Konkursverschleppung und Desinformation

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

Die FAZ kommentiert die Rolle der EZB. Letztlich meine Kritik in anderen Worten:

  • „Die Ela-Notkredite sollen eigentlich nur über eine temporäre Finanzklemme hinweghelfen. Banken, die sie in Anspruch nehmen, dürfen nicht insolvent sein. Es ist aber mehr als zweifelhaft, ob die griechischen Banken noch so solide kapitalisiert sind, wie die EZB behauptet. Offenbar drücken die Aufseher der Zentralbank mehr als ein Auge zu, sonst müsste der EZB-Rat die Nothilfen stoppen.“ – genau.
  • „„Die Grenze zwischen Ela und Konkursverschleppung ist fließend“, kritisiert die langjährige oberste deutsche Bankenaufseherin, Elke König, mit Blick auf Griechenland. Das Problem der dortigen Banken ist die Masse fauler Kredite. Mehr als 40 Prozent der Kredite (Gesamtsumme 210 Milliarden Euro) sind notleidend, weil Schuldner mit Zins- oder Tilgungsraten im Verzug sind.“
  • „Kurz vor seiner Wahl zum Finanzminister schrieb Giannis Varoufakis in seinem Blog in dankenswerter Klarheit: „Das Ela-System gestattet einfach nur den bankrotten Banken, die ein bankrotter Fiskus nicht zu retten vermag, sich von der Bank of Greece Geld gegen Pfänder zu leihen, die nicht viel wert sind.““ – bto: und deshalb weiß Varoufakis auch, dass die Zeit für ihn spielt.
  • „Was für ein Irrsinn: Ein bankrotter Staat stützt angeschlagene Banken, die wiederum über den Kauf von kurzlaufenden Staatsanleihen den Staat finanzieren. Hier klammern sich zwei Ertrinkende aneinander. Die Europäische Zentralbank schaut zu. Indem sie die Nothilfen immer weiter erhöht, ermöglicht sie es der Regierung Tsipras, im Streit um Schulden und Reformen hoch zu pokern.“ – eben!
  • „Diese zeigt sich am griechischen Target-Saldo. Seit der Ankündigung der Neuwahlen, die Syriza an die Macht brachten, hat sich der griechische Target-Saldo – also die Schuld der Notenbank bei anderen Zentralbanken des Eurosystems – auf rund 100 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. So hoch steht die Bank of Greece beim Eurosystem in der Kreide. Bei einem Austritt Griechenlands aus dem Euro wäre dieses Geld wohl weg. Das ist ein zusätzliches Verlustrisiko für die Steuerzahler Europas.“

→ FAZ: Konkursverschleppung durch die EZB, 25. Juni 2015

Kann ich voll unterschreiben. Interessante ist aber auch, wie mit Analysen und Daten umgegangen wird. Es gibt doch ernsthafte Stimmen, die in den Target II Forderungen kein Problem sehen. So die FT:

Professor Sinn hat vor einigen Monaten bereits auf das gestiegene Risiko für das Eurosystem und vor allem die Bundesbank aus den wieder steigenden Target II Verbindlichkeiten hingewiesen. Seine Forderung damals: die Kapitalflucht sofort stoppen um den Schaden zu begrenzen. Wie wir wissen, hat die EZB das Gegenteil getan. Sie hat den Griechen mit immer mehr Notfallkrediten über die Runden geholfen.

Doch spielen die Target II Forderungen wirklich eine Rolle? Die FT meint nein, obwohl sie deutlich angestiegen sind:

Dazu macht sie ein Beispiel. Nehmen wir an eine Kundin in Griechenland möchte einen Mercedes kaufen. Sie kann dies auf vier verschiedene Wege tun:

  1. Sie überweist das Geld von ihrer Bank auf ein Konto was sie bei der Deutschen Bank hat.
  2. Sie kauft das Auto bei einem Mercedes Händler mit Niederlassungen in Deutschland und Griechenland und bezahlt mit ihrer Bankkarte. Das Geld wird dem Händler in Deutschland gutgeschrieben.
  3. Sie bezahlt in Griechenland bar und der Händler nimmt es das nächste Mal bar mit nach Deutschland, wo er es bei der Bank einzahlt.
  4. Sie bezahlt bar wie zuvor, der Händler zahlt es aber bei seiner Bank in Griechenland ein und überweist es dann nach Deutschland.

In welchen Fällen kommt es zu Target II Forderungen? nun, nur in den Fällen 2 und 4. Im Fall 1 kommt es darauf an, ob das Konto der Kundin in Deutschland oder Griechenland ist. Ist es eine Tocherbank der Deutschen Bank in Griechenland nein, sonst ja.

Fazit der FT: Target II ist völlig irrelevant, weil es zufällig entsteht. Insofern gibt es auch kein Risiko für die deutschen Steuerzahler.

Ein schönes Beispiel für Irreführung. In allen vier Fällen kommt es zu einer Forderung aus Deutschland gegen Griechenland. Nun kann man den Fall nehmen, dass die Kundin Ersparnisse ausgibt. Faktisch ist es aber so, dass ein Land welches mehr importiert als exportiert sich im Ausland verschuldet. Target II ist nur eine Unterform der Verschuldung. Bis zum Krisenbeginn wurden die Kredite von privaten Banken gewährt, heute eben von staatlicher Seite. Hebt die Kundin Geld ab, so wird das heute durch die ELA Kredite der EZB finanziert. Also ein Kredit der Notenbank, wie auch Target II. Solange echte Vermögenswerte fliessen, ist es ok. Sobald jedoch Kredite über die Grenzen fliessen – wie hier der Fall – spielt es sehrwohl eine Rolle.

Die Eurokrise ist ein großes Stück von Lug und Trug. Doch im Gegensatz zu dem Glauben der Akteure – allen voran Junker – wird es nicht gut ausgehen. Man kann sich nicht herauswursteln.

→ FT (Anmeldung erforderlich): Greek capital flight and German cars, 24. Juni 2015

1 Antwort

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte das Captcha ausfüllen * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.