Die Deflationsdebatte reißt nicht ab

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Die Deflationsdebatte reißt nicht ab. Ein kurzer Blick auf die Diskussionsbeiträge der letzten Tage:

  • Zunächst die Meldung, dass Spanien zum zweiten Mal in den letzten sechs Monaten eine Deflation auswies. Auch in Deutschland ist die Inflationsrate weiter gefallen, auf zuletzt 0,9 Prozent p. a. Die FT berichtet, dass daraufhin die Anleihen von Staatsanleihen in der Eurozone weiter gesunken sind und die Angst vor einem japanischen Szenario umgeht. Wenn es um die Anpassung der relativen Wettbewerbsfähigkeit geht, bedeutet tiefe Inflation in Deutschland naturgemäß Deflation in den Krisenländern. Letztere können sich aber Deflation angesichts der hohen Schulden nicht leisten. → FT (Anmeldung erforderlich): Data deepen eurozone deflation fears, 28. März 2014
  • Die schlechte Binnenkonjunktur und der Fokus auf eine Steigerung der Exporte führt zu einem nachhaltigen Außenhandelsüberschuss der Eurozone. Die Investoren fassen wieder Mut und investieren stärker in Europa. Folge: Der Euro gewinnt relativ an Wert. Gerade auch, weil die anderen wesentlichen Wirtschaftsregionen über eine Abwertung der eigenen Währung ebenfalls die Exporte anregen wollen. Dies droht den Aufschwung in Europa zu gefährden und verstärkt zudem den deflationären Druck.  → FT (Anmeldung erforderlich): Struggling eurozone risks losing its good looks, 27. März 2014
  • Wenig verwunderlich, dass die Kritik an der EZB wächst. Diese wäre die einzige Institution, die nicht sehen würde, wie offensichtlich die Gefahr einer Deflation wäre. Und auch die jüngsten Äußerungen von Jens Weidmann wären ungenügend. Die Bundesbank würde niemals eine Politik zulassen, wie sie zur Bekämpfung der Deflation erforderlich sei. → The Telegraph: A deflationary future beckons for much of Europe, but still the ECB won’t listen, 28. März 2014
  • Weil die EZB nicht wie erforderlich handeln wird, werden Alternativen vorbereitet. Unter anderem wird an die Verringerung von Eigenkapitalanforderungen für bestimmte Wertpapiere gedacht, um so Banken und Versicherungen zu vermehrtem Ankauf zu bewegen. Das ist quasi Quantitaive Easing über Regulierung. Zero Hedge erinnert in diesem Zusammenhang an ein Zitat des Nobelpreisträgers Paul Krugman, der im Jahre 2002 die Fed dazu aufrief,  die durch das Platzen der New-Economy-Blase ausgelöste Rezession durch eine Blase am Immobilienmarkt zu bekämpfen. → Zero Hedge: „Unleash The Toxic Sludge“ – Europe’s Latest Brilliant Idea To Fight Deflation, 26. März 2014
  • Die Kritik am Bundesbankchef verstummt derweil nicht. Zwar wird begrüßt, dass er weitere Maßnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft nicht ausschließt. Vermutet wird allerdings, dass er darauf spekuliert, dass seine verbale Intervention alleine ausreicht. Und wenn überhaupt würde die Bundesbank vor Juni ohnehin keinen Maßnahmen zustimmen. Und dann wäre es wohl schon zu spät. → FT (Anmeldung erforderlich): Weidmann plays tactical game with moderation of tone on ECB policy, 30. März 2014
  • Was letztlich in der Forderung von Wolfgang Münchau mündet, lieber zu handeln als zu reden. Die Worte der EZB hätten ihre Wirkung und Glaubwürdigkeit verloren. Und es wäre gar keine Deflation erforderlich, um die Schulden der Peripherie untragbar zu machen. Schon geringe Inflationsraten stellen ein erhebliches Problem dar. Klare Forderung: Nur massives Quantitative Easing könne hier helfen. → FT (Anmeldung erforderlich): Europe’s central bankers talk too much and act too little, 30. März 2014
  • In Wirklichkeit geht es bei der Deflationsdiskussion nur um eine Fortsetzung im Abwertungswettlauf der Währungen. Wohin dieser führen soll, ist indes unklar. Denn am Ende stehen alle wieder dort, wo sie am Anfang gestanden haben. Die Gefahr ist dann offensichtlich: Andere Interventionen werden folgen. → WirtschaftsBlatt: Währungen: Ein Abwertungs-Wettlauf ohne Sieger, 31. März 2014
  • Natürlich gibt es auch Mahner, die auf die Nebenwirkungen der Geldpolitik verweisen und die vor allem die Frage aufwerfen, ob der Ankauf von Forderungen privater Schuldner, wie zuletzt diskutiert, wirklich besser ist als der Aufkauf von Staatsanleihen. → SPIEGEL ONLINE: Risiken weg, Nebenwirkungen bleiben, 30. März 2014

Leider wirft keiner die entscheidende Frage auf: Wirkt die Geldpolitik überhaupt?

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