudem eine Frage der Begrenzung. Die „Bereinigung“ der Fehler der letzten Jahrzehnte dürfte nur so gehen. Doch wie es weiter geht, bleibt offen. Groß ist die Gefahr, dass die NB auch da nicht mehr rauskommt und wir die völlige Entwertung bekommen, denn irgendwann kommt sie, selbst in einem deflationären Umfeld …

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  3. Finanzanwalt says:

    Verstehe ich es richtig, sollte Helikoptergeld möglichst vollständig und zeitnah „verzehrt“ und nicht etwa von der Kreditwirtschaft für zweifelhafte „Produkte“ ( http://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/gebuehren-fuers-nichtstun/ ) abgeschöpft werden. Dann müsste es doch in bar/Scheinen ausgegeben werden. Etwa in Form der letzten Ausgabe der 500er. Versehen mit einem Strichcode, mit dessen Hilfe man dann auch gleich die Ausbreitung der Gabe nachverfolgen kann. Daraus gewonnene Erkenntnisse könnte man für den Wiederholungsfall im Sinne einer Erhöhung der Wirksamkeit der Medikamentengabe nutzen. Betrachtet man das „billige Geld“ als Droge, dann ist Helikoptergeld eine Erhöhung des Wirkstoffgehalts. Droht da nicht der „Goldene Schuss“ für den, der den Umgang mit hohen Dosen nicht gewohnt ist? Und verpufft die Wirkung nicht da, wo zwanzig 500er nicht mal für den Preis der Tragetüte/Markenlabel – Handtasche reichen? Eine schräge Welt, auf deren Oberfläche wir stehen!

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  4. Finanzanwalt says:

    Kein Kenner des Sozialrechts nehme ich an, dass dem Hartz IVler und vergleichbar unterstützten anderen Empfängern von Helikoptergeld die Zahlungen der Ämter jahrelang abgingen, weil sie eingestellt würden, – und zwar unabhängig vom tatsächlichen Tempo des „Verzehrs“. Das entlastet den Staat (weiter). Woher soll da die stimulierende Wirkung kommen? Was ist mit Schuldnern in der Privatinsolvenz und Kontopfändungen der öffentlichen Hand, die Unterhaltszahlungen „vorgestreckt“ hat? Die Liste der Beispiele ist sicher noch länger. Wo zieht man eine Grenze oder soll der mit Lebensgrundlage Hartz IV und/oder gepfändetem Einkommen vom Helikopter nur überflogen werden? Benachteiligt man dann nicht den privaten Gläubiger, den die bislang nicht erfüllte Forderung gerade hindert, sein ausstehendes Geld zu verzehren?

    So einfach wäre das alles nicht. Kann das ohne möglichst unmittelbare Willensbildung durch die Wähler entschieden werden? Kann der Wähler die Fragen richtig beantworten, wo es (wie bei uns Juristen ;-) ) augenscheinlich bei 100 Diskutanten 99 (oder 105?) Meinungen gibt?

    In unser Rechtssystem habe ich nur noch wenig Vertrauen. Nicht aus einem „diffusen Bauchgefühl“ heraus, sondern vielen Jahren aktiver Teilnahme daran. Lässt die Wirtschaftswissenschaft, so sie überhaupt gehört wird, hoffen?

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  5. Christian Müller says:

    Die Ausgabe von Helikoptergeld müsste sinnvollerweise mit der Zwangsrückzahlung von Schulden verbunden werden. Wer Schulden hat, muss mit dem Helikoptergeld erst diese bedienen. Nur wer keine Schulden hat, darf es einfach so verprassen und damit die Gesamtnachfrage steigern. (Vorschlag von Steve Keen)
    Ob das allerdings dem moral hazard auf Schuldner- und Gläubigerseite wirklich Einhalt gebietet, ist fragwürdig. Der leichtfertigen Kreditvergabe müsste noch anderweitig begegnet werden.

    Wieviel von dem ganzen Schuldenberg sind eigentlich reine Bankschulden und wieviel sind dabei Schulden/Guthaben, die Unternehmen und Bürger gegeneinander, resp. Bürger gegen den Staat haben? Oder anders gefragt: wie viele Schulden wären weg, wenn man alle Banken bankrott gehen lässt, aber alle Guthaben der Unternehmen und Bürger schützt?

