Die Folgen von Geld umsonst

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Wir wissen schon lange, dass nur die Geldpolitik erklären kann, weshalb die Aktienmärkte ‒ allen voran in den USA ‒ signalisieren, dass wir in der besten aller Welten leben. Rekordstände, wohin man blickt. Beim Gold natürlich nicht, denn hohe Goldpreise würden ja Probleme signalisieren. Und diese gibt es bekanntlich nicht.

  • In den letzten drei Jahren ist der MSCI-Index um 38 Prozent gestiegen ‒ die Gewinne um drei Prozent.
  • Seit dem 2009-Tief haben die globalen Aktienmärkte 150 Prozent zugelegt.
  • Nur der Geldpolitik ist es zu danken, dass wir einen solchen Boom an den Märkten hatten.

Zero Hedge: How The Fed Has Broken The Market, 13. November 2014

Dahinter liegt auch der ungebremste Trend der Unternehmen, eigene Aktien zu kaufen ‒ statt zu investieren, egal wie laut die Politiker auf ihren Weltreisen jammern. Die FT thematisiert dies erneut:

  • Die Unternehmen im S&P 500 haben im letzten Jahr ihre Gewinne um 10,2 Prozent gesteigert, während die Umsätze um 5,3 Prozent gewachsen sind. In Europa stiegen die Gewinne um sogar elf Prozent, bei unverändertem Umsatz. Also nur durch Kostensenkung.
  • Die Dynamik lässt aber nach. Immer mehr Unternehmen warnen, dass es mit dem Gewinnwachstum nicht so weiter geht. (bto: Klar, auf Dauer kann man ohne Wachstum Gewinne nicht steigern.)
  • Wer also Aktien kauft, muss davon ausgehen, dass es einen weiteren Käufer gibt, der unabhängig von den Fundamentaldaten weiter Aktien kauft. Und den gibt es: die Unternehmen selber. (bto: Habe ich schon mehrfach beschrieben.) Goldman Sachs schätzt das Rückkaufvolumen auf immerhin 450 Milliarden Dollar in 2014. Das treibt die Aktienkurse.
  • Dabei ist es attraktiv, sich billig zu verschulden, um eigene Aktien zu kaufen. (bto: Genau der Effekt, den ich ‒ wie oft geschrieben ‒ hinter dem Anwachsen der globalen Vermögen sehe.) Die Unternehmen, die eigene Aktien zurückkaufen, haben seit dem Tiefpunkt im März 2009 273 Prozent gewonnen, der S&P „nur“ 203 Prozent. Jene Unternehmen, die am deutlichsten die Zahl ausstehender eigener Aktien reduziert haben, haben am besten performed.
  • Da US-Unternehmen 80 bis 90 Prozent der Gewinne bereits an die Aktionäre ausschütten, ist dieser Effekt jedoch zunehmend in den Aktienkursen berücksichtigt. Folge: Die Kurse sind zwar hoch, es fehlt aber Fantasie für mehr.

bto: Die Wirkung der Geldpolitik nimmt sichtlich ab. Jetzt müssen die Zinsen für Unternehmen negativ werden, um das Spiel nochmals zu beleben. Oder die Märkte passen sich an die Fundamentaldaten an.

FT (Anmeldung erforderlich): Corporate buybacks fuel all-time highs – but for how long?, 14. November 2014

Doch nicht nur an den Aktienmärkten sind die Folgen billigen Geldes sichtbar. Vielmehr ist das an den Anleihenmärkten der Fall, wie an dieser Stelle regelmäßig berichtet. Interessant ist hierbei der Aspekt, dass die Unternehmen systematisch ihre Kennzahlen schönen, um Investoren anzulocken. Die FT berichtet:

  • Die Unternehmen schönen systematisch die Kennzahl EBITDA. Diese ist als solche schon sehr großzügig definiert und dient in Finanzkreisen der Bewertung von Ertragskraft, Schuldentagfähigkeit und Solidität von Unternehmen. EBITDA steht für Earnings (Gewinne) before (vor) Interest (Zinsen), Taxes (Steuern), Depreciation (Abschreibungen von Maschinen/Anlagen) and Amortization (Abschreibung von immateriellen Gütern wie Patenten und Goodwill). Kurz gefasst: Gewinne vor allem, was stört.
  • Dabei werden Add-backs vorgenommen. Man bereinigt also die Zahlen, was mich an mein Studium erinnert. Lehre: Außerordentliche Kosten sind ordentlicher, als man denkt und außerordentliche Erträge außerordentlicher, als man denkt. Folge: Investoren kaufen Anleihen ohne wirkliches Bewusstsein für die Risiken.
  • Beispiel: Die Softwarefirma Travelclick lieh sich 560 Millionen US-Dollar mit einem offiziellen EBITDA-Multiple von 6,6. In Wirklichkeit war es jedoch ein Multiple von 10. Das ist echter Junk.
  • Die Ursache ist klar: Es ist ein „issuer market“, die Investoren sind so verzweifelt auf der Suche nach Rendite, dass sie alle Vorsicht über Bord werfen. Verantwortlich dafür sind die Notenbanken.
  • Die Erfahrung von 2008 und 2000 lehrt, dass gerade die Deals, die am Ende des Booms gemacht werden, die sind, die als erstes platzen.

bto: Die Geldpolitik hat alle Märkte verdorben. Doch wohin mit dem Geld?

FT (Anmeldung erforderlich): Credit markets play a risky dating game, 14. November 2014

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