Gedanken der Super-Profis zu den Märkten und den Folgen von Donald Trump

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Was hat sich durch die Wahl in den USA an den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft wirklich geändert? Zunächst nur Erwartungen und auch diese sind unklar. Zu viel Unsicherheit herrscht weiterhin. Deshalb ist es interessant zu hören, was die Profis denken. Heute Ray Dalio von Bridgewater, der in einigen Beiträgen bei bto schon zitiert wurde:

→ Ray Dalio hofft auf die Inflationierung – was, wenn die nicht klappt?

→ Ray Dalio’s Bridgewater On The Fed’s Dilemma: „We’re Worried That There’s No Gas Left In The QE Tank“

→ How the economic machine works

 

Und James Montier vom Bostoner Assetmanager GMO, der den Lesern von bto ebenfalls bekannt ist:

→ Staatsschulden – wirklich so schlecht?

→ „Es gibt keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Zinsen und Bewertung“

→ „Der Aktienmarkt ist abscheulich teuer“

Zunächst Ray Dalio. Die FT berichtet:

  • Donald Trump’s election victory heralds the beginning of a new era that will be marked by the retreat of globalisation and rising bond yields, according to Bridgewater’s Ray Dalio (…) ‚there is a good chance that we are at one of those major reversals that last a decade‘, similar to the outbreak of stagflation in the 1970s and the shift back to strong, non-inflationary growth in the 1980s.“ bto: Damit reiht Dalio sich in die lange Reihe jener ein, die tatsächlich einen Trendbruch vermuten.
  • Although the iconoclastic hedge fund manager (…) stressed that the new era might not be anything like the 1970s or 1980s, he warned that it could last a decade and would also be characterised by aggressive government spending, and quicker US growth accompanied by accelerating inflation.“bto: Auch dies erwarten die meisten Marktteilnehmer.
  • „(…) we think that there’s a significant likelihood that we have made the 30-year top in bond prices, (…).“ bto: Was mich zu der Frage führt, wie die hoch verschuldete US-Wirtschaft höhere Zinsen verkraften soll?
  • Mr Dalio also argued that the bond rout will continue, given that reversals of major secular trends (…) tend to badly hurt investors caught wrongfooted by the sell-off, ‚making the move self-reinforcing until they are shaken out‘.“bto: Das ist immer der Fall, vor allem, wenn mit Leverage gearbeitet wird.
  • Also, it’s likely that the Fed — and possibly other central banks — will increasingly tighten and that fiscal and monetary policy will come into conflict down the road, (…). ‚The question will be when will this move short-circuit itself‘ and starts hurting other markets, like stocks.“bto: Das ist die Kernfrage.

 Nun zu James Montier, ebenfalls in der FT:

  •  ‚Part of the problem from our perspective, when you look at the world’s assets, is nothing’s cheap. It’s not a great starting point if you’re an investment manager,‘ says Mr Montier.“ bto: schon gar nicht, wenn über die Zinsen gerade der Boden herausgezogen wird.
  • „(…) investors cannot know what Donald Trump will do as US president, and his policies must overcome difficult politics in Congress. (…) ‚I’m a huge fan of using fiscal policy to head off secular stagnation. The best form [of fiscal policy] is one that is inclusive. Tax cuts are not.‘“ bto: Da bin ich voll dabei! Es ist falsch und das falsche Signal.
  • „(…) politics remain secondary to valuation, worshipped by GMO’s asset allocation team as the route to investment success. Almost two-fifths of the group’s $27bn flagship fund sits in cash, ready for the day when asset prices have tumbled.“ bto: Das Problem mit dieser Strategie ist, dass man ziemlich lange ziemlich blöd aussehen kann.
  • Government bonds are judged too expensive and the group has largely abandoned US stocks as well (…) ‚Nothing looks cheap. EM is cheap on a relative basis. EM is the tallest dwarf.‘“ bto: wobei hier die Gefahr steigender Zinsen und eines festen Dollars besteht.
  • „(…) Mr Montier, (…) challenges a common view that the very low interest rates of modern monetary policy justify a stock market boom. ‚There is no evidence low interest rates have an effect on equity valuations, and even if they do the effect is offset by lower growth rates,‘ he says.“ bto: An anderer Stelle rechnet GMO vor, wie sehr alle Assets mit einer „Duration“ von den tiefen Zinsen profitiert haben.
  • The debate within GMO then is not about whether valuations fall, and investment returns for the majority fail to match those of the past, but rather the speed of the adjustment.“ bto: Wenn man die Wahl hat zwischen Crash und mauen Renditen, kann man sich einen Boom da nur schwer vorstellen.
  • „(…) perhaps reflecting a portfolio heavy on emerging market equities, his chief concern is a housing bubble and debt boom on the other side of the world. ‚It’s not Donald Trump which keeps us up at night, it’s China,‘ he says.“ bto: Zu China habe ich mich bereits intensiv geäußert.
  • Investors, after all, have to buy something. They should spend time on the big questions (…): are small companies stocks cheap, not who is the best small-cap manager.“ bto: Was er damit meint, ist klar. Man sollte viel mehr das Bewertungsniveau bei der Anlageentscheidung berücksichtigen.

 bto: Das führt zu keinem leichten Fazit: auf der einen Seite der Bruch mit der bisherigen Politik, auf der anderen die Frage, wie der Bruch auf die Finanzmärkte wirkt. Per saldo kein Umfeld, in dem man große Renditen erwarten sollte, basiert doch der Erfolg einer sanierten Wirtschaft zu einem guten Teil aus dem Entwerten von Schulden und den dazu gehörenden Forderungen.

