Gleichheit durch Fortschritt

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Thomas Piketty wird in den kommenden Wochen die öffentliche Diskussion in Deutschland wieder mehr prägen. So trifft er am 7. November mit Wirtschaftsminister Gabriel zusammen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die beiden große Meinungsunterschiede haben werden. Die SPD war ja schon im Wahlkampf für (deutliche) Steuererhöhungen. Umso wichtiger ist es, die richtigen Schlüsse aus den Zahlen und Analysen von Piketty zu ziehen. Ich bleibe dabei, dass Piketty Symptome und nicht Ursachen beschreibt und seine Maßnahmen und die Forderung nach mehr Staat eigentlich den Bock zum Gärtner machen. Stattdessen müssten wir alles daran setzen, das Wachstumspotential zu stärken. Eine Forderung, die ich in meinem Buch und auch auf diesen Seiten regelmäßig vorbringe. In einem Kommentar in der ZEIT wird ähnlich argumentiert: „Im politischen Schlagabtausch rund um das Buch, das nun auf Deutsch erscheint, gehen die eigentlich brisanten Thesen jedoch unter: Erstens, das Wachstum im 21. Jahrhundert wird nicht an das des vorherigen heranreichen; zweitens, Kapital wird Arbeit dauerhaft an Bedeutung und Einfluss übertreffen; drittens, Kapitaleigner versagen als Innovatoren. Kurz: Piketty bezweifelt, dass technologischer Fortschritt in diesem Jahrhundert das Wachstum antreiben und die Ungleichheit senken wird.“ Doch: „Die beiden Wirtschaftsforscher der Eliteuni MIT bei Boston widersprechen all jenen, die das Ende des Fortschritts kommen sehen. Die digitale Revolution werde die Produktivität grundlegend verändern, so die Autoren. Aber das dauere eine Weile, wie früher auch, als man Jahrzehnte habe warten müssen, bis etwa für die Elektrizität die richtigen Anwendungen und Strukturen entstanden seien. Wir neigen dazu, so sagte einmal Microsoft-Gründer Bill Gates, die kurzfristigen Effekte technologischen Wandels zu überschätzen – und gleichzeitig ihre langfristigen zu unterschätzen.“ Voraussetzung dafür sind natürlich Bildung und Investitionen – also die Verwendung von Kapital. Aspekte, die für Piketty nur am Rande vorkommen. (Er bemängelt den ungleichen Zugang zu Bildung.) Fazit der ZEIT: „Nur wenn direkte Maßnahmen zur Stärkung der Nachfrage mit Anreizen für Investitionen in langfristiges Wachstum gepaart werden, kann extreme wirtschaftliche Ungleichheit nachhaltig bekämpft werden. Und nur wenn mutige und neuartige Denkansätze wie der von Piketty nicht missbraucht werden, um alte Wettkämpfe politischer Ideologien neu zu entfachen, können sie helfen eine intelligentere und gerechtere Wirtschaftsordnung zu schaffen.“

Trend.: Gleichheit durch Fortschrit, 26. Oktober 2014

2 Antworten
  1. Hartmut G. says:

    Guten Morgen,

    (Piketty): „brisanten Thesen…drittens, Kapitaleigner versagen als Innovatoren.“

    So so. Ich habe sein Buch nicht gelesen, da ich nicht Herrn Piketty unterstützen möchte und seine Thesen, die ich auszugsweise gelesen habe, für den größten Müll halte, so wundert mich doch, wie er obige These belegen möchte.
    Oder andersrum: Wieso glauben derartige Leute eigentlich, woher Innovationen kommen? Oder wieso glauben diese, dass Enteignung, Raub, Falschmünzerei und Umverteilung nach willkürlichem Gusto und Ideologie irgendwelche „Innovationen“, geschweige denn Wohlstand, hervorbringen würden?
    Von moralischen Aspekten mal ganz abgesehen, die Menschheitsgeschichte zeigt eher ausnahmslos das Gegenteil.
    mfG HG

    Antworten

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