Demografie treibt bald Zinsen in die Höhe

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Eine der wesentlichen offenen Fragen ist: Wie wirkt sich die demografische Entwicklung auf Inflation, Wachstum, Zinsen und Assetpreise aus? Wie heute Morgen gezeigt, kommt eine neue Studie der BIZ zu dem Schluss, dass eine Gesellschaft mit vielen Abhängigen relativ zur Erwerbstätigenzahl eher inflationär ist, ‒ was dann für höhere Zinsen sprechen dürfte. Gleichzeitig müssten die Assetpreise unter Druck kommen, da mehr Leute verkaufen bzw. die Nachfrage zum Beispiel nach Immobilien abnimmt. Auf jeden Fall ein lohnendes Thema.

Hier ein Blick darauf, wie die Alterung auf das Zinsniveau wirkt:

  • „Denn das Alter ist für viele Ökonomen entscheidend für das Sparverhalten – und damit für das Zinsniveau. Je mehr gespart wird, desto grösser ist das Angebot an Ersparnissen und desto geringer der ‚Preis‘ dafür – der Zins.“
  • „Es lässt sich nicht sagen, dass ältere Leute generell mehr oder weniger sparen. Eine ältere Bevölkerung führt nicht unbedingt zu einer hohen Sparquote.“
  • “ Wird eine Bevölkerung älter, steigt die Sparquote – doch nur bis zu dem Punkt, ab dem der Anteil älterer Arbeitnehmer wegen ihrer Pensionierung sinkt.“
  • „‚Die demografischen Daten haben das Sparen in der Welt seit 1980 sehr unterstützt, besonders in den letzten zwanzig Jahren‘, schreibt Gavin in einer Analyse. (…). Nun könnte dieser langfristige Trend der ‚Schwemme an Ersparnissen‘ zu Ende gehen. Denn in den wichtigsten Volkswirtschaften wird es, bis auf wenige Ausnahmen wie Indien, immer mehr Rentner und weniger ältere Arbeitnehmer geben.“
  • „So erklären etwa Ökonomen der Bank of Japan, dass der höhere Rentneranteil in Japan den Zins seit 1990 deutlich gesenkt hat. Das Argument der Notenbanker: Das Wirtschaftswachstum wurde durch die Alterung schwächer, was den Realzins sinken lässt.“ Laut der Studie von Gavin „ist dagegen das Wachstum – wenn überhaupt – nur ein schwacher Erklärungsfaktor für den Realzins. Wichtiger sei das Sparverhalten.“
  • „Über die letzten zwanzig Jahre ist ein Zusammenhang zwischen der Sparquote und der Differenz zwischen dem Anteil älterer Arbeitnehmer und dem der Rentner erkennbar. Über verschiedene Zeiträume und Volkswirtschaften betrachtet steigt die Sparquote mit einem höheren Anteil der sparenden Gruppe.“
  • „Ein wichtiger Grund für die bisherige Schwemme an Ersparnissen in der Welt war die Alterung der chinesischen Bevölkerung. (…) Auch in der Summe der wichtigen Volkswirtschaften wird der Anteil der pensionierten Senioren immer weiter zunehmen, während der Anteil der sparfreudigen Arbeitnehmer zurückgeht.“
  • „Mit jedem Prozentpunkt mehr an viel sparenden Arbeitnehmern geht laut Gavin der Realzins um 0,75 Pp. zurück. Mit jedem Prozentpunkt mehr Senioren im Rentenalter steigt er dagegen um 1,15 Pp.“
  • „Doch steigen die Zinsen, wie es vorhersagt wird, ist das nicht auf ein hohes Wachstum und gute Investitionsmöglichkeiten zurückzuführen. Im Gegenteil: Kapital würde Mangelware, da Ersparnisse konsumiert werden müssen. Auch wenn die Zinsen zur ‚guten, alten Zeit‘ zurückkehren – die Wirtschaft wird es kaum.“

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Bleibt allerdings offen: Ist es wirklich das Sparverhalten, welches das Geldangebot treibt? In unserem Geldsystem können die Banken doch auch ohne Ersparnis Kredite geben und damit Geld schaffen. Auf jeden Fall gilt: Wer diese Analyse glaubt, muss auch an fallende Preise für Assets glauben.

-> FINANZ und WIRTSCHAFT: Demografie treibt bald Zinsen in die Höhe, 20. März 2015

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