Deleveraging? Wo???

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Wer hat „deleveraged“, also Schulden abgebaut relativ zum BIP seit 2007? Nun, hier ist die Liste:

  • Australische Unternehmen – da denke ich, dreht sich das Bild gerade drastisch.
  • Wir in Deutschland, private Haushalte und Unternehmen – wie dumm, dann verlieren wir nur mehr.
  • Spanische Haushalte und Unternehmen – wirklich beeindruckend! Immer noch recht hoch und der Staat hat es mehr als wettgemacht!
  • Der Schweizer Staat – interessant, wie die private Verschuldung auch dort steigt.
  • Die englischen Unternehmen und Haushalte – dank stark steigender Staatsverschuldung und relativ guter Konjunktur.

Das war es. In den anderen 25 Sektoren in elf Ländern sind die Schulden weiter gestiegen. Deshalb haben wir NIRP und hören die Helikopter.

→ Zero Hedge: HSBC Looks At ‚Life Below Zero,‘ Says ‚Helicopter Money‘ May Be The Only Savior, 26. Februar 2016

16 Antworten
  1. Katalin says:

    Hallo,

    hier ist die Ursache für die aktuelle Krise.

    Quelle FAZ Kommentare: Folgen Martin Wehlan 10 (wehlan) – 10.01.2013 11:26

    Geld muss nicht durch reale Werte gedeckt sein, sondern Geld muss nach Heinsohn & Steiger durch Eigentum gedeckt sein. Eigentum ist ein Recht, also immateriell. Dass es kaum noch solvente Schuldner gibt, ist richtig und liegt an der zunehmenden Eigentumskonzentration. Geld ist Anrecht auf Eigentum eines Dritten und sammelt sich im Laufe der Zeit bei den Reichen an, während es bei den Ärmeren entsprechend weniger wird. So lange es Wirtschaftswachstum gibt, merkt man das nicht, weil sich dadurch ein Mittelstand bildet, der das Geld wieder investiert. Die Superreichen versuchen aber, das Geld durch Zinsen zu vermehren – also das, was eine Bank machen soll. Wenn es aber nicht genug Mittelstand gibt, weil das ganze Geld nicht mehr wohin. Weil durch fehlende Kreditaufnahme der Wirtschaft auch der Staatshaushalt in Schieflage kommt, springt der Staat als Schuldner ein, um eine Wirtschaftskrise zu verhindern. Dabei beschleunigt er aber die Eigentumskonzentration, weil die Reichen die Zinsen kassieren und die Ąrmeren diese bezahlen müssen.

    Gruß

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    • Dietmar Tischer says:

      Ich halte diese Betrachtung in Teilen für falsch, zumindest was Deutschland betrifft:

      „Die Superreichen versuchen aber, das Geld durch Zinsen zu vermehren …“

      Eine Frau Klatten z. B. vermehrt ihr Geld durch Dividendeneinnahmen und investiert diese in innovative Industrien.

      „So lange es Wirtschaftswachstum gibt, merkt man das nicht, weil sich dadurch ein Mittelstand bildet, der das Geld wieder investiert.“

      Wenn man unter Mittelstand gut verdienende Inhaber von Kleinunternehmen und überdurchschnittlich qualifizierte Berufstätige mit überdurchschnittlichem Einkommen versteht, dann „investieren“ diese das Geld in der Regel in eine eigengenutzte Immobilie. Was dann noch übrig ist, wird in eine Kapitallebensversicherung einbezahlt. Von nennenswertem Investieren in einem makroökonomischen Sinn kann keine Rede sein.

      Zu „Mittelstand“ und seinen vielfältigen Aspekten hier beispielsweise:

      https://books.google.de/books?id=HVsfBAAAQBAJ&pg=PA259&lpg=PA259&dq=Aufsteiger+Verm%C3%B6gensbildung&source=bl&ots=yT1-nUzi1Z&sig=vYpCbl5zivVzpjOpflkzfG3eoOI&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjjh7vN8LrLAhXKAxoKHa4dCzkQ6AEILzAD#v=onepage&q=Aufsteiger%20Verm%C3%B6gensbildung&f=false

      Die Erklärung, warum es zu letztlich unakzeptabler hoher Verschuldung gekommen ist, kann nicht monokausal sein.

      Nur einmal zum Nachdenken:

      „Geld muss nicht durch reale Werte gedeckt sein, sondern Geld muss nach Heinsohn & Steiger durch Eigentum gedeckt sein. Eigentum ist ein Recht, also immateriell.“

      Wenn das richtig ist, dann muss man sich fragen, warum im System ÜBERWIEGEND durch Kredite finanziert wird, u. a. mit Hilfe steuerlicher Förderung, statt durch Eigentumserwerb.

