Das verlogene Jammern

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Die Politiker führen die Öffentlichkeit seit Jahren in die Irre. Damit meine ich nur die unsägliche Vermischung von wirtschaftsfördernder Zuwanderung qualifizierter Menschen mit der ungesteuerten Zuwanderung der letzten zwei Jahre. Ich denke vielmehr an die Wirkungen des Euro und die Konsequenzen für den Wohlstand Deutschlands.

Zum einen wird immer wieder betont, wir seien die wahren Nutznießer des Euro. Nur dank des Euro könnten wir so viel exportieren. Doch wem nutzen die Exporte eigentlich, wenn wir als Gegenleistung für unsere Autos wertlose und unverzinste Forderungen aufbauen? Siehe die Target2-Diskussion von gestern bei bto. Dennoch kann Wirtschaftsminister Gabriel ungestört die These wieder verbreiten und daraus ableiten, wir sollten uns dafür solidarisch zeigen. Bekanntlich denke ich das auch, aber nur, weil ich anerkenne, dass unsere Forderungen ohnehin schon verloren sind.

Dass wir in Wirklichkeit nicht die Gewinner des Euro sind, habe ich hier schon vor langer Zeit erläutert:

→ „Zehn Gründe, warum wir die Verlierer des Euro sind“

Wie dumm unsere Exportfixierung ist, lesen Sie an dieser Stelle:

→ „Der Irrsinn der Doppel-Null“.

Und was die deutschen Politiker wirklich machen müssten, wenn sie es ernst meinten mit dem Wunsch nach mehr Zinsen für die deutschen Sparer, steht hier:

→ „Negativzins: Handeln statt Jammern!“

Angesichts des Anstiegs der Inflation ist die Empörung wieder groß. Zwar denke ich, dass es sich nur um eine temporäre Erhöhung handelt, dennoch gibt es wieder mal Anlass zu lauten Protesten, denen aber keine Taten folgen werden. Unsere Politiker wissen nur zu genau, dass es zwar eine Alternative zur jetzigen EZB- Politik gibt, diese aber das Ende des Euro und massive Verluste für deutsche Sparer bedeuten würde. Diese sind zwar schon da, aber die Illusion soll möglichst lange aufrechterhalten bleiben. Mindestens bis nach der Bundestagswahl. Umso witziger ist es dann in der englischen Presse zu lesen, wie deutsche Volkswirte die Politik der EZB kritisieren. Dabei trifft die Kritik zu. Was allerdings fehlt, ist eine klare Aussage zur Alternative. Nur der von mir sehr geschätzte Stefan Kooths nennt sie beim Namen: „Prof Kooths said the EU authorities must bite the bullet and accept a tremendous restructuring crisis rather than trying to kick the can down the road. All we are doing now with easy credit is keeping alive firms that should go bankrupt. It feeds into the ‚zombification‘ of Europe, he said“. Tja. Wie richtig! Nur welcher Politiker nimmt freiwillig eine unglaubliche Krise in Kauf?

Schauen wir uns die Highlights des Beitrages an:

  • The ECB wants to inflate away the debt of the southern European countries. This is a clear conflict of interest with net creditors like Germany, said Clemens Fuest, president of the IFO Institute in Munich.“ bto: Natürlich will sie das, und zwar schon seit mehr als fünf Jahren! Wäre es da nicht besser, wenn das IFO statt das deutsche Wirtschaftsmodell zu loben dafür werben würde weniger Außenhandelsüberschüsse anzuhäufen und damit Forderungen an diejenigen, die sich die Schulden nicht leisten können? Und was würde Herr Fuest denn den Schuldnern raten, was sie sonst tun sollen. Denn eines ist klar. Die Gläubiger erleiden so oder so Verluste.
  • Professor Clemens said the politics are poisonous because the ECB’s majority bloc is openly sweeping aside German objections. This plays into the hands of the eurosceptic Alternative fur Deutschland (Afd), while the ruling Christian Democrats are toughening their line to stop a leakage of votes.“ bto: Ich denke nicht, dass die AfD davon profitiert. NOCH nicht. Denn die Folgen der verfehlten Euro-„Rettungs“-Politik sind den meisten Deutschen noch gar nicht präsent. Das wird sich ändern, sobald wir richtige Verluste realisieren, zum Beispiel, wenn Italien austritt.
  • The UBS bubble index shows that Munich is now the fifth most expensive housing market in the world, with prices that have increasingly lost touch with economic fundamentals.“ bto: was übrigens ein Zeichen für die Angst der Leute um ihr Geld ist. Denn viel wird cash gekauft, nicht auf Kredit.
  • Prof Kooths said the ECB has crossed the line of legitimacy and should halt QE immediately. We no longer consider the actions of the ECB to be monetary policy. Seven years ago, in the eye of the storm, the eurozone was facing a liquidity crunch but nobody can say there is a liquidity shortage now, he said.“ bto: Nein, das kann man wahrlich nicht behaupten!
  • The problem is that the weak euro amounts to stimulus on steroids for Germany’s export economy. Capacity usage in industry has reached 85.7pc. The Bundesbank warns of mounting labour market bottlenecks. The Verdi labour union is pushing for a 6pc pay rise this year.“ bto: So, nun muss man das durchdenken. Wir haben eine künstlich geschwächte Währung, die unsere Exporte inner- und außerhalb des Euroraums massiv erleichtert. Diese Exporte führen zu massiven Überschüssen und damit dem Aufbau von weitgehend wertlosen Forderungen. Zugleich steigern wir die Löhne, was kein Problem ist, haben wir doch ein Wechselkursdoping. Dann platzt die Blase: Der Euro zerfällt, die neue DM oder der Rest-Euro (je nach Betrachtung) geht durch die Decke, unsere Kapitalsammelstellen verlieren massiv unsere Ersparnisse und die Exporte kollabieren und die Kosten sind dann viel zu hoch. Ja, so kann man ein Land effektiv ruinieren.
  • The ECB is trying to reinflate Germany. It is exactly what they want. It is their plan. The question is whether the German people will accept it, said Hans-Werner Sinn, emeritus professor at Munich University.Prof Sinn estimates that it would require inflation averaging 4.5pc in Germany and zero in southern Europe for ten years to rebalance monetary union – an implausible outcome in every respect.“ bto: Diese Berechnung hat Sinn schon 2012 vorgelegt. Damals wie heute völlig illusorisch! Nur: Was bedeutet dies letztlich? Nichts anderes, als dass eine Anpassung über interne Ab- und Aufwertung nicht funktionieren kann. Doch was dann? Eben. Der zwangsläufig eines Tages eintretende Verfall.

bto: Je später dieser Tag eintritt, desto teurer für die Gläubiger. Wiederum eine Meisterleistung unserer Politik. Wobei unsere Volkswirte auch eine Mitschuld tragen. Sie haben keine Vorschläge unterbreitet, was zu tun wäre. Ein einfacher Euro-Austritt ist politisch nicht vermittelbar. Der Schuldentilgungsfonds des Sachverständigenrates war ein guter Ansatz. Wie ich an anderer Stelle beschrieben habe, müsste er um die privaten Schulden entsprechend erweitert werden.

→ Kommentar in der SZ: „Ohne Verluste geht es nicht“

Doch nach der nicht überraschenden politischen Kritik haben die Ökonomen aufgegeben. Dabei brauchen wir dringend und schnell intelligente Lösungen, um den maximalen Gau noch abzuwenden.

