Greece vs Europe: who will blink first?

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Griechenland. Wieder. Kann nur jene wundern, die sich von der sedierenden Politik der letzten Jahre wirklich haben einschläfern lassen. Griechenland liegt wirtschaftlich am Boden, ist nicht wettbewerbsfähig und offensichtlich pleite. Vor kurzem habe ich eine Präsentation zugeschickt bekommen, welche die griechischen Schulden nicht nach dem Buchwert sondern nach dem Marktwert bewertet und zu einer sehr niedrigen Schuldenquote kommt (deutlich unter 60 Prozent vom BIP). Dies liegt daran, dass einige Schulden 10 Jahre lang zinsfrei gestellt sind und ähnlichen Tricks der Euroländer, um den Schuldenerlass zu kaschieren. Dies ändert aber nichts an der Tatasache, dass die laufenden Defizite immer noch zu groß sind für ein Land mit derartigen wirtschaftlichen Eckdaten. Dabei verstehe ich die Linken sehr wohl. Man kann sich aus Überschuldung nicht heraus sparen. Ein Schuldenerlass wird kommen – wie wohl irgendwann auch ein Euroaustritt.

Ambrose Evans-Pritchard vergleicht die derzeitige Situation mit jener vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Beide Seiten würden denken, dass die jeweils andere blufft. Könnte aber sein, dass sie es nicht tut.

  • Deutschland wollte Griechenland schon früher aus dem Euro drängen. Heute ist die Regierung davon überzeugt, dass dies ohne weitere Probleme für die Eurozone möglich ist.
  • Alexis Tsipras, ist ebenso davon überzeugt, dass die europäischen Regierungen nachgeben werden, weil sie bereits so viel (politisches) Kapital in die Rettung Griechenlands gesteckt haben. Vor allem wo es jetzt nur noch um kleine Summen geht, verglichen mit den 245 Milliarden Euro Krediten, die bereits geflossen sind.
  • Der Zeitpunkt könnte – aus Sicht jener, die für QE der EZB sind – nicht unglücklicher sein. Die EZB kann schlecht ein Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen ankündigen, bei dem Griechenland dabei sein müsste, solange zu befürchten steht, dass die Anleihen nicht bedient werden. Auch kann die EZB Griechenland von dem Programm nicht ausschließen, weil dies nach Wahlbeeinflussung aussieht. Verbleibt die Option, den Aufkauf von Staatsanleihen vorerst nicht zu beschließen – ein Ergebnis, welches der Bundesbank und anderen Kritikern sicherlich recht wäre.
  • Damit steigt die Deflationsgefahr (von der Ambrose Evans-Pritchard überzeugt ist), was die Fähigkeit der Schuldner, ihren Verpflichtungen nachzukommen weiter erschwert. Als Beispiel wird wiederum Italien angeführt, wo die Schuldenquote trotz aller Sparbemühungen weiter steigt, eben weil die Wirtschaft stagniert.
  • Die EZB könnte auch die Finanierung der griechischen Banken einstellen, ein Risiko welches Alexis Tsipras ebenfalls für gering hält, da es einem „finanziellen Armageddon“ gleich käme und man so nicht auf den Wählerwillen reagieren könne.
  • Doch wäre Europa wirklich in der Lage, einen Grexit zu überstehen? Zweifel sind angebracht: die Wirtschaft stagniert immer noch und liegt real unter dem Niveau von 2007. In einigen Ländern und Sektoren sieht es noch schlimmer aus, so liegt die italienische Produktion auf dem Niveau der 1980er Jahre. Das Wachstumspotential wurde in Europa nicht erhöht und die Arbeitslosigkeit bleibt auf Rekordniveau.
  • Die griechische Krise könnte die Fassade der gelungenen Eurorettung – vor allem durch das Versprechen der EZB, alles Erforderliche zu tun – zum Einsturz bringen.

Denn: die Eurozone ist nicht wettbewerbsfähiger geworden, hat noch mehr Schulden und verfügt weder über eine echte Bankenunion noch über eine Fiskalunion. bto: Genau. Fundamental sieht es nicht besser aus als vor drei Jahren. Wir tun nur so und freuen uns über tiefe Zinsen.

The Telegraph: Greece vs Europe: who will blink first?, 5. Januar 2015

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