Gute Nachrichten: Alterung nicht schlecht für das Wirtschaftswachstum

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Zwei Forscher des MIT sind der Frage nachgegangen, ob es wirklich stimmt, dass alternde Gesellschaften weniger wachsen. Antwort: nein. Im Gegenteil, es scheint sogar so sein, dass diese Gesellschaften durch vermehrte Automatisierung mehr Wachstum erzielen.

Das passt zu meiner bereits mehrfach geäußerten Position, auf Automatisierung zu setzen, wenn es darum geht, die demografischen Herausforderungen zu meistern: → „Zuwanderung ist die falsche Strategie“ und es dabei den Japanern gleichzutun.

Nun zu den Ergebnissen im Einzelnen:

  • „(…) we show that since the early 1990s or 2000s, the periods commonly viewed as the beginning of the adverse effects of aging in much of the advanced world, there is no negative association between aging and lower GDP per capita.“ bto: Das kann natürlich auch daran liegen, dass es der Weltwirtschaft in diesem Zeitraum gut ging und deshalb exportstarke Länder auf jeden Fall profitierten.
  • Das zeigt auch diese Abbildung:
Quelle: Daron Acemoglu/Pascual Restrepo, MIT
  • The post-1990 era coincides with the arrival of a range of labor-replacing technologies, most recently robotics and artificial intelligence, which provide a wide variety of options for firms to automate the production process. (…) countries undergoing more rapid demographic change are more likely to adopt robots (…) when capital is sufficiently abundant, a shortage of younger and middle- aged workers can trigger so much more adoption of new automation technologies that the negative effects of labor scarcity could be completely neutralized or even reversed.“ bto: Das ist eine gute Nachricht. Treiben wir das weiter: Wer schafft mehr Wohlstand: derjenige, der automatisiert oder jener, der versucht, Unqualifizierte anzulernen?
  • „(…) countries experiencing more rapid aging are the ones that have been at the forefront of the adoption of one important type of automation technology: industrial robots.“ bto: Ursache dafür unter anderem  es sind alles Industrieländer wie Japan und Deutschland. Mich würde interessieren, wie es da in Italien aussieht.
  • „(…) a strong correlation between the same measure of demographic change used in our analysis so far the change in the ratio of the population above 50 to those between 20 and 49, and the change in the number of robots (per million of labor hours) between the early 1990s and 2015.“

Quelle: Daron Acemoglu/Pascual Restrepo, MIT

(Korea ist ein Outlyer)

  • Damit nicht genug: „(…) we demonstrate that the scarcity of younger and middle- age labor can trigger sufficient adoption of robots (and other automation technologies) so as to actually increase aggregate output, despite the reduced labor input.“ bto: Auch das ist eine positive Nachricht, die unterstreicht, wie richtig die japanische Strategie in diesem Zusammenhang ist.

Fazit: „This paper establishes that, contrary to a range of theories including recent ones on demographics- based secular stagnation, there is no negative relationship between between population aging and slower growth of GDP per capita. This is a major puzzle for several theories that have become very popular over the last several years.“

bto: Zwar genügt es nicht, um aus den Schulden herauszuwachsen, aber es ist eine potenziell gute Nachricht. Wir sollten die als Chance begreifen und nicht die Roboter als Bedrohung ansehen, wie die Politiker es tun.

→ Economics MIT: „Secular Stagnation? The Effect of Aging on Economic Growth in the Age of Automation“, 12. Januar 2017

3 Antworten
  1. Dietmar Tischer says:

    Soweit ich sehe, hat niemand behauptet, dass alternde Gesellschaften – was auch immer ganz genau darunter zu verstehen ist – nicht wachsen können.

    Es ist auch keine Frage, dass sie mit mehr Automatisierung gewachsen sind. Sind sie es.

    Die Frage ist auch nicht, ob mehr Wachstum wünschenswert ist. Es ist wünschenswert, weil es die aufgrund der demografischen Entwicklung die sich unvermeidbar verschärfenden Verteilungskämpfe entschärft.

    Eine der ganz wesentlichen Fragen ist, ob und inwieweit – gemessen an ihren KONSEQUENZEN – Automatisierung wünschenswert ist, obwohl sie hilft, Wachstum zu generieren.

    Die MIT-Studie sagt wie zitiert:

    >… a shortage of younger and middle- aged workers can trigger so much more adoption of new automation technologies that the negative effects of labor scarcity could be completely neutralized or even reversed.“
    – bto: Das ist eine gute Nachricht. Treiben wir das weiter: Wer schafft mehr Wohlstand: derjenige, der automatisiert oder jener, der versucht, Unqualifizierte anzulernen?>

    Bevor wir das weitertreiben, möchte ich darauf hinweisen, dass die Automatisierung zumindest im produzierendem Gewerbe, in dem Sektor in dem sie Tradition hat und relativ friktionslos vertieft werden kann, zu dem wünschenswert erhöhtem Output geführt hat und gleichzeitig zu einem ABBAU von Arbeitsplätzen.

    Das ist eine ganz andere Situation als der Ersatz von Arbeitsplätzen wegen demografisch bedingten Arbeits-kräftemangels.

    Und da kommen die Konsequenzen ins Spiel:

    Die arbeitslos gewordenen Menschen mussten z. B. in die Dienstleistungsberufe migrieren und konnten da in der Regel nur ein deutlich geringeres Einkommen erzielen. Außerdem haben sie in diesen Bereichen das An-gebot an Arbeit erhöht und somit Druck auf die vergleichsweise niedrigen Löhne ausgeübt.

    Diese Situation wurde durch die Zuwanderung von Menschen, die zumindest für die sofortige Integration in die Wertschöpfung mit hohen Qualifizierungserfordernissen nicht die Voraussetzungen mitbringen, noch einmal verschärft.

    All dies ist die wesentliche ökonomische Ursache für den Nationalpopulismus von Trump bis Osteuropa.

    Ich empfehle, zuerst einmal in DIESEM Kontext über Chance und Bedrohung durch die Roboter nachzudenken.

    Unabhängig davon:

    Roboter werden wachstumsfördernd vermehrt zum Einsatz kommen, wenn wir uns tatsächlich zu einem Mangel an Arbeitskräften hin bewegen. Dann werden sie m. A. n. vor allem dort zum Einsatz kommen, wo personalintensive Dienstleistungen zu erbringen sind, insbesondere im Gesundheitsweisen. Hier z. B. im Gesundheitsmonitoring.

    Antworten

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