→ The Telegraph: „German fury grows over inflation ‚Horror-Kurve‘ as fears of destructive boom-bust cycle mount“, 8. Januar 2017

 

34 Antworten
  1. Max Reinhardt says:

    Hallo Herr Stelter,
    ich versuche das TARGET2 Thema zu verstehen.
    Wie funktioniert es, dass wir als Volkswirtschaft nur wertlose TARGET Forderungen bekommen, das einzelne Unternehmen aber „Geld“ bekommt? Das mag eine naive Frage sein, aber wie kann der Export für die einzelnen Unternehmen einer Volkswirtschaft gut, aber für die Volkswirtschaft als Ganzes schlecht sein?

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  2. Hansjörg Pfister says:

    Ich will als ökonomischer Laie mal mein Erklärungsglück versuchen:
    Es ist für die Unternehmen (präziser: deren Anteilseignern) gut weil sie Geld bekommen. Für uns alle (die Volkswirtschaft) ist das schlecht, weil wir für dieses Geld Forderungen gegen insolvente Staaten tauschen. D.h. das Geld, das wir „sicher“ in Lebensversicherungen usw. wähnen, besteht zunehmend nur noch aus derartigen Forderungen. Also „die Unternehmen“ tauschen das Geld gegen Werthaltiges (z.B. Sachwerte) ein, ich, Sie , „wir“ also der Mittelstand, guckt in die Röhre, weil sein Geldvermögen sich irgendwann zu einem Teil als Illusion entpuppt.

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    • Lousytalker says:

      Eine kleine Stilblüte am Rande:
      Als „Sicherheit“ wird von der EZB nun seit einigen Jahren unter anderem auch Bonds der südeuropäischen Länder akzeptiert. Schon vor einigen Jahren kamen somit auch sehr alte portugiesische Bonds zu neuen Ehren die einst 1943 vom Diktator Salazar begeben wurden und deren Maturity (Fälligkeitsdatum) der 31.12.9999 nach Christus ist.
      Wie wohl deren Rating ist ? Und wie sicher bewertet Otto Normalsparer diese, würde er das erkennen….

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  3. prestele says:

    Hallo Herr Stelter,
    sehe ich zu Recht einen Widerspruch zu der von Ihnen geteilten Auffassung, dass Griechenland und Italien „ nach Urteil der OECD so viele Reformen umgesetzt haben wie keine anderen.“ – bto: Da bin ich bei Fricke.“ bto vom 10.1. und Ihrer massiven Kritik an der EZB und dem von Italien akkumierten Target Saldo?

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    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Nein. Es stimmt, dass Griechenland und Italien in den letzten Jahren mehr reformiert haben als D. Was einfach ist. Denn die Regierung hat keine echten Reformen durchgeführt, die die Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand steigern. Oder fällt Ihnen was ein?

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      • Ondoron says:

        Aber Herr Stelter, das ist doch genau das, was Schäuble immer wollte. Der „Klassenbeste“ muss die Regression zum Mittelwert durchführen – oder unter den Mittelwert. Das Zerstören der deutschen Wettbewerbsfähigkeit hilft doch unmittelbar der Eurozone. Vordergründig. Juristen wie Schäuble denken offenbar genau so einfach.
        Es geht ja gar nicht darum, den Wohlstand zu steigern. Es geht nur darum, das „politische Projekt“ zu retten – was aber unmöglich ist! Der Schaden wird nur größer.
        Diejenigen, die bei Ihnen zwischen den Zeilen lesen, wissen es längst. Die anderen sind ideologisch verblendet und dem sozialistischen Wahn schon verfallen. Für die EU sieht es schlecht aus. Für Deutschland ohnehin. Der Wohlstand ist schon perdu. Die geburtenstarken Jahrgänge werden sich noch wundern…

  4. Bakwahn says:

    „Deutschland profitiert vom Euro“

    Seit 7 Jahren hören wir es immer wieder. Anfänglich haben diesen Spruch das politische Spitzenpersonal der im BT vertretenen Parteien, sowie EU-Politiker wie von einem Tonband heruntergebetet. Später dann wiederholten diese Behauptung mit penetranter Aufdringlichkeit diverse Journalisten des Mainstreams, gefolgt von Intellektuellen, denen sich dann auch recht schnell „Prominente“ anschlossen, die weder Ahnung noch Schimmer besaßen und in den TV-Schwatzbuden das große Wort führten.

    Dadurch ist ein machtvoller Mythos aufgebaut worden, an dem alle Gegenargumente und jede kritische Reflexion abprallen. Diese Rede von Deutschlands angeblichem Nutzen und Vorteil wird durch diesen Mythos quasi mystifiziert, ins Transzendente erhoben. Er erfährt dabei eine Substanzalisierung und zugleich eine Metamorphose in etwas unverfügbar Mächtigem. Er wird so zur Botschaft; neudeutsch zur Message. Damit lädt er auf bequeme Art zur Identifikation und Zustimmung ein, und sein Inhalt wird jeglicher kritischen Überprüfung entzogen.
    Wie stark der Mythos wirkt, merkt man an diesem Strand hier am Golf von Siam. In meinen Gesprächen höre ich es immer wieder – zwei deutsche Ehepaare, ein Holländer – „der Euro ist gut“ und „wir profitieren“. Obwohl der Euro auf einen Tiefststand abgesagt ist; nur noch 36 Baht für den Euro.

    In der Tat, mit diesem Euro sind wir ins Knie gefickt. Ich kann nur sagen:
    Wer sich mit traditionellen Schwach- und Weichwährungsländern ins Bett legt, wacht als Schlappschwanz auf.

    Deutschland profitiert von offenen Märkten, vom Freihandel, aber nicht von einer gemeinsamen Währung! Aufgrund der Stärke der deutschen Wirtschaft, der hervorragenden Handels- und Zahlungsbilanzen, bekämen wir für einen NORDEURO (Holland, Österreich, Finnland, Irland) heute garantiert 52 bis 55 Baht! 36 – 37 Baht sind eine Katastrophe. Jetzt wird der Urlaub richtig teuer!
    Mai pen rai, never mind.

    Live vom Hat Thung Wualaen – 500 km südlich von Krung Thep am Golf von Siam
    Bakwahn
    Hamburg Bangkok Düsseldorf

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    • Ralph Klages says:

      “In a larger context, naturally we need a political union.” Schäuble in dem Text von 2011. Und? Was ist passiert? fragt sich der einst überzeugte Europäer. LG

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      • Johannes says:

        … die Krise ist ja noch nicht zu Ende, der Transformationsprozess läuft (vielleicht schon läger als gedacht/erwartet) und könnte evet. durch überraschende Wahlergebnisse in Frankreich und Deutschland in´s Straucheln kommen…

