Die Voll-/Leergeld-Reform

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Vollgeld habe ich schon mehrfach auf diesen Seiten thematisiert. Anlässe sind die anstehende Volksabstimmung in der Schweiz und das Paper des IWF, welches die Vorteile aufzeigt. Zugleich ist es auch ein Thema, welches in den Kommentaren kritisch gesehen wird. Es sei keine Lösung, schreiben da einige Leser. Das mag stimmen. Dennoch finde ich die andauernde Diskussion in der Schweiz dazu interessant, weil sie auf einem inhaltlich hohem Niveau stattfindet. Heute ein weiterer Beitrag, der sehr anschaulich die Mechanik erläutert und zu dem Schluss kommt: Die Zielsetzung wäre leichter zu erreichen. „Entgegen der Annahme der schweizerischen Vollgeldproponenten liegt das Hauptproblem der bestehenden Kapitalismusarchitektur nicht in einer mangelnden Kontrolle der Zentralbanken über eine Geldmenge. Eine solche Kontrolle ließe sich schon heute hinreichend genau bewerkstelligen, falls die Zentralbanken dies wirklich wollten und nicht aus theoretischen oder pragmatisch-opportunistischen Gründen andere Regeln, Ziele und Zwischenziele für überlegen hielten.“ Und weiter: „Wenn die Kontrolle der Geldmenge nicht das wirkliche Problem ist und die Monetative eine eher fragwürdige ‚Gewalt‘ darstellt, stellt sich die Frage, ob der irreversible Radikalumbau der Finanzarchitektur und die Errichtung einer dicken Chinesischen Finanzmauer ihre Kosten in Form beträchtlicher Übergangsrisiken und fühlbarer Beeinträchtigung der bankmäßigen Kreditintermediation wirklich wert sind oder ob es nicht Reformen gibt, die schrittweise und mit weniger Transitionserschütterungen kurz- und langfristig bessere Gesamtwirkungen entfalten könnten. Zu diesen zählen prominent die schrittweise Erhöhung der Eigenkapitalerfordernisse der Universalbanken sowie ein glaubwürdiger Mechanismus für die geordnete Abwicklung ungenügend kapitalisierter Banken ohne übermässige Systemerschütterungen.“

Allerdings erläutert der Autor zuvor den aus Sicht der Befürworter durchaus gegebenen Nutzen, die bestehenden Staatsschulden elegant aus der Welt zu schaffen: „In jedem Fall wird erwartet, dass die Zentralbank für den Ersatz der Banktransaktionskonten sorgt, indem sie die bestehenden Staatsschulden aufkauft, die Verkäufer mit Giroguthaben bei der Girobank entschädigt und die Staatsschuldtitel in ein ewiges, unverzinsliches, nie zu tilgendes fiktives ‚Guthaben‘ verwandelt.“ Da schließt sich der Kreis. Da auch die FT das System im Kern befürwortet (siehe Kommentar von Martin Wolf) und an anderer Stelle die Annulierung der Staatsschulden durch die Notenbank ernsthaft diskutiert wird, scheint die Richtung klar. Unter dem Deckmantel der Finanzstabilität kann man die Schulden elegant entsorgen. Da spielt es keine Rolle, ob Vollgeld nun die richtige Idee ist oder nicht. Die Alternative des Schuldenschnitts ist eindeutig zu unpopulär. Allerdings frage ich mich, ob es wirklich eine derartige schmerzfreie „Lösung“ geben kann. Ich zweifle.

NZZ: Die Voll-/Leergeld-Reform, 27. Mai 2014

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