Die dramatischen Folgen der demografischen Entwicklung

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Die Wirkung der demografischen Entwicklung auf das wirtschaftliche Wachstum und vor allem die finanzielle Tragfähigkeit unserer Sozialsysteme ist immer wieder Thema bei bto. Letztlich ist es ein Hauptaspekt des Ponzi-Schemas. Mehr Leute treten aus als ein. Immer ein Endpunkt für diese Systeme.

VISUAL CAPITALIST  hat dazu einige Charts zusammengestellt, die von Zero Hedge gezeigt wurden:

Zunächst der Rückgang der globalen Geburtenraten. Interessant ist auch die Differenz, die sehr schön zeigt, wie groß unsere Probleme relativ zum arabischen Raum sind. Eine wesentliche Ursache für Migrationsdruck.

Global Fertility Rates

Quelle: VISUAL CAPITALIST, Zero Hedge

Die Wirkung rückläufiger Geburtenraten war zunächst positiv: „Initially, reduced child dependency rates were actually beneficial to economic growth. By delaying childbirth, men and women could gain an education before starting a family. This was important in a shifting labor market where smaller, family-run businesses were in decline and a more skilled and specialized labor force was in demand. (…) Increased spending power creates demand, which stimulates job growth – and the economy benefits in the short-term.“ bto: Dieser kurzfristige Effekt ist wie der von Schulden. Zunächst profitiert die Wirtschaft, später jedoch kehrt sich dieser Effekt um.

46% of world population is in countries with rates below replacement

Quelle: VISUAL CAPITALIST, Zero Hedge

Es ist ein weltweites Phänomen: „It is interesting that in developed and developing nations, the downward trend is similar. (…) So here we are now, with a global fertility rate of just 2.5 – roughly half of what it was 50 years ago.“ bto: Das ist natürlich aus ökologischen Gründen nicht schlecht. Fraglich ist hingegen die Wirkung auf die einzelnen Regionen.

„Today, 46% of the world’s population lives in countries that are below the average global replacement rate of 2.1 children per woman.“ bto: Und schon 2075 werden wir weltweit mehr über 65-Jährige als unter 15-Jährige haben.

„Because these countries (59 to be exact, including BRIC nations Brazil, Russia, and China) are not repopulating quickly enough to sustain their current populations, we are beginning to see a substantial imbalance in the ratio of elderly dependents to working-age people, which will only intensify over the coming decades.“  bto: Nicht neu, aber in der Wohlstandswirkung dramatisch, wenn es nicht gelingt, die Produktivität entsprechend zu steigern! Um Deutschland steht es da schlecht, siehe die jüngsten Ergebnisse der Schultests und die verheerende Reaktion darauf. Man solle nicht so viel an Tests glauben, war da zu hören. Ich fasse es nicht!

Dieses Chart hier zeigt die Entwicklung über Zeit. Ja, dass ganz dunkle Land ist Deutschland!

Aging Population Map

Quelle: VISUAL CAPITALIST, Zero Hedge

„By 2100, the U.N. predicts that nearly 30% of the population will be made of people 60 years and older. Life expectancy also continues to increase steadily, which means those dependents will be living even longer.“ bto: erfreulich, aber teuer.

In der Folge sinkt natürlich auch die Erwerbsbevölkerung. Leser von bto wissen, dass diese zusammen mit der Produktivität der entscheidende Erklärungsfaktor für das wirtschaftliche Wachstum ist. Man beachte wiederum das Land, welches vor Selbstbewusstsein nur so strotzt …
Working Age Population

Quelle: VISUAL CAPITALIST, Zero Hedge

Was zu den wenig verwunderlichen Schlussfolgerungen führt: „The global increase of elderly dependent populations will have serious economic consequences. Health care costs for the elderly will strain resources, while the smaller working population will struggle to produce enough income tax revenue to support these rising costs. It’s likely this will cause spending power to decrease, consumerism to decline, job production to slow – and the economy to stagnate.“ – bto:  und damit nicht in der Lage, Schulden zu bedienen. Damit sinken die Vermögen zusätzlich.

Immigration has been a source of short-term population sustenance for many nations, including the U.S. and Britain. However, aside from obvious societal tensions associated with this strategy, immigrants are often adults themselves when they relocate, meaning they too will be elderly dependents soon.“ – bto: weshalb ich an anderer Stelle geschrieben habe, dass Migration eben NICHT die Antwort ist!

Japan, with one-quarter of its total population currently over the age of 65, has been a pioneer in developing technologies, such as robotics, as a solution to ease strained health care resources. Many countries are restructuring health care programs with long-term solutions in mind, while others are attempting to lower the cost of childcare and education.“ – bto: Aus meiner Sicht geht es nur mit Automatisierung und Robotern.