  5. Paul Ziegler says:

    Laufend lese ich, dass der Anstieg der Preisinflation derzeit nur temporär wäre. Das kann ich nicht verstehen.
    Der Euro ist Mitte 2014 kollabiert, sowie die Dollarpreise von nahezu allen Rohstffen und Währungen. Nun haben im Jahresvergleich die Rohstoffpreise deutlich angezogen, Öl zB. um fast 100%, sowohl auf Dollar-, als auch Eurobasis. Die Währungen insb. der Rohstoff-Exporteure steigen ebenso (Brasilien, Russland, Kanada, etc.). Und es sieht nun wahrlich nicht nach einer Trendwende aus.
    Dazu kommen nun langsam, wie genannt, Lohnsteigerungen.
    Demografie? Ja, aber dieser Effekt ist sehr langfristig. Eher gehen noch die Babyboomer in Rente, d.h. diese werden von m.o.w. produktiven Lohnempfängern zu Rentnern, die nur noch konsumieren. Gleichzeitig kommen Flüchtlinge bzw. Migranten als neue Konsumenten. Dazu kommen die Rufe nach Helikoptergeld bzw. höheren Staatsausgaben, die auch den (Staats-) Konsum erhöhen. Kurz: Mehr Konsumenten verbrauchen die produzierten Güter. Das muss zu steigenden Preisen führen. Überkapazitäten/China? Ja, aber Importwaren sind wechselkursabhängig, und wenn die Preisinflation hierzulande ansteigt, werden auch Importe teurer. Außerdem finden die Chinesen ihre Märkte zunehmend in Afrika und Zentralasien.
    Weltweite Überschuldung? Wenn die Zinsen steigen (das tun sie, wenn auch nur nominal und langsam), steigen die auch die Zinskosten der Unternehmen. Entweder Bankrott oder Preiserhöhung also und da tippe ich auf zweiteres.

    Antworten
  6. Dietmar Tischer says:

    >Zum einen wird immer wieder betont, wir seien die wahren Nutznießer des Euro. Nur dank des Euro könnten wir so viel exportieren.>

    Wahre oder nicht wahre Nutznießer – es nützt unserer Exportwirtschaft schon, wenn der Euro schwach ist.

    Aber nur vordergründig.

    Denn den Wettbewerbsvorteil oder die Wettbewerbsfähigkeit über die Währung zu sichern, ist nicht nachhaltig. Nachhaltig ist es, sie durch Produktivitätswachstum zu sichern. Auch das ist ein Aspekt zum Thema „Wohlfühlblase“ durch Wechselkursdoping, wie bto. richtig feststellt.

    >…eine Alternative zur jetzigen EZB- Politik … massive Verluste für deutsche Sparer bedeuten würde. Diese sind zwar schon da, aber die Illusion soll möglichst lange aufrechterhalten bleiben.>

    Das kann man so nicht sagen.

    Bis jetzt – bei geringen Zinserträgen UND praktisch keiner Geldentwertung – gibt es keine massiven Verluste der deutschen Geldsparer. Wenn aber die Inflation STEIGT, sagen wir auf 2% oder sogar darüber, erleiden sie bei Weiterführung der gegenwärtigen EZB-Politik, Verluste und, über die Zeit, massive Verluste. Das sind „richtige Verluste“.

    Kommt es zu dieser Entwicklung, steht jede deutsche Regierung unter enormen Druck. Und DANN würde die AfD erheblich profitieren. Da muss mit Italien nichts passieren.

    > „Prof Kooths said the EU authorities must bite the bullet and accept a ‚tremendous restructuring crisis‘ rather than trying to kick the can down the road.>

    Welche EU Autoritäten?

    Die Regierungen der Nationalstaaten sind hier gefragt, niemand sonst.

    Ganz richtig, keine Regierung nimmt eine Restrukturierungskrise auf sich, solange sich die Blechbüchse weiterkicken lässt. Es wäre IRRATIONAL es zu tun, wenn sie damit – was geschehen würde – die gesellschaftliche Kohärenz GEWOLLT aufs Spiel setzte. Dass diese sich sehr wahrscheinlich auf Dauer mit dem Herumgekicke auch nicht erhalten lässt, stimmt ja. Aber wenn es dann so weit ist, gibt es keinen Schuldigen. Denn jeder hat ja, wie die Zeit vorher erfolgreich bewiesen, weitergekickt. Es war dann halt eines jener Ereignisse, die keiner voraussehen konnte.

    >Wäre es da nicht besser, wenn das IFO statt das deutsche Wirtschaftsmodell zu loben dafür werben würde weniger Außenhandelsüberschüsse anzuhäufen und damit Forderungen an diejenigen, die sich die Schulden nicht leisten können? >

    Mit welcher Umorientierung der deutschen Wirtschaft (Modellumbau !) kommen Sie zu weniger Außenhandelsüberschüssen, OHNE dass dabei Arbeitsplätze verloren gehen und/oder Kapital aus dem Land flieht, Herr Dr. Stelter?

    Selbst wenn Sie es hinbekämen:

    Bevor Sie damit erfolgreich wären, hätten vermutlich unsere Handelspartner, die sich die Schulden nicht leisten können, für den Abbau der Außenhandelsüberschüsse gesorgt. DIESE Lösung wird kommen, weil sich keine andere bei UNS durchsetzen lässt.

    >… even years ago, in the eye of the storm, the eurozone was facing a liquidity crunch but nobody can say there is a liquidity shortage now,‘ he said.“>

    Was für eine Begründung, um der ECB die Legitimation abzusprechen!

    Wir haben zwar keine Liquiditätskrise, aber eben NUR, wegen der EZB. Würde die EZB sofort auf QE verzichten, hätten wir wieder eine Liquiditätskrise und darüber hinaus auch sein Solvenzkrise.

    Was die EZB betrifft, muss man anders argumentieren.

    So wie hier, mein Beitrag von heute, 15:10

    http://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/ohne-ezb-waere-schon-lange-schluss/ – comment-21616

    >Wobei unsere Volkswirte auch eine Mitschuld tragen.>

    Hier wäre ich vorsichtig.

    Wenn die Ökonomen aufgrund ihres Sachverstands feststellen MÜSSEN, dass es ohne Verluste nicht geht, dann machen sie zwar RICHTIGE Vorschläge – und mehr können sie nicht tun –, aber eben auch Vorschläge, die politisch IRRELEVANT, weil nicht durchsetzbar sind.

    Da die Ökonomen nicht bestimmen können, was politisch relevant ist, also als UMSETZBAR angesehen wird von den Entscheidern, kann ich keine Schuld bei ihnen sehen.

    Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Lieber Herr Tischer,

      vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Folgende kurze Reaktion:

      – „Bis jetzt – bei geringen Zinserträgen UND praktisch keiner Geldentwertung – gibt es keine massiven Verluste der deutschen Geldsparer.“ – sehe ich anders. Auf dem Papier haben wir keine Verluste erlitten. Aber in Wahrheit sind die Forderungen weniger wert, weil sie nicht einbringbar sind.

      – „Mit welcher Umorientierung der deutschen Wirtschaft (Modellumbau !) kommen Sie zu weniger Außenhandelsüberschüssen, OHNE dass dabei Arbeitsplätze verloren gehen und/oder Kapital aus dem Land flieht, Herr Dr. Stelter?“ – gerade das IfO Institut sieht den Anpassungsbedarf nur bei den anderen. Ich denke aber mehr Ausgaben im Inland – Abkehr von der Schwarzen Null – wäre da besser.Es kein Umbau aber eine Re-Balancierung. Ich denke schon, dass auch deutsche Ökonomen darauf hinwirken sollten und nicht nur die „linken“ Aussenseiter.

