Deutschland profitiert von künstlich schwacher Währung

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Die Kritik an den deutschen Handelsüberschüssen bewegt die Medien. Meine Meinung dazu ist bekannt und ich habe sie auch nochmals in einem Beitrag für das manager magazin zusammengefasst. Dieser kommt morgen an dieser Stelle.

Kurz zum Erinnern, worum es geht:

Quelle: The Telegraph

Hier der Kommentar von Ambroise Evans-Pritchard im Telegraph. Klar, seine Meinung ist auch bekannt. Wir müssen sie nur zur Kenntnis nehmen, weil sie stark das widerspiegelt, was das Ausland denkt.

  • Germany is the planet’s ultimate currency manipulator. The implicit Deutsche Mark is indeed “grossly undervalued” The warped mechanism of monetary union allows Germany to lock in a permanent ‘beggar-thy-neighbour’ trade advantage over Southern Europe, inflicting mass unemployment on the victim countries and blighting their futures.“bto: Natürlich liegt es nicht nur am Wechselkurs, dieser spielt aber eine erhebliche Rolle.
  • „Germany’s chronic, huge, and illegal current account surplus 8.8pc of GDP saps global demand and seriously distorts the world economy.“ bto: Genau das kann sie angesichts der ökonomischen Eiszeit nicht gebrauchen.
  • „Once the euro was underway, Germany then pushed through policies in labour law and tax policies that amounted to an internal devaluation cutting unit labour costs in manufacturing in the single year of 2005 by 4.4pc, for example – and continued to screw down its intra-EMU exchange rate long after there was any justification for doing so. The effect was to further entrench commercial supremacy.” bto: Die Reformen waren aber erforderlich, weil nur so die Rezession überwunden werden konnte. Mindestens genauso schuld haben die anderen Länder, die einen schuldenfinanzierten Konsumboom erlebten und dabei die Löhne drastisch erhöhten.
  • „Large current account surpluses are invariably the result of tax policies, regulations, hidden barriers, and an overall governing structure that punishes consumption and fosters exports. Germany for example – forces households to cross-subsidize the power costs of export industries.“ bto: Das stimmt, wobei die Stromkosten wegen der Energiewende so hoch sind und immer noch über dem Niveau der anderen Länder; daran liegt es also nicht.
  • We all know why Brussels tolerates Germany’s open breaches of single market rules and competition policy, just as we know why it winked at equally clear violations of EU treaty law on the Gazprom pipeline, and why it fails to do anything about Germany’s violation of the macro-imbalances procedure on current account surpluses.“bto: We all know? Ich nicht.
  • There should at least be some symmetry. Why isn’t Germany being punished. We can’t go on like this, it’s not sustainable, said Emma Marcegaglia, the head of the pan-EU industry federation BusinessEurope. Some people say Germany should leave the euro, she added acidly, when we spoke in Davos. It is not her view, of course. It is certainly mine.”bto: Diese Meinung von AEP ist bekannt. Ich finde, sie hat was, ist aber angesichts der deutschen Geschichte undenkbar. Und eine Schuldensozialisierung würde die Probleme auch nicht lösen!
  • „The German finance ministry knows exactly what it can do if it wishes to reduce the trade surplus. It can lower the punitively high taxes on low and medium wages, switching the burden to the corporate hoarders of savings that are at the root of the problem.“ bto: Diese Meinung von AEP ist bekannt. Ich finde, sie hat was, ist aber angesichts der deutschen Geschichte undenkbar. Und eine Schuldensozialisierung würde die Probleme auch nicht lösen! Auch der Staat könnte mehr investieren!
  • „What is puzzling is that Germany seems to be proud of its surplus, but a big surplus is not a sign of economic vibrancy. It means that German companies cannot find opportunities to invest at home.“bto: Ja, ich finde es auch immer erstaunlich, wie wir das Kapital so feiern können!
  • „Germany has a strategic choice to make. It must either face up to the full implications of monetary union  a fiscal merger, shared debt, a (genuine) banking union, and an internal economic revolution to slash the surplus or carry out an orderly withdrawal from the euro and revalue so that others can breathe again.“bto: Doch wo ist der Politiker, der das erklärt?
  • „Now we have a White House that deems monetary union to be a German mercantilist tool and a systemic threat to America’s commercial interests. Donald Trump openly desires a break-up of the euro. Does that matter? We will find out.“ bto: Das stimmt und macht es spannend.

