„Die drei Ängste, die die Weltmärkte gefährden“

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Es kann sehr gut sein, dass 2016 noch einmal alles gut geht und wir in eine weitere Runde starten. Doch das stellt für mich keine Lösung des Problems dar, sondern eine Verschleppung. Hier eine positive Sichtweise auf die Lage:

  • Das China-Problem ist sicherlich gross genug, um die Weltwirtschaft und die Aktienmärkte für den Rest des Jahrzehnts aus der Bahn zu werfen. (…)  Die wirkliche Sorge ist, dass die chinesischen Behörden entweder den Renminbi aggressiv abwerten könnten oder, wahrscheinlicher, dass sie durch versehentliches Fehlverhalten die Kontrolle über ihn verlieren, was zu einer verheerenden Kapitalflucht führen könnte.“ – bto: in der Tat der Worst Case.
  • Gehen die chinesischen Fremdwährungsreserven jedoch einen weiteren Monat lang erheblich zurück, könnte diese Ruhe wieder gestört werden, und die Bemühungen der Behörden, den wirtschaftlichen Rückgang unter Kontrolle zu halten, werden den Finanzmärkten in den nächsten Jahren weiterhin grosse und berechtigte Sorgen bereiten.“ – bto: was an der erschöpften Verschuldungskapazität liegt.
  • Im Gegensatz zu den berechtigten Sorgen über China scheinen die Märkte hier einfach den Zusammenhang zwischen Öl und Marktwirtschaft nicht verstanden zu haben. Bis auf sehr kurzfristige Effekte sollte die Korrelation zwischen dem Ölpreis und den Aktienmärkten nicht positiv sein, sondern negativ – was mit ziemlicher Sicherheit in den nächsten Jahren auch eintreten wird.“ – bto: Das stimmt sicherlich. Die Frage ist allerdings, ob das bei Überschuldung genug wirkt und wie der deflationäre Effekt stabilisiert wird. Es ist ja nur einmalig, was helfen sollte.
  • Jetzt, wo sich der Ölpreis auf einem langfristig vernünftigen Niveau stabilisiert, sollten die Weltwirtschaft und die Unternehmen ausserhalb des Rohstoffsektors davon profitieren. Ein niedriger Ölpreis führt zu höheren Realeinkommen, stimuliert die Ausgaben für nicht ressourcenintensive Güter und Dienstleistungen und steigert den Profit energieintensiver Unternehmen.“ – bto: Das stimmt zweifellos.
  • Allen weltweiten Rezessionen seit 1970 ging eine erhebliche Steigerung des Ölpreises voraus, während auf fast jeden über 30%igen Ölpreisrückgang Perioden stärkeren Wachstums und höherer Vermögenspreise folgten.“
  • Auch, wenn die Märkte im Vorhersagen wirtschaftlicher Ereignisse oft falschliegen, können diese Ereignisse doch durch finanzielle Erwartungen beeinflusst werden. Als Ergebnis wird die Realität manchmal gezwungen, sich in Richtung der Markterwartungen zu entwickeln, und nicht umgekehrt.
  • Kurz gesagt, nichts am Zustand der Weltwirtschaft lässt darauf schliessen, dass ein grösserer Einbruch oder gar eine Rezession unvermeidlich oder gar wahrscheinlich ist. Aber eine tödliche Kombination sich selbst erfüllender Prophezeiungen könnte gemeinsam mit politischen Fehlern dazu führen, dass sich die Realwirtschaft dem Pessimismus der Finanzmärkte beugen muss.

bto: Es ist richtig, dass es fundamental nicht so schlecht aussehen muss. Vor allem, wenn China nochmals auf das Gaspedal drückt und die schuldenbasierte Nachfrage steigert. Insgesamt werden wir aber immer näher an den Punkt kommen, wo neue Schulden nicht mehr wirken.

Allerdings dürfen wir dabei eines nicht vergessen. Auch nach der Korrektur sind die meisten Märkte nicht billig (und der DAX ist von Banken und Versorgern verzerrt):

Quelle: FINANZ und WIRTSCHAFT

→ FINANZ und WIRTSCHAFT: „Die drei Ängste, die die Weltmärkte gefährden“, 16. Februar 2016

1 Antwort
  1. Dietmar Tischer says:

    Kaletsky erkennt richtig, dass der niedrige Ölpreise, den er „auf einem langfristig vernünftigen Niveau stabilisiert“ sieht, nicht per se auf die Realwirtschaft, insbesondere nicht auf das Konsumverhalten negativ zurückwirkt (Was ist hier „vernünftig“ – kenne ich nicht als ein ökonomisches Kriterium für Preise).

    Richtig erkennt er auch, dass der niedrige Ölpreis sehr wohl negativ auf das Finanzsystem zurückwirken könnte.

    Obwohl es intermediär agiert, ist es auch REALITÄT.

    Da das Finanzsystem durch die hohe Verschuldung in einem – was systemische Risiken betrifft – sehr labilen Zustand ist, bedarf es keiner, wie er meint, sich selbst erfüllender Prophezeiungen und auch keiner politischen Fehler, um es zu destabilisieren.

    Ich sehe jedenfalls nicht, dass diejenigen, die wie die Saudis auf einen niedrigen Ölpreis zielen, einen politischen Fehler machen. Auch diejenigen, die wie wir auf die Energiewende setzen und damit tendenziell hohen Ölpreisen entgegenwirken, begehen keinen Fehler, das zu tun (wohl aber viele, was das WIE betrifft). Und die USA haben auch keinen begangen indem sie die Fracking finanzierten.

    Die Probleme ergeben sich eben im Rahmen der Systemkonfiguration und speziell des Systemzustands.

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