      – „Da die Ökonomen nicht bestimmen können, was politisch relevant ist, also als UMSETZBAR angesehen wird von den Entscheidern, kann ich keine Schuld bei ihnen sehen.“ sie sind nicht am Ball geblieben. Sie hätten immer und immer wieder fordern und mahnen sollen. So haben sie Sinn alleine gelassen und zum Querulanten abgestempelt.

      LG DSt

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Erwiderung:

        Zu a) „Massive Verluste sind zwar schon da, aber die deutschen Sparer merken es nur nicht, weil „die Forderungen weniger wert sind“.

        Ich stimme Ihnen ja zu, dass sie weniger wert sind und viele noch weniger wert sein werden in der Zukunft. Das rechtfertigt aber kein „sind schon DA“. Wäre das der Fall, hätten wir ein ganz anderes politisches Klima hierzulande. Für mich hat die Formulierung jedenfalls einen anderen FAKTISCHEN Bezug. Ich kann ihr daher nicht zustimmen.

        Zu b) Anpassungsbedarf bei uns.

        Wir hatten darüber schon diskutiert, ich stimme Ihnen in der Sache zu. Er verlangte eine Umorientierung vor allem der Politik, wäre aber nicht gleichzusetzen mit einem anderen deutschen Wirtschaftsmodell. Bei Re-Balancierung bin ich mit im Boot. Wir sollten uns aber beide klar sein, dass schon damit die Entscheider bei der praktischen Umsetzung auf ganz große Schwierigkeiten bei der Bevölkerung stoßen würden.

        Zu c) Verhalten der Ökonomen

        Ich würde nicht sagen, dass sie H.-W. Sinn allein gelassen haben. Er hat bei wichtigen Fragen jahrelang die Unterstützung einer ansehnlichen Zahl von Kollegen erhalten, war jedenfalls nie isoliert. Und die Ökonomen in der für die Entscheider relevanten Presse haben ihm immer gern eine Plattform für seine Thesen gegeben. Wie auch immer: Das spielt alles keine Rolle. Sie können so oft und so lange am Ball bleiben wie sie wollen, wenn die Ökonomen keinen Einfluss darauf haben, was als HANDLUNGSRELEVANT für die Politiker zu gelten hat und damit darauf, was die Politik leistet , dann können sie nicht schuldig sein an den Ergebnissen bzw. Unterlassungen, die Politik produziert. Noch nicht einmal mitschuldig – das ist einfach so. Wenn man dies nicht anerkennt – wie Sie es hier tun – verwischt man einen wesentlichen Unterschied zwischen den Sphären Wissenschaft und Politik. Er wird immer dann ganz deutlich, wenn das mit Mahnungen versehene Sachverständigengutachten präsentiert wird und die Politik darauf mit „Elfenbeinturm, nicht tauglich für uns“ antwortet. Steinbrück, selbst Ökonom, hat so reagiert.

  7. Bagehot says:

    Lieber Herr Stelter,

    in Ihrem Text heißt es: „Doch wem nutzen die Exporte eigentlich, wenn wir als Gegenleistung für unsere Autos wertlose und unverzinste Forderungen aufbauen? Siehe die Target2-Diskussion von gestern bei bto.“

    Da kann ich Ihnen leider gar nicht folgen. Die Target2-Salden der Bundesbank haben mit den Auslandsvermögen der deutschen Unternehmen, Privathaushalte und Geschäftsbanken nichts zu tun.

    Maßgeblich für die Ermittlung des deutschen Auslandsvermögens ist der Auslandsvermögensstatus, den die Bundesbank regelmäßig veröffentlicht. In einer Anmerkung zum jüngsten Status stellt die BuBa fest, dass Kredite und Forderungen der Bundesbank an Ausländer hierbei nicht erfasst werden. Lediglich der Banknotenumlauf im Ausland wird berücksichtigt.

    Im übrigen hat sich das Auslandsvermögen der Deutschen sehr positiv entwickelt. Die Aktiva, die sich 2001 auf 3,3 Billionen Euro beliefen, stiegen bis zum dritten Quartal 2016 auf 8,3 Billionen an – haben sich also mehr als verdoppelt. Der Zuwachs war recht stetig – mit Ausnahme der Jahre 2008/09. Damals mussten deutsche Investoren bekanntlich Subprime-Hypotheken mit einem Wert in dreistelliger-Milliarden-Höhe in den Kamin schreiben.

    Auch das Nettoauslandsvermögen hat sich – eben mit Ausnahm der Finanzkrise – kontinuierlich entwickelt. Der Saldo betrug 2001 erst 142 Millionen Euro – heute sind es 1,6 Billionen, also mehr als zehn Mal soviel.

    Ich kann nicht sehen, dass die Auslandsvermögen generell wertlos sein sollen. Die Vermögenswerte sind geografisch breit gestreut auf die unterschiedlichsten Länder. Auch bei den Anlageklassen besteht eine große Diversifizierung – von Bargeld und Bankguthaben über Finanz- und Handelskredite bis zu Aktien, Corporate Bonds und Staatsanleihen.

    Rund ein Drittel des Nettoauslandsvermögens besteht aus Direktinvestitionen, also Kapital, das in Firmenübernahmen oder neue Fabriken gesteckt wurde. Nur zwei Beispiele: Bayer übernimmt für mehr als 60 Milliarden Dollar die US-Firma Monsanto. Der VW-Konzern baute in China mehr als zehn Autowerke.

    Was soll an Auslandsinvestitionen generell riskanter sein als an der Kapitalanlage in Deutschland?

    Obendrein bringt das Auslandsvermögen eine ganz ordentliche Rendite ein. Das Statistische Bundesamt weist im Nettonationaleinkommen für 2015 ein Primäreinkommen aus ausländischem Vermögen von rund 60 Milliarden Euro aus.

    Ihrer These, dass die immensen deutschen Handelsüberschüsse sich in wertlosen, unverzinsten Forderungen an das Ausland niederschlagen, kann ich also absolut nicht folgen.

    Antworten
    • Rob says:

      „Was soll an Auslandsinvestitionen generell riskanter sein als an der Kapitalanlage in Deutschland?“

      Lesen Sie mal das hier. http://library.fes.de/pdf-files/wiso/09211.pdf
      Dieses Papier beschäftigt sich mit Altersvorsorge, und betrachtet auch Auslandsvermögen in entsprechende Zeiträume..

