Alles spricht für Deflation (3): Gefährliche Experimente

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Heute Morgen habe ich das Szenario der Deflation zusammengefasst. Ergänzend dazu ein Kommentar der Schweizer Vermögensverwalters Felix Zulauf:

  •  „Die grossen chronischen Defizite der USA werden dank der gesteigerten eigenen Energieproduktion laufend kleiner, und die Überschüsse der Eurozone wachsen wieder deutlich. Da sich die Saldi weltweit ausgleichen müssen, stellt sich deshalb die Frage, wo die Verschlechterungen verzeichnet werden. (…) Die Leistungsbilanz Japans (ist) ins Defizit gefallen, (…) die Überschüsse Chinas sind wegen reduzierter Wettbewerbsfähigkeit deutlich kleiner geworden. (…) Die grossen Rohstoffexporteure (verzeichnen) nun mehrheitlich wachsende Defizite.“
  • „Wenn Defizite entstehen und wachsen, so müssen sie finanziert werden durch den Import von Kapital. Solange Kapitalanleger dort eine attraktivere Rendite erhalten und keine wesentlichen Risiken sehen, geht das problemlos. Nehmen die Risiken aber zu, müssen Volkswirtschaften mit wachsenden Defiziten entweder die Zinsen erhöhen, um die Attraktivität ihrer Anlagen zu verbessern, oder die Währung abwerten.“
  • „Die japanische Währung hat seither in gut zwei Jahren (…) rund 35% an Wert verloren. (…) Solange solche Währungsabwertungen in einem Umfeld hohen weltwirtschaftlichen Wachstums ablaufen, sind die Gefahren überschaubar. Aber die Weltwirtschaft hat trotz den grössten Stimulanzien der Wirtschaftsgeschichte im Laufe der vergangenen Jahre fortwährend an Schwung verloren und verzeichnet (…) sehr bescheidene Wachstumsraten.“
  • „Normalerweise reisst eine Kette immer beim schwächsten Glied. Das sind in dieser Analyse die Schwellenländer, die seit einigen Jahren strukturell grosse Defizite in ihren Aussenbilanzen aufweisen, beispielsweise die Türkei, Südafrika, Brasilien usw. Solange Zentralbanken in diversen Regionen genügend Liquidität schaffen, kann ein Teil dieser Gelder als Carry Trade via renditehungrige Anleger dorthin fliessen und die Defizite finanzieren.“
  • „Es ist davon auszugehen, dass die von Japan betroffenen Konkurrenten (Korea, Taiwan, China) dem japanischen Experiment nicht einfach tatenlos zusehen werden, sondern ihre Währungen ebenfalls zu schwächen versuchen.“
  • „(…) wenn andere Exportnationen Japans Währungsabwertung folgen, um ihre Überschüsse nicht abbauen zu müssen, bzw. allfällige Defizite sogar zu reduzieren versuchen, dann entsteht ein hoher deflationärer Druck in den grossen Industrieländern.“
  • „Das Fed würde angesichts solcher Entwicklungen die Zinsen nicht anheben, da ein fester Dollar bereits eine bremsende Wirkung hätte. Die Bondrenditen in den USA würden länger niedrig bleiben oder sogar noch weiter sinken. Und US-Aktien könnten weiter steigen, da statt Zinserhöhungen sogar niedrigere Anleihenzinsen resultieren würden. Entsprechend könnten die bereits im Gang befindlichen Exzesse an den Aktienmärkten andauern.“
  • „Die grosse Frage ist, ob die Zauberlehrlinge an den geldpolitischen Schalthebeln mit dieser Entwicklung nicht plötzlich Geister gerufen haben, die sie nicht mehr loswerden, und diese historische Manipulation der Finanzmärkte nicht irgendwann völlig aus dem Ruder laufen könnte. Zunehmende deflationäre Kräfte würden dann die grosse Manipulation der Zentralbanken beenden. Vermutlich würden dann viele Anleger schmerzhaft aus ihrer Wohlstandsfiktion erwachen (…).

Alle Hervorhebungen von bto.

FINANZ und WIRTSCHAFT: Gefährliche Experimente, 28. November 2014

2 Kommentare
  1. Dieter Krause says:

    Tja, da bleibt wohl nur noch Afrika als aufnahmefähriger und noch unterentwickelter Markt oder? Deutschland sollte deshalb ganz schnell mehr nach Burkina Faso, den Tschad, Mali und Simbawe exportieren! Und denen vorher auch die dafür notwendigen Ninja-Kredite (no income, no job) geben, damit die die Einkäufe bei Daimler & Co. hier auch finanzieren können.

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