→ Zero Hedge: „Fertility Rates Keep Dropping, And It’s Going To Hit The Economy Hard“, 30. November 2016

8 Antworten
  1. axel says:

    Das heißt aber andererseits auch, daß die vorhandende Geldmenge auf immer weniger Köpfe verteilt werden wird. Man könnte die Erbschaften der Vermögenden stärker schröpfen um damit Schulden zu tilgen und die Vermögenskonzentration zu Gunsten wniger etwas eindämmen, was dem sozialen frieden wohl zutäglich wäre. Rot/rot/grün Träume werfen ihre Schatten voraus…

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  2. Johann Schwarting says:

    Hallo Herr Dr. Stelter,

    „… Ich fasse es nicht!“

    als Debitist kennen Sie doch den unvermeidbaren Ablauf des Geschehens, wie er von PCM aufgezeigt wurde. Für mich gilt der Satz: „ …, dass man nicht gegen die Krisen leben darf, man muss sie nicht bewältigen wollen, sondern sich in ihnen einrichten.“ von Joachim Fest aus seinem Buch: Im Gegenlicht, Eine italienische Reise. Die Aufregungen lohnen nicht – vielmehr gilt es, den eigenen Frieden mit der ganzen Chose zu machen. MfG JS

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  3. Schmedtmann says:

    Vor ein paar Monaten erschien in der FuW ein Artikel mit der Überschrift: Wie lange kann der Wohlfahrtsstaat überleben?

    Einer der Kernsätze:

    Anders ausgedrückt: Dem modernen Wohlfahrtsstaat ist das Geld der anderen Leute ausgegangen (sprich: er kann die Steuern nicht mehr erhöhen), und auf einem unverzerrten Finanzmarkt bekäme er ebenfalls keine Mittel mehr. So verlässt er sich auf die Geldschöpfung, ausserstande, den politischen Willen zu Reformen aufzubringen.

    Als mögliche Lösung wurde eine mehrjährige Konsumentenpreisinflation erörtert. Des Weiteren, wie ich es persönlich auch einschätze, dürfte es dem Staat über die nächsten Jahrzehnte zunehmend komplizierter werden, am Geldstrom zu partizipieren.

    http://www.fuw.ch/article/wie-lange-kann-der-wohlfahrtsstaat-ueberleben

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  4. Dietmar Tischer says:

    –An den Fakten einer demografisch bedingt sich DRAMATISCH ändernden Wirtschaft ist nicht zu rütteln.

    Was ist die Konsequenz daraus für uns in Deutschland?

    Man kann versuchen so zu investieren, dass wir unsere RELATIVE wirtschaftliche Führungsposition behalten.

    Abgesehen davon, dass mehr als fraglich ist, ob das in einer bereits von den Alten geprägten Gesellschaft überhaupt realisierbar ist, stellt sich die Frage:

    Was bringt das?

    Derartige Anstrengungen könnten nie und nimmer die Demografie-Effekte kompensieren (wohl aber verträglich begleiten), die – was den materiellen Wohlstand betrifft – eine Anpassung nach unten bedeuten. Dies allein schon deshalb, weil die Ressourcen VERMEHRT für die Arbeit am Menschen (Gesundheit, Pflege) statt für die Herstellung von Produkten eingesetzt werden müssen. Dies auch dann, wenn es gewaltige Produktivitätsfortschritte bei den Dienstleistungen geben wird (wovon ich ausgehe).

    Was folgt daraus?

    Abschied nehmen von gestern – und auch von HEUTE soweit damit verbunden wird, dass wir es mit Bildung etc. schon schaffen können unseren Wohlstand, so wie wir ihn verstehen, aufrechtzuerhalten.

    Vielmehr: Begrüßung der Zukunft

    Das sollte nicht heißen:

    „ …, dass man nicht gegen die Krisen leben darf, man muss sie nicht bewältigen wollen, sondern sich in ihnen einrichten.“ (Johann Schwarting).

    Sondern:

    ANEREKENNEN, dass kein Weg an der Krise vorbeiführt (wenn man die demografische Entwicklung als Krise benennen will, was ich für falsch halte, weil es das neue Normale ist. Eine Krise ist es nur mit Blick auf unsere Erwartungen. Die sind eine „Krise“).

    UND

    AKTIV das GESTALTEN (statt sich nur einzurichten), was unvermeidbar anzuerkennen ist, und zwar möglichst im Konsens, um dies konfliktarm auf breiter Basis realisieren zu können.

    Das ist meine Vorstellung, wie wir am besten mit der demografischen Entwicklung zurechtkämen.

    Aber eben nur eine Vorstellung, weil die Interessen, die aufs Hergebrachte fixiert sind, einen solchen Konsens verhindern würden, der – leider muss ich mich wiederholen – aufgrund von fehlender Diskursfähigkeit gar nicht erst in die Gänge käme.

    Deshalb bleibt nur die Hoffnung, dass die erzwungene statt aktiv gestaltete Anpassung national wie global nicht zerstörerisch erfolgt.

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  5. Wolfgang Selig says:

    Ein schöner Beitrag. In einem nächsten Schritt wäre es für mich interessant, zu ermitteln, wie sich die Produktivität erhöhen müsste, um den Effekt in den jeweiligen Nationen zu kompensieren und den wirtschaftlichen Status quo beizubehalten. Außerdem wäre das ein Thema für den Schulunterricht in der Sekundarstufe, egal ob in Sozialkunde, Wirtschaft, Geschichte, Erdkunde oder Mathematik. Damit endlich eine neue Generation heranwächst, die bei dem Thema als Wähler nicht gleich in den ideologischen Modus schaltet (so wie das m.E. in den letzten 30 Jahren in Deutschland vor allem bei den Älteren zu beobachten war).

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