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  6. Finanzanwalt says:

    Wer heute schon (vor allem die guten, sinnvoll investierten) Schulden hat, weil er in seinen Betrieb investiert und Mitarbeiter eingestellt hat, soll kein Ziel für den Helikopter sein? Was, wenn der Gläubiger gar nicht will, dass die Schulden vorzeitig getilgt werden oder er das nur gegen Vorfälligkeitsentschädigung akzeptiert? Oder soll nur Geld bekommen, wer es haben und den „Verzehr“ glaubwürdig zusagen kann? Dann haben wir bald (noch mehr oder immer noch nicht genug?) Bürokratie und Regulierung.

    Wer seinen neuen Chiron least, statt ihn zu finanzieren, – hat der Schulden? Wird der Zuschuss für die Anschaffung von E – Autos angerechnet? Müsste, wer schon jetzt zuversichtlich auf den Helikopter wartet, sich das Schuldenmachen (derzeitiger Flachbildschirm nicht mehr Stand neuster Technik) nicht besser verkneifen? Wobei, – „den“ Bildschirm würde er ja privat nutzen. Würde er damit nicht ohnehin nur „ungesunde“/“besonders ungesunde“ Schulden erzeugen?

    Schönes Gefühl, wenn man schon wieder das Captcha geknackt hat!

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  7. Stefan Ludwig says:

    Sehr geehrter Herr Stelter,

    ich habe da eine durchaus krass formulierte Frage:

    sind all diese Lösungsvorschläge nicht doch nur Symptonherumdoktorei?
    Mal mit kürzerer mal mit längerer Problemverschiebung?

    All die Lösungsvorschläge setzen auf weiteres exponentielles Wachstum.
    Das funktioniert nicht auf Dauer! Warum fängt wir nicht an eine Lösung OHNE Wachstum zu entwickeln? Wird die Zivilisation wirklich gleich völlig erodiert so bald man den Schuldendruck aus dem System herausnimmt??

    mit freundlichen Grüßen

    Stefan Ludwig

    Antworten
    • Philipp H. says:

      Das, finde ich, ist ein wichtiger Aspekt. Ich wundere mich schon lange, dass gerade die „fortschrittlichen“ Kräfte, die jahrzehntelang von den Grenzen des Wachstums geredet haben, nun auf einmal (nominelles?) Wachstum um jeden Preis wollen.

      Meine Frage wäre: Wie könnte man das Finanzsystem so modifizieren, dass es mit weniger oder sogar keinem Wachstum auskommt? (Bezieht sich mindestens mal auf Wachstum im Aggregat, es wird hoffentlich ja immer einzelne Branchen geben, die wachsen – und andere, die schrumpfen).

      Vielleicht ist die „säkulare Stagnation“ ja ein ökologischer Segen, weil sie anzeigt dass ein weiteres quantitatives Wachstum gar nicht mehr gewünscht ist?

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        KEIN Wachstum kann man als Ziel nicht wollen, weil das System – so wie es konzipiert ist – ohne Wachstum nicht mehr die Erwartungen erfüllen kann und es daher zu wahrscheinlich nicht mehr beherrschbaren wirtschaftlichen und sozialen Konflikten kommen würde.

        Das kann sinnvollerweise niemand anstreben.

        Was geschehen muss:

        Es wird durch ANPASSUNG an unvermeidbare Gegebenheiten ein sich abschwächendes Wirtschaftswachstum geben – wir sind schon mitten drin, allerdings durch ungewollt falsche Politik, nämlich durch einen Verschuldungsüberhang –, das als TOLERABEL, weil nicht vermeidbar angesehen wird.

        Das ist etwas anderes.

        Man muss immer die ERWARTUNGEN der Menschen mitdenken und das daraus resultierende Handeln, wenn man etwas Tragfähiges gestalten will.

