Dollar und Liquidität – die zwei potentiellen Krisenherde

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Was könnte die nächste Krise auslösen? Das fragen sich nicht nur Schwarzseher. Angesichts der Schuldenlast und der extremen Geldpolitik ist eigentlich allen klar, dass wir auf einem Vulkan tanzen und nur hoffen können, dass dieser entschärft werden kann, bevor es knallt. Zwei Bereiche werden dabei immer wieder genannt und haben auch bei bto mehrfach Erwähnung gefunden: Die Folgen des Dollaranstiegs für die Schuldner vor allem in den Schwellenländern und die abnehmende Liquidität in den Märkten für Anleihen. Hier nochmal in neuen Beiträgen (wenn auch inhaltlich für Stammleser eine Wiederholung). Zunächst zum Dollar die FINANZ und WIRTSCHAFT:

„Zahlreiche Unternehmen und Staaten aus der Welt der Emerging Markets haben sich in den letzten sechs Jahren einem Kreditexzess hingegeben. Sie haben sich in enormem Ausmass verschuldet, und das zu einem beträchtlichen Teil in Dollar. Die folgende Grafik aus einer Präsentation von Hyun Song Shin, Ökonom bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, veranschaulicht die Entwicklung:

Die Grafik zeigt die Entwicklung der ausstehenden Dollarkredite ausserhalb der USA (Kredite an Banken sind ausgenommen) seit 1998. Die orange Fläche (rechte Skala) zeigt das Gesamtvolumen in Billionen Dollar. Die einzelnen Kurven (linke Skala) zeigen die Aufteilung des Gesamtvolumens auf einzelne geografische Regionen.

Für unsere Betrachtung relevant ist die Entwicklung der violetten Kurve in der Zeit nach 2008: Sie zeigt das Volumen der ausstehenden Dollarkredite in Emerging Markets. Das Volumen hat sich in dieser Zeit verdoppelt, von 2 Billionen auf 4 Billionen (4000 Milliarden) Dollar. Kredite in Höhe von 2000 Milliarden Dollar wurden in den Schwellenländern seit 2009 neu ausgegeben.“ Und: „Nimmt man Unternehmen, Finanzinstitute und staatliche Institutionen zusammen, wurden in Emerging Markets im Verlauf der letzten sechs Jahre in Dollar denominierte Schulden im Volumen von mehreren Tausend Milliarden Dollar aufgenommen. Je mehr die Schwellenländer-Währungen zum Dollar verlieren, desto grösser wird die Last der Dollarkredite für die heimischen Schuldner. Das bedeutet für all diese Kreditnehmer, dass der Wert ihrer Schulden steigt und es für sie teurer wird, die Zinsen zu bezahlen und dereinst den gesamten Kredit zurückzuzahlen. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Zahlungsschwierigkeiten häufen. In China, wo die wohl grösste Kreditblase aller Zeiten entstanden ist, knirscht es bereits bedrohlich im Gebälk des Finanzsektors.“

bto: Kann aber gut sein, dass auch aus diesem Grund die Zinserhöhung in den USA nicht kommt und der Dollar in den kommenden Monaten wieder an Wert verliert. Gelöst ist das Problem damit natürlich auch nicht, nur aufgeschoben (und kann noch größer werden, weil die Schulden ja nicht aufhören zu wachsen!

-> FINANZ und WIRTSCHAFT: Das Dollarproblem, 20. März 2015

Der Telegraph greift derweil das Thema der fehlenden Marktliquidität erneut auf:

  • Investoren stoßen beim Handel mit (Unternehmens)Anleihen auf zunehmende Schwierigkeiten. Die Liquidität in den Märkten fehlt.
  • Liquidität steht dabei für die Möglichkeit ein Wertpapier schnell kaufen oder verkaufen zu können, ohne dessen Preis deutlich zu beeinflussen.
  • Zwei Faktoren kommen zusammen: das Volumen an Anleihen ist in den letzten Jahren explodiert (dank der billigen Zinsen und weil bankenfinanzierung durch Anleihen ersetzt wurde) und die Banken sind durch die Regulierung weniger als „Marktmacher“ aktiv, können also nicht glättend intervenieren. Sie konzentrieren sich auf einige Bereiche, die dann besonders liquide bleiben zu lasten der Masse der anderen Marktsegmente. Steigen nun die Zinsen (was ich bezweifle) könnte es zu Illiquidität und damit erheblichen Turbulenzen kommen.
  • Doch auch Staatsanleihen können betroffen sein (vor allem wenn die Notenbanken deren Liquidität auch noch senken). Der Flashcrash in 10jährigen US-Staatsanleihen im letzten Oktober sollte eine Warnung sein.
  • Dabei sind die Investoren alle gleich positioniert, was die Gefahr einer Panik erhöht. Bis jetzt sind alle „long“ Bonds. kommt es zu einer deutlichen Abgabe von Rentenfonds und von institutionellen Investoren, fehlen die Käufer. Geringe Liquidität führt dann zu deutlichen Preisrückgängen, was den Verkaufsdruck und die Panik weiter erhöht.

Muss ja nicht passieren. Kann aber.

-> The Telegraph: Liquidity crisis could spark the next financial crash, 21. März 2015

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