„Die Märkte reagieren schizophren“

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Heute Morgen die Auszüge aus dem kritischen Kommentar in der FT , nun ein Interview in der FINANZ und WIRTSCHAFT mit Jim Bianco, das in die gleiche Richtung geht. Die Highlights:

  • Wallstreet glaubt, dass Trumps Präsidentschaft eine gigantische Wette auf die Rückkehr der Inflation ist: ein Trade auf steigende Aktienkurse, höhere Zinsen und einen festeren Dollar. (…)  Das würde auch bedeuten, dass die Zinsen steigen und die ständige Angst vor Deflation endlich verschwindet. (…) Ich bin eher skeptisch.“ bto: Das ist die alles entscheidende Frage. 
  • Ausser seiner Wiederwahl in vier Jahren wird er sich keiner weiteren Abstimmung stellen. Weshalb sollte er sich nun also mässigen und nicht genau das machen, was er angekündigt hat? (…)  Als Präsident wird er sich aber gegen den Freihandel starkmachen, China als Währungsmanipulator bezeichnen, die Gesundheitsreform Obamacare rückgängig machen, die Immigration einschränken und die Grenzmauer zu Mexiko bauen.“ bto: Trump kann theoretisch frei handeln, praktisch ist es aber beschränkt. 
  • Das Federal Reserve ist unter der Kontrolle der Finanzmärkte. Es kann die Zinsen nur dann erhöhen, wenn das an der Börse erwartet wird. In der Wahlnacht haben Investoren einem Zinsschritt zuerst nicht einmal mehr eine Chance von 50 Prozent gegeben. Doch jetzt rechnen sie wieder mit einer Chance von 80 Prozent. Bleibt das so, hat das Fed in vier Wochen grünes Licht.“ bto:  Bianco macht einen wichtigen Punkt. Die Fed folgt nämlich den Märkten, nicht die Märkte der Fed!
  • Globalisierung bedeutet, dass sich Menschen international frei bewegen können und die Produktion von Gütern dorthin verlagert wird, wo sie am effizientesten ist. Bis zur Finanzkrise hat es dagegen kaum nennenswerten Widerstand gegeben. (…) Millionen von Menschen haben 2008 den Job und ihr Haus verloren. Für die Banken wurden hingegen milliardenteure Rettungspakete geschnürt. Natürlich war das nötig, um das Finanzsystem zu retten. (…) Das hat die politische Elite ihre Glaubwürdigkeit gekostet und populistischen Strömungen rund um den Globus Auftrieb gegeben.“ bto: Das ist eine zutreffende Beobachtung. Ich denke aber, es sind noch mehr Faktoren: Ungleichheit, stagnierende Einkommen, etc.
  • Die Finanzmärkte haben über die letzten dreissig Jahre grosse Kursgewinne verzeichnet. Massgeblich mitverantwortlich dafür war der Trend zur Globalisierung und zur Öffnung des freien Personenverkehrs. Die Wahl von Trump und der Brexit sind deutliche Warnsignale, dass dieses Fundament der Hausse gefährdet ist.“ bto: Das wäre dann eine wirkliche Zeitenwende. Das Ende der Aufwärtsbewegung der Finanzmärkte seit 1982 … oder noch länger, seit dem Zweiten Weltkrieg. 

bto: Das wäre dann allerdings nichts anderes als die konsequente Fortsetzung der Eiszeit in Wirtschaft und Kapitalmärkten.

→ FINANZ und WIRTSCHAFT: „Die Märkte reagieren schizophren“, 13. November 2016

5 Antworten
  1. Frank Präuner says:

    Sehr geehrter Herr Stöcker,

    ich bin positiv überrascht, dass es noch eine geistige Elite in unserem Land gibt, die sich der menschlichen Unwissenheit bewusst ist und die Schriften von Hayek kennt  Den Rest unserer sogenannten geistigen Elite würde ich die Schriften von Hayek und seinem Freund Sir Karl Popper intensiv zum Studium empfehlen, um mal den Unterschied zwischen konstruktivistischen Rationalismus und kritischen Rationalismus zu verstehen. Zitat Popper: Durch unser Wissen unterscheiden wir uns nur wenig, in unserer grenzenlosen Unwissenheit aber sind wir alle gleich.

    LG Frank Präuner

    Antworten

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