        Merkel ist ein Beispiel dafür, das nicht zu erkennen, wenn sie sagt:

        Ich mache hinsichtlich der Flüchtlingspolitik das, was ich mache, weil es durchdacht und logisch richtig ist.

        Sie verkennt, dass Menschen nur das akzeptieren, was hinreichend ihren Interessen oder ihren vermeintlichen Interessen dient bzw. ihnen nicht entgegenläuft und nicht etwas, das zwar durchdacht und logisch richtig sein mag, aber nicht Ihren Interessen dient.

      • Michael Stöcker says:

        Der Kapitalismus benötigt monetäres Wachstum, kein reales Wachstum. Monetäres Wachstum ist immer möglich, ohne die Umwelt zu schädigen. Wir müssen endlich mal begreifen, wie dieses System funktioniert, in dem wir leben (wollen): https://zinsfehler.wordpress.com/2016/01/19/die-krise-des-kapitalismus/

        Monetäres Wachstum funktioniert über QE4P (aka Helicopter-Money bzw. Citoyage).

        LG Michael Stöcker

  8. Axel Berckemeyer says:

    Helikoptergeld hört sich plausibel an, wird in der Realität keine Chance haben. 500Mio europäische Bürger und Interessenverbände krakelen gleichzeitig nach Geld und kein Politiker wird so dumm sein, nicht auch einen Obolus ins eigene Säckel fließen zu lssen. Die dadurch provozierte Neiddebatte könnte ganze Sozialgefüge zerreißen…Der Vorteil des Schuldgeldsystemes liegt ja eben darin, daß über die Passiva Seite eine gewiße Bremsfunktion in die staatliche Geldschöpfungsfunktion eingebaut wird und sich nicht einfach alle einfach reich drucken können. Fällt dieser Sicherungsmechanismus weg, ist die Büchse der Pandorra geöffnet…

    Antworten
  9. Finanzanwalt says:

    Bitte um Nachsicht, dass ich nicht erinnere, wer/welche Institution das Helikoptergeld zur Verfügung stellen soll. Wenn das „Spendieren“ nicht auszuschließen auf praktische Schwierigkeiten bei der Zielerreichung bis hin zu sozialen Verwerfungen und neuen Gräben national und international führen könnte, warum übernimmt der Wohltäter dann nicht gleich auch das Ausgeben? Man könnte Oliven in Griechenland zu fairen Preisen kaufen und in Holland mit in Bulgarien hergestellten Drohnen an jede bekannte Postanschrift verteilen lassen. An „Hotspots“ im regnerischen Schottland könnte man Golfer einsammeln und an die Algarve fliegen (mit AirBerlin?). Eine Million Smarts könnte man in Frankreich verteilen und im Gegenzug 85.000 der neuen Alpine hier bei uns (würde mich freuen!). E – Autos für Italien? Für Belgien Nudeln statt Pommes. Und nach Österreich Qualitätswerkzeug, wie schwere Drahtzangen. Und für die englische Bevölkerung aller Einkommensklassen gäbe es Finanzprodukte von bei uns heimischen Sparkassen.

    Wenn sich daraus dann eine Tauschkultur entwickeln würde, – wie wären die wirtschaftlichen und sonstigen Folgen? Das Tauschwesen könnte die verteilende Institution beeinflussen/steuern, in dem sie den Anteil von leicht verderblichen Gaben höher oder niedriger festlegt. Und die Busunternehmen würden es gern sehen, wenn die angeschafften Verteilgüter abgeholt werden müssten. Schade für DHL. Aber jedem kann man es vermutlich nicht recht machen.

    Vielleicht dürfte man als potentieller Empfänger auch Wünsche äußern. Wenn nicht nach Bargeld, dann wenigstens nach einem Portemonnaie. Oder einem Safe außreichender Brandschutzklasse.

    Finde das Thema spannend!

    Antworten
  10. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    >Der Kapitalismus benötigt monetäres Wachstum, kein reales Wachstum.>

    Das schreiben Sie hier.

