European banks: light Sunday reading – «Banken sollten 30 % Eigenmittel halten»

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

Am Sonntag werden die Ergebnisse des Stresstests für die europäischen Banken veröffentlicht. Die Medien haben endlich wieder etwas zu schreiben und die Finanzmärkte einen Grund für Schwankungen. Die ersten Gerüchte dringen durch. Demnach sind elf Banken durchgefallen, darunter auch die HSH Nordbank und die Commerzbank.

Dabei ist doch jedem ernsthaft nachdenkenden Beobachter klar, dass a) die Banken insolvent sind und b) genau dies nicht das Ergebnis des Stresstests sein wird. Das europäische Bankensystem hat schlichtweg nicht genug Eigenkapital, um die eigentlich erforderlichen Abschreibungen von Krediten vorzunehmen. Deshalb ist der Test eine reine Show. Ich bleibe bei meiner Meinung, dass mindestens drei Billionen Euro faule Schulden zu bewältigen sind.
Das Lex-Team der FT beschreibt das Szenario süffisant. Passend zum Sonntagsbraten kommt nicht nur das gute Glas Wein, sondern kommen auch die 10.000 Datenpunkte des Stresstests. Diese würden sicherlich „ausgewogen“ ausfallen: Ja, Ende 2013 hätte es einigen Kapitalbedarf gegeben, aber diesen hätten die Banken – die immerhin in den letzten 12 Monaten schon 30 Milliarden an frischem Eigenkapital aufgenommen haben – zwischenzeitlich gedeckt. Will heißen, wir schauen kritisch, aber es ist nicht so schlimm. Aus Sicht von Lex wäre das fatal, weil es die Sorglosigkeit im Bankensektor weiter stärken würde. Es würde den Banken nicht schaden, mehr Eigenkapital zu haben. Und auch der Realwirtschaft nicht.

FT (Anmeldung erforderlich): European banks: light Sunday reading, 21. Oktober 2014

Einen tieferen Blick wirft die FuW auf das Thema in einem Interview mit Martin Hellwig, Direktor am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn, wo er sich besonders mit Fragen um Finanzmärkte und -institutionen auseinandersetzt. 2013 verfasste er gemeinsam mit der Stanford-Professorin Anat Admati das Buch „The Bankers’ New Clothes“ – des Bankers neue Kleider. Im Interview äußert er sich zum Stand der Bankensanierung und zum Stresstest. Die (traurigen) Highlights:

  • Streng genug? „Ich habe drei Vorbehalte. Erstens: Die Zahlen der Bilanzprüfung gehen erst danach in die Bilanz ein, liegen dem Stresstest also noch nicht zugrunde. Zweitens: Es werden keine Nachwirkungen berücksichtigt, also Zweit- und Drittrunden-Effekte. Es wird somit nicht untersucht, was passiert, wenn Schwierigkeiten einer Bank sich auf andere Institute auswirken – ob direkt oder auch indirekt, über die Märkte. Drittens: Der Stresstest erfasst nur ausgewählte Szenarien.“ – bto: Vor allem das Szenario einer Deflation ist nicht berücksichtigt.
  • „Aus nationaler Sicht ist auch fraglich, ob die einzelnen Staaten in der Lage sind, etwaige Probleme durch eine Rekapitalisierung zu beheben. Ich erwarte daher, dass man einige Probleme finden wird, aber nicht sehr viele. Aus Proporzgründen werden dann wohl deutsche Banken dabei sein.“ – bto: „aus Proporzgründen“, also aus politischen Gründen nicht aus echten. Damit ist der Test jedoch völlig unglaubwürdig.
  • „Wir fordern eine Eigenkapitalfinanzierung von 30 % der gesamten Aktiva der Bank. (…) Es gibt keine nennenswerten gesellschaftlichen Kosten einer hohen Eigenkapitalanforderung für Banken. Zum anderen: 30 % ist das, was die Banken selbst bei ihren Firmenkunden verlangen, darunter auch Hedge Funds, die mindestens so gut diversifiziert sind wie Banken. Zum Dritten: Vor dem Ersten Weltkrieg, ehe der Staat ins Spiel kam, lagen die Eigenmittel der Banken in dieser Grössenordnung – so etwa in Deutschland auf 22 % im Jahr 1913.“ – bto: Entscheidender Punkt: Es wird keine Kreditklemme geben, nur weil mehr Eigenkapital gefordert wird. Es wird nur weniger konsumtive Kredite geben. Hellwig erklärt danach, dass es die Staaten waren, die zur leichteren Finanzierung der Defizite die Eigenkapitalanforderungen senkten und explizite und implizite Garantien gaben. Hier liegt also das eigentliche Problem!
  • „Das übermässige Wachstum des Jahrzehnts vor der Krise wirkt immer noch nach. In manchen Bereichen ist der Wettbewerb immer noch so intensiv, dass die Banken nur durch Eingehen erheblicher Risiken am Markt überleben können. Das darf nicht sein. Auch gibt es Anhaltspunkte, dass die Zombies – also Banken, die bei realistischer Bewertung ihrer Anlagen als überschuldet anzusehen sind – noch nicht alle geschlossen worden sind.“ – bto: Hier bin ich deutlich pessimistischer. Ich denke, es wimmelt nur so vor Zombies in Europa. Erinnert sei an die Studie, die 770 Mrd. Kapitalbedarf errechnet hat.
  • „Wollen wir eine jahrelange Stagnation vermeiden, müssen wir Mittel finden, die Gesamtverschuldung zu senken. Da sollte man bei den Banken anfangen: Starke Banken wären eher in der Lage, die Überschuldung ihrer Kunden – Staaten, Unternehmen, Privathaushalte – zu bereinigen.“ – bto: So wahr!!
  • Zu den QE-Plänen in Europa: “Ob es ein Erfolg wird, ist auch deshalb fraglich, weil nicht sicher ist, ob die Unternehmen die Kredite haben wollen. Viele sind bereits so hoch verschuldet, dass weitere Schulden nicht tragbar sind. Andere finden keine Nachfrage und wollen deshalb nicht investieren. Es kann nicht angehen, dass wir um jeden Preis die Kreditvergabe der Banken an die Unternehmen anheizen. Wenn das Grundproblem darin liegt, dass der Schuldenüberhang bei Staaten, Privaten und Banken die Wirtschaftsinitiative lähmt, so müsste man zuallererst da ansetzen und Mittel zum Abbau der hohen Verschuldung finden. Da ist die EZB allerdings überfordert.“ – bto: Bingo!

FuW: Stresstest: «Banken sollten 30% Eigenmittel halten», 21. Oktober 2014

1 Antwort
  1. Marcus Heer says:

    Dann schauen wir mal was dabei rauskommt am Sonntag. Tatsache ist, das auf jeden Fall Institute durchfallen müssen, um zumindest etwas Glaubwürdigkeit vorzugaukeln. Denn so ein Desaster wie 2011 kann man sich nicht mehr leisten.
    Das Kernproblem bleibt aber nach wie vor ungelöst, nämlich das Europa seinen Bankensektor immer noch nicht wirklich bereinigt hat, was zur Folge hat das zuviele Zombiebanken am Markt sind.

    Zur Regulierung selber: Höhere Kapitalquoten sind grundsätzlich der richtige Weg, jedoch lösen sie meiner Ansicht nach die Probleme nicht. Wir bauchen wieder so etwas wie ein Glass-Stegall Act, der ermöglicht wichtige Teile schnell unter aufsichtsrechtliche Kontrolle zu stellen, ohne die ganze Bank mit einem Moral Hazard rausboxen zu müssen. Da sollte man ansetzen.

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte das Captcha ausfüllen * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.