      Daraus:
      3.2 Kapitalanlagen im Ausland: Schutz vor demografischen Risiken?
      Laut Schnabel/Ottnad (2008: 5) ist die Kapital-
      deckung weniger den demografischen Risiken
      ausgesetzt als das Umlageverfahren, da Kapital-
      anlagen international angelegt werden könnten
      und „kaum ein Land … so schnell und stark [al-
      tert] wie Deutschland“. Ein dabei unterschätztes
      Problem ist der Mangel an geeigneten auslän-
      dischen Kapitalanlageländern: Ginge es nur da-
      rum, Länder mit besserer Altersstruktur und hö-
      herem Wachstum und damit auch höheren Ren-
      diten von Finanzanlagen zu identifizieren, wäre
      es nicht so schwer. Gleichzeitig sollten die Öko-
      nomien der Länder allerdings nachhaltig wach-
      sen, politisch stabil sein und vor allem über so
      große Kapitalmärkte verfügen, dass ausländische
      Kapitalzuflüsse nicht zu wirtschaftlichen Verwer-
      fungen führen. Barr und Diamond fassen die not-
      wendigen Eigenschaften geeigneter Länder fol-
      gendermaßen zusammen:
      „Thus, the ideal country in which to invest has a
      young population and products one want to buy
      and political and financial stability and is large
      enough to absorb the savings of other countries
      with ageing population.“

      Antworten
  8. Wolfgang Selig says:

    Bitte schreiben Sie die Äußerungen von Professor Sinn nicht zu früh ab. Nach meiner Meinung ist seine Berechnung immer noch die wahrscheinlichste Variante. Langfristig O % in den Südländern ist realistisch und für die dortige Politik und deren Wähler immer noch besser als der depressive Absturz durch einen Euro-Austritt ohne Subventionen aus dem Norden.
    4,5 % in Deutschland klingt für den kundigen Beobachter aktuell illusorisch, aber das ist es nicht. Sobald die Gewerkschaften ihre durch Erfahrungen aus den 90er und 00er Jahren angewohnte Zurückhaltung aufgeben, weil sie das Erreichen der Kapazitätsgrenzen und der Vollbeschäftigung im Fachkräftebereich realisiert haben, werden die Lohnforderungen steigen. Und dann haben wir die klassische Lohn-Preis-Spirale. Die Politik freut sich dann über steigende Steuereinnahmen, die Gewerkschaften loben ihre Durchsetzungsfähigkeit, die Linken freuen sich über den Konsum, die Ratingagenturen über niedrigere Staatsschulden zum BIP. Die Arbeitgeber jammern über steigende Personalkosten und wundern sich anschließend über doch vorhandene Möglichkeiten der Preiserhöhung. Die gesetzlich Rentenversicherten freuen sich über steigende Renten durch steigende Beitragseinnahmen. Gekniffen sind Anleihehalter, privat altersversorgte Personen, nicht aber verbeamtete Pensionisten. Damit sind die Benachteiligten in der Minderheit und die Sache ist innenpolitisch stabil. Das Ausland freut sich über leicht sinkende Exporte durch höhere Personalkosten und höheren Binnenkonsum in Deutschland. Der Knackpunkt ist, wie viel Zuwanderung in den Arbeitsmarkt wir haben werden, aber realistischerweise erfolgt diese eher in Bereiche wie die Pflege oder Bau als in die gewerkschaftlich stärker organisierte techniklastige Exportwirtschaft. Mit einer „flexiblen“ EZB haben Sie die EU-Variante des Greenspan-Puts und bezahlen alle Banken- und Staatsschuldenkrisen in den nötigen 10 Jahren mit frischem Geld der Notenbank. Fertig. Fertig? Naja, nicht ganz. Ein massiver (evtl. militärischer) Konflikt USA-China oder Ähnliches lässt das Ganze als Kollateralschaden natürlich anders ausgehen. Dann interessiert sich niemand mehr für Lohnerhöhungen, sondern dann bricht der Export ein. Im Zweifel sogar sehr deutlich.

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      >Sobald die Gewerkschaften ihre durch Erfahrungen aus den 90er und 00er Jahren angewohnte Zurückhaltung aufgeben, weil sie das Erreichen der Kapazitätsgrenzen und der Vollbeschäftigung im Fachkräftebereich realisiert haben, werden die Lohnforderungen steigen. Und dann haben wir die klassische Lohn-Preis-Spirale.>

      Sie spielen hier die Erfahrung der Vergangenheit, die Zurückhaltung erzwang, gegen die Vollbeschäftigung aus.

      Ich sehe das anders.

      Die Erfahrung der Vergangenheit wird auch bei Vollbeschäftigung nicht aufgegeben, zumindest nicht in der exportorientierten Güterherstellung. Die dort Beschäftigten wissen: Zu groß ist die Gefahr, dass dadurch die Arbeitsplätze verloren gehen. Und wir sehen ja auch, dass in diesen Branchen praktische keine Streiks gibt, um hohe Lohnforderungen durchzusetzen.

      Vollbeschäftigung wird aber eine immer größere Rolle für die Durchsetzung von Lohnforderungen spielen, weil a) die Wirtschaft auch bei uns zu einer Dienstleistungswirtschaft mutiert. Dort gibt es die Erfahrung nicht bzw. ist sie so gut wie irrelevant. Und weil b) die Demografie durch Verknappung des Arbeitskräfteangebots dafür sorgen wird, dass sich Lohnsteigerungen leichter durchsetzen lassen.

      Kurzum: Sie können durchaus damit recht haben, dass wir irgendwann wieder eine Inflationsrate von 4,5% erreichen könnten.

      Nur:

      Die EZB kann die nicht erzielen oder gar durchsetzen.

      Darum geht es hier.

      Antworten
      • Wolfgang Selig says:

        Vielen Dank für Ihre Erwiderung. Ich habe nicht behauptet, dass die EZB die Inflation (alleine) erzeugen kann, aber ich denke schon, dass die Exportwirtschafts-Arbeitnehmer ohne die EZB keine große Chance zur Generierung von Inflation hätten. Nur mit der aktuellen EZB-Politik werden öffentliche und private Großinsolvenzen im Euroraum vermieden (z.B. im Bankenbereich) und der Wechelkurs künstlich gedrückt. Und nur deswegen werden sich die Gewerkschaften doch irgendwann noch trauen, sobald sie merken, dass die früher befürchteten Folgen, die Sie zurecht ansprechen, so nicht mehr zu erwarten sind.

      • Karl says:

        Diese Verkappung des Arbeitskräfteangebots wird vielleicht in 15-20 Jahren wirklich spürbar, mit Betonung auf vielleicht. In Zusammenhang mit Dingen wie Robotic Process Automation, Künstlicher Intelligenz etc. gibt es da ganz andere Horrorgeschichten. Eine Bankfiliale z. B. ist heute das, was vor 100 Jahren eine Dampflokomotive war.

  9. Bakwahn says:

    Ich lese gerade auf Zeitonline ein Interview mit Stelter.
    „Von billigem Geld zusammengehalten“

    My big Buddha, Herr Stelter, sind Sie da handzahm und „lieb“ der rot-grünen Zeit gegenüber. Klartext wie hier auf Ihrem Board wäre angemessener gewesen.
    Die beiden „Chefvolkswirte“ dort – Wermuth und Schieritz – sind ideologisch verblendete Verteidiger des Euro. Ihren Blog „Herdentrieb“ habe ich schon vor Jahren verlassen. Er ist einfach grauenhaft.
    Die erzählen uns immer noch das Narrativ (Narrativ ist glaube ich Neutrum) „Deutschland profitiert vom Euro“. Kaum kritische Artikel und Überlegungen zur Tatsache, daß sämtliche Regeln – vom Maastricht-Vertrag bis zum Stabilitätspakt immer wieder gebrochen, umgebogen, ins Gegenteil verkehrt werden. Denn es dient ja einer „guten Sache“, der „Rettung des Euro“.
    Gleich im ersten Fall der „Rettung“ von italienischen Pleitebanken ist die neue Vereinbarung gebrochen worden. Es sollten zuerst die Eigentümer und die Aktionäre zur Rettung herangezogen werden.
    „Nein, das geht gar nicht! Wir haben doch die EZB! Die stellt doch das Geld zinsfrei zur Verfügung und in the long run wird sie es uns schenken.“

    Hier das Stelter-Interview:
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-01/inflation-zinsen-usa-eurozone-ezb?page=2#comments

    Live vom Thung Wualaen Beach – Sonnenschein, 30 Grad – Euro kurzfristig unter 37 Baht
    500 km südlich von Krung Thep am Golf von Siam
    Bakwahn
    Hamburg Bangkok Düsseldorf

    Antworten
    • Karl says:

      Bakwahn,
      Ihre kritische Bemerkung zu den Kommentaren von Dr. Wermuth ist überzogen. Seine Beiträge sind meist sehr aufschlussreich und er hat durchaus einen kritischen Blick auf die Probleme.
      Wenn man sich natürlich in einem Meinungsumfeld mit einem zu 100 % pessimistischen Bias wohlfühlt (die Echokammern des Internets …), ist man bei ihm wahrscheinlich falsch.