 

bto:   Die FT sieht es übrigens etwas differenzierter. Dazu heute Nachmittag mehr.

 

→ The Telegraph: „Trump is right: Germany is running an illegal currency racket“, 1. Februar 2017

15 Kommentare
  1. Johannes says:

    „„Germany is the planet’s ultimate currency manipulator. “

    Jens Weidmann im Februar 2013: „Weidmann: „EZB wird Wechselkurs nicht manipulieren“
    http://diepresse.com/home/wirtschaft/eurokrise/1345209/Weidmann_EZB-wird-Wechselkurs-nicht-manipulieren

    Deutsche Bundesbank (Chef ist Jens Weidmann): „EZB als Währungsmanipulator entlarvt – Munition für Trump“
    https://www.welt.de/finanzen/article161442045/EZB-als-Waehrungsmanipulator-entlarvt-Munition-fuer-Trump.html

    Aber natürlich manipuliert der Chef der EZB, Herr Mario Draghi, den Wechselkurs und tut alles um den Euro-Kurs zugunsten der Euro-Südländer niedrig zu halten.

    Den USA schmeckt das völlig zu recht nicht – wobei… so wirklich besser sind sie auch nicht.

    Weshalb aber nun Deutschland und nicht die EZB, respektive Drahgi, am Pranger steht ist unverständlich und nicht nachvollziehbar. Ich wundere mich über quasi nicht vorhandenene Klarstellung aus Berlin und Frankfurt (von der Deutschen Bundesbank). Es sei denn, stark um die „Ecke gedacht“, es besteht aus deutscher SIcht ein Interesse an dieser Argumentation. Um damit weitere, vertiefenden Schritte in der Euro-Zone zu begründen: Schuldenvergemeinschaftung, Europäische Steuern, gemeinsame Wirtschaftspolitik usw.

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  2. Bagehot says:

    „Germany is the planet’s ultimate currency manipulator. The implicit Deutsche Mark is indeed “grossly undervalued”

    Schon diese beiden ersten Sätze sind komplett falsch.

    1. Der Wechselkurs des Euro ist derzeit keineswegs besonders niedrig. Gegenüber dem Dollar notiert der Euro derzeit fast 30 Prozent höher als während des Tiefstandes von 0,80 Dollar vor einigen Jahren..

    2. Das Problem ist, wie Marcel Fratscher vom DIW vor wenigen Tagen feststellte, nicht der schwache Euro, sondern der Dollar, der in den vergangenen Monaten gegenüber fast allen Reservewährungen dieses Planeten zugelegt hat.

    3. Von einem niedrigen Euro-Kurs würden im übrigen alle Mitgliedsländer der Eurozone profitieren, nicht allein die Bundesrepublik.

    4. Schließlich würde ich gerne wissen, auf welche Weise Deutschland den Euro-Kurs manipuliert. Die Bundesregierung hält sich raus. Und die Bundesbank wendet sich doch gerade GEGEN die lockere Geldpolitik von EZB-Chef Mario Draghi. Die jüngsten QE-Maßnahmen der EZB wurden von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann definitiv NICHT unterstützt.

    Evans-Pritchard tönt exakt wie Dionald Trump. Beide haben offenbar nicht die geringste Ahnung, wovon sie reden

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  3. Bagehot says:

    „Germany’s chronic, huge, and illegal current account surplus…“

    Auch diese Aussage ist in mehrfacher Hnsicht korrekturbedürftig.

    1. Deutschlands Handelsüberschüsse sind nicht chronisch. Sie bestehen in dieser Höhe erst seit ein paar Jahren. Wenn sich der Protektionismus a la Trump weltweit durchsetzen, ist es mit den schönen Exportüberschüssen rasch vorbei.

    2. Die deutschen Überschüsse sind im internationalen Vergleich keineswegs außergewöhnlich. In absoluten zahlen waren die Überschüsse Chinas 2015 erheblich höher. Relativ – bezogen auf das Sozialprodukt wie auch die Einwohnerzahl – erzielen die Niederlande und die Schweiz erheblich höhere Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse.

    3. Schließlich sind die Überschüsse nicht „illegal“. Sie verstoßen gegen keine völkerrechtliche Bestimmung. Allenfalls sind die Überschüsse nicht konform mit Regelungen der OECD, die aber m. W. keine völkerrechtliche Bedeutung haben. Hat die OECD übrigens China, Holland und die Schweiz ebenfalls abgemahnt?

