Das ungeahnte Potenzial des digitalen Geldes

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Die Forderungen nach einem neuen Geldsystem werden immer lauter. Vollgeld habe ich bereits als eine Möglichkeit diskutiert. Alternativ dazu steht die völlige Privatisierung des Geldes, idealerweise gebunden an eine vertrauenswürdige und werthaltige Verrechnungseinheit wie Gold. Wie so ein System entstehen könnte und welche Vorteile es bieten würde, zeigt Dr. Kooths, Wissenschaftler am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, in diesem sehr lesenswerten Aufsatz. Aufmerksame Leser dieser Seiten werden den Beitrag schon gesehen haben. Weil ich aber weiß, dass man nicht jeden Tag die Zeit findet, diese Seiten zu studieren, hier noch einmal der Hinweis:

Liberales Institut: Das ungeahnte Potenzial des digitalen Geldes, November 2013

Die Diskussion zum Geldsystem der Zukunft müssen wir aktiv führen. Das derzeitige System verstärkt Krisen und führt zur Fehlallokation von knappen Ressourcen, die besser dem Wachstum des Wohlstands der Realwirtschaft dienen würden. Der Charme der hier diskutierten Variante ist die Hinterlegung des digitalen Geldes mit Gold.

4 Antworten
  1. thewisemansfear says:

    Warum alte, bereits gescheiterte Ideen wieder hervorkramen? Geld ist endogen, da es sich um eine Vereinbarung zwischen Menschen handelt („zur Umlauffähigkeit veredelte Forderung“). Die ganzen Wirtschaftswissenschaften sind Teilbereich der Sozialwissenschaften, darauf wird selten hingewiesen. Die künstliche Verknappung schafft ebenso Probleme (Blick in die Geschichte) wie die schwer zu bremsende, sich verselbständigende Guthabenschöpfung der Geschäftsbanken.
    Vollgeld alimentiert diese Guthaben denn auch mit den rechtlichen Status als „Geld“ als gesetzliches Zahlungsmittel, und das wäre dann ein Fortschritt? Die Zentralbank könnte dann immer nur REagieren, zudem wären wir damit weiter auf dem exogenen Dampfer. Wem nützt das?

    Warum decken wir Geld nicht einfach mit einer intakten Umwelt? Das Ökosystem von dem wir alle abhängig sind, sollte wertvoll genug sein, um als Deckung allgemein akzeptiert zu werden.
    Der Witz an Gold ist doch, dass es selbst keinen intrinsischen Wert besitzt, sondern nur den, den wir ihm beizumessen gewillt sind. Wir buddeln das Metall mit riesem Aufwand aus der Erde um es danach in Tresoren wegzusperren, das kann es irgendwo nicht sein… Dass das auf Vertrauen basierte Geld auch ohne funktioniert, zeigen mehrere Phasen der Menschheitsgeschichte. Leider wurde das Vertrauen immer wieder nachhaltig erschüttert, entweder durch zu hohe Ungleichverteilung oder Kriege.
    So lange die Mainstream-Wirtschaftswissenschaftler weiter mit ihren Mickymaus-Modellen im Dreisatz an ominösen Gleichgewichten rumrechnen – wohlgemerkt um ein komplexes System zu modellieren (ein Widerspruch in sich) – und die Politik nur deren Einflüsterungen folgt, kann sich nicht viel zum besseren wenden.

    Wir brauchen wirklich eine breite Diskussion darüber, für was Geld und Wirtschaft eigentlich gut sein soll. Ein „immer mehr“ wird nicht mehr lange gut gehen.

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    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Das sehe ich genauso. Letztlich muss es ein hinreichend knappes „Gut“ sein und die Forderungen müssen dahingehend werthaltig sein, dass der Schuldner dafür mit seinem Vermögen haftet und zudem die ehrliche Absicht hat, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Beides weichen wir systematisch auf. Kredit ohne Sicherheit und Schuldner ohne echte Tilgungsbereitschaft. Gold war immer nur eine „Krücke“ auf dem Weg zur Stabilisierung. Als Versuch, den Mächtigen, die immer am Geldwert manipuliert haben, das Handwerk zu legen.

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  2. Michael Stöcker says:

    Lieber Herr Stelter,

    ich stimme mit Ihnen in vielen Punkten Ihrer sehr treffenden Analysen überein. Aber der Hinweis auf Kooths ist eine absolute Nullnummer; es sei denn, es soll als abschreckendes Beispiel sowie zur Anregung einer in der Tat notwendigen Debatte über unser Geldsystem dienen.

    Thewisemansfear hat schon das Wichtigste zu Gold und Vollgeld gesagt. Die Rückkehr zum Goldstandard kann doch nicht die Herausforderungen der Geschäftsbanken an eine vernünftige Kreditvergabe lösen. Hier ist die gesamte österreichische Schule(und mit ihr viele andere Mainstream-Ökonomen) auf dem Holzweg. Dass unser Geldsystem nicht so funktioniert, wie sich das viele vorstellen, liegt doch vor allem daran, dass wir von völlig falschen Denkmodellen ausgehen. Aus Angst vor den hilflosen Versuchen, durch QE I, II, III…, die grundlegenden Verschuldungsprobleme zu perpetuieren oder gar zu potenzieren, rekurrieren die Polleits (letzte Woche in der Wirtschaftswoche, diese Woche in Der Zeit) und Taghizadegans (http://www.fuw.ch/article/das-ende-der-geldplanwirtschaft/) auf die gescheiterten Konstrukte der Vergangenheit. Während man bei Taghizadegan vielleicht nur von österreichischer Verblendung reden kann, kommt bei Polleit wohl auch insbesondere noch ein lobbyistisches Interesse hinzu (http://www.degussa-goldhandel.de/de/marktreport.aspx).