      “ […] Wenn ich mir die Zeitreihe mit den Bondrenditen ansehe, muss ich nüchtern feststellen, dass wir es nicht zum ersten Mal mit einem Ansatz zu einer Trendwende zu tun haben. […]“

      http://blog.zeit.de/herdentrieb/2017/01/13/inflationsrate-steigt-zinsen-auch_10126#more-10126

      Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Bakwahn, Ich glaube, dass Sie die ORIENTIERUNG bezüglich der grundlegenden Bedingungen eines konstruktiv zu führenden Interviews verloren haben (falls Sie sie besessen haben sollten):

      Jemand fragt und ein anderer antwortet – auf die GESTELLTE Frage.

      Natürlich könnte der Interviewte auf die Frage auch antworten:

      Sie müssen mir eine andere Frage stellen, damit ich mit dem antworten kann, was ich für wichtig halte.

      Und natürlich kann der Interviewte auf die Frage auch antworten:

      Ihre Frage ist FAKE QUESTIONING, anderes Frageteam go on.

      Das Beispiel dafür ist mit höchster Autorität bereits gesetzt.

      Überlegen Sie einmal, wohin es führt, wenn dies das neue „Format“ für öffentliche Kommunikation würde. Verlassen Sie den Sonnenschein und die 30 Grad, könnte beim Realitätsgewinn helfen.

      Antworten
  10. Dietmar Tischer says:

    @ Wolfgang Selig, Karl

    Sie haben im Grunde recht.

    Ich meine nur, dass die GEWICHGTIGEN Faktoren für eine REALWIRTSCHAFTLICH generierte stärkere Inflationierung (also keine durchs „Gelddrucken“ hervorgerufene) sind:

    a) die kontinuierliche Erfahrung mit der Globalisierung soweit durch sie direkt Arbeitsplätze betroffen sind.

    und

    b) die demografische Entwicklung

    An beidem kann die EZB DIREKT nichts ändern.

    Darüber hinaus werden andere Faktoren einen Einfluss haben, den wir heute nicht wirklich abschätzen können: ganz klar die technologische Entwicklung mit verwerfenden Produktivitätssteigerungen und Arbeitsplatzabbau, der die Arbeitsplatzgewinne vermutlich in vielen Branchen übersteigen wird, siehe Amazon. Auch die Währungsparitäten werden einen nicht zu unterschätzenden Einfluss haben, ebenso das Wachstum in anderen Teilen der Welt, Migrationstendenzen und, und …

    Insofern:

    Wir wissen nicht, wie sich die Dinge entwickeln werden. Ich halte mittelfristig 4 bis 5% Inflation jedenfalls nicht für Phantasie.

    Nur:

    Inflation ist bei uns in diesem Ausmaß nicht ERZWINGBAR als Beitrag zum Schuldenabbau insbesondere der Peripherie und damit der Stabilisierung der Währungsunion.

    Das ist der Punkt, auf den ich hinaus wollte.

    Antworten
  11. Bagehot says:

    Haben Sie sich im Thread verlaufen? In meinem Beitrag geht es nicht um Altersvorsorge. Und ich habe auch keine Lust, eine Diskussion darüber zu beginnen

    Antworten
  12. Wolfgang Selig says:

    @Karl: Ihr Einwand ist berechtigt, das Risiko des Wegfalls etlicher Arbeitsplätze durch Technologie ist durchaus gegeben. Das kann wohl im Moment niemand seriös abschätzen. Interessanterweise war das aber auch schon ein Thema, als der mechanische Webstuhl eingeführt und massiv Personal in der Landwirtschaft eingeführt wurde, also vor rund 200 Jahren. Ich dachte bezüglich der Gewerkschaften über einen Zeitraum bis spätestens 2025 nach. Wenn man Ihren Zeitraum bis 2037 oder sogar noch später ansetzt, könnten Sie m.E. durchaus recht bekommen.

    Antworten
  13. Bagehot says:

    Lieber Herr Stelter,

    in Ihrem Text steht folgende, ziemlich verstörende Passage:

    „The problem is that the weak euro amounts to stimulus on steroids for Germany’s export economy. Capacity usage in industry has reached 85.7pc. The Bundesbank warns of ‚mounting labour market bottlenecks‘. The Verdi labour union is pushing for a 6pc pay rise this year.“ – bto: So, nun muss man das durchdenken. Wir haben eine künstlich geschwächte Währung, die unsere Exporte inner- und außerhalb des Euroraums massiv erleichtert. Diese Exporte führen zu massiven Überschüssen und damit dem Aufbau von weitgehend wertlosen Forderungen. Zugleich steigern wir die Löhne, was kein Problem ist, haben wir doch ein Wechselkursdoping. Dann platzt die Blase: Der Euro zerfällt, die neue DM oder der Rest-Euro (je nach Betrachtung) geht durch die Decke, unsere Kapitalsammelstellen verlieren massiv unsere Ersparnisse und die Exporte kollabieren und die Kosten sind dann viel zu hoch. Ja, so kann man ein Land effektiv ruinieren.

    Mit Verlaub: Hieran ist fast alles falsch oder zumindest maßlos übertrieben. Wenn Sie erlauben, würde ich diese Passage gerne Satz für Satz „auseinandernehmen“.

    1. „The problem is that the weak euro amounts to stimulus on steroids for Germany’s export economy.“

    Dies stimmt einfach nicht. Die deutsche Industrie verkauft ihre Exportgüter nicht über den Preis, sondern über Qualität, Innovation und Design. Die deutschen Autos gehören zu den teuersten der Welt, sind aber dennoch Exportschlager Nummer eins. Wegen der geringen Preissensitivität kann ein schwacher Euro die deutschen Ausfuhren nur in sehr begrenztem Maße beflügeln.

    2. „Capacity usage in industry has reached 85.7 pc.“

    Wenn ich die Zahlen richtig im Kopf habe, liegt die Kapazitätsauslastung der deutschen Fertigungsindustrie derzeit leicht unter dem langjährigen Durchschnitt. Wo ist da ein Problem?

    3. „The Bundesbank warns of ‚mounting labour market bottlenecks‘.“

    In der Tat: Die Erwerbstätigenzahlen liegen auf dem höchsten Niveau seit 25 Jahren. Aber was soll denn daran schlecht sein?

    4. „The Verdi labour union is pushing for a 6pc pay rise this year.“

    Na, das ist doch prima! Kräftig steigende Löhne treiben die Nachfrage nach Konsumgütern an, insbesondere nach Importwaren. Das aber bringt peu à peu die Handelsbilanzen wieder ins Gleichgewicht.