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    • Robert says:

      zu 1.) Das ist ja unter anderem der Zweck protektionistischer Maßnahmen. Das Problem aber am Protektionismus ist m.E., dass er neben den Ungleichgewichten diverse andere wirtschafliche und politische Dinge die wichtig und wertvoll sind gleich mit einebnet. Es ist quasi so als ob man auf ein Ziel mit Artillerie schiesst, aber Streubomben geladen hat.
      Am Ende werden alle verlieren !! Wenn es ganz dick kommt, kann aus einem Handelskrieg auch schnell ein heißer Krieg werden. Na dann gute Nacht.

      zu2.) Die Schweiz und Niederlande sind relativ klein; gewissermaßen wirtschaftliche Leichtgewichte. Daher sind deren Überschüsse nicht schön, aber durch die gesamte Weltwirtschaft „auffangbar“. Deutschalnd hingegen ist viel zu groß. Überschüsse werden und können daher von der Weltgemeinschaft nicht endlos toleriert werden. Ich persönlich bin sowieso erstaunt, dass es nicht schon viel früher öffentlich zwischen den USA und Deutschalnd geknallt hat. Vermutlich hat das politische Gründe. Oder unsere Medien haben aus der Kritik an Deutschland in den G 20 keine große Schlagzeile gemacht.

      zu 3.) Illegal mögen sie vielleicht nicht sein. Aber Deutschland verstößt gegen seine eigenen Staatszielbestimmungen ( hier Art. 109 GG und dem aus dieser Bestimmung abgeleiteten Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft – § 1)
      Staatszielbestimmungen begründen zwar keine subjektiven Rechte und sind daher auch nicht einklagbar, was aber nicht heißt, das sie nicht verbindlich sind.

      Ferner überschreitet Deutschland seit Jahren den zulässigen Schwellenwert von 6 % des „Makroökomische Ungleichgewichtsverfahren“ (MIP – , Macroeconomic Imbalance Procedure MIP) der Europäischen Union. Die Kommision leitete jedoch kein Verfahren ein und eine Saktionierung erfolgte schon gar nicht. Bei Verstößen anderer größerer Volkswirtschaften handelte sie ebenfalls nicht. Ein eklatantes Versagen der Brüssler Bürokratie. Ob man das Verhalten der „Sünder“ nun für illegal hält oder nicht; ein Verstoß gegen europarechtliche Reglungen liegt hier aber auf jeden Fall vor.

      Zum Abschluss noch meine ganz persönliche Meinung:
      Die ganze Diskussion über Schuld oder Unschuld ist völlig sinnlos. Fakt ist das wir durch die Ungleichgewichte und die Überschuldung auf der Welt auf ein gigantisches Desaster zurasen. Genauer gesagt, wir sind schon mittendrin. Alle Länder die noch handlungsfähig sind, müssen jetzt gemeinsam sinnvolle problemorientierte Politik betreiben. Wirklich handlungsfähig sind aber nur die Gläubigerländer, da ihnen wegen ihrer wirtschaftlichen Machtstellung auch politische Macht zufliesst. Diese muß man aber verantwortungsvoll ausüben; unabhängig von Schuld oder Unschuld. Hier geht es m.E. um mehr als nur um Targetsalden, Überschüsse, Überschuldung oder wirtschaftliche Fragen allgemein. Mittlerweile geht es um das Große und Ganze. Unsere Politik, aber auch viele Landsleute, scheinen das noch nicht begriffen zu haben. Wie sonst ist zu erklären das unsere Politiker sinnlose Austeritätspolitik betreiben (hat Austerität in wichtigen, großen Zusammenhängen schonmal funktioniert ? ) und wir das auch noch bejubeln. Hat Austerität in wichtigen, großen Zusammenhängen schonmal funktioniert ?
      Wenn das System über die Klippe geht, sind wir zwar alle im Arsch, aber die Deutschen die an unsere (wirtschaftspolitische) Unschuld glauben können rufen “ Wir sind diesmal unschuldig“. Na tolle Aussichten. Davon mal abgesehen das wir nicht unschuldig sind. Weder bei der Entstehung der wirtschaftlichen und politischen Probleme, noch bei den Lösungsansätzen sind wir unschuldig. Aber wie gesagt, darauf kommt es gar nicht mehr an.