    Im verlinkten Artikel schreiben Sie:

    >Der Kapitalismus befindet sich schon seit einigen Jahren in einer schweren systemischen Krise … Diese Krise ist systemischer Natur und hat ihre Ursache in zu geringen Wachstumsaussichten in gesättigten Märkten. Damit fehlt die wesentliche Antriebsmotivation, die das kapitalistische System so erfolgreich gemacht hat und droht nun in eine globale Abwärtsspirale zu münden, die nicht nur den materiellen Wohlstand bedroht sondern zugleich die Freiheit und das friedliche Zusammenleben der Völker.>

    Das passt nicht zusammen, Sie widersprechen sich; dann jedenfalls, wenn man – wohl unbestreitbar – materiellen Wohlstand, Freiheit und friedliches Zusammenleben der Völker als zum Kapitalismus gehörend ansieht.

    Was aber denkbar ist und irgendwann der Fall sein kann, ist ein System ohne reales Wachstum, mit dem sich die Menschen arrangiert haben.

    Es wird nicht mehr dieses System sein und vermutlich wird unter Wohlstand etwas anderes verstanden als materieller Wohlstand und Freiheit anders praktiziert werden als heute.

    Das ist spekulativ.

    Nicht spekulativ ist, dass es nicht eingeführt werden kann, sagen wir etwa so wie die Energiewende hierzulande.

    Die Menschen müssten hineinwachsen, d. h. durch Anpassungszwänge (ohne die sie beim jetzigen Kapitalismus verharren würden) ihre Ansprüche und Erwartungen so ändern, dass sie im neuen System leben wollten und könnten.

    Das alles hat per se nicht mit monetärem Wachstum zu tun.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Sie schreiben: „Das passt nicht zusammen, Sie widersprechen sich;“

      Ein so offensichtlicher Widerspruch ergibt sich nur dann, wenn man Sätze aus ihrem Zusammenhang reißt. Hier die vollständige Problembeschreibung:

      Zur Systemerhaltung braucht jedes System eine äußere Antriebskraft. Bei der Erde ist es die Sonne, im Kapitalismus ist es das potentielle Marktwachstum. Solange das Wachstumspotential ausreichend hoch ist, gibt es immer Unternehmer, die ihre Marktchancen nutzen werden.

      Ohne Wachstum fehlt jedoch die Antriebskraft des Kapitalismus. Diese Antriebskraft ist nicht so sehr der kreative Unternehmer, sondern die Verwertung seiner Ideen in Form einer monetären Mindestrendite. Oder einfach ausgedrückt: Der typische Kapitalist möchte aus Geld mehr Geld machen. Die von ihm erbrachten Güter und Dienstleistungen sind hierbei nur Mittel zum Zweck. Auf dieser monetären Gewinn- und Renditelogik basiert das gesamte System. Die berühmt-berüchtigte Zielvorgabe von Deutsche Bank Chef Ackermann lag seinerzeit bei 25 %, Siemens Renditevorgaben hingegen wurden 2013 von 12 auf 10 Prozent abgesenkt.

      Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie es in einem begrenzten Subsystem unserer Erde ein ständiges Wachstum von 10 % geben kann. Jeder möge sich mal ausmalen, was passiert wäre, wenn er jedes Jahr um 10 % größer geworden wäre. Bereits im Alter von 15 Jahren hätten wir dann die 2 Metermarke durchbrochen und mit 30 Jahren haben wir es beinahe bis auf 9 Meter geschafft. Zwischen dem 55. und 56. Lebensjahr durchstoßen wir dann die magische Grenze von 100 Metern.

      Selbstverständlich kann es eine ganze Weile und für einige wenige solch hohe Renditen geben, aber nur dann, wenn die Renditen aller anderen dann umso geringer ausfallen. Ewiges Wachstum kann es also in einem begrenzten System nicht geben; auch nicht im Kapitalismus. Jedes gesunde System hat seine Wachstumsgrenze. Nur ein Krebsgeschwür wuchert grenzenlos und führt von daher zum Tod.

      Je höher die anfänglichen Wachstumsraten sind, desto schneller werden die Grenzen des Wachstums erreicht. China lässt grüßen: Die haben in nur 3 Jahren beinahe 50 % mehr Beton verbaut, als die USA in den letzten 100 Jahren (USA 4,5 Mrd. t, China 6,6 Mrd. t).