    5. „Wir haben eine künstlich geschwächte Währung, die unsere Exporte inner- und außerhalb des Euroraums massiv erleichtert.“

    Ein schwacher Euro mag die Exporte in Drittländer beflügeln, aber doch nicht innerhalb der Währungsunion! Im Übrigen verweise ich auf Punkt 1.

    6. „Diese Exporte führen zu massiven Überschüssen und damit dem Aufbau von weitgehend wertlosen Forderungen.“

    Ich hatte bereits in einem anderen Blog ausführlich dargelegt, warum Exporte keineswegs zu weitgehend wertlosen Forderungen gegenüber dem Ausland führen. Hier nur so viel: Deutsche Unternehmen, Banken und Haushalte haben im Ausland Vermögen von brutto weit mehr als acht Billionen Euro angehäuft. Dies entspricht fast dem Dreifachen des deutschen Sozialprodukts. Die Vermögen sind breit gestreut über alle Anlageklassen – von Bankeinlagen und Finanzkrediten über Wertpapiere jeder Art bis zu Direktinvestitionen in Unternehmen, Fabriken und Immobilien.

    7. „Zugleich steigern wir die Löhne, was kein Problem ist, haben wir doch ein Wechselkursdoping.“

    Die deutschen Unternehmen verdienen in der Summe so gut wie lange nicht. Die Autohersteller und andere Großunternehmen schwimmen im Geld. Dank der immens gestiegenen Gewinne brauchen die Arbeitgeber kein „Wechselkursdoping“, um höhere Löhne und Gehälter zahlen zu können. Viele, viele Jahre lang haben sich Arbeitnehmer und Gewerkschaften bei den Lohnforderungen sehr zurückgehalten. Warum sollen denn jetzt endlich nicht wieder die realen Löhne steigen dürfen?

    8. „Dann platzt die Blase: Der Euro zerfällt.“

    Behaupten Sie einen Kausalzusammenhang zu den vorgenannten Punkten? Dann kann ich Ihnen nicht folgen.

    Ansonsten möchte ich anmerken, dass der Euro sich seit mehr als sechs Jahren im Krisen-Modus befindet. Doch noch immer gibt es die Währungsunion. Kein einziges Land ist ausgetreten oder hinausgeworfen worden. Warum sollte es jetzt in Europa plötzlich eine monetäre Kernschmelze geben?

    9. „… die neue DM oder der Rest-Euro (je nach Betrachtung) geht durch die Decke, unsere Kapitalsammelstellen verlieren massiv unsere Ersparnisse…“

    Dazu zwei Bemerkungen:

    a) Es wird zwar gerne spekuliert, dass die DM Nova kräftig an Wert gewinnen wird. Meine Erfahrung lehrt mich: Sehr oft entwickeln sich Wechselkurse völlig anders als erwartet. Deutschland bekommt nach dem Euro-Zerfall voraussichtlich massive finanzielle Probleme. Womöglich senken die Finanzmärkte dann den Daumen … und die neue D-Mark stabilisiert sich oder verliert sogar an Wert gegenüber den wichtigsten internationalen Währungen.

    b) Wieso ist denn heute schon klar, dass Lebensversicherer, Pensionskassen und andere institutionelle Investoren heftige Verluste erleiden, wenn das Euro-System zerfällt? Das hängt doch alles davon ab, wie sie die Kundengelder angelegt haben und ob sie ausreichend Kontrakte zum Schutz vor Wechselkursrisiken abgeschlossen haben.

    10. „Die Exporte kollabieren und die Kosten sind dann viel zu hoch.“

    Auch da kann ich Ihnen leider überhaupt nicht folgen. Die Wechselkurse unterlagen in den vergangenen 15 Jahren extremen Schwankungen. Beim Euro-Kurs haben wir seit dem Jahr 2000 Werte zwischen ungefähr 0,80 und1,60 Dollar gesehen. Größer dürften auch die Ausschläge nach dem Ende des Euro nicht sein.

    Die deutsche Industrie hat gelernt, mit dieser hohen Volatilität zu leben – indem sie sich beispielsweise mit Wechselkurs-Sicherungsgeschäften geschützt. Da gibt es heute die ausgefeiltesten Modelle mit rollierender Absicherung über zwei, drei oder gar fünf Jahre.

    Und zu den Kosten noch mal der Hinweis: Die Preiselastizität der Nachfrage ist bei den deutschen Ausfuhren ziemlich gering. Es zählen ganz andere Kriterien – zum Beispiel das zuverlässige Funktionieren. Dies spielt eine zentrale Rolle im Maschinen- und Anlagenbau, nach dem Automobilbau die zweitgrößte deutsche Exportindustrie.

    Um es zusammenzufassen: Ich kann Ihre düsteren Prognosen zum größten Teil nicht nachvollziehen. Kritik ist ja wunderbar und auch dringend notwendig. Doch in diesem Forum scheint es einen etwas befremdlichen Wettbewerb darum zu geben, wer die grellste Kassandra, die schwärzeste Unke und der pessimistischste Doomsday-Prophet ist. Dies erschwert ungemein ernsthafte Diskussionen zu der drängenden Frage, wie sich die Dinge zum Besseren wenden lassen.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Vielen Dank für Ihren ausgezeichneten Kommentar, der die libertäre Welt von Kooths/Mayer/Schäffler & Co. (http://prometheusinstitut.de/uber-uns/) ins rechte Licht rückt.

      Noch als Ergänzung zu Ihrem ersten Punkt. Auch die Schweiz ist ein gutes Beispiel, wie man trotz überbewerteter Währung weiterhin extreme LB-Überschüsse erwirtschaften kann. So etwas passt natürlich nicht in simplifizierende Modelle vollkommener Märkte mit homogenen Gütern. Entweder man verkauft über den Preis (Oliven, Rotwein etc.) oder aber über eine herausragende Qualität (insbesondere auch die Hidden Champions).

      Zu Punkt 4.: Wollen wir einen Rückgang bei den TARGET-Salden, dann geht dies nur über eine relativ ausgeglichene Handelsbilanz, da die Dienstleistungsbilanz in Deutschland traditionell/wetterbedingt negativ ist. Nur über eine negative Leistungsbilanz (notwendige aber nicht hinreichende Bedingung) können die finanziellen Mittel in den Süden Europas wieder zurückfließen, die sodann den Bankensektor stützten und sukzessive das Vertrauen am Interbankenmarkt zurückkehren lassen.

      Die sehr düsteren Prognosen sind in der Tat von der rein ökonomischen Seite her nicht immer zu rechtfertigen. Die Risiken sehe ich aber aufgrund der verfahrenen Situation einer unvollständigen Währungsunion vor allem von der politischen Seite. Amerika führt uns gerade vor Augen, dass auch durchgeknallte Zeitgenossen es bis ins Präsidentenamt schaffen. Wollen wir hoffen, dass das mühsam geschaffene Netz der Checks and Balances uns vor Schlimmerem bewahrt. Für die USA bin ich da deutlich optimistischer als für Euroland.