      In den Dienstleistungsbranchen, etwa im Consulting – D. Stelter kann wird das sehr genau wissen – können Mitarbeiter auch Partner werden (früher wohl mehr als heute). Wenn also das „Kapital“ im people’s business in den Fähigkeiten der Mitarbeiter besteht, Profit zu erwirtschaften, erwirbt man eben dieses Kapital durch Partnerschaft (Eigentumsbildung).

      Bestrebungen dieser Art hat es auch in der Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland gegeben, gerade auch bezüglich von Produktionsunternehmen.

      Warum wurden sie nicht konsequenter durchgesetzt?

      Eigentum ist RISIKOBEHAFTET, Geld zinsbringend anzulegen eher nicht – jedenfalls in einer funktionierenden, wachsenden Wirtschaft.

      Das ist nicht die Erklärung, aber eine. Sie ist nicht hinreichend.

      Hier schürfen wir tief, einfache Antworten gibt es m. A. n. nicht.

      Antworten
      • MFK says:

        Frau Klatten und andere Großaktionäre vermehren ihr Geld vor allem dadurch, dass sie auf ihre Millionen an Dividenden (die Quandts haben 2015 zusammen € 815 Mio. an Dividenden nur von BMW bekommen), die sie einstreicht nur 25% Steuern zahlt, während die arbeitende Bevölkerung ab 54.000 den Spitzensteuersatz von 42% zahlt (SPD: Millionäre besteuern).

    • Michael Stöcker says:

      Lieber Herr Tischer,

      es ist wie immer eine Frage der Dosis; und: Alles hat seine Zeit. Das Problem hierbei: In welcher Zeit leben wir gerade und welche Dosis benötigen wir von daher wovon. In der Tat, einfache Antworten gibt es nicht, aber es gibt Tendenzen, wie ich meine.

      Geld ausschließlich auf Basis von Eigentum ist Kokolores. Warum? Weil durch den Kredit Eigentum neu geschaffen werden kann (Schumpeter). Der Kredit ist also Voraussetzung für eine wachsende Wirtschaft. Ob da nun Eigentum ex ante oder aber erst ex post vorhanden ist, ist dabei völlig unerheblich. Die Frage lautet von daher: Ist es ein produktiver oder aber ein konsumtiver Kredit. Und insbesondere beim konsumtiven Kredit sollte die Menge sehr sehr niedrig sein.

      Tatsächlich wurde dieses Kreditgeldsystem aber durch den parasitären Finanzsektor missbraucht. Dazu eine neoliberale Agenda mit ewigen Wachstumsfantasien. In Zeiten hohen Wachstums hat der Investitionskredit mit hohen Zinsen seine Berechtigung, da der Zins (neben der Kostendeckung) ein Gewinnbestandteil ist. In Zeiten geringen Wachstums brauchen wir mehr staatliche Investitionen, die dann auch unmittelbar (Turner über OMF) oder aber mittelbar (QE4P) über die Zentralbank finanziert werden können. Da der Matthäus-Effekt aber immer wirkt, brauchen wir zugleich die fiskalische Redistribution von Geld und sonstigem Vermögen über eine progressive Erbschaftssteuer.

      „Warum wurden sie nicht konsequenter durchgesetzt?“

      Es widerspricht den Renditeinteressen der 1 %.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        @ Michael Stöcker

        Ich bin auch nicht für Geld ausschließlich von Eigentum.

        Ich bin aber für mehr Geld für Eigentum.

        Die Gesellschaft muss risikobereiter werden, unternehmerischer.

        Ich stimme Ihnen zu, dass Kredit auf PRODUKTIVES Eigentum unabdingbar für eine wachsende Wirtschaft ist. Denn es ermöglicht jenen, die durch die Schaffung von produktivem Eigentums der Gesellschaft genutzt haben, ihr mehr zu nutzen.

        Das ist die Voraussetzung für die Anderen, auch der Gesellschaft und sich selbst nutzen zu können. Sie müssen sich dafür mit Fähigkeiten qualifizieren.

        Der Finanzsektor ist parasitär insoweit wie er kriminell ist.

        Er ist nicht schon deshalb parasitär, weil er aufgrund von Deregulierung das eine oder andere Businessmodell betrieben hat, das in die Krise führte. Für die Deregulierung ist die Politik verantwortlich und letztendlich die Gesellschaft, die sie zusammen mit dem Finanzsektor genutzt hat

        >„Warum wurden sie nicht konsequenter durchgesetzt?“

        Es widerspricht den Renditeinteressen der 1 %.>

        Selbst wenn es so wäre – das ist eine Antwort an der Sache vorbei.

        Die 99% hätten die Beteiligungsmodelle mit ihrer Mehrheit doch über die Politik durchsetzen können.

        Warum haben sie es nicht getan?