      Das kapitalistische System scheitert also in gesättigten Märkten zwingend an seiner eigenen Funktionslogik. Aus dieser zentralen Erkenntnis leitete Karl Marx dann das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate ab. Sinkt die Profitrate allerdings unter eine gewünschte Mindestrendite, zieht sich der Kapitalist aus dem Markt zurück und die gesamte Wirtschaft droht abzustürzen. https://zinsfehler.files.wordpress.com/2016/01/die-monetaere-krise-des-kapitalismus.pdf

      Ergänzende Erläuterung: Im bestehenden Geldsystem mit dominant endogener Geldschöpfung brauchen wir dieses reale Wachstum, was allerdings an den Verschuldungsgrenzen scheitert. Diesen Zustand haben wir spätestens 2007 erreicht. Mit zusätzlichem exogenen Geld über eine Citoyage kann die Funktionsweise des Kapitalismus (aus Geld mehr Geld machen) erhalten bleiben. Monetäres Wachstum ist unbegrenzt möglich. Eine anzustrebende Inflationsrate in Höhe von 2 % ist ewig möglich, ein reales Wachstum muss hingegen logisch zwingend gegen Null laufen.

      Und Anpassungszwänge kann ich in einem System mit schuldfreiem exogenem Zentralbankgeld kaum erkennen; denn das Inflationsziel von 2 % hat in Deutschland eine lange Tradition, die bis in die frühen 70er Jahre zurück reicht (altes monetaristisches Geldmengenwachstumsziel von 4,5 %, das sich aus 2,5 % Zielwachstum sowie 2 % Zielinflation zusammen setzte; siehe auch Heinz-Peter Spahn: Wie der Monetarismus nach Deutschland kam: https://www.uni-hohenheim.de/RePEc/hoh/papers/258.pdf).

      Das alles hat per se also sehr wohl etwas mit monetärem Wachstum zu tun.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
  11. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    >Zur Systemerhaltung braucht jedes System eine äußere Antriebskraft>

    und

    >Das kapitalistische System scheitert also in gesättigten Märkten zwingend an seiner eigenen Funktionslogik. Aus dieser zentralen Erkenntnis leitete Karl Marx dann das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate ab>.

    Das sind Aussagen, die mehr als fraglich sind. Die Welt als Ganzes braucht offensichtlich keine äußere Antriebskraft, weil sie existiert, ohne dass es eine gibt (außerhalb der Welt als Ganzes gibt es nichts).

    Was Marx anbetrifft, ist von Sättigung keine Rede bezüglich des tendenziellen Falls der Profitrate. Sondern: Mit dem technischen Fortschritt werden seiner Ansicht nach immer weniger Menschen beschäftigt – die einzige Quelle für Mehrwert und Profit – und daher nimmt die Profitrate tendenziell ab.

    Also, nur nebenbei, keine wilden Grundannahmen basteln.

    Wo Sie Recht haben:

    Wenn ein System alle Ressourcen so verbraucht hat, dass keine weiteren zur Verfügung stehen, dann fällt es in Schockstarre. Heißt für das Wirtschaftssystem: von der Angebotsseite ausgehend tut sich nichts mehr.

    Wenn kein Bedarf mehr besteht für das, was das System produziert, dann fällt es ebenfalls in Schockstarre. Hierbei wird dieser Zustand auf der Nachfrageseite generiert.

    Ob es jemals dazu kommt oder nicht, ist nicht das Thema.

    Entscheidend hier: Beides ist prinzipiell ohne Geld möglich.

    Dass bei unserer heutigen Wirtschaftsweise beide Zustände ohne Geld nicht möglich wären, ist etwas anderes.

    Man kann das nicht vermischen.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Lieber Herr Tischer,

      Sie sollten sich vielleicht doch die Mühe machen und den gesamten Beitrag lesen (13 Seiten). Denn dann hätten Sie nicht einen solchen Unsinn geschrieben: „Die Welt als Ganzes braucht offensichtlich keine äußere Antriebskraft, weil sie existiert, ohne dass es eine gibt (außerhalb der Welt als Ganzes gibt es nichts).“

      Für diese Welt gibt es die Sonne und für alles andere die Ersatzlösung des unbewegten Bewegers.