      „Dies erschwert ungemein ernsthafte Diskussionen zu der drängenden Frage, wie sich die Dinge zum Besseren wenden lassen.“

      Ja, es wird sehr viel darüber geredet, was angeblich alles nicht geht. So auch bei der Bundesbank mit ihrem Denkverbot zum Helikoptergeld. Erst Jens Weidmann am 19.03.2016: „Helikoptergeld würde riesige Löcher in die Notenbankbilanzen reißen“, dann vier Tage später Ottmar Issing: „Ich halte das für eine totale Geistesverwirrung“. Eine ernsthafte Diskussion zu dieser drängenden Frage ist in Deutschland somit kaum noch möglich.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
    • Wolfgang Selig says:

      Auch von mir herzlichen Dank. Ihre Analyse kann ich zwar bei Punkt 9 nicht ganz teilen (da finde ich Herrn Dr. Stelter plausibel), aber Sie tragen sehr zur Versachlichung bei.

      Antworten
  14. Bakwahn says:

    @Karl
    Es mag sein, daß sich der Herdentrieb in den letzten Jahren verändert hat und auch dort etwas Nüchternheit eingezogen ist.
    Ich bewege mich keineswegs in einem einheitlichen Meinungsumfeld, in „Echokammern“. Ich bin auf vielen Webseiten und in mehreren Blogs unterwegs, die durchaus unterschiedliche Standpunkte zur Gemeinschaftswährung präsentieren. Zu Hause in der Düsseldorfer Unibibliothek sitze ich oft tage- und nächtelang und lese Zeitschriften, die radikal andere Positionen darstellen. z.B Die Blätter. Link siehe unten.
    Hier schreiben links-grüne, sozialdemokratische Soziologen, Politologen auch über den Euro.
    Habermas, Streeck, Hickel, Bohfinger, Schwan, Guerot etc. Ebenso ein paar Alt68er und Altkommunisten, deren Namen ich jetzt nicht parat habe.

    @Tischer
    Auf ihre Anrempelei antworte ich folgendes:
    Auf eine gestellte Frage kann man mehrere Antworten geben. Die eine weichgespült, sanft formulierend. Das hat Stelter gemacht.
    Die andere hart und direkt mit einer klaren auch kritischen Begrifflichkeit. Das hat Stelter vermieden.
    Ich darf folgendes vermuten:
    Stelter will sich die Tür zur Zeit nicht zuschlagen. Er möchte vermutlich auch dort den einen oder anderen Aufsatz unterbringen. Deshalb hat er weiche Formulierungen gewählt, um die Zeitleute nicht zu verschrecken.

    Hier der Link zu Blaetter:
    https://www.blaetter.de/
    Dort lese ich gerade einen Aufsatztitel: „Vom Proletariat zum Pöbel: Das neue reaktionäre Subjekt“
    Da sehen Sie, Herr Tischer, wie man mit Sprache arbeiten kann. Da werden die Wähler Trumps als Pöbel und als reaktionäre Subjekte bezeichnet, oder darf man sagen beschimpft.
    Ich war überrascht, daß Trump es gemacht hat. Eigentlich war ich entsetzt.
    Aber wäre H.Clinton eine bessere Alternative?

    Live vom Golf von Siam
    Bakwahn
    Hamburg Bangkok Düsseldorf

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      >Auf eine gestellte Frage kann man mehrere Antworten geben. Die eine weichgespült, sanft formulierend. Das hat Stelter gemacht.
      Die andere hart und direkt mit einer klaren auch kritischen Begrifflichkeit. Das hat Stelter vermieden.
      Ich darf folgendes vermuten: Stelter will sich die Tür zur Zeit nicht zuschlagen.>

      Ich bin weniger an Ihrer spekulativen Vermutung, sondern mehr daran interessiert, wie SIE die Fragen mit „kritischer Begrifflichkeit“ beantwortet haben würden – und zwar nicht auf der Basis, die Sie als eine kritische ansehen, sondern auf der von Stelterschen ÜBERZEUGUNGEN.

      Demonstrieren Sie mir das bitte anhand von drei beliebigen Fragen aus dem Interview.

      Zu Ihrem Link:

      Selbstverständlich kann man mit Sprache etwas machen, wem sagen Sie das. Abgesehen davon, dass Sprache das zentrale Element meines Berufs ist, kann ich offensichtlich etwas damit machen, zumindest Wirkung erzielen, wenn Sie sich schon von meinen harmlosen Zeilen angerempelt fühlen.

      Zum verlinkten Text:

      Nichts wirklich Neues, dass die Linke seit über einem Jahrhundert auf der Suche nach dem „revolutionären Subjekt“ ist. Es existiert nicht, was nicht heißt, dass nicht ab und an eine Revolution geben kann. Es existiert nur in der Marxschen Theorie, die eines braucht, weil sie sich der Hegelschen Logik (Dialektik) verschrieben hatte: Weil dieser Logik nach fundamentale bzw. epochale Widersprüche nur auf einer „höheren Ebene“ vermieden werden bzw. aufgelöst werden können, muss es jemanden geben der das im historischen Kontext REAL vollbringt – eben das revolutionäre Subjekt. Es ist aber nur dann revolutionär, wenn es keine Handlungsoptionen hat. Nach Marx hatte das Proletariat keine, weil es systembedingt (nicht demografisch, wie Malthus meinte) auf Subsistenzniveau bleiben würde und sich daher die Produktionsmittel anzueignen MUSSTE, um mit den Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit auf der höheren Ebene Sozialismus aufzulösen.

      Es kam bekanntermaßen anders. Marx unterschätzte die Produktivkräfte (heute: das Wachstum der Produktivität) und damit auch, dass das Proletariat dem Subsistenzniveau entkommen konnte und DIESE Entwicklung als die BESSERE Option ansah: Mit dem System materiell gewinnen (Sozialdemokratie) statt gegen es zu stagnieren oder gar zu verlieren (Sozialismus).

      Seitdem sucht die Linke verzweifelt mit intellektuellen Verrenkungen nach einem Surrogat für das verlorengegangene „revolutionäre Subjekt“.

      So ist das eben, wenn man eine ökonomische Theorie auf den logischen und geschichtsphilosophischen Phantastereien Hegels aufbaut.

      Unter diesem Gesichtspunkt ist es schon richtig, wenn der Autor sagt „Überall sind die Rechtspopulisten heute die eigentliche Arbeiterpartei“ und darunter ein historisches Äquivalent zur kommunistischen Partei verstehen sollte: So wie diese gescheitert ist, werden auch die Rechtspopulisten scheitern – nicht damit, an die Macht zu kommen, sondern damit, der Arbeiterschaft ein „höheres wirtschaftliches Niveau“ – vulgo: deutlich höheren Wohlstand – zu verschaffen.

      > Aber wäre H.Clinton eine bessere Alternative?>

      Diese Frage kann man nicht definitiv beantworten, weil es keine verbindlichen Kriterien für „besser“ gibt.

      Ich sage dazu (Kenntnisstand heute):

      Nicht unbedingt vom Ergebnis, d. h. ihrer Politik her wäre sie die bessere Alternative gewesen, wohl aber bezüglich der BERECHBARKEIT von Politik. Denn einer Welt hochkomplexer Interessengeflechte und Abhängigkeiten kann man Politik nicht wie Trump als Dealen betreiben.

      Lesenswert dazu:

      https://www.project-syndicate.org/commentary/trump-foreign-policy-realpolitik-by-shlomo-ben-ami-2017-01

      Antworten

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