      MfG
      Robert

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  4. Bagehot says:

    „Once the euro was underway, Germany then pushed through policies in labour law and tax policies that amounted to an ‚internal devaluation‘ – cutting unit labour costs in manufacturing in the single year of 2005 by 4.4pc, for example …“

    1. Die gesunkenen Lohnstückkosten sind ja nicht allein auf die stagnierenden Löhne zurückzuführen. Mindestens ebenso wichtig ist die scharfe Rationalisierung, die vor allem die Autohersteller betrieben haben und weiter betreiben.

    2. Jedes souveräne Land hat das Recht, ab und an seine Sozial- und Steuersysteme zu reformieren. Es ist doch nicht unsere Schuld, dass andere Lände hierzu nicht in der Lage sind.

    3. Bei der Besteuerung von Unternehmen liegt Deutschland im internationalen Vergleich ganz klar im oberen Mittelfeld. Hierzulande müssen Kapitalgesellscjhaft ihre Gewinne drei Mal so hoch verteuern wir in Irland. Auch die Benelux-Länder begünstigen schamlos die Holdings von ausländischen Konzernen. Und dann wären da noch die berüchtigten Patent- und Lizenzboxen, von denen ebenfalls die Benelux-Staaten und Großbritannien profitieren. Unfairen Steuerwettbewerb betriebt Deutschland nun wirklich nicht. Im Gegenteil: Wir gehören hierbei unstreitig zu den Benachteiligten.

    Abrmals: Der Kolumnist ist vollkommen ahnungslos.

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  5. Bagehot says:

    „…forces households to cross-subsidize the power costs of export industries.“

    1. Auch wenn die EEG-Abgaben in der Tat auf eine Quersubventionierung der Industrie hinauslaufen: Die Stromkosten sind in Deutschland im europäischen Vergleich hoch.

    2. Deutschlands drei wichtigste Exportindustrien sind Automobilbau, Maschinen- und Anlagenbau sowie Elektroindustrie. Hier spielen Energiekosten kaum eine Rolle (im Gegensatz zur Chemie und Metallerzeugung). Die deutsche Elektroindustrie besteht mittlerweile fast ausschließlich aus Engineering, Software und anderen Dienstleistungen. Produziert wird in dieser Branche hierzulande kaum etwas (abgesehen von ein paar Motoren und Waschmaschinen.)

    3. Amerikanische IT-Konzerne wie Facebook oder Google siedeln ihre stromfressenden Rechenzentren, die für die Europa-Aktivitäten benötigt werden, gerade nicht in Deutschland an, sondern in anderen europäischen Ländern, wo die Energiekosten deutlich niedriger sind. Zum Beispiel in Frankreich (Atomstrom!)

    Antworten
  6. Bagehot says:

    „We all know why Brussels tolerates Germany’s open breaches of single market rules and competition policy, just as we know why it winked at equally clear violations of EU treaty law on the Gazprom pipeline, and why it fails to do anything about Germany’s violation of the macro-imbalances procedure on current account surpluses.“

    Was sind denn bitte diese Gründe, die wir angeblich alle kennen?

    Jetzt driftet Evans-Pritchard offenbar ultimativ ins Reich der Verschwörungstheorien ab.

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  7. Dietmar Tischer says:

    Ich stimme Bagehot zu: Was A. Evans-Pritchard schreibt, ist eine ganz schwache Nummer.

    Sich bei ökonomischen Themen auf Trump zu beziehen, ist Dummheit pur.

    Richtig ist, dass unsere Handelsüberschüsse ein Problem sind.

    Ein weiteres Problem, unser Problem ist, was wir daraus machen. Würden unsere Unternehmen nach und nach in aller Welt andere aufkaufen, wäre es auch nicht recht. Wir wären das 4. Reich mit anderen Mitteln.

    Zur Lösung:

    >„Germany has a strategic choice to make. It must either face up to the full implications of monetary union – a fiscal merger, shared debt, a (genuine) banking union, and an internal economic revolution to slash the surplus – or carry out an orderly withdrawal from the euro and revalue so that others can breathe again.“>

    WIR haben DIESE Wahl nicht zu treffen.

    Wenn ANDERE Probleme mit uns haben, dann sollen SIE uns doch bitten, auszutreten oder – noch besser – eine Wirtschaftsgemeinschaft ohne uns gründen.

    Wir sollten sie nicht daran hindern.

    Solange die dann noch gemeinsame Basis Kapitalismus ist, gilt Angebot und Nachfrage.

    Wir bieten an und die anderen entscheiden, was sie von uns haben wollen, und umgekehrt.