      Sättigung heißt zudem nicht, dass nichts mehr produziert wird, sondern lediglich die Zuwachsraten abnehmen. Technischen Fortschritt kann es auch ohne Wachstum geben.

      „Also, nur nebenbei, keine wilden Grundannahmen basteln.“

      Davon kann keine Rede sein.

      Aber Sie sollten sich nicht aus Aversion Denkverbote auferlegen: http://blog.zeit.de/herdentrieb/2013/10/07/der-deutsche-konjunkturmotor-stottert-zeit-die-pro-zyklische-finanzpolitik-zu-beenden_6605/comment-page-35?sort=asc&comments_page=28#comments „Dies soll Sie jedoch nicht abhalten, sich damit zu beschäftigen.“ Habe ich gemacht!

      „Entscheidend hier: Beides ist prinzipiell ohne Geld möglich.“

      In einer arbeitsteiligen Wirtschaft ist ohne Geld NICHTS möglich; völlig unabhängig von unserer heutigen Wirtschaftsweise. Und Arbeitsteilung gibt es auch in gesättigten Märkten.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        @ Michael Stöcker

        Ihr Problem ist, dass Sie sich nicht die benutzten Begriffe klar machen, nicht beim Thema bleiben und Spezielles nicht von Prinzipiellem unterscheiden können – und daher falsche Aussagen treffen.

        >Zur Systemerhaltung braucht jedes System eine äußere Antriebskraft>

        Eine Uhr als System braucht zur Erhaltung keine äußere Antriebskraft. Wenn die Batterie nicht mehr Energie abgibt, ÄNDERT das System seinen Zustand – es zeigt die Zeit nicht mehr an. Die Uhr bleibt ALS System dennoch erhalten.

        „Erhaltung“ heißt nicht „wenn nicht so, dann überhaupt nicht“.

        Das ist keine Haarspalterei. Jeder Systemtheoretiker wird Ihnen erklären, dass der Zustand eines Systems prinzipiell etwas anderes ist als seine Erhaltung, d. h. die Existenz des Systems.

        Es geht hier nicht darum, was Sättigung heißt, sondern darum, dass Sie behaupten, Marx habe sein Gesetz der fallenden Profitrate aus Sättigung abgeleitet. Das ist falsch.

        Falsch ist auch die folgende Aussage:

        >In einer arbeitsteiligen Wirtschaft ist ohne Geld NICHTS möglich;>

        Jemand baut auf seinem Feld Getreide an und ein anderer auf seinem Kartoffeln. Wenn sie Getreide gegen Kartoffeln tauschen, wird etwas möglich, nämlich die Partizipation an der Wertschöpfung des anderen. Das ist in diesem Fall arbeitsteiliges Wirtschaften ohne Geld.

        In unserer HEUTIGEN Wirtschaft ist ohne Geld nichts möglich.

        Eigentlich müsste es heißen „so gut wie nichts möglich“, weil in der Familie und unter Nachbarn selbstverständlich Wirtschaften ohne Geld praktiziert wird. Aber gut, darüber kann man hinwegsehen, wenn man sich mit bestimmten Zusammenhängen befasst. Man sollte sich aber bewusst sein, dass man darüber hinwegsieht.

        Wir sind O.T. und diskutieren über Dinge, für die sich bei bto vermutlich niemand interessiert.

        Wir sollten deshalb die Thematik hier nicht weiter verfolgen.

      • Michael Stöcker says:

        Ich dachte eigentlich, unser Anspruch sei es, die wahren Probleme unserer Gegenwart zu analysieren und nach Lösungen zu suchen. Ihr Rückfall in die Robinsonade zeugt nicht gerade von dem von Ihnen geforderten Tiefgang. Und eine mechanische Uhr als Analogie für hochkomplexe soziale Systeme heranzuziehen ist – um es höflich zu formulieren – suboptimal. Der Punkt zu Marx hingegen geht an Sie. Danke für die Klarstellung.

        LG Michael Stöcker

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