    Die Geschäftsbaken hatten doch nun über die Jahrhunderte immer wieder die Gelegenheit unter Beweis zu stellen, dass sie ein stabiles Geld schaffen können. Keine dieser Banken hat es je geschafft. Das ist doch gerade der Grund, warum als Folge Zentralbanken geschaffen wurden. Die Geschäftsbanken sind es, die Buchgeld (= privates Bankengeld) durch Kreditvergabe schaffen.

    Auch Herrn Kooths scheint noch nicht klar zu sein, wie Geld entsteht, wenn er schreibt: „Sie [die Banken] würden sich nur fortan ausschliesslich ihrer eigentlichen Aufgabe widmen, nämlich der Kreditvermittlung zwischen Sparern und Investoren.“

    Banken vermitteln nicht zwischen Sparern und Investoren: Banken vergeben Kredite durch einen Buchungsvorgang. Ersparnisse der Bürger sind hierfür nicht nötig! Wer’s nicht glaubt, der sollte vielleicht mal bei der Deutschen Bundesbank nachlesen (http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Service/Schule_und_Bildung/Unterrichtsmaterialien/Sekundarstufe_2/sekundarstufe_2.html Seite 70 ff.) oder aber auch hier: http://zinsfehler.wordpress.com/2014/04/01/geldmythen/

    Des Weiteren schreibt Kooths: „Das heisst konkret: Die Einlagen der Kunden, die diese für Geld halten, sind besichert mit dem Versprechen auf zukünftige Geldzahlungen anderer Kunden. Das ist genauso selbstreferentiell, wie es klingt.“

    Ja, wie sollte es denn auch anders sein! So ist das nun einmal in einem Kreditgeldsystem. Und ein Goldstandard kann da auch nichts dran ändern. Durch einen Kreditvertrag entstehen immer zugleich Forderungen und Verbindlichkeiten. Wie werthaltig diese nun umlauffähig gemachten Forderungen/Verbindlichkeiten sind (denn das ist Buchgeld!), hängt an der gegenwärtigen und zukünftigen Bonität des Schuldners. Herr Kooths hätte vielleicht mal besser den Grundlagenkurs Buchhaltung und Bilanzierung im Grundstudium ernst genommen. Dann würde er nicht solche Selbstverständlichkeiten als „selbstreferentiell“ titulieren.

    Hier nun noch ein weiteres Bonmot von Kooths: „Wenn alle Kunden einer Bank ihre Depositen auflösen wollen, offenbart sich, dass im Teilreservesystem operierende Banken im Einlagengeschäft Zusagen machen, die sie niemals vollumfänglich erfüllen können.“

    Ja schau einer an! Wer hätte das gedacht? Schon mal was von Fristentransformation gehört? Wenn in der heilen Welt der österreichischen Schule alle Sparer zur gleichen Zeit ihr Gold abheben wollen, dann haben wir den gleichen Schlamassel. Und genau deshalb gibt es Zentralbanken ohne Goldstandard!!!

    Ich spare mir eine weitere Auflistung der Irrungen und Wirrungen von Kooths. Aus einer fehlerhaften Theorie kann man keine richtigen Schlussfolgerungen ziehen. Wer an echten Lösungen interessiert ist, der sollte hier nachhören: http://www.imf.org/external/mmedia/view.aspx?vid=3464728274001 oder hier nachlesen: http://zinsfehler.wordpress.com/2013/10/13/neun-masnahmen-fur-ein-europa-in-frieden-freiheit-und-wohlstand/

    Denn die eigentlichen Probleme sind nicht im Geldsystem, sondern insbesondere im Steuersystem zu verorten. Die aufgeregte Diskussion um Thomas Pikkety gibt einen kleinen Vorgeschmack auf die Irrelevanz vieler neoliberaler Wahnkonstrukte, die in den letzten 30 Jahren unsere Köpfe vernebelt haben.

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    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Ich denke in der Tat, dass unsere Sicht der Dinge weitgehend gleich ist. Der langsame Übergang zum Vollgeld wie auch die Zahlungen an die Bürger von der Notenbank finde ich gute Punkte (Steve Keen macht übrigens den selben Vorschlag). Binswangers Beschreibung des prinzipiellen Problems teile ich auch (habe das damals schon in meiner Diss. mit verwendet). Insgesamt denke ich jedoch, dass wir eher Systemverbesserungen machen sollten, als auf einen kompletten Systemwandel zu setzen, der ohnehin nicht kommt. Siehe auch die Argumente gegen Vollgeld in der Schweiz. Es müsste global erfolgen.

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