→ FT (Anmeldung erforderlich): „Ray Dalio warns on new era of globalisation in retreat“, 15. November 2016

→ FT (Anmeldung erforderlich): „James Montier says nothing is cheap and his GMO is holding cash“, 15. November 2016

 

5 Antworten
  1. Katalin says:

    Hallo Herr Dr. Stelter,

    wie geht es Ihnen, meinem Liebliengsökonom

    Hier ist ein Artikel der einige Ihrer sehr guten Thesen (wie ich finde) ein wenig hinterfragt.

    Können Sie uns Ihre Meinung zu diesem Artikel posten.

    http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2016/11/fehldiagnose-secular-stagnation/
    von Dirk Niepelt auch bei fuw.ch zu finden.

    Es geht insbesondere um folgende Behauptung.

    Ich glaube, dass Sie selber das Konzept von Summers eher kritisch sehen, aber auch einige seiner Thesen für nicht ganz falsch halten.

    Bevölkerungsrückgang kein Grund für niedrigeres Wachstum und oder Zinsen

    Sie betonen aber immer, dass die Bevölkerung neben der Produktivität maßgeblich für das Wachstum ist.

    Danke Gruß

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Ich bin nur Amateur in Sachen Ökonomie und kann daher in diesem Fach mehrfach promovierte Leute nicht kompetent kritisieren.

      Was mir allerdings aufgefallen ist:

      Niepelt schreibt ökonomisches Feuilleton. Angeblich ist Secular Stagnation eine Fehldiagnose (Überschrift), dann wiederum wirkt – warum nicht „ist“? – die Diagnose „aus mehreren Gründen überzogen“ (und damit doch nicht ganz falsch, oder?)

      Zweitens stellt er Behauptungen auf, deren Richtigkeit er nicht durch Wirkmechanismen belegt:

      >Grundlegende makroökonomische Theorien lassen vielmehr den Schluss zu …>

      Was sagen die aus, welche Wirkmechanismen sollen dazu führen, dass der langfristige Realzins „entweder überhaupt nicht vom Bevölkerungswachstum beeinflusst wird oder aber, falls die demographische Struktur sich auf den Zins auswirkt, dieser in keinem unmittelbaren Bezug zum Wirtschaftswachstum pro Kopf steht>

      Und gilt das auch für negatives Bevölkerungswachstum, d. h. eine schrumpfende Bevölkerung?

      >Das häufig zu hörende Argument, langsameres Bevölkerungswachstum führe zu tieferen Realzinsen und schwächerem Wohlstandswachstum, ist theoretisch schwach untermauert.>

      Wie ist es denn schwach untermauert?

      >Im Gegensatz hierzu ist der Produktivitätsfortschritt für die wirtschaftliche Entwicklung ohne Zweifel von grösster Bedeutung.>

      Was sagt denn die „grundlegende ökonomische Theorie“ zum Verhältnis von Bevölkerungswachstum, d. h. im Verhältnis damit verbundener Nachfrageentwicklung und Produktivitätsfortschritt?

      Niepelt schließt dies umstandslos aus (wie viele, die aus einer ANALYTISCH durchaus sinnvollen Unterscheidung schließen, dass keine Zusammenhänge zwischen den Faktoren bestehen), so wie er die Globalisierungsdimension ausblendet.

      Selbst dort, wo er durchaus nachvollziehbare Skepsis an den Tag legt, ist er zu unverbindlich:

      >Abgesehen davon bleibt aus operativen und polit-ökonomischen Überlegungen grundsätzliche Skepsis gegenüber Investitionsprogrammen zur Konjunkturbelebung angebracht. Diese Skepsis galt unter Ökonomen bis vor kurzem als Allgemeingut. Nun, da geldpolitische Alternativen an Attraktivität eingebüsst haben, hat sich dies geändert. Doch Zweifel am Nutzen einer Behandlung sind nicht aus der Welt geschafft, nur weil alternative Behandlungen keinen Erfolg mehr versprechen.>

      Zweifel am Nutzen ist das eine – und der schwächste Einwand. Es geht weit mehr um die EFFEKTIVITÄT von Fiskalpolitik und insbesondere um die FOLGEN, die damit verbunden sind, wenn mit ihr als einzig verbliebener Handlungsoption massive Krisenbewältigung betrieben wird.

      Unterm Strich:

      D. Niepelts Auslassungen sind nicht sehr ergiebig, um es vorsichtig auszudrücken.

      Aber wir haben ja hier Profis an Bord, die können substanziell mehr dazu sagen …

      Antworten
  2. Dietmar Tischer says:

    >„Also, it’s likely that the Fed — and possibly other central banks — will increasingly tighten and that fiscal and monetary policy will come into conflict down the road, (…). ‚The question will be when will this move short-circuit itself‘ and starts hurting other markets, like stocks.“>

    WANN, nicht OB.

    Sehe ich auch so, wenn die Notenbanken nicht kapitulieren und damit ihre Glaubwürdigkeit nicht verspielen wollen. Es wird m. A. n. zu Konflikten mit der Politik kommen, aber es längst nicht ausgemacht, dass die Politik am längeren Hebel sitzt. Anhaltend hohe Inflationsraten würden Wutbürger erzeugen, wie es niedrige Zinsen auf Sparguthaben nicht vermochten.

    >‚Nothing looks cheap.>

    Wenn das so ist, darf man nicht investiert sein, sondern muss 100 % in CASH sein.

    Montier hält aber nur zwei Fünftel in Cash.

    Der Mann mag ja erfolgreich sein, inkonsistent ist er auf jeden Fall.

    Antworten

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