Draghis deutsches Dilemma

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Pünktlich zum Wochenende noch ein Sittengemälde aus der EZB. Die F.A.Z. beschreibt das Verhältnis der Bundesregierung zur EZB und von Draghi und Weidmann.“Das Verhältnis zwischen EZB-Präsident Draghi und Bundesbank-Präsident Weidmann ist zerrüttet. Und auch das Verhältnis zu Berlin hat sich spürbar abgekühlt. Noch schweigt Merkel. Doch sollte Draghi die geldpolitischen Schleusen weiter öffnen, könnten alle Dämme brechen.“ Danach werden im Detail die kleinen Piksereien erzählt, die jedem, der in Großunternehmen tätig war und anderen eher politisch geprägten Institutionen, wohlbekannt sind: „Teilnehmern zufolge versorgten Draghi selbst und Weidmanns Kommunikationsabteilung ausgesuchte Reporter am Rande der jährlichen Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington mit Informationen über die jeweils andere Seite. Draghi etwa listete penibel auf, welche EZB-Maßnahmen Weidmann seit seinem Amtsantritt im Frühjahr 2011 abgelehnt hat. Auf der anderen Seite beklagten Weidmanns Leute, dass Draghi sich keine Zeit nehme, um im EZB-Rat einen Konsens herzustellen.“ Und: „Ein Insider spricht von einem ‚total zerrütteten‘ Verhältnis, das ’nicht mehr zu reparieren‘ sei. Ein anderer EZB-Offizieller wird noch deutlicher: ‚Es ist inzwischen persönlich geworden. Wann immer Draghi und Weidmann auf der selben Veranstaltung sind, gehen die Wetten, ob sich ihre Wege kreuzen oder nicht. Weidmann meidet Draghi wie die Pest.'“

Die F.A.Z. sieht das dann so: „Für die EZB und Draghi wäre es ein Desaster, sollten sie die Unterstützung Merkels verlieren. Denn ohne die Rückendeckung Berlins dürfte das Vertrauen in die Fähigkeit der Euro-Notenbank sinken, dass sie die strauchelnde Wirtschaft in den 18 Euro-Ländern wieder flott bekommt und eine gefährliche Deflation wie in Japan verhindern kann. Gegen Deutschland könnte die EZB wohl kaum noch wirkungsvollere geldpolitische Geschütze in Stellung bringen.“ Aus meiner Sicht eine völlige Fehleinschätzung und verfehlte Hoffnung. Die Stimmverhältnisse sind eindeutig und die Bundesregierung wird immer mehr nachgeben, aus Angst (noch mehr) zum Buhmann in Europa zu werden. Natürlich wird Draghi und die vom Süden dominierte EZB den Weg zum Schuldentilgungsfonds ohne demokratische Legitimierung fortsetzen. Die Hunde bellen, doch die Karawane zieht weiter.

F.A.Z.: Draghis deutsches Dilemma, 24. Oktober 2014

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