„Der nächste globale Boom – und danach der Bust“

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Simon Johnson war Chefvolkswirt des IWF und ist heute Professor an der Sloan School of Management des MIT. Er gilt als ausgeprägter Kritiker des Bankensystems und der gegenleistungslosen Rettung der Banken durch die US-Regierung. Er hat damals – und tut es noch heute – eine deutliche stärkere Regulierung und Beschneidung des Bankensystems gefordert. So auch in diesem Beitrag für die FINANZ und WIRTSCHAFT:

  • „Der IWF revidierte seine Prognosen für das weltweite Wachstum erneut nach unten – wodurch sie für heuer und auch für 2017 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von lediglich knapp über 3 % ausweisen.“ – bto: Eiszeit eben.
  • Bewahrheiten sich diese Prognosen, wäre das eine trostlose Entwicklung. Vor 2007 bewegte sich das weltweite Wachstum im Bereich von 4,5 bis 5 %, wobei man von stetigem Produktivitätszuwachs in Industrieländern und einem rasch steigenden Lebensstandard in grossen Schwellenländern wie China, Brasilien und Russland ausging.“
  • Nun stehen die USA vor den Unwägbarkeiten einer Präsidentenwahl, die schwächeren Teile der Eurozone mühen sich weiter ab, und Japan taumelt am Rande einer ausgewachsenen wirtschaftlichen Kontraktion. Brasilien befindet sich inmitten einer politischen Krise, China ist mit den Folgen einer längeren fiskalischen Expansion und des explosiven Wachstums seines Schattenbankensektors beschäftigt, und in vielen anderen Schwellenländern untergraben niedrigere Rohstoffpreise die Wirtschaftsleistung.“ – bto: Doch nur Japan wollte beim G7-Treffen ausdrücklich von einer Weltwirtschaftskrise sprechen!
  • Doch mittelfristig ist globale Stagnation ein unwahrscheinliches Szenario. Es werden weiterhin neue Technologien entwickelt, und Milliarden Menschen streben danach, ihren Lebensstandard durch Bildung und harte Arbeit zu verbessern.“ – bto: Damit widerspricht er nur vordergründig meiner Eiszeit-Aussage. Denn Demografie und vor allem Überschuldung lasten auch bei technologischem Fortschritt auf der Wirtschaft, vor allem bei uns in Europa.
  • „Die grösste Frage besteht darin, ob es uns gelingt, aus der ökonomischen Achterbahn auszusteigen und ohne schuldenfinanzierten Überkonsum (wie in den USA vor 2008), ohne Überinvestitionen (wie in China) und ohne überdehnte staatliche Ausgaben (immer noch ein Thema in manchen Teilen Europas) zu einem robusten weltweiten Wachstum zurückzukehren.“ – bto: und ohne die Altlasten zu bereinigen!
  • „(…) der vorrangige Reiz von Schulden besteht darin, dass es sich um einen überaus einfachen Vertrag handelt: Entweder man bezahlt die vereinbarte Summe oder nicht. Und wenn alles gutgeht, weist eine hoch fremdfinanzierte Unternehmung – ob ein Unternehmen oder ein Privathaus – eine grossartige Kapitalrendite auf.“ – bto: Genau, wir leveragen uns immer mehr auf. 
  • Die politischen Entscheidungsträger wissen natürlich, dass exzessive Schulden finanzielle Instabilität mit sich bringen, und die Reformbestrebungen der vergangenen zehn Jahre hatten auch einen Schuldenabbau zum Ziel.“ – bto: Na, da bin ich mir nicht so sicher …
  • „Ein ums andere Mal finden es politische Entscheidungsträger einfacher, das bestehende System aus Regeln, Anreizen und Garantien unverändert zu lassen. Und weil sich grosse Finanzgesellschaften mit hohem Fremdfinanzierungsanteil blendend entwickeln, wenden sie weiterhin reichlich Ressourcen für ihr Lobbying gegen die Bestrebungen auf, mit denen eine bessere Kapitalausstattung sichergestellt werden soll.“
  • „Tatsächlich sind die grössten Banken in den USA – aber auch in den meisten anderen Ländern – heute sogar noch grösser als vor dem Jahr 2008. Alles deutet darauf hin, dass interne Anreizsysteme praktisch unverändert geblieben sind. Und eine Beschränkung ihrer Aktivitäten wird sich wohl als nicht sehr wirksam erweisen, wenn das globale Wachstum anzieht.“
  • „Das bedeutet, wir können uns auf eine weitere turbulente Runde in der Achterbahnfahrt der Weltwirtschaft gefasst machen.“

bto: Ich denke, es ist mehr als das Eigeninteresse der Banken, welches uns in die Krise gestürzt hat und eine Erholung verhindert. Natürlich ist da unser Geldsystem, es ist aber auch der politische Wunsch, über Schulden Wohlstand zu suggerieren und letztlich machen ziemlich viele von uns sehr gerne mit in dem Spiel. Dass es nur eine Frage der Zeit bis zum nächsten Bust ist, stimmt natürlich.

FINANZ und WIRTSCHAFT: „Der nächste globale Boom – und danach der Bust“, 26. Mai 2016

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