      • Michael Stöcker says:

        „Er ist nicht schon deshalb parasitär, weil er aufgrund von Deregulierung das eine oder andere Businessmodell betrieben hat, das in die Krise führte.“

        Businessmodelle, die legal sind, sind deshalb noch lange nicht legitim. Parasitär sind sie schon deshalb, weil sie keinen eigenen realen Mehrwert erzeugt haben, sondern lediglich den Geldkreislauf einer Volkswirtschaft angezapft haben, so wie es viele Parasiten tun, die sich vom Blut des Wirts ernähren. Es gibt Volkswirtschaften, die dies als Geschäftsmodell betreiben: https://www.youtube.com/watch?v=iXnhfoX0Ilw

        LG Michael Stöcker

  2. prestele says:

    Chicago economics in a nutshell:

    Slash taxes on the rich. Cover the resulting revenue shortfalls by borrowing from the rich instead.

    Now take the money government borrowed from the rich and spend as much as possible of it benefitting the rich – defense contracts, privatized services, fat finance fees, corporate welfare and more tax cuts.

    Do not spend it on what benefits everyone – infrastructure, education, environment, healthcare. Social safety nets are only acceptable as corporate welfare, enabling immorally low wages.

    Then turn to the shrinking middle class and growing poor and scold: Look at this government debt! Look what you did with your greedy wasteful demands for food, shelter, fair wages, clean air and water, education, healthcare and retirement security. You have to pay! No medicare and social security for you!

    The Chicago boys plundered the middle class and public wealth the earlier Keynsians built up.

    Antworten
  3. Dietmar Tischer says:

    @ MFK

    >Frau Klatten und andere Großaktionäre vermehren ihr Geld vor allem dadurch, dass sie auf ihre Millionen an Dividenden (die Quandts haben 2015 zusammen € 815 Mio. an Dividenden nur von BMW bekommen), die sie einstreicht nur 25% Steuern zahlt,..>

    Mit Verlaub, das ist Unsinn.

    Sie HAT mehr, wenn sie weniger Steuern zahlt.

    Sie VERMEHRT es, indem sie Arbeitsplätze schafft.

    Darauf kommt es an, und wenn sie dies hinreichend tun würde, dann ist das mit den 25% auch in Ordnung.

    Wenn sie es nicht tut, könnte sie höher besteuert werden – ich habe im Prinzip nichts dagegen.

    Nur wenn man sie höher oder deutlich höher besteuerte, würde sie nicht in Deutschland, sondern woanders Arbeitsplätze schaffen.

    Daher muss das Konzept heißen:

    Möglichst viele hochqualifizierte Arbeitskräfte – tendenziell F& E –, die Kapital anziehen und Beschäftigung hierzulande schaffen, auch für weniger hoch qualifizierte

    Antworten
  4. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    >Businessmodelle, die legal sind, sind deshalb noch lange nicht legitim.>

    Das ist richtig, aber eine Feststellung die nicht notwendigerweise etwas mit parasitärem Verhalten zu tun hat.

    >Parasitär sind sie schon deshalb, weil sie keinen eigenen realen Mehrwert erzeugt haben, sondern lediglich den Geldkreislauf einer Volkswirtschaft angezapft haben, so wie es viele Parasiten tun, die sich vom Blut des Wirts ernähren.>

    Sie haben einen eigenen realen Mehrwert erzeugt indem sie riesige Profite eingefahren haben. Dass die dazu etablierten Geschäftsmodelle nicht nachhaltig waren, ist etwas anderes.

    Sie haben auch nicht nur den Geldkreislauf der VW angezapft, sondern z. B. auch Angebote zur Einkommenserzielung unterbreitet, in Deutschland u. a. durch Lehman-Zertifikate. Sind sie dabei mit Täuschung vorgegangen, haben sie Schadenersatz zu leisten. Waren die Käufer zu bequem, das Kleingedruckte zu lesen, haben sie den Schaden.

    Zu ihrem Link:

    „Eliten machen Bedeutungszusammenänge durch Fragmentierung für das Volk (Herde) unsichtbar.“

    Mit dieser Prämisse unterstellt Ihr Prof. Mausfeld, dass die BEDEUTUNGSZUSAMMENHÄNGE gegeben seien.

    Dagegen setze ich:

    Was sind bei gegebener FRAGMENTIERUNG die Bedeutungszusammenänge?

    Jemanden, der nicht über die damit aufgezeigte Problematik reflektiert, muss man nicht ernst nehmen.

    In der Wissenschaft, in der anspruchsvollsten Erklärungsmethodik u. a. durch Verfahren der Wahrheitsfindung bzw. Widerlegung von Wahrheitsansprüchen, geht man in der Regel von Sachverhalten aus, die man mit Blick auf ein Ganzes (Modelle, Theorien) als Entitäten für die Erstellung des erklärenden Ganzen (mit Wirkmechanismen etc.) ansieht.

    Wer sich dem methodisch nicht anschließen will, muss dies zumindest begründen.

    Tut er es nicht, verkündet er Glaubensbekenntnisse.

    Antworten

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