    Soweit ich sehe, weigert sich unsere Bevölkerung nicht grundsätzlich, Produkte und Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, die andere herstellen oder anbieten. Wir waren Reiseweltmeister und auch wenn wir es nicht mehr sein sollten, geben wir immer noch sehr viel Geld im Ausland aus.

    A. Evans-Prichard, Trump und alle, denen unsere Handelsüberschüsse nicht gefallen, sollten sich einmal fragen, ob das Problem nicht darin besteht, dass sie nicht gut und/oder billig genug sind.

    Wir können von Ihnen nicht fordern oder ihnen gar befehlen, besser zu werden.

    Wir müssen uns aber von Ihnen auch nicht nötigen lassen auf die Art und Weise, mit der Trump und A. Evans-Prichard unterwegs sind.

    Antworten
  8. Behemoth says:

    @ Bagehot Bnvor Sie dem Kolumnisten Ahnungslosikeit vorwerfen, sollten Sie die EU-Verordnungen bezüglich makroökonomischer Ungleichgewichte nachlesen.

    Im Übrigen ist es nicht entscheidend, ob es schlaue Gegenargumente gibt. Worauf es ankommen wird ist ein Konzept für die deutsche Wirtschaft im Hinblick das absehbare Ende des Exportbooms. Nicht nur durch Trump wird deutlich, dass es mächtige Staaten gibt, die für sie nachteilhafte makroökonomische Ungleichgewichte mit allen Mitteln abbauen werden, die ihnen recht sind. Der Kreditfinanzierte Exportboom wird unabhängig davon spätestens dann zu Ende sein, wenn es dafür keine Kredite wegen gestiegener Ausfallrisiken mehr gibt. Doch ein solches Konzept ist weder in der öffentlichen Diskussion geschweige denn als politisches Programm in Sicht.

    Antworten
  9. Bagehot says:

    @ Behemoth

    Ob eine Handlung oder Unterlassung illegal ist, kann ja wohl nur ein Gericht feststellen.

    Welches Gericht hat denn, bitte sehr, festgestellt, dass die deutschen Leistungsbilanzungleichgewichte geltendes Recht verletzen?

    Zu behaupten, eine bestimmte Handlung sei illegal, ohne dass es ein rechtskräftiges Gerichtsurteil dazu gäbe, ist in einem Rechtsstaat unzulässig und könnte möglicherweise ebenfalls justziabel sein.

    Im übrigens sind die EU-Indikatoren für makroökonomische Ungleichgewichte ein Witz, den sich weltfremde Bürokraten ausgedacht haben. Ziegen Sie mir bitte auch nur ein einziges Land, dass in den vergangenen Jahren stets alle Grenzwerte eingehalten hätte – insbesondere die Staatschuldenquote von 60 Prozent.

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    • Dietmar Tischer says:

      >Zu behaupten, eine bestimmte Handlung sei illegal, ohne dass es ein rechtskräftiges Gerichtsurteil dazu gäbe, ist in einem Rechtsstaat unzulässig und könnte möglicherweise ebenfalls justziabel sein.>

      Die Behauptung, dass eine bestimmte Handlung illegal sei, ist in einem Rechtsstaat NICHT unzulässig. Sie fällt unter Meinungsfreiheit. Allerdings kann sie Konsequenzen haben, auf die Sie mit justiziabel zu recht verweisen.

      Richtig ist, dass eine bestimmte Handlung als illegal gilt, d. h. so zu bewerten ist, wenn ein Gericht sie dazu erklärt hat. Das betrifft dann einen Sachverhalt, nicht mehr die Meinung über einen Sachverhalt (außer der des Gerichts).

      >Im übrigens sind die EU-Indikatoren für makroökonomische Ungleichgewichte ein Witz, den sich weltfremde Bürokraten ausgedacht haben.>

      Sie sind kein Witz und es waren ganz sicher keine weltfremden Bürokraten, die sich die EU-Indikatoren ausgedacht haben.

      Die Indikatoren sind erstens zumindest nicht geeignet und daher nicht hinreichend, um eine von INTERESSENUNGLEICHHEIT geprägte Wirtschaftsgemeinschaft zu harmonisieren und letztlich zusammenzuhalten. Weltfremd waren aus heutiger Sicht die Politiker, die diese Wirtschaftsgemeinschaft gewollt und so gebildet haben.

      DAFÜR ist Ihre richtige Feststellung, dass sich praktisch keine Land an die Vorgaben gehalten hat, eine starke Begründung.

      Sie müssen schon etwas differenzieren, auch wenn der Vorwurf von Behemoth nichts wert ist und er das Thema wechselt – weg von der Diskussion der Thesen von E.P.A. hin zu dem, was seiner Meinung nach entscheidend ist.

      Antworten
  10. Dietmar Tischer says:

    Klarstellung:

    Meine Zustimmung zu Bagehot bezog sich auf A. Evans-Pritchard.

    Wenn er sich mit der Aussage

    >Der Kolumnist ist vollkommen ahnungslos>

    auf Dr. Stelter bezogen haben sollte, stimme ich nicht zu.

    Erstens ist Dr. Stelter nicht ahnungslos und vollkommen ahnungslos schon gar nicht sowie zweitens ist es ein Verdienst und daher anzuerkennen, dass er diesen Artikel zur Diskussion stellt.

    A. Evans-Pritchard ist eine einflussreiche Stimme und eine aus dem Ausland. Wir sollten sie zur Kenntnis nehmen zumal das Thema hohe Relevanz besitzt und uns herausfordert.

    Antworten
  11. Bakwahn says:

    Kann denn keiner diesen Schwachsinn von Bagehot stoppen?

    Wo sind denn hier die VWLer, Superökonomen, die auch über ein paar historische Kenntnisse aus den letzten knapp 70 Jahren verfügen und diese in ihre Überlegungen einfließen lassen?
    Warum muß ich das jetzt machen?
    Ich sitze auf der Veranda meines Guesthouses beim Frühstück in Luang Prabang, der alten Königsstadt und Weltkulturerbe und kriege die grüne Kotze.

    !!! Der Euro ist massiv unterbewertet !!!

    Aber er ist nicht schwach, weil das böse Deutschland ihn absichtlich und rücksichtslos schwach macht, wie dieser Evans-Pritchard meint, sondern wegen des Club Med und der EZB!

    Im Wesentlichen wird der Euro durch die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft gestützt sowie durch die kleineren Nordländer.
    Was haben in den letzten 2 Jahrzehnten die Länder des Club Med Frankreich und all die anderen Schwachmaten für ihre wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und damit für ihren allgemeinen Wohlstand unternommen? Mit der Einführung der Gemeinschaftswährung haben diese Länder die Pflege ihrer Industrielandschaft bewusst vernachlässigt. Anstelle einer anstrengenden Industriegesellschaft haben sie sich für die bequemere der Dienstleistungen entschieden (siehe Frankreich). So in etwa der alte Bänker Ludwig Poullain. Ich ergänze: Heute stellen die Menschen dieser Länder fest, daß sie sich gegenseitig für 3 Euro die Haare schneiden müssen, um überhaupt noch einen Job zu finden.

    Starker Wettbewerb und Kostendruck erzeugen Leistung und Innovation!
    Die deutsche Wirtschaft florierte immer dann am besten, wenn sie durch die starke und immer wieder aufgewertete DM gezwungen war, ihre Produkte und Dienstleistungen zu verbessern, zu erneuern, neue Kreationen und Innovationen zu entwickeln und auf die Märkte zu bringen. Mit jeder Aufwertung der DM ist die deutsche Industrie leistungsfähiger geworden. Diese Aufwertungen haben uns Deutschen auch indirekt zu massiven Wohlstandssteigerungen verholfen.
    Nicht allein schiere Größe verleiht Macht und Einfluß, sondern Leistungsfähigkeit, Innovationskraft, Zuverlässigkeit bringt Anerkennung und Wohlstand; auch Respekt.
    Wir müssen aus diesem miesen Euro raus. Nicht diese wirtschaftlich zurückfallenden und im Schuldensumpf absaufenden Länder des Club Med sind Zukunftsmärkte, sondern die aufstrebenden BRIC-Staaten und gerade auch die ost- und südostasiatischen Länder müssen und werden die zukünftigen deutschen Handelspartner sein. Entwicklungsländer werden zu Schwellenländern, und Schwellenländer wachsen zu Industrienationen heran – alle aufnahmefähig für deutsche Produkte.
    Ich gehe jetzt los, mich wieder einmal unsterblich verlieben. In einen der schönen Buddhas, die es in den jahrhunderte alten Wats hier gibt.

    Enough for one go.
    Live aus Luang Prabang – Laos – dem Weltkulturerbe – 3.2.2017 – 9.55 Ortszeit
    Bakwahn
    Hamburg Bangkok Düsseldorf

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