„Emerging markets: Deeper into the red“

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Wir sind seit Jahren in einem gigantischen weltweiten Ponzi-Schema. (Noch mal lesen!) Wie jedes derartige Schema geht es so lange gut, wie mehr neues Geld zufließt als abfließt. Übersetzt bedeutet das: Solange die Schulden schnell weiter wachsen, ist alles o. k. Sobald das Schuldenwachstum aufhört, bricht alles zusammen.

Ein wesentlicher Treiber der Erholung vom Beinahe-Kollaps des Jahres 2009 war die explodierende Verschuldung in den Schwellenländern, allen voran China (wie ebenfalls hier regelmäßig besprochen).

Nun greift die FT das Thema auf und zeigt, dass der Verschuldungsboom in den Schwellenländern nicht nur zu Ende ist, sondern jetzt negativ auf die Wirtschaft und damit auf unser Ponzi-Schema wirkt:

  • Hinter der massiven Verschuldungszunahme stehen die Konjunkturprogramme der chinesischen Regierung nach 2008 und die aggressive Politik der Fed. – bto: deren Ziel ja explizit war, die Verschuldung in den anderen Ländern nach oben zu treiben. Geschätzte sieben Billionen QE-Dollar sind in die Schwellenmärkte geflossen.
  • Dieses QE-Geld wurde dann vor Ort nochmals geleveraged. Deshalb ist das wahre Ausmaß der Verschuldung unbekannt. Vermutlich wird man erst nach einer Krise den ganzen Umfang überblicken. Wie das? Nun, wenn ein Hedgefonds Anleihen in Schwellenländern kauft, so nimmt er dafür Kredit auf. Ein Teil dieses Kredites dürfte frisches QE-Geld sein. Der größere Teil einfach Geld von der Bank. Deshalb dürfte ein Vielfaches der rund acht Billionen, die die Weltzentralbanken seit 2008 geschaffen haben, herumvagabundieren.
  • Relativ zum BIP liegt die Privatverschuldung in den Schwellenländern heute höher als in den Industrieländern vor dem Ausbruch der Krise 2009.

Central-banks-chart-3

Quelle: FINANCIAL TIMES

  • Aus rund vier Billionen Fed-QE wurden so sieben Billionen US-Dollar-Kredite in Schwellenländer, die dann dort nochmals geleveraged wurden, so der von der FT zitierte Andrew Hunt.
  • Da dieser Zufluss den nationalen Notenbanken nicht ganz geheuer war, haben sie wiederum selber US-Dollar angekauft und dafür eigene Währung ausgeben. – bto: natürlich auch, um die Währung zu stabilisieren, damit sie nicht zu stark gegen den Dollar gewinnt (wie von der Fed beabsichtigt). Damit haben sie aber das Kreditwachstum vor Ort zusätzlich befeuert.
  • Dabei müssen Schulden nicht schlecht sein, so man sie für produktive Zwecke aufnimmt. Dem ist aber nicht immer so. Im Gegenteil mehren sich die Anzeichen von erheblichen Überkapazitäten und Fehlinvestitionen – bto: deshalb ja auch der deflationäre Druck in der Welt.
  • Eine Analyse der BIZ zeigt zudem, dass zwar die Verschuldung der Unternehmen gestiegen ist, die Profitabilität aber gesunken! Das ist keine gute Kombination.
  • Ziehen die ausländischen und inländischen Gläubiger ihr Geld ab, droht eine Krise. So zeigen die neuesten Daten des Institute for International Finance, dass die Finanzierungskonditionen sich drastisch verschlechtert haben und zum Teil auf den schlechtesten Stand seit 2009 sind.
  • Dabei haben wir es nicht nur mit dem Problem von Schulden in ausländischer Währung zu tun (also in Dollar, der aufgewertet werden und damit die Schulden deutlich verteuern kann), sondern auch mit zu hoher inländischer Verschuldung. Die Schulden sind einfach zu hoch.
  • Braut sich da was zusammen? Das Wachstum der Weltwirtschaft ist schon unter drei Prozent gefallen. Die Industrieländer stehen vor einer Rezession, ähnlich der vom Anfang des Jahrhunderts.

Doch selbst wenn es nicht so schlimm kommt, stehen wir vor Turbulenzen, ausgelöst von zu hoch verschuldeten Unternehmen mit Überkapazitäten und fallenden Preisen und Profiten.

Zieht uns der Krieg gegen den Terror nun doch noch aus der Rezession?

→ FT (Anmeldung erforderlich): „Emerging markets: Deeper into the red